Rede von Joachim Ebmeyer (CDU/CSU) – Plenarprotokoll 21/100
Teil von Protokoll der 100. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages.
Text
Rede von Joachim Ebmeyer (CDU/CSU) – Plenarprotokoll 21/100
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Aufgewachsen auf einem Bauernhof in Ostwestfalen, da
hatten wir vieles. Schnelles Internet hatten wir dort nicht.
ISDN-Kanalbündelung, das Piepen beim Einwählen in
die Leitung: Frau Kollegin Otte, was Sie nur vom
Hörensagen kennen, war damals Realität. Dann kam DSL; aber
der Hof war mit seiner Kupferleitung einfach zu weit weg
vom Verteilerkasten.
Dank Bundesförderung hat der Hof einen
Glasfaseranschluss erhalten und ist damit im Gigabitzeitalter
angekommen. Damit ist er nicht allein, an vielen Stellen in
diesem Land läuft es, jedenfalls auf dem Land – in der
Stadt dagegen noch nicht so ganz. Manche Gemeinden in
Ostwestfalen-Lippe sind besser versorgt als der Berliner
S-Bahn-Ring. Warum ist das so? DSL war und ist auf
dem Land häufig sehr langsam – lange Kupferleitungen
zu den Verteilern. Die Menschen haben daher schnell die
Glasfaseranschlüsse gebucht, weil sie mehr Bandbreite
wollten. In der Stadt reicht vielen das Kabelnetz, und
Mieter brauchen häufig die Zustimmung ihres
Vermieters.
Die Glasfaser stellt technologisch einen echten
Wendepunkt dar. Wir haben sehr hohe Bandbreiten, also viele
Daten gleichzeitig. Wir haben sehr, sehr geringe
Latenzen, also kaum Verzögerungen bei der Übermittlung der
Daten, wohingegen das Kabelnetz ein Medium ist, bei
dem sich das Viertel die Bandbreite teilen muss. Wenn
abends um 20 Uhr das Länderspiel gestreamt wird, dann
wird es häufig eng mit der Bandbreite. Glasfaser hat
Reserven, sodass die Bandbreite nicht einbricht. Die
Glasfaser ist auch das Rückgrat des Mobilfunks; denn
ein Mast funkt nur so gut wie die Glasfaser, an der er
hängt.
Wir stehen bundesweit vor den gleichen
Herausforderungen. 29 Millionen Haushalte könnten direkt einen
Glasfaseranschluss bekommen, aber aktiv sind nur 8
Millionen Anschlüsse, nur gut jeder vierte. Das Netz liegt
häufig vor der Tür, aber der Anschluss ins Haus fehlt.
Sehr geehrter Minister Wildberger, vielen Dank für
den vorgelegten Gesetzentwurf; denn er setzt genau
dort an, wo es hakt: im Mehrfamilienhaus, in der
Wohnungseigentümergemeinschaft, in der Großstadt – dort,
wo Tiefbau teuer ist und wo die Glasfaser vor dem Keller
endet. Mit dem Recht auf Vollausbau soll die Glasfaser
nicht nur in den Keller kommen, sondern auch in jede
Wohnung.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD)
Genauso ernst nehmen wir es mit dem Tempo und der
Genehmigungsvereinfachung beim Mobilfunk. Wer
schon mal versucht hat, im Zug an einer Videokonferenz
teilzunehmen, der wird daran gescheitert sein. Unser Ziel
ist es, mehr Gigabit ans Gleis zu bekommen. Damit durch
zusätzliche Masten die Funklöcher, die wir noch haben,
geschlossen werden können, brauchen diese Masten
Strom. Deshalb müssen wir zügig dafür sorgen, dass
diese Masten ans Netz angeschlossen werden.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten)
Wir haben bei der Novelle des
Telekommunikationsgesetzes die herausfordernde Aufgabe, Regulierung und
Ausbau im Gleichgewicht zu halten: auf der einen Seite
sichere und resiliente Netze und auf der anderen Seite
genügend Kapazität und wettbewerblicher Ausbau.
Denn das sicherste Netz nützt nichts, wenn es keiner baut.
Wer Glasfaser verlegt, der muss damit auch Geld
verdienen. Und die Menschen müssen auch bei nur einer
Leitung den Anbieter frei wählen können. Unser Ziel
ist, in die Gigabitgesellschaft einzutreten, auf dem Hof
in Ostwestfalen genauso wie in der Großstadt.
Relationen
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