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Rede von Dr. Andrea Lübcke (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Aktuelle Stunde: Deutscher Raketenstart Isar Aerospace – Ausdruck eines erfolgreichen Wissenschafts- und Forschungsstandortes Deutschland

dip / rede 24.09.2026 · WP 21 · Original ↗

Teil von Protokoll der 96. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP ZP 3: Aktuelle Stunde: Deutscher Raketenstart Isar Aerospace – Ausdruck eines erfolgreichen Wissenschafts- und Forschungsstandortes Deutschland.

Das Protokoll 21/96 liegt bei DIP nur als Vorabfassung vor: Der Text endet vor dem Schluss der Sitzung, zu Protokoll gegebene Reden fehlen in polradar (der endgültige Bericht war für den 29.09.2026 angekündigt). Vollständig im Plenarprotokoll (PDF) ↗.

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Text

Rede von Dr. Andrea Lübcke (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Aktuelle Stunde: Deutscher Raketenstart Isar Aerospace – Ausdruck eines erfolgreichen Wissenschafts- und Forschungsstandortes Deutschland Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Frau Ministerin! Am 05.09. schaute mein Sohn sehr begeistert und gebannt auf seinen Bildschirm und beobachtete, wie die Rakete in Andøya abhob. Nicht nur mein Sohn und nicht nur junge Menschen, sondern eine ganze Generation von Weltraumbegeisterten haben das getan. Diese Begeisterung kommt nicht von irgendwoher. Sie zeigt die Neugierde und die Lust, Grenzen zu verschieben, Neues auszuprobieren und neue Welten zu entdecken. Diese neuen Welten gibt es natürlich nicht nur im Weltraum zu entdecken, sondern auch hier auf der Erde, wenn es um neue Materialien, Biotechnologie, Quantentechnologien, unsere Atmosphäre sowie um Klima- und Energieforschung geht. Es sind so viele offene Fragen, die uns umtreiben und für deren Beantwortung wir neugierige junge Menschen brauchen. Das ist das Tolle an diesem Raketenstart: Er hat wirklich motiviert. Er hat Menschen begeistert und gezeigt: Wir können das. Wir können auch Raumfahrt. Deshalb gilt mein Glückwunsch insbesondere dem Team von Isar Aerospace und allen Menschen, die dazu beigetragen haben. Hinter diesem Erfolg stehen Menschen, die jahrelang geforscht haben, die gerechnet, gebaut und entwickelt haben, mit diesem einen Ziel: am 05.09. – vielleicht auch früher oder später – diese Rakete abheben zu sehen und zu sehen, dass die Nutzlast bzw. die Satelliten den Weg ins All schaffen. Dass das geklappt hat, dass dieser Erfolg tatsächlich stattfand, zeigt, dass wir einen wirklich erfolgreichen und starken Wissenschafts- und Forschungsstandort in Deutschland haben. Wir haben hier exzellente Forschung, wir haben hervorragende Ingenieurinnen und Ingenieure, und wir haben Gründer/-innen, die aus wissenschaftlichen Erkenntnissen neue Technologien und Unternehmen bauen und die auch keine Angst davor haben, mal zu scheitern. Das gehört dazu; so wie meine Kollegin sagte: Der erste Raketenstart hob eben doch noch nicht ganz ab. Gerade in der Raumfahrt ist diese Fähigkeit strategisch so von Bedeutung; denn Satelliten sind schon heute Infrastruktur für Kommunikation, für Navigation, für Erdbeobachtungen, für Wissenschaft und immer häufiger auch für Sicherheit. Deshalb ist ein eigener Zugang zum Weltraum auch eine Frage der technologischen Souveränität. Der Start der Rakete von Isar Aerospace hat gezeigt, dass wir auch Transfer können, dass wir auch aus Wissenschaft und Forschung ein Produkt entwickeln können. Das passiert aber noch viel zu selten. Das zeigt die offenen Flanken, an denen wir arbeiten müssen. Wir brauchen mehr Wachstumskapital. Wir brauchen gesicherte Nachfrage für unsere jungen Unternehmen. Wir brauchen eine Regulierung, die schneller ist, die weniger kompliziert ist und die tatsächlich innovationsfreundlich ist. Der Staat kann Nachfrage liefern. Der Staat kann als Ankerkunde auftreten und sollte das auch tun, um hier voranzukommen. Wir brauchen ein nationales Raumfahrtgesetz, ein Weltraumgesetz – das wurde schon mehrmals angesprochen –, und wir brauchen es jetzt. Denn jetzt geht es in die Skalierung. Dieses Weltraumgesetz muss natürlich mit dem EU Space Act gut verzahnt sein und einen innovationsfreundlichen Rahmen bieten. Innovationsfreundlich heißt aber nicht nur „Hauptsache schnell“, sondern innovationsfreundlich heißt auch, dass man sich über die Folgen Gedanken macht. Und eine Folge – auch das ist heute schon angeklungen – ist Weltraumschrott. Es ist übrigens sehr, sehr spannend: Selbst wenn man die kleinen CubeSats ins All schickt, kann man sie mit Laser- oder Radarstrahlen sehen und beobachten. Da schickt man einen Strahl rauf, beobachtet das reflektierte Licht und kann das einsammeln. Das ist sehr faszinierend. Es gibt aber noch eine andere Sache. Ich war vor einigen Wochen in Kühlungsborn am Institut für Atmosphärenphysik, und was die beobachtet haben, gibt uns auch noch mal Hausaufgaben auf. Die haben nämlich gesehen, dass beim Eintritt eines Raketenteils in die Atmosphäre eine Lithiumwolke entstanden ist. Also, das verdampft dort, und diese Atome bleiben dort oben in der oberen Atmosphäre. Wir sehen dort schon heute Metalle, die da natürlicherweise nicht hinkommen und die in Konzentrationen dort auftreten, die auch nicht natürlich zu erklären sind. Wir vermüllen schon heute mit den relativ wenigen Starts und Wiedereintritten unsere obere Atmosphäre, ohne zu wissen, zu welchen Folgen das beitragen wird. Deswegen müssen wir auch hier forschen und die Nachhaltigkeit der Raketenstarts vom Design her mitbetrachten, um auch eine verantwortungsvolle Weltraumpolitik und Luft- und Raumfahrt zu gewährleisten. Vielen Dank.

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