Zehn Jahre Elektronetz Mittelsachsen - Ausbau und Finanzierung der Schienenanbindung für Chemnitz (Antwort zu Drs. 21/6766)
Text
Zehn Jahre Elektronetz Mittelsachsen - Ausbau und Finanzierung der Schienenanbindung für Chemnitz (Antwort zu Drs. 21/6766)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7179
21. Wahlperiode 15.07.2026
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Alexander Gauland, Wolfgang
Wiehle, René Bochmann, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/6766 –
Zehn Jahre Elektronetz Mittelsachsen – Ausbau und Finanzierung der
Schienenanbindung für Chemnitz
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Das „Elektronetz Mittelsachsen“ wird zehn Jahre alt, bleibt aber
unvollständig. Die Bundesregierung hat das Ziel, die Strecken 6385 und 6366 zwischen
Leipzig und Chemnitz auszubauen und zu elektrifizieren (www.bundesregieru
ng.de/breg-de/schwerpunkte/das-kann-deutschland/das-kann-deutschland-infr
astruktur-verkehr-2391294). Anlässlich eines Arbeitsbesuchs eines
Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesministerium für Verkehr (BMV) im Mai
2026 in Chemnitz wird die sächsische Infrastrukturministerin mit den Worten
zitiert, dass mit dem bisherigen Finanzierungsplan das „nicht im Leben“
geschafft werden könne (vgl. www.tag24.de/chemnitz/lokales/ministerin-auf-sac
hsens-problemstrecke-unterwegs-doch-wichtigste-frage-bleibt-ungeklaert-350
1984).
Mit rund 250 000 Einwohnern ist Chemnitz die drittgrößte Stadt Sachsens.
Gleichwohl gibt es keine ICE-Halte (ICE = Intercity-Express) und nur zwei
tägliche IC‑Verbindungen (IC = Intercity) der IC‑Linie 17. Für die Einwohner
von Chemnitz sind Bahnfernreisen fast immer mit Umstiegen in Leipzig oder
Dresden verbunden (www.freiepresse.de/ratgeber/mobilitaet/einsteigen-und-d
urchfahren-diese-zuege-bringen-sachsen-in-die-ferne-artikel14204972).
Dies hat zur Folge, dass Regionalexpresslinien und Regionalbahnen überlastet
sind. Die Nichtfertigstellung des Ausbaus zwischen Leipzig und Geithain
steht zudem einem besseren SPNV-Angebot (SPNV =
Schienenpersonennahverkehr) entgegen (www.tag24.de/chemnitz/lokales/nur-abgespeckte-
variantefuer-chemnitz-leipzig-kostenexplosion-bei-bahnausbau-3490743).
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Verkehr
vom 15. Juli 2026 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
1. Wie begründet die Deutsche Bahn (DB) InfraGO AG nach Kenntnis der
Bundesregierung die signifikante zeitliche Diskrepanz im
Planungsfortschritt zwischen dem 37 Kilometer langen Südabschnitt Chemnitz–
Geithain (Strecke 6385) und dem 44 Kilometer langen Nordabschnitt
Leipzig–Geithain (Strecke 6366)?
Die unterschiedliche zeitliche Entwicklung der Planungen für den Südabschnitt
Geithain–Chemnitz (Strecke 6385) und den Nordabschnitt Leipzig–Geithain
(Strecke 6366) ist nach Auskunft der Deutschen Bahn AG (DB AG) auf
unterschiedliche Finanzierungsgrundlagen und daraus folgende unterschiedliche
Startzeitpunkte der Planungen zurückzuführen.
2. Wann rechnet die Bundesregierung mit dem Abschluss der
Leistungsphasen 1 und 2 für den Nordabschnitt (Strecke 6366), und welche konkreten
Hindernisse im Leipziger Raum verzögern die Ausschreibung?
Der Abschluss der Leistungsphasen HOAI (LPH) 1 und 2 für den
Nordabschnitt Leipzig–Geithain ist nach Angaben der DB AG für das vierte Quartal
2027 vorgesehen. Die Planungsleistungen der LPH 1 und 2 und optional LPH 3
und 4 wurden am 18. April 2026 an den Gesamtgewerkeplaner vergeben. Es
gab keine verzögernden Hindernisse für die Ausschreibung von
Planungsleistungen im Raum Leipzig.
3. Strebt die DB InfraGO AG nach Kenntnis der Bundesregierung eine
gleichzeitige Inbetriebnahme der gesamten elektrifizierten Strecke an,
oder ist eine Teilinbetriebnahme (Inselbetrieb) des Südabschnitts geplant
und betrieblich sinnvoll?
Die Planungen im Südabschnitt Geithain–Chemnitz (Strecke 6385) befinden
sich nach Angaben der DB AG aktuell in den LPH 3 und 4. Die Planungen für
den Nordabschnitt Leipzig–Geithain (Strecke 6366) befinden sich in den LPH
1 und 2. Aufgrund des Planungsvorlaufs des Südabschnitts gegenüber dem
Nordabschnitt ist zu erwarten, dass der Südabschnitt zeitlich früher Baurecht
und Baureife erlangt als der Nordabschnitt.
Mit der Fertigstellung des Südabschnitts können bereits spürbare betriebliche
und verkehrliche Effekte erzielt werden, insbesondere durch die elektrische
Traktion auf der Relation Chemnitz–Geithain–Borna–Neukieritzsch–Leipzig.
4. Inwiefern ist durch die unterschiedlichen Finanzierungsmodelle
(Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz [GVFG] bzw. Bundesmittel im
Südabschnitt bzw. Nummer 23 der Anlage 4 zu § 21 des Investitionsgesetzes
Kohleregionen im Nordabschnitt) sichergestellt, dass es nicht zu
Priorisierungskonflikten und damit zu Verzögerungen für die Fertigstellung
des Gesamtvorhabens kommt?
Allen direkt an der Projektfinanzierung Beteiligten ist nach Auskunft der DB
AG bekannt, dass zur Finanzierung der beiden Abschnitte verschiedene
Finanzierungsmodelle zur Anwendung kommen. Die Abstimmungen dazu finden
regelmäßig statt.
5. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, ob die DB Fernverkehr AG
ICE- oder IC‑Angebote nach Abschluss der Elektrifizierung für die
Relation Chemnitz–Leipzig (mit Weiterführung über Berlin bzw. Hannover)
einrichten will?
Die Angebote des Schienenpersonenfernverkehrs werden in Deutschland
eigenwirtschaftlich und im Wettbewerb erbracht. Vor diesem Hintergrund kann die
DB Fernverkehr AG keine langfristig verbindlichen Zusagen zu einzelnen
Fernverkehrsverbindungen oder Fahrplanangeboten treffen. Daher liegen der
Bundesregierung dazu keine Kenntnisse vor.
6. Wenn zunächst nur die Strecke 6385, der Südabschnitt zwischen
Chemnitz und Geithain, weitgehend zweigleisig ausgebaut und elektrifiziert
würde, bestünden nach Kenntnis der Bundesregierung neben der
stündlichen S-Bahn 3 (S 3; Halle–Leipzig–Greithain) Trassenkapazitäten für
potenzielle Fernverkehrsangebote über die Strecken 6362 und 6385 über
Leipzig nach Chemnitz, und wenn ja, wie viele pro Stunde?
7. Welche infrastrukturellen Voraussetzungen müssen im Knoten Leipzig
zusätzlich geschaffen werden, um etwaige durchgebundene
Fernverkehrszüge aus Chemnitz ohne Kapazitätskonflikte mit der S‑Bahn
Mitteldeutschland aufzunehmen?
Die Fragen 6 und 7 werden aufgrund ihres Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Aus heutiger Sicht bestehen nach Auskunft der DB AG Trassenkapazitäten für
potenzielle Fernverkehrsangebote für die Strecken 6362 und 6385 über Leipzig.
Konkrete Aussagen sind aufgrund der unbekannten Randbedingungen für diese
Verkehre nicht möglich, da keine Bestellabsichten seitens der
Eisenbahnverkehrsunternehmen bekannt sind.
8. Wie bewertet die Bundesregierung die Zuverlässigkeit der Strecke 6385
von Chemnitz nach Geithain nach den präventiven
Betonschwellenauswechslungen im Jahr 2024 (vgl. www.diesachsen.de/wirtschaft/streckens
perrung-wegen-austausch-von-betonschwellen-zwischen-leipzig-und-che
mnitz-2921475)?
Im Vergleich zum Jahr 2024 stieg die Anzahl der Fahrbahnstörfälle im Jahr
2025 nach Angaben der DB AG von sechs auf insgesamt acht Störfälle.
Gleichzeitig stieg der Pünktlichkeitsverlust auf der Strecke leicht von - 1,9 Prozent
auf - 2,2 Prozent.
9. Wie hoch beziffert die Bundesregierung die Fahrzeitverkürzung
zwischen Chemnitz Hauptbahnhof (Hbf.) und Leipzig Hbf. nach Abschluss
aller vorgesehenen Maßnahmen (Zielgeschwindigkeit 130 Kilometer pro
Stunde [km/h]) im Vergleich zur gegenwärtigen Reisezeit und Führung
über Bad Lausick (Strecke 6366)?
Die aktuelle Fahrzeit des RE 6 Leipzig–Chemnitz beträgt nach Angaben der
DB AG 64 Minuten und soll nach Umsetzung aller vorgesehenen Maßnahmen
im Nord- und Südabschnitt auf 54 Minuten sinken.
10. Gibt es Planungen, zwischen Chemnitz-Borna und Chemnitz-
Hauptbahnhof die Trassenkapazitäten zu erhöhen, und wenn ja, durch welche
Maßnahmen soll dieses erreicht werden?
Der Streckenabschnitt Chemnitz-Borna bis Chemnitz-Küchwald ist nach
Auskunft der DB AG bereits zweigleisig. Neben der Elektrifizierung sind keine
weiteren Ausbauten geplant. Der heute und zukünftig eingleisige Abschnitt
Chemnitz-Küchwald–Chemnitz-Hbf. mit einer Länge von 1,5 km wird im
Vorfeld des Chemnitzer Hbf. mit zusätzlichen Weichenverbindungen kapazitiv und
betrieblich aufgewertet.
11. Welche Maßnahmen zur Lärmschutzsanierung an den Bestandsstrecken
innerhalb des Stadtgebiets Chemnitz, die nicht Teil des sog. Bahnbogens
waren, sind vorgesehen?
Die DB AG teilt mit, dass die Ortsdurchfahrt Chemnitz als Bestandteil des
Untersuchungsbereichs „Altmittweida–Lichtenau–Lichtentanne–Werdau“ in
Anlage 3 des Gesamtkonzepts der Lärmsanierung als sanierungsbedürftiger
Bereich enthalten ist. Der betreffende Abschnitt weist eine
Priorisierungskennziffer (PKZ) von 10,532 auf und ist damit im Vergleich zu anderen Abschnitten
niedriger priorisiert. Nach Angaben der DB AG ist derzeit noch nicht absehbar,
wann mit der Bearbeitung dieses Abschnitts begonnen werden kann. Erst nach
Freigabe zur Lärmsanierung wird ein schalltechnisches Gutachten erstellt. Auf
dessen Grundlage werden die erforderlichen Lärmminderungsmaßnahmen
dimensioniert.
12. Kann die Bundesregierung bestätigen, dass für einen Ausbau der
Strecke 6366 von Leipzig bis Geithain samt Elektrifizierung der DB
InfraGO AG aktuelle Schätzungen vorliegen, die von einem
Finanzierungsbedarf von rund 1,3 Mrd. Euro ausgehen, wie gedenkt die
Bundesregierung den Mehraufwand zu decken, und wann wird dem Deutschen
Bundestag eine hierzu beauftragte Machbarkeitsstudie zugeleitet?
Für den Abschnitt von Leipzig bis Geithain gibt es nach Auskunft der DB AG
für verschiedene Ausbauszenarien jeweils eine Gesamtkostenermittlung. Der
Finanzierungsbedarf von rund 1,3 Mrd. Euro bezieht sich ausschließlich auf
das Szenario des vollständigen zweigleisigen Ausbaus mit vollständiger
Elektrifizierung. Diese Ausbauvariante ist aktuell nicht mehr Gegenstand der
Planungen.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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