Rede von Johannes Schätzl (SPD) – Plenarprotokoll 21/100
Teil von Protokoll der 100. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages.
Text
Rede von Johannes Schätzl (SPD) – Plenarprotokoll 21/100
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen!
Liebe Kollegen! Wer sich den irdischen Problemen stellt,
also von zu Hause aus arbeitet, einen Betrieb führt oder
einen Arzttermin per Video wahrnimmt, braucht eine
Verbindung, die funktioniert. Herr Wildberger, Sie haben
vollkommen recht: Dies gilt auf dem Land genauso wie in
der Großstadt. – Deswegen brauchen wir drei
Grundsätze, an denen wir die digitalpolitischen Entscheidungen
messen. Der erste ist: Kommt die Verbindung bei den
Menschen an? Der zweite ist: Ist sie verlässlich? Und
der dritte ist: Können die Menschen zwischen guten,
bezahlbaren Angeboten wählen?
Wir stehen vor einem grundlegenden
Infrastrukturwechsel: von kupferbasierten Netzen hin zur Glasfaser.
Wenn wir den Status quo beschreiben, stellen wir fest,
dass viele Menschen bereits Glasfaser haben. Bei vielen
liegt die Leitung aber auch erst vor dem Haus. Denken
wir an die drei Grundsätze, so bringt eine Leitung vor
dem Haus nicht viel, weil der Anschluss damit nicht
funktioniert. Deswegen müssen wir handeln, liebe
Kolleginnen, liebe Kollegen.
Und ja, Herr Wildberger, wir haben bereits gehandelt.
Wir haben einen Satz geändert, Herr Arpaschi, einen
einfachen Satz, der Grundlegendes ändert: Wir haben den
Ausbau der TK-Infrastruktur zum überragenden
öffentlichen Interesse erklärt.
(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU –
Alexander Arpaschi [AfD]: Wie viel ist denn
mehr passiert danach?)
Mit dem vorliegenden TK-Änderungsgesetz gehen wir
konsequenterweise den nächsten Schritt: Wir
vereinfachen Genehmigungsverfahren, wir bauen Hürden ab,
und wir verbessern die Voraussetzungen für Glasfaser-
und Mobilfunkausbau.
Wichtig wird sein, dass genau diese Regeln im Alltag
funktionieren: im Bauamt, bei den Netzbetreibern, bei
der Wohnungsverwaltung und auf der Baustelle.
Deswegen werden wir vier Punkte im parlamentarischen
Verfahren genau prüfen.
Erstens. Wir müssen prüfen, ob der Ausbau innerhalb
des Gebäudes besser funktioniert. Wir brauchen
praktikable Regeln und gemeinsame technische
Mindeststandards, damit die Glasfaser tatsächlich bis in die
Wohnungen kommt. Dabei werden wir abwägen müssen: Wir
müssen zwischen den Interessen der Mieterinnen und
Mieter, der Eigentümer und der Netzbetreiber gewichten.
Alle müssen angemessen berücksichtigt werden.
Zweitens. Wir werden noch mal die Frage der Fristen
stellen müssen. Sie müssen verbindlich sein und aus
meiner Sicht jede Verzögerung verhindern.
Drittens. Die Frage des Open Access steht natürlich im
Raum. Wir wollen einen diskriminierungsfreien
Netzzugang. Investitionen müssen sich lohnen. Gleichzeitig
brauchen die Menschen Wahlfreiheit und faire Preise.
Für faire Zugangsbedingungen, für einen
diskriminierungsfreien Netzzugang und für Investitionen muss das
TKG sorgen, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen.
Viertens. Der Übergang von Kupfer zu Glasfaser ist
wohl eines der spannendsten digitalpolitischen Projekte
dieses Jahrzehnts. Wir müssen den bestehenden
Wettbewerb in die Welt der Glasfaser mitnehmen. Deswegen
brauchen wir transparente Regeln, verlässliche
Informationen und eine handlungsfähige Bundesnetzagentur.
Bevor wir Kupfer abschalten, muss eines klar sein: Niemand
darf seinen Anschluss verlieren.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU)
Ähnliche Herausforderungen sehen wir im
Mobilfunkmarkt. Dort stehen erhebliche Investitionen an.
Deswegen war es richtig, die Frequenznutzungsrechte in der
letzten Wahlperiode zu verlängern. Und ja, im
parlamentarischen Verfahren müssen wir die Frage klären, wie der
Stromanschluss einfacher an den Mast kommt.
Beim Wechsel von Kupfer zu Glasfaser werden die
Menschen verlässliche Antworten auf die entscheidenden
Fragen brauchen. Folgende Fragen stellen sich: Wann
wird mein Haus angeschlossen? Welche Kosten
entstehen? Muss ich einen neuen Vertrag abschließen? Und wer
hilft, wenn etwas beim Wechsel nicht funktioniert? – Wer
solche Fragen offenlässt, schafft Unsicherheit. Wir
brauchen das Gegenteil von Unsicherheit. Deswegen müssen
wir diese Fragen im parlamentarischen Verfahren klären.
Ja, auch die Kommunen brauchen Unterstützung bei
der Umsetzung. Sie brauchen einfachere Verfahren, sie
brauchen vollständige Unterlagen. Wir müssen die
Verfahren aufeinander abstimmen. Dies spart Zeit auf der
Baustelle und damit wichtiges Geld.
Unser Ziel ist klar: Unternehmen sollen verlässlich
investieren. Kommunen sollen schnell handeln und
Bürgerinnen und Bürger ihren Anschluss nutzen. So schaffen
wir eine gute, eine schnelle digitale Infrastruktur. Die
damit verbundenen Fragen klären wir im
parlamentarischen Verfahren.
Herzlichen Dank.
Relationen
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