Zehn Jahre Elektronetz Mittelsachsen - Ausbau und Finanzierung der Schienenanbindung für Chemnitz
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Zehn Jahre Elektronetz Mittelsachsen - Ausbau und Finanzierung der Schienenanbindung für Chemnitz
Deutscher Bundestag Drucksache 21/6766
21. Wahlperiode 29.06.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Dr. Alexander Gauland, Wolfgang Wiehle, René Bochmann,
Alexis L. Giersch, Lars Haise, Stefan Henze, Maximilian Kneller, Ulrich von Zons,
Carsten Becker, Hans-Jürgen Goßner, Dr. Rainer Kraft, Andreas Mayer, Volker
Scheurell, Otto Strauß und der Fraktion der AfD
Zehn Jahre Elektronetz Mittelsachsen – Ausbau und Finanzierung der
Schienenanbindung für Chemnitz
Das „Elektronetz Mittelsachsen“ wird zehn Jahre alt, bleibt aber unvollständig.
Die Bundesregierung hat das Ziel, die Strecken 6385 und 6366 zwischen
Leipzig und Chemnitz auszubauen und zu elektrifizieren (www.bundesregierung.de/
breg-de/schwerpunkte/das-kann-deutschland/das-kann-deutschland-infrastruktu
r-verkehr-2391294). Anlässlich eines Arbeitsbesuchs eines Parlamentarischen
Staatssekretärs im Bundesministerium für Verkehr (BMV) im Mai 2026 in
Chemnitz wird die sächsische Infrastrukturministerin mit den Worten zitiert,
dass mit dem bisherigen Finanzierungsplan das „nicht im Leben“ geschafft
werden könne (vgl. www.tag24.de/chemnitz/lokales/ministerin-auf-sachsens-pr
oblemstrecke-unterwegs-doch-wichtigste-frage-bleibt-ungeklaert-3501984).
Mit rund 250 000 Einwohnern ist Chemnitz die drittgrößte Stadt Sachsens.
Gleichwohl gibt es keine ICE-Halte (ICE = Intercity-Express) und nur zwei
tägliche IC‑Verbindungen (IC = Intercity) der IC‑Linie 17. Für die Einwohner
von Chemnitz sind Bahnfernreisen fast immer mit Umstiegen in Leipzig oder
Dresden verbunden (www.freiepresse.de/ratgeber/mobilitaet/einsteigen-und-du
rchfahren-diese-zuege-bringen-sachsen-in-die-ferne-artikel14204972).
Dies hat zur Folge, dass Regionalexpresslinien und Regionalbahnen überlastet
sind. Die Nichtfertigstellung des Ausbaus zwischen Leipzig und Geithain steht
zudem einem besseren SPNV-Angebot (SPNV = Schienenpersonennahverkehr)
entgegen (www.tag24.de/chemnitz/lokales/nur-abgespeckte-variante-fuer-chem
nitz-leipzig-kostenexplosion-bei-bahnausbau-3490743).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie begründet die Deutsche Bahn (DB) InfraGO AG nach Kenntnis der
Bundesregierung die signifikante zeitliche Diskrepanz im
Planungsfortschritt zwischen dem 37 Kilometer langen Südabschnitt Chemnitz–
Geithain (Strecke 6385) und dem 44 Kilometer langen Nordabschnitt
Leipzig–Geithain (Strecke 6366)?
2. Wann rechnet die Bundesregierung mit dem Abschluss der
Leistungsphasen 1 und 2 für den Nordabschnitt (Strecke 6366), und welche konkreten
Hindernisse im Leipziger Raum verzögern die Ausschreibung?
3. Strebt die DB InfraGO AG nach Kenntnis der Bundesregierung eine
gleichzeitige Inbetriebnahme der gesamten elektrifizierten Strecke an,
oder ist eine Teilinbetriebnahme (Inselbetrieb) des Südabschnitts geplant
und betrieblich sinnvoll?
4. Inwiefern ist durch die unterschiedlichen Finanzierungsmodelle
(Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz [GVFG] bzw. Bundesmittel im
Südabschnitt bzw. Nummer 23 der Anlage 4 zu § 21 des Investitionsgesetzes
Kohleregionen im Nordabschnitt) sichergestellt, dass es nicht zu
Priorisierungskonflikten und damit zu Verzögerungen für die Fertigstellung des
Gesamtvorhabens kommt?
5. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, ob die DB Fernverkehr AG
ICE- oder IC‑Angebote nach Abschluss der Elektrifizierung für die
Relation Chemnitz–Leipzig (mit Weiterführung über Berlin bzw. Hannover)
einrichten will?
6. Wenn zunächst nur die Strecke 6385, der Südabschnitt zwischen
Chemnitz und Geithain, weitgehend zweigleisig ausgebaut und elektrifiziert
würde, bestünden nach Kenntnis der Bundesregierung neben der
stündlichen S-Bahn 3 (S 3; Halle–Leipzig–Greithain) Trassenkapazitäten für
potenzielle Fernverkehrsangebote über die Strecken 6362 und 6385 über
Leipzig nach Chemnitz, und wenn ja, wie viele pro Stunde?
7. Welche infrastrukturellen Voraussetzungen müssen im Knoten Leipzig
zusätzlich geschaffen werden, um etwaige durchgebundene
Fernverkehrszüge aus Chemnitz ohne Kapazitätskonflikte mit der S‑Bahn
Mitteldeutschland aufzunehmen?
8. Wie bewertet die Bundesregierung die Zuverlässigkeit der Strecke 6385
von Chemnitz nach Geithain nach den präventiven
Betonschwellenauswechslungen im Jahr 2024 (vgl. www.diesachsen.de/wirtschaft/streckensp
errung-wegen-austausch-von-betonschwellen-zwischen-leipzig-und-chem
nitz-2921475)?
9. Wie hoch beziffert die Bundesregierung die Fahrzeitverkürzung zwischen
Chemnitz Hauptbahnhof (Hbf.) und Leipzig Hbf. nach Abschluss aller
vorgesehenen Maßnahmen (Zielgeschwindigkeit 130 Kilometer pro
Stunde [km/h]) im Vergleich zur gegenwärtigen Reisezeit und Führung über
Bad Lausick (Strecke 6366)?
10. Gibt es Planungen, zwischen Chemnitz-Borna und Chemnitz-
Hauptbahnhof die Trassenkapazitäten zu erhöhen, und wenn ja, durch
welche Maßnahmen soll dieses erreicht werden?
11. Welche Maßnahmen zur Lärmschutzsanierung an den Bestandsstrecken
innerhalb des Stadtgebiets Chemnitz, die nicht Teil des sog. Bahnbogens
waren, sind vorgesehen?
12. Kann die Bundesregierung bestätigen, dass für einen Ausbau der
Strecke 6366 von Leipzig bis Geithain samt Elektrifizierung der DB
InfraGO AG aktuelle Schätzungen vorliegen, die von einem
Finanzierungsbedarf von rund 1,3 Mrd. Euro ausgehen, wie gedenkt die
Bundesregierung den Mehraufwand zu decken, und wann wird dem Deutschen
Bundestag eine hierzu beauftragte Machbarkeitsstudie zugeleitet?
Berlin, den 17. Juni 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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