Rede von Desiree Becker (DIE LINKE) – Dr. Gottfried Curio, Dr. Bernd Baumann,
Teil von Protokoll der 100. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP 36: Dr. Gottfried Curio, Dr. Bernd Baumann,.
Text
Rede von Desiree Becker (DIE LINKE) – Dr. Gottfried Curio, Dr. Bernd Baumann,
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und
Herren! Alle Jahre wieder: Die AfD macht Stimmung gegen
Migration, und die CDU hätte beim Lesen den Antrag der
AfD fast mit ihrem eigenen verwechselt.
Aysu, 18 Jahre alt, geht zur Ausländerbehörde, in der
Hoffnung, endlich ihre Arbeitserlaubnis für eine
Ausbildung in der Pflege in den Händen halten zu können. Doch
statt der Arbeitserlaubnis wird sie nach Aserbaidschan
abgeschoben. Googeln Sie diesen Fall! Erst durch großen
öffentlichen Druck konnte sie zurück in meine Heimat,
nach Gießen, kommen.
Bei der Familie Söğüt aus Stadtallendorf stehen
morgens um fünf zehn Polizisten vor der Tür.
(Vereinzelt Unruhe bei der CDU/CSU –
Dr. Götz Frömming [AfD]: Die stehen bei
uns auch manchmal vor der Tür!)
– Hören Sie doch mal zu, was Ihre Migrationswende für
die Leute bedeutet! Hören Sie zu! – Die minderjährigen
Kinder werden in Handschellen gelegt, die Mutter von
der Arbeit geholt. Die Familie wird noch am gleichen
Tag in die Türkei abgeschoben; die 19-jährige Tochter
Ayşe bleibt allein zurück. Ein Antrag auf Bleiberecht
und eine Petition an den Hessischen Landtag blieben
bislang erfolglos. Die Familie ist auseinandergerissen und
traumatisiert.
Die Familie Altun aus dem Dautphetal lebt seit zwei
Jahren in Deutschland. Die fünf Kinder gehen hier zur
Schule, haben Freundinnen und Freunde gefunden. Der
Vater arbeitet und sichert den Lebensunterhalt. Die älteste
Tochter hat einen Ausbildungsvertrag. Der sieben
Monate alte Sohn wurde hier geboren. Die Familie hat sich
ein Zuhause aufgebaut. Trotzdem soll sie in die Türkei
abgeschoben werden. Die Regierung nennt das
„Durchsetzung von Recht und Ordnung“.
(Detlef Seif [CDU/CSU]: So ist das!
Vollziehbar ausreisepflichtige Personen! Genau so ist
es!)
Das ist unfassbar von Ihnen.
(Beifall der Abg. Filiz Polat [BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN])
Wir nennen das „organisiertes Unrecht“, und das ist es
auch. Und das wissen Sie auch ganz genau, wenn Sie sich
die Fälle anschauen.
Ich denke an meinen Freund Mosawer. Seine Mutter
Diana und seine Schwestern leben in Afghanistan;
Frauen, die unter den Taliban nicht einmal selbstbestimmt das
Haus verlassen können. Sie können nicht zu ihrem Sohn
kommen, weil Sie den Familiennachzug verhindern. Ich
frage Sie: Haben Sie eine Vorstellung davon, was es
bedeutet, jeden Tag um seine Familie zu fürchten, nicht
zu wissen, ob man seine Mutter jemals wiedersehen wird,
(Dr. Gottfried Curio [AfD]: Der braucht nur
nach Afghanistan zu reisen! Der kann jeden
Tag seine Familie wiedersehen! Was reden
Sie für einen Unfug?)
ob die eigenen Geschwister in Sicherheit sind, ob man
selbst morgen noch dort leben darf, wo man zu Hause ist?
Haben Sie davon eine Ahnung, Herr Seif? Ich bin
wirklich fassungslos über Ihre Rede.
Eine Verschärfung jagt die nächste; kaum ist das eine
Gesetz beschlossen, kommt schon die nächste, noch
härtere Maßnahme. Und jedes Mal verschiebt sich die
Grenze weiter nach rechts. Sie alle tragen die
Verschärfung durch das GEAS mit. Sie haben den
Familiennachzug ausgesetzt. Die CDU überbietet sich mit rassistischen
Aussagen und immer neuen Forderungen nach
Abschiebungen.
Wir stehen an der Seite von Aysu, von Diana, von
Ayşe. Ihr seid nicht alleine. Wir werden weiter für eine
solidarische –
Relationen
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- part_of_vorgang → Maßnahmen für eine wirkliche Migrationswende
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