Schriftliche Frage 61 von Raimond Scheirich (AfD): Wie bewertet die Bundesregierung vor dem Hintergrund der aktuell vergleichsweise niedrigen Gasspeicherstände die Robustheit der Gasversorgun…
Teil von Schriftliche Fragen mit den in der Woche vom 19. Januar 2026 eingegangenen Antworten der Bundesregierung · Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.
Text
Schriftliche Frage 61 von Raimond Scheirich (AfD): Wie bewertet die Bundesregierung vor dem Hintergrund der aktuell vergleichsweise niedrigen Gasspeicherstände die Robustheit der Gasversorgun…
Frage 61 (Raimond Scheirich, AfD):
Wie bewertet die Bundesregierung vor dem Hintergrund der aktuell vergleichsweise niedrigen Gasspeicherstände die Robustheit der Gasversorgung bis zum Ende der laufenden Heizperiode, und welche konkreten Annahmen zu Verbrauch, Importverfügbarkeit und Speicherentnahmen liegen dieser Bewertung zugrunde?
Antwort des Staatssekretärs Frank Wetzel vom 21. Januar 2026:
Aktuell beträgt der Füllstand ca. 41,48 Prozent (Stand: 19. Januar 2026). Damit liegt der Speicherfüllstand niedriger als in den Vorjahren (19. Januar 2025: 63,85 Prozent). Auch die europäischen Speicherstände sind niedriger als in den Vorjahren (19. Januar 2026: 49,12 Prozent, 19. Januar 2025: 60,21 Prozent). Die Versorgungssicherheit Deutschlands und Europas in diesem Winter ist dadurch jedoch nicht gefährdet. Diese Einschätzung teilen neben dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie auch die Bundesnetzagentur und die Europäische Kommission sowie die deutschen und europäischen Fernleitungsnetzbetreiber (FNB Gas bzw. ENTSOG). Aufgrund des allgemeinen Rückgangs der Gasnachfrage seit der Gaskrise 2022 ist auch die saisonale Nachfrage in den Ausspeichermonaten um etwa 13 Prozent zurückgegangen. Die vor der Gaskrise zu Beginn der Ausspeicherperiode üblicherweise zu 90 bis 95 Prozent gefüllten Gasspeicher deckten etwa 39 bis 41 Prozent der damals üblichen saisonalen Nachfrage ab. Dieses Verhältnis ist durch die gesunkene Nachfrage auch mit niedrigeren Füllständen nahezu erhalten geblieben. Der dieses Jahr erreichte höchste Füllstand von etwa 77 Prozent deckt etwa 38 Prozent der durchschnittlichen saisonalen Nachfrage von 2023 bis 2025 ab. Neben den Gasspeichern tragen verschiedene weitere Faktoren zur Versorgungssicherheit und Krisenvorsorge bei. Insbesondere gibt es ein weiter wachsendes, weltweites, verfügbares Angebot an Flüssigerdgas (Liquefied Natural Gas – LNG). Die inzwischen gut ausgebaute LNG-Infrastruktur in Deutschland und Europa ermöglicht neben der bestehenden und sicheren Hauptversorgung durch norwegisches Pipelinegas die notwendigen Importe nach Deutschland. Allein die deutschen LNG-Regasifizierungskapazitäten betragen in den typischen Ausspeichermonaten November bis März etwa 80 Terawattstunden. Die Flexibilität der LNG-Importe reduziert den Speicherbedarf zusätzlich. Es existieren noch ungebuchte Reservekapazitäten. Damit können bei Bedarf kurzfristig zusätzliche Gasmengen importiert werden. Damit tragen auch die LNG-Terminals sowohl zur saisonalen Versorgungssicherheit als auch zur Krisenvorsorge bei. Ein weiterer Faktor für die Versorgungssicherheit ist, dass der europäische Markt durch die Verbesserung der europäischen Netzinfrastruktur seit 2022 Nachfragespitzen in einzelnen Mitgliedstaaten besser abfangen kann. Die Gasspeicher und LNG-Infrastrukturen einzelner Mitgliedstaaten erhöhen damit auch die Sicherheit in den Nachbarländern. Die Gaspreise haben sich zwar seit einer Woche erhöht und sind volatil, doch im Vorjahresvergleich immer noch niedrig. Sie lassen kaum bis keine Risikoaufschläge für den verbleibenden Winter erkennen und zeigen keine Gasknappheit für den Winter. Die Annahme, dass private Akteure die deutschen Gasspeicher in ausreichendem Maße befüllen, hat sich als richtig erwiesen. Der Marktgebietsverantwortliche THE musste nicht eingreifen. Dies hätte zusätzliche Kosten für deutsche Gaskunden beziehungsweise Steuerzahler bedeutet und die Befüllung durch Marktakteure zusätzlich gehemmt.
Relationen
- asked ← Raimond Scheirich (Schriftliche Frage)
- part_of → Schriftliche Fragen mit den in der Woche vom 19. Januar 2026 eingegangenen Antworten der Bundesregierung