Rede von Joachim Ebmeyer (CDU/CSU) – Aktuelle Stunde: Deutscher Raketenstart Isar Aerospace – Ausdruck eines erfolgreichen Wissenschafts- und Forschungsstandortes Deutschland
Teil von Protokoll der 96. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP ZP 3: Aktuelle Stunde: Deutscher Raketenstart Isar Aerospace – Ausdruck eines erfolgreichen Wissenschafts- und Forschungsstandortes Deutschland.
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Rede von Joachim Ebmeyer (CDU/CSU) – Aktuelle Stunde: Deutscher Raketenstart Isar Aerospace – Ausdruck eines erfolgreichen Wissenschafts- und Forschungsstandortes Deutschland
Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Kolleginnen und Kollegen! Ich stand einmal in Washington im National Air and Space Museum vor der Columbia, der Kapsel von Apollo 11. Sie ist winzig klein, und doch hat sie drei Menschen zum Mond und zurück auf die Erde gebracht. Neulich war ich in Los Angeles bei Rocket Lab und bei SpaceX. Ich habe die Electron-Raketen gesehen, die Dragon-Kapseln, die Starlink-Satelliten, die Falcon 9. Ich habe dort viel gesehen und viel gelernt. Viele Triebwerksteile dort kommen aus 3D-Druckern aus Deutschland. Deutsche Technik steckt also längst in den Raketen der Welt. Die Frage war nur: Wann fliegt unsere eigene? Seit dem 5. September kennen wir die Antwort, und sie heißt Spectrum. Was dieser Start bedeutet, haben Frau Ministerin Bär, Florian Müller, Hansjörg Durz und viele andere Kolleginnen und Kollegen aus der SPD und auch von den Grünen hier herausgestellt.
Ich möchte auf zwei Fragen schauen: Wie kam es zu diesem Start? Und was lernen wir daraus?
Dieser Erfolg hat eine Vorgeschichte, die hier im Deutschen Bundestag beginnt. Unser geschätzter Kollege Thomas Jarzombek, damals Raumfahrtkoordinator der Bundesregierung, hat einen jungen Gründer gefragt: Was kann der Staat für euch tun? – Die Antwort war nicht: Gebt uns Subventionen! – Die Antwort war: Gebt uns den ersten Auftrag! Kauft die erste Rakete!
Daraus hat der Kollege Jarzombek gegen viele Widerstände seinerzeit einen Wettbewerb über das DLR initiiert. Erstmals in Europa trat der Staat nicht als Subventionsgeber auf, sondern als Kunde. Drei Teams haben sich gegenseitig angespornt. Viele haben das damals belächelt. Doch dieser erste Auftrag war der Hebel. Mit dem Staat als Kunden kamen die privaten Investoren. Heute hat Isar über 400 Beschäftigte und ist bis 2028 ausgebucht. Das war nicht nur ein Proof of Concept; das war wahrlich ein Proof of the Rocket.
Ganz ehrlich: Diese Methode haben wir uns von den Amerikanern abgeschaut. Auch SpaceX ist mit Aufträgen der NASA groß geworden. Das ist die Kernbotschaft des heutigen Tages und dieser Debatte: Wir brauchen Wettbewerb statt immer nur Konsortien. Wir brauchen Start-ups, die Innovationen bauen. Und wir brauchen einen Staat, der als Auftraggeber auftritt. Nur so werden wir groß.
Der Staat als Ankerkunde: Dieses Modell sollten wir grundsätzlich in unserer Technologieförderung verankern, weit über die Raumfahrt hinaus.
Allein in der Raumfahrt geht es um viel:
Erstens. Es geht um unsere Wirtschaft. Der Weltmarkt der Raumfahrt soll sich bis 2035 fast verdreifachen.
Die deutsche Raumfahrtindustrie ist allein im vergangenen Jahr um 17 Prozent gewachsen.
Zweitens. Es geht um die Wissenschaft. Mit eigenen Raketen bringt eine Hochschule ihr Experiment in Monaten ins All statt in Jahren: für Klimaforschung, für Landwirtschaft, für Medizin.
Drittens. Es geht um Kommunikation; das liegt mir als Berichterstatter für den Mobilfunk natürlich besonders am Herzen. Über unseren Köpfen kreisen heute mehr als 11 000 Starlink-Satelliten. In der Ukraine haben wir gesehen, was es heißt, wenn die Verbindung eines ganzen Landes an einem einzelnen Unternehmen hängt. Das darf in Europa nicht passieren. Deshalb bauen wir mit IRIS2 ein eigenes europäisches System auf – 348 Satelliten sicher und unter europäischer Kontrolle; leider wieder mit Konsortien.
Die Zukunft des Mobilfunks liegt auch im All:
Satelliten, die direkt aufs Handy funken und Funklöcher im ländlichen Raum schließen können. Aber das alles nützt nichts, wenn wir diese Satelliten nicht selbst starten können. Die USA hatten im vergangenen Jahr fast 200 Raketenstarts, Europa 8. Wer seine Satelliten nicht selbst starten kann, dessen Souveränität endet an der Startrampe eines anderen Landes.
Viertens. Es geht um unsere Sicherheit. Russland verfolgt mit Aufklärungssatelliten Satelliten, die auch unsere Bundeswehr nutzt. Wer zerstörte Satelliten schnell ersetzen kann, nimmt jedem Angreifer den Anreiz.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, am Morgen nach dem 5. September -das war so bedeutungsvoll – habe ich meinen Kindern von dieser Nacht erzählt, in der eine deutsche Rakete ins All geflogen ist. Manchmal denke ich: Vielleicht sitzt eines unserer Kinder eines Tages selbst in so einer Kapsel. Vielleicht stehen Ihre Kinder dann irgendwann im Museum, so wie ich vor der Columbia stand und staunte. Damit hat es angefangen. Dafür lohnt es sich, heute zu investieren.
Vielen Dank.
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