Rede von Detlef Seif (CDU/CSU) – Dr. Gottfried Curio, Dr. Bernd Baumann,
Teil von Protokoll der 100. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP 36: Dr. Gottfried Curio, Dr. Bernd Baumann,.
Text
Rede von Detlef Seif (CDU/CSU) – Dr. Gottfried Curio, Dr. Bernd Baumann,
Die Kontrollen wurden verstärkt, Zurückweisungen,
auch von Asylantragstellern – das ist völlig neu –, an
den deutschen Grenzen werden durchgeführt – trotz des
erheblichen politischen Widerstands.
(Lamya Kaddor [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Aber es lohnt sich für Sie politisch
doch gar nicht!)
Und meine Damen und Herren, seit Regierungsbeginn
haben wir 45 000 Personen an den Grenzen
zurückgewiesen, und ganz viele Schlepper wurden festgenommen und
andere Personen, die mit Haftbefehl gesucht werden. Das
ist ein ganz gutes Ergebnis und ein toller Beifang an
dieser Stelle.
(Beifall bei der CDU/CSU – Desiree Becker
[Die Linke]: Menschen ertrinken im
Mittelmeer, und das ist Ihre Reaktion?)
Aber keine Statistik der Welt weist doch aus, dass ganz
viele Menschen davon abgehalten werden, überhaupt in
die Europäische Union und nach Deutschland zu
kommen, weil wir das Signal geben.
(Lamya Kaddor [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Aber das Signal zahlt nicht bei Ihnen
ein, Herr Seif!)
Und genau das ist der wichtigste Effekt an dieser Stelle.
Die Aufnahmeprogramme wurden beendet, der
Familiennachzug zu subsidiär Schutzberechtigten ausgesetzt.
(Dr. Fabian Fahl [Die Linke]: Also Ertrinken
im Mittelmeer!)
Die Begrenzung der Migration wurde wieder
ausdrücklich als Ziel ins Aufenthaltsgesetz aufgenommen. Und
Straftäter und Gefährder werden nach Afghanistan und
Syrien abgeschoben, weil es in unserem
Sicherheitsinteresse liegt – trotz des Widerstandes von der linken Seite
dieses Parlaments.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD)
Und meine Damen und Herren, wer hier keine Wende
sieht,
der ist bösgläubig und verschließt die Augen vor der
Realität.
(Beifall bei der CDU/CSU – Lamya Kaddor
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Die lachen
Sie aus!)
Unser Land ist nicht mehr der Geisterfahrer der
Asylpolitik, sondern insbesondere mit Alexander Dobrindt
das Zugpferd der Asyl- und Migrationswende.
Deutschland ist Teil einer Gruppe von EU-Staaten, die
an weiteren wirksamen Maßnahmen arbeiten.
(Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Jede Stimme für die AfD!)
Und die Bundesregierung hat auch entscheidend an der
neuen EU-Rückführungsverordnung mitgewirkt, die vor
einer Woche im JI-Rat beschlossen wurde. Sie ermöglicht
die Einrichtung von Rückkehrzentren in Drittstaaten –
ein Meilenstein in der europäischen Asylpolitik und für
die weitere Entwicklung.
(Beifall bei der CDU/CSU – Thorsten Frei
[CDU/CSU]: Sehr gut! – Lamya Kaddor
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN], an die CDU/
CSU gewandt: Aber was klatscht ihr denn da?
Was soll das denn bringen? Das bringt euch
doch gar nichts! – Gegenruf des Abg. Thorsten
Frei [CDU/CSU])
Meine Damen und Herren, die Union sieht aber: Trotz
dieser Maßnahmen sind wir noch nicht am Ziel. Ich
persönlich beschäftige mich als Abgeordneter seit 14 Jahren
mit dem Thema, und ich bin überzeugt, dass wir einen
grundsätzlichen Wandel in der Asylpolitik benötigen.
Trotz der getroffenen Maßnahmen, trotz der GEAS-
Reform und trotz der Rückkehrverordnung ist Europa nicht
auf einen Massenzustrom wie 2015 oder auf vielleicht
sogar noch stärkere Migrationsströme ausgerichtet und
vorbereitet.
Und das Schlimmste ist: Der größte Pulleffekt des
europäischen Asylsystems ist das Asylsystem selbst.
Jeder kann einen Antrag stellen, jeder kann kommen, auch
wenn er keinen Anspruch hat.
(Dr. Fabian Fahl [Die Linke]: Wenn er nicht
ertrinkt vorher! – Desiree Becker [Die Linke]:
Deshalb machen Sie Ihre Lager außerhalb der
europäischen Grenzen! Damit jeder kommen
kann!)
Und am Ende führt das in der Regel zu einem faktischen
Aufenthalt. Das System begünstigt junge Männer, die
sich die Kosten von Schleppern leisten können.
(Desiree Becker [Die Linke]: Waren Sie schon
mal auf dem Mittelmeer? Haben Sie sich das
angeschaut?)
Und – da sollten die Linken gut zuhören – die
Schwachen, die Kranken und dringend Schutzbedürftigen, die
bleiben auf der Strecke, und das blenden Sie völlig aus.
Das lässt sich nur durch einen grundlegenden Wandel im
Asylsystem ändern, weg von der individuellen
Asylprüfung in der Europäischen Union, hin zu humanitären
Aufnahmekontingenten.
Relationen
- part_of → Protokoll der 100. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages
- part_of_vorgang → Maßnahmen für eine wirkliche Migrationswende
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