Rede von Thomas Silberhorn (CDU/CSU) – Dr. Gottfried Curio, Dr. Bernd Baumann,
Teil von Protokoll der 100. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP 36: Dr. Gottfried Curio, Dr. Bernd Baumann,.
Text
Rede von Thomas Silberhorn (CDU/CSU) – Dr. Gottfried Curio, Dr. Bernd Baumann,
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Linke Radikale würden gerne alle ins Land lassen, weil
sie Grenzen nicht akzeptieren und von einer Nation nichts
wissen wollen. Rechte Radikale würden gerne alle
Ausländer rauswerfen,
(Dr. Gottfried Curio [AfD]: Illegal
Aufhältige! – Arne Raue [AfD]: Alle!)
weil sie von einer Volksgemeinschaft aus Biodeutschen
träumen. Nein, meine Damen und Herren, diese
Extremen stehen nicht auf dem Boden unserer freiheitlichen
Verfassung. Sie sind schlicht illegal, und sie haben in
unserem Land keinen Platz.
(Beifall bei der CDU/CSU – Dr. Gottfried
Curio [AfD]: Haben wir mehrfach gesagt:
illegal Aufhältige! – Arne Raue [AfD]: Immer die
gleichen Lügen!)
In unserem Koalitionsvertrag haben wir uns darauf
verständigt, Migration zu ordnen und zu steuern und
irreguläre Migration wirksam zurückzudrängen. Das
setzen wir Schritt für Schritt um.
Wir haben die Grenzkontrollen verstärkt, und wir
weisen Asylsuchende an unseren Außengrenzen zurück, weil
nicht verfolgt sein kann, wer aus einem Nachbarland nach
Deutschland kommt. Wir haben die Turboeinbürgerung
nach drei Jahren abgeschafft und den Familiennachzug
für subsidiär Schutzberechtigte ausgesetzt, weil das nicht
der Weg zu einer dauerhaften Aufenthaltsberechtigung
sein darf.
Wir haben die Bezahlkarte in allen Bundesländern
eingeführt, um Geldüberweisungen in die Herkunftsländer
zu unterbinden und damit finanzielle Anreize zur
Migration zu reduzieren. Und wir haben die Liste sicherer
Herkunftsstaaten deutlich erweitert und, soweit der Bund
dazu beitragen kann, setzen wir Rückführungen
konsequent um.
(Lamya Kaddor [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Ja, da haben Sie alles gemacht, was
die AfD wollte!)
Das ist eine Wende in der Migrationspolitik, die sich
inzwischen in den Zahlen niederschlägt. Die Zahl der
Asylerstanträge ist 2025 gegenüber dem Vorjahr um
50,7 Prozent zurückgegangen und im ersten Halbjahr
2026 nochmals um 35,4 Prozent gegenüber dem
Vergleichszeitraum des Vorjahres gesunken. Meine Damen
und Herren, Deutschland ist nicht mehr das Zielland
Nummer eins in Europa, sondern steht an dritter Stelle,
nach Frankreich und Italien.
Die Entwicklung in den Hauptherkunftsländern wie
der Sturz des Assad-Regimes in Syrien hat dazu
beigetragen. Aber dass der Rückgang in Deutschland 2025
stärker war als in allen anderen EU-Staaten und dass er
sich 2026 fortsetzt, ist das Ergebnis unserer Politik. Es ist
eben ein klares politisches Signal. Es ist nicht mehr so,
dass jeder, der nach Deutschland kommt, hier auch
bleiben darf.
Die Auswirkungen sind in allen Gemeinden spürbar.
Vor allem bei der Unterbringung von Asylbewerbern hat
sich die Lage deutlich entspannt. Allein der Freistaat
Bayern konnte bereits in diesem Jahr 20 000
Unterbringungsplätze abbauen und wird im nächsten Jahr weitere
22 000 Unterbringungsplätze abbauen.
Meine Damen und Herren, wer hier keine
Migrationswende erkennen will, der ignoriert die Fakten. Die Zahlen
belegen, dass wir den Kurs korrigiert haben. Wer das
abstreitet, der macht nur Stimmung, und das machen
wir nicht mit.
Im Übrigen behauptet niemand, dass alle Probleme
gelöst wären. Zu Flüchtlingen aus der Ukraine haben
wir im Koalitionsvertrag vereinbart, dass sie künftig
keine Grundsicherung mehr erhalten, sondern
Asylbewerberleistungen. Dazu muss die Bundesregierung jetzt
zügig einen Gesetzentwurf vorlegen. Aber auch die
Vollzugsbehörden müssen hier genauer kontrollieren, welche
Ukrainer sich überhaupt noch dauerhaft in Deutschland
aufhalten. Ein Missbrauch von Leistungen zulasten des
Bundes ist nicht hinzunehmen. Und deshalb begrüße ich
ausdrücklich, dass die Bundesminister Bärbel Bas und
Alexander Dobrindt jetzt einen Aktionsplan vorgelegt
haben, um den Missbrauch von Sozialleistungen zu
unterbinden.
(Zuruf der Abg. Lamya Kaddor [BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN])
Mehr Konsequenz im Verwaltungsvollzug ist auch bei
Abschiebungen notwendig. Wir brauchen einen
einheitlichen und konsequenten Verwaltungsvollzug in allen
Bundesländern.
Meine Damen und Herren, zur Migrationswende zählt
auch, dass die Europäische Union ein neues
Gemeinsames Europäisches Asylsystem geschaffen hat, das
Mitte Juni 2026 vollständig in Kraft getreten ist. Künftig
werden Personen, die irregulär
(Beatrix von Storch [AfD]: Illegal! – Gegenruf
der Abg. Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Oh, Frau Storch ist auch noch da!)
in die EU einreisen, an allen Außengrenzen identifiziert
und registriert. Ebenfalls direkt an den Außengrenzen
werden die Zuständigkeiten im Schnellverfahren
bestimmt und beschleunigte Asylverfahren durchgeführt.
Für Personen ohne Aufenthaltsrecht gibt es außerdem
ein einheitliches Rückführungssystem, das
Rückkehrzentren auch in Drittstaaten ermöglicht.
Die zentralen Rechtsakte dieses Gemeinsamen
Europäischen Asylsystems wurden im Europäischen
Parlament gegen die Stimmen der AfD und gegen die
Stimmen der Grünen beschlossen, und die
Umsetzungsgesetze in Deutschland wurden im Bundestag gegen die
Stimmen der AfD und gegen die Stimmen der Grünen
beschlossen.
Meine Damen und Herren, auf Ihre Stimmen kam es
nicht an. CDU, CSU und SPD tragen die
Migrationswende in Deutschland und in der Europäischen Union.
(Zuruf von der AfD: Das glauben Sie ja selber
nicht!)
Wir nehmen unsere Verantwortung wahr und lehnen
Ihren Antrag ab.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD)
Relationen
- part_of → Protokoll der 100. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages
- part_of_vorgang → Maßnahmen für eine wirkliche Migrationswende
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