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Rede von Ayse Asar (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Aktuelle Stunde: Deutscher Raketenstart Isar Aerospace – Ausdruck eines erfolgreichen Wissenschafts- und Forschungsstandortes Deutschland

dip / rede 24.09.2026 · WP 21 · Original ↗

Teil von Protokoll der 96. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP ZP 3: Aktuelle Stunde: Deutscher Raketenstart Isar Aerospace – Ausdruck eines erfolgreichen Wissenschafts- und Forschungsstandortes Deutschland.

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Rede von Ayse Asar (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Aktuelle Stunde: Deutscher Raketenstart Isar Aerospace – Ausdruck eines erfolgreichen Wissenschafts- und Forschungsstandortes Deutschland Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Am 5. September, kurz nach 10 Uhr abends, stand in Andøya in Norwegen eine Rakete auf der Startrampe, gebaut in Ottobrunn bei München von einem Unternehmen, das es vor zehn Jahren noch gar nicht gab. Und diese Rakete hat es geschafft: der erste erfolgreiche Weg ins All aus Westeuropa. Ich sage das ganz bewusst am Anfang meiner Rede gerade mit Blick auf die Kolleginnen und Kollegen hier ganz rechts außen, weil immer wieder davon gesprochen wird, dass Deutschland dem Untergang geweiht sei. Deutschland steckt voller Potenzial. Deutschland kann Innovation. Dabei ist genau diese Rakete vor anderthalb Jahren nach 30 Sekunden ins Meer gestürzt. Und was haben die Leute bei Isar Aerospace gemacht? Sie haben nicht aufgegeben. Sie haben analysiert, verbessert und sind wiedergekommen. Nicht der Absturz entscheidet, sondern der zweite Start. Diesem Team gehört unser Respekt. Sie haben europäische Raumfahrtgeschichte geschrieben! Wir Grüne sagen deshalb ganz klar: Europa braucht einen eigenen, verlässlichen Zugang zum All, nicht aus Prestige, sondern aus Verantwortung. Wir haben gelernt, was Abhängigkeit heißt: beim Gas, bei Chips und im Weltraum. Wer seine Kommunikation, seine Navigation und seine Klimadaten nicht selbst sichern kann, ist nicht souverän. Die Bundesregierung darf jetzt nicht beim gegenseitigen Schulterklopfen verharren. Es liegt in unserem strategischen Interesse, dass Unternehmer wie Isar Aerospace ihre Mission erfüllen können. Dafür muss die Politik die Rahmenbedingungen schaffen. Drei Punkte sind dabei entscheidend. Erstens: Wettbewerb. Wenn wir ein echtes Ökosystem wollen, dann müssen wir es in der Spitze und in der Breite fördern. Wir brauchen starke, große Unternehmen genauso wie innovative Start-ups und einen starken Mittelstand. Bei öffentlichen Aufträgen muss es darum gehen, Wettbewerb und Innovation zu ermöglichen und europäische Wertschöpfung zu stärken. Zweitens: die klugen Köpfe. Die Ministerin hat es gerade erwähnt, wo die Geschichte dieser Rakete angefangen hat: nicht in einem Konzern, nicht in einem Ministerium, sondern in einer Studierendengruppe an der TU München, mit drei Studenten, die neben dem Studium Raketentriebwerke gebaut haben – so gut, dass die Industrie anrief und sie kaufen wollte. Die Raketen von morgen beginnen im Hörsaal von heute. Und was macht die Bundesregierung? Für einen Tankrabatt sind Milliarden da, aber bei der Wohnpauschale für Studierende heißt es: Leider kein Geld, zumindest nicht jetzt im Wintersemester! Liebe Kolleginnen und Kollegen, da stimmt doch etwas mit der Reihenfolge nicht! Wer soll denn die Raketen von morgen bauen, wenn wir heute bei den klugen Köpfen sparen? Drittens: klare Regeln. Deutschland hat bis heute kein Weltraumgesetz. Zur Ehrlichkeit gehört: Auch wir sind in der Ampel nicht über Eckpunkte hinausgekommen. Aber diese Eckpunkte liegen seit zwei Jahren auf dem Tisch. Sie müssten sie jetzt nur aufgreifen. Stattdessen wird wieder von vorne angefangen. Ein Start-up kann in 18 Monaten eine Rakete bauen, und ein Ministerium sollte doch in der gleichen Zeit auch in der Lage sein, ein Gesetz zu schreiben. Liebe Kolleginnen und Kollegen, Europa hat schon einmal gezeigt, was möglich ist, wenn wir unsere Stärken bündeln. Als alle Verkehrsflugzeuge aus Amerika kamen, haben wir Airbus gegründet. Als man uns Satellitenstarts nur unter Auflagen erlaubt hat, haben wir die Ariane gebaut. Europa war immer dann stark, wenn es sich nicht mit Abhängigkeiten abgefunden hat. Diese Chance haben wir wieder. Denken Sie an die Rakete vom 5. September: gebaut in Bayern, gestartet in Norwegen, unterstützt von der Europäischen Weltraumagentur! Das ist Europa, nicht als Idee auf dem Papier, sondern als Flugbahn in den Himmel. Was wir jetzt brauchen, ist eine Politik, die genauso mutig ist wie die Menschen, die diese Raketen bauen. Die Raumfahrt von morgen wird nicht nur in Washington oder Peking entschieden, sie muss und wird auch in Europa entschieden werden. Auf unserer europäischen Flagge leuchten zwölf Sterne. Jahrzehntelang waren sie ein Symbol für Frieden, für Zusammenhalt, für ein gemeinsames Versprechen. Wir tragen die Sterne auf unserer Flagge. Jetzt ist es Zeit, dass wir selbst zu ihnen fliegen. Vielen Dank.

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