Rede von Hanna Steinmüller (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Bernhard, Kay Gottschalk, Carolin
Teil von Protokoll der 99. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP 17a und 17b: Bernhard, Kay Gottschalk, Carolin.
Das Protokoll 21/99 liegt bei DIP nur als Vorabfassung vor: Der Text endet vor dem Schluss der Sitzung, zu Protokoll gegebene Reden fehlen in polradar (der endgültige Bericht war für den 13.10.2026 angekündigt). Vollständig im Plenarprotokoll (PDF) ↗.
Text
Rede von Hanna Steinmüller (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Bernhard, Kay Gottschalk, Carolin
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und
Kollegen! Liebe Bürgerinnen und Bürger! Eine Mieterin
aus Marzahn fürchtet den nächsten Brief vom Vermieter.
Der Azubi aus Lüneburg wohnt noch bei den Eltern, weil
er sich kein WG-Zimmer leisten kann. Eine Familie aus
Dresden wünscht sich so sehr Eigentum und kann es sich
nicht leisten, weil die Preise immer weiter steigen. Alle
drei suchen dasselbe: ein bezahlbares Zuhause. Und allen
drei verspricht die AfD genau das. Diese Versprechen
sind verführerisch, aber sie sind leer. Der AfD darf man
nicht vertrauen. Ihre Vorschläge sind vergiftet, und das
Gegengift heißt Gerechtigkeit.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN –
Carolin Bachmann [AfD]: Ach so! Wir meinen
es schon so, wie wir es schreiben und sagen!)
Vertrauen verdient, wer Wort hält. Schauen wir also
auf das Wort der AfD. Sie bleiben Ihrem Wort in der
Regel nicht treu. Sie sind wie ein Fähnchen im Wind.
Je nachdem, woher der politische Wind weht, drehen
sie sich um 180 Grad.
(Carolin Bachmann [AfD]: Das stimmt doch
gar nicht!)
– Doch, Frau Bachmann, deswegen nenne ich Ihnen ja
gleich extra Beispiele.
(Dr. Paul Schmidt [AfD]: Das ist doch
lächerlich! Sie wissen, dass das nicht stimmt!)
Thema Sozialwohnungen. 2025 haben Sie
beispielsweise in Ihren Anträgen gefordert, es bräuchte mehr
Sozialwohnungen. In diesem Jahr, gerade einmal ein Jahr
später, haben Sie im Ausschuss gesagt – das kann man im
Protokoll nachlesen; das können Sie also nicht leugnen –,
(Carolin Bachmann [AfD]: Ich persönlich?
Also ich nicht!)
– das hat ein Vertreter Ihrer Fraktion gesagt –, man solle
die Milliarden nicht in den sozialen Wohnungsbau
stecken, sondern lieber ins Wohngeld.
(Marc Bernhard [AfD]: Man soll sie nicht vom
Wohngeld wegnehmen und dann darüber
stecken! Das ist doch eine Kürzung!)
Man kann also sagen, dass Sie Ihrem Wort nicht treu
bleiben.
Machen wir weiter mit dem Thema Spekulation.
(Marc Bernhard [AfD]: Sie nehmen es den
Wohngeldempfängern weg! – Carolin
Bachmann [AfD]: Sie verdrehen die
Tatsachen, Frau Steinmüller!)
Sie beklagen Bodenspekulation, und im Ausschuss
stimmen Sie gegen Steuern auf Spekulationsgewinne. Das ist
doch widersprüchlich.
Bei der Grundsteuer geht es weiter. Im Februar
beantragen Sie noch, dass Bund und Länder sie ersetzen
sollen. Jetzt sagen Sie, Bürgerinnen und Bürger sollten
über die Einkommensteuer selbst zahlen. Sie ändern Ihre
Meinung wie ein Fähnchen im Wind.
(Dr. Paul Schmidt [AfD]: Stimmt doch gar
nicht! – Marc Bernhard [AfD]: Also
Grundsteuer und Grunderwerbsteuer weg, wenn’s
irgendwelche Zweifel dazu gab!)
Schauen wir auf das Thema „Bauland für
Einheimische“. Nichts an dieser Forderung ist neu, außer dass
Sie den Sündenbock wechseln.
(Carolin Bachmann [AfD]: Lesen und
Verstehen ist nicht Ihre Stärke, oder?)
Dabei hat jede fünfte Fachkraft im Bau keinen deutschen
Pass. Sie wollen die Menschen aus dem Land drängen,
die unsere Wohnungen bauen. Das ist doch
widersprüchlich. Man kann Ihnen nicht trauen.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN –
Marc Bernhard [AfD]: Das ist falsch! Das ist
falsch! – Gegenruf der Abg. Mayra Vriesema
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Genau so ist
das!)
Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Vorschläge der
AfD schmecken nach Entlastung,
(Carolin Bachmann [AfD]: Warum erzählen
Sie hier nur Lügen? Ich versteh’s gar nicht!)
sie sind aber nur für Reiche und Großkonzerne.
(Marc Bernhard [AfD]: Also Grundsteuer zahlt
jeder! Grunderwerbsteuer zahlt auch jeder!)
Für genau diese Gruppen macht die AfD Politik. Zum
Beispiel Ihre Vorschläge zur Grundsteuer: Die
Abschaffung würde Haushaltslücken von 16 Milliarden Euro bei
den Kommunen reißen.
(Marc Bernhard [AfD]: Ist doch kein Problem!
Ist doch kein Problem! Einfach weniger an die
Ukraine überweisen und fertig!)
Und wer bezahlt das am Ende? Die Mieterin aus Marzahn
mit ihrer Lohnsteuer. Das Nein zur Mietpreisbremse, das
Sie immer sagen, ist der Blankoscheck für die nächste
Mieterhöhung der Mieterinnen und Mieter.
(Dr. Paul Schmidt [AfD]: Die Mieter bezahlen
jetzt auch die Grundsteuer, falls sie’s nicht
wissen! Die Mieter bezahlen die Grundsteuer! –
Carolin Bachmann [AfD]: Das ist wirklich
schwer zu ertragen! – Gegenruf der Abg.
Awet Tesfaiesus [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Hören Sie doch mal zu!)
– Wenn Sie selber reden wollen, kommen Sie doch ans
Pult. Aber das trauen Sie sich ja auch nicht mit Ihren
halbgaren Vorschlägen.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der SPD und der
Linken – Carolin Bachmann [AfD]: Das ist
einfach schwer zu ertragen, Ihre Rede, Ihre
Fakerede! Wirklich!)
Relationen
- part_of → Protokoll der 99. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages
- part_of_vorgang → Gewachsene Heimat erhalten - Lokales Bauland an Einheimische vergeben
- part_of_vorgang → Vom Mieter zum Eigentümer - Wohneigentum wieder bezahlbar machen
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