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Rede von Volker Mayer-Lay (CDU/CSU) – Bei der Weltbiodiversitätskonferenz in Jerewan ein starkes Signal zum Schutz unserer Lebensgrundlagen setzen

dip / rede 16.10.2026 · WP 21 · Original ↗

Teil von Protokoll der 103. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP 35: Bei der Weltbiodiversitätskonferenz in Jerewan ein starkes Signal zum Schutz unserer Lebensgrundlagen setzen.

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Rede von Volker Mayer-Lay (CDU/CSU) – Bei der Weltbiodiversitätskonferenz in Jerewan ein starkes Signal zum Schutz unserer Lebensgrundlagen setzen Sehr geehrter Herr Präsident! Lieber Herr Minister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn wir über biologische Vielfalt sprechen, so wie heute, dann denken sehr viele zunächst an das Amazonasgebiet, an Regenwälder, bedrohte Tierarten in fernen Ländern. Aber ich möchte Sie heute mal mit an den schon vom Minister zitierten Bodensee nehmen, unser größtes Binnengewässer in Deutschland. Genau dort erleben wir nämlich gerade sehr konkret, wie empfindlich das ökologische Gleichgewicht der Natur auch bei uns in Deutschland ist. Seit 2016 breitet sich dort, aber auch in anderen Süßgewässern, die invasive Quaggamuschel massiv aus. Sie filtert große Mengen an Algen und Plankton aus dem Wasser. Das Wasser wird dadurch deutlich klarer; aber diese Stoffe fehlen dann anderen Lebewesen als Nahrung. Ein absoluter Großteil der Biomasse wird am Grund des Sees massiert, und die Folgen reichen durch die gesamte Nahrungskette bis hin zu unseren heimischen Fischen. Gleichzeitig gibt es am Bodensee den Kormoran, einen geschützten Vogel, der schon beinahe ausgestorben war und dank des Naturschutzes wieder heimisch geworden ist. Aber aus einzelnen Rückkehrern wurde eine sich explosionsartig vermehrende Population. Und im Zusammenspiel mit dem in der Seeflora und -fauna deutlich sichtbaren Klimawandel übt auch dieser Raubvogel zusätzlichen Druck auf den Artenreichtum, insbesondere im Hinblick auf Fische im See, aus. An diesem Beispiel sehen wir, wie anspruchsvoll Naturschutz tatsächlich ist; denn der Schutz einer Art darf nicht dazu führen, dass wir andere Arten oder das gesamte Ökosystem aus dem Blick verlieren. Biodiversität heißt auch Gleichgewicht der Arten, liebe Kolleginnen und Kollegen. Genau deshalb ist die bevorstehende Weltbiodiversitätskonferenz in Eriwan tatsächlich auch so wichtig. Ich möchte ausdrücklich sagen: Der Antrag der Grünen spricht ganz viele richtige und wichtige Anliegen an. Der Verlust biologischer Vielfalt ist eine ernsthafte Bedrohung unserer Lebensgrundlagen. Die Ziele des Weltnaturabkommens von Kunming und Montreal sind deshalb absolut richtig. Wir brauchen internationale Zusammenarbeit, wirksame Schutzmaßnahmen und eine verlässliche Überprüfung auch unserer Fortschritte. Aber ich finde, wir sollten auch anerkennen, was bereits bei uns geschieht. Deutschland verfügt über eine Nationale Biodiversitätsstrategie – wir haben es schon gehört – mit 64 Zielen und rund 250 Maßnahmen. Natürlich muss unser Anspruch sein, diese konsequent umzusetzen und auch weiterzuentwickeln. Auch international übernimmt Deutschland schon jetzt erhebliche Verantwortung. Und ja, wir müssen uns fragen, wo wir besser werden können. Aber die Antwort kann nicht allein in immer neuen finanziellen Verpflichtungen oder zusätzlichen Vorschriften liegen, liebe Kolleginnen und Kollegen. Sie fordern unter anderem eine Ausweitung der internationalen Finanzierung, eine Verdopplung des deutschen Beitrags im Regenwaldfonds und die Rücknahme von Änderungen im Umweltrecht. Wir setzen halt andere Schwerpunkte. Wir wollen vorhandene Mittel wirksamer einsetzen und internationale Verantwortung fair verteilen, liebe Kolleginnen und Kollegen. Und – Achtung! – Nachhaltigkeit hat drei Dimensionen: natürlich die ökologische, aber die ökomische und die soziale genauso. Wir brauchen intakte Ökosysteme, aber ebenso eine leistungsfähige Wirtschaft, eine zukunftsfähige Landwirtschaft und tragfähige öffentliche Haushalte; damit tun wir uns ja jetzt schon schwer. Und vor allem brauchen wir die Menschen vor Ort als Partner, meine Damen und Herren. Naturschutz darf zum Beispiel nicht gegen die Landwirtschaft organisiert werden, sondern gemeinsam mit ihr. Wer Blühstreifen anlegt, Hecken erhält und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduziert, muss dafür Anerkennung und Planungssicherheit bekommen, liebe Freundinnen und Freunde. Meine Damen und Herren, der Bodensee zeigt uns, dass der Schutz der Artenvielfalt keine theoretische Debatte ist. Er verlangt wissenschaftliche Erkenntnisse, praktische Lösungen und manchmal auch ganz schwierige Abwägungen. Aber nicht die Zahl neuer Verpflichtungen entscheidet über den Erfolg der Biodiversitätsstrategie, sondern das, was wir tatsächlich für unsere Natur erreichen. Und ich denke, daran sollten wir uns auch in Eriwan messen lassen. Vielen Dank.

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