Rede von Harald Ebner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Bei der Weltbiodiversitätskonferenz in Jerewan ein starkes Signal zum Schutz unserer Lebensgrundlagen setzen
Teil von Protokoll der 103. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP 35: Bei der Weltbiodiversitätskonferenz in Jerewan ein starkes Signal zum Schutz unserer Lebensgrundlagen setzen.
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Rede von Harald Ebner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Bei der Weltbiodiversitätskonferenz in Jerewan ein starkes Signal zum Schutz unserer Lebensgrundlagen setzen
Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Kürzlich hat Bundeskanzler Merz der jungen Generation ein Wohlstandsversprechen gegeben. Ich bezweifle, ob ihm bewusst war, dass er dieses Versprechen nur mit intakter Natur und biologischer Vielfalt auch einlösen kann. Denn über die Hälfte der gesamten weltweiten Wirtschaftsleistung hängt direkt von Ökosystemleistungen ab, meine Damen und Herren.
Aber diese Regierung bekämpft alles, was nach Naturschutz riecht, und gefährdet damit die Lebensgrundlagen gerade auch junger Menschen. Der unvergleichliche Schatz der Natur – entstanden in 3,8 Milliarden Jahren –
liefert uns Rohstoffe: ob für Bauwirtschaft, Wasserversorgung, Ernährung, Medizin oder Lebensqualität.
Schokolade, Kaffee, Tee – ohne intakte Ökosysteme gibt es das alles nicht.
Unsere Weltwirtschaft verliert jährlich aufgrund der immer weiter geschwächten Natur rund 500 Milliarden Euro. Das heißt, unsere Natur braucht weltweit Hilfe, und zwar jetzt.
– Doch, genau. – Und in den nächsten beiden Wochen trifft sich die Welt zur Weltbiodiversitätskonferenz in Eriwan, um Bilanz zu ziehen, was seit Montreal 2022 erreicht wurde. Zum ersten Mal wurde dort neben messbaren Zielen auch ein Monitoring vereinbart. Das schließlich ist Voraussetzung, um eine Zielerreichung überhaupt überprüfen zu können. Es mag ja nicht jeder, überprüft zu werden. Die ernüchternde Nachricht ist: Keines dieser Ziele kann bis 2030 erreicht werden – auch und gerade in Deutschland nicht. Und das ist nicht gut.
Hier reißt die Bundesregierung eine zentrale Säule des Naturschutzes nach der anderen ein und riskiert damit Deutschlands bisherige hohe internationale Glaubwürdigkeit. Wer international reüssieren will, der muss eben auch vor der eigenen Haustüre kehren. Und da sieht es schlecht aus.
Mit dem Ablasshandel bei der Infrastruktur, alias Naturzerstörungsgesetz, haben Sie die Naturzerstörung zur käuflichen Sache gemacht. Das versprochene Gesetz zur Stärkung der natürlichen Infrastruktur ist im Nirwana verschwunden. Und für die EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur schaffen Sie noch nicht mal einen Plan; die Kollegen von der Union wollen es sogar komplett wieder abschaffen. Herr Minister Schneider – Sie sind da; das ist schön –, mit welchem Gewicht wollen Sie in Armenien verhandeln, wenn Sie zu Hause täglich Boden verlieren? Ich wünsche Ihnen da viel Erfolg.
Wir verlieren ja immer mehr Säugetiere, Reptilien, Vögel, Fische; das zeigt der aktuelle Living Planet Report 2026. Gründe dafür sind Fehlentwicklungen in der Landwirtschaft, in der Energieversorgung,
im Finanzsystem – alles schon im Handlungsrahmen der Weltnaturkonferenz festgelegt und identifiziert. Deshalb gilt es jetzt bei der COP17, die international vereinbarten Ziele weiterzuverfolgen, zusätzliche Maßnahmen zu vereinbaren und diese auch konsequent umzusetzen. Und wir müssen unsere Zusagen in puncto Finanzmittel einhalten. Denn wir alle brauchen den kühlenden Schatten von Bäumen,
die Vielfalt des Bodenlebens für sauberes Trinkwasser und Holz aus gesunden Wäldern. Ja, auch aus Wäldern, in denen Windkraftanlagen stehen;
denn die Wälder sind dann immer noch da.
Naturschutz ist eben kein Nice-to-have, und er geht uns alle an.
– Ja, grölen Sie doch dauernd rein. – Natur zu bewahren, ist ein fraktionsübergreifendes Anliegen. Zumindest den Parteien mit dem C im Namen sollte doch die Schöpfung am Herzen liegen, könnte man meinen.
Herr Bundeskanzler, Ihr Zukunftsversprechen – er ist nicht da – geht nur auf, wenn Sie schützen, worauf alles aufbaut: unsere natürlichen Lebensgrundlagen. Sorgen Sie dafür, dass Deutschland in Eriwan und zu Hause seinen Beitrag leistet. Nur eine ökologisch intakte Welt kann auch eine dauerhaft wirtschaftlich erfolgreiche und friedliche Welt sein.
Vielen Dank.
Relationen
- part_of → Protokoll der 103. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages
- part_of_vorgang → Bei der Weltbiodiversitätskonferenz in Jerewan ein starkes Signal zum Schutz unserer Lebensgrundlagen setzen
- part_of_vorgang → Gesetz zum Bürokratierückbau im Verkehrsbereich
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