Rede von Hansjörg Durz (CDU/CSU) – Plenarprotokoll 21/100
Teil von Protokoll der 100. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages.
Text
Rede von Hansjörg Durz (CDU/CSU) – Plenarprotokoll 21/100
Sehr geehrter Herr Präsident! Verehrte Kolleginnen
und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren!
Deutschland ist bekannt für vieles: für Dichter und
Denker, für Ingenieurskunst, für seine Brotvielfalt und leider
manchmal auch für Berge von Aktenordnern.
Bei der digitalen Infrastruktur gilt allerdings: Das
World Wide Web wartet nicht auf deutsche Bürokratie.
Deshalb beraten wir heute eine Novelle des
Telekommunikationsgesetzes mit einem klaren Ziel: mehr Tempo
beim Glasfaserausbau.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD)
Deutschland hat in den vergangenen Jahren deutlich
aufgeholt – die Richtung stimmt –: Glasfaser ist
inzwischen für fast 29 Millionen Haushalte und
Unternehmensstandorte verfügbar. Allein innerhalb eines Jahres
ist die Zahl der aktiven Anschlüsse um 1,3 Millionen
gestiegen. Das zeigt, Deutschland kommt voran.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD)
Das ist der Erfolg von Unternehmen, die investieren, das
ist der Erfolg von Kommunen und Ländern, die den
Ausbau vor Ort ermöglichen, und auch der Erfolg des
Bundes, der die Rahmenbedingungen setzt.
Aber wir müssen genauso ehrlich sagen: Gerade im
europäischen Vergleich sind wir nicht spitze, und genau
deswegen brauchen wir diese Gesetzesänderung; denn
Deutschland hat Potenzial, und dieses Potenzial müssen
wir jetzt entschlossen nutzen:
Erstens, mit Beschleunigung: Wo heute noch
komplizierte Genehmigungen Zeit kosten, sollen Verfahren
einfacher und schneller werden – ohne Abstriche bei
Sicherheit und Bauqualität. Denn am Ende gilt: Weniger Papier
bedeutet mehr verlegte Glasfaser.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD)
Zweitens, mit Vollausbau: Die Glasfaser darf nicht am
Gehweg enden, sie muss bis ins Gebäude, eigentlich bis
in die Wohnung. Deshalb schaffen wir mit dem Recht auf
Vollausbau bessere Rahmenbedingungen dafür, Gebäude
vorausschauend und möglichst in einem Zug zu
erschließen. So verhindern wir, dass bei jeder einzelnen
Entscheidung eines Mieters erneut gebaut werden muss. Um es
mit dem klassischen Handwerkergrundsatz zu sagen:
Wenn wir schon einmal dabei sind, dann macht man es
gleich, bei uns würde man sagen: gʼscheit.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD)
Und drittens, mit Wettbewerb: Wo nur ein Netz
betrieben werden kann, müssen andere Anbieter dieses Netz zu
fairen Bedingungen mitnutzen können. Open Access
bedeutet, der Eigentümer öffnet seine Infrastruktur für
andere Anbieter – aber zu fairen, transparenten und
diskriminierungsfreien Bedingungen. Davon profitieren
alle: Die Kunden bekommen mehr Auswahl. Die
Anbieter konkurrieren um Preis, Qualität und Service.
Attraktive Angebote bringen mehr Kunden auf die Netze. Und
eine bessere Auslastung verbessert wiederum die
Refinanzierung und schafft Spielraum für weitere
Investitionen. Wettbewerb schafft Nachfrage, und Nachfrage
beschleunigt den Ausbau.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD)
Liebe Kolleginnen und Kollegen, ein
Glasfaseranschluss ist längst mehr als ein schneller
Internetanschluss, er ist die Grundlage für digitale Verwaltung,
für moderne Industrie, für künstliche Intelligenz, für
Homeoffice und gleichwertige Lebensverhältnisse in
Stadt und Land. Deutschland hat beim Glasfaserausbau
aufgeholt. Jetzt kommt es darauf an, den Ausbau weiter
zu beschleunigen. Unser Ziel ist klar: mehr Tempo beim
Ausbau,
mehr Wettbewerb bei den Netzen und weniger Bürokratie
auf dem Weg dorthin, damit das World Wide Web
nirgendwo in Deutschland mehr ausgebremst wird.
Vielen Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD)
Relationen
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