Rede von Heinz-Peter Haustein (FDP) – Drucksache 16/7467
Teil von Protokoll der 133. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 10 a und 10 b: Drucksache 16/7467 –.
Text
Rede von Heinz-Peter Haustein (FDP) – Drucksache 16/7467
Sehr verehrte Frau Kipping, ich freue mich über jeden
Menschen, der Weihnachten feiert, wenn er es denn
ehrlich meint.
Sie sagen, es sei unehrlich, dass wir die
Weihnachtsbeihilfe von 40 Euro ablehnen. Dazu sage ich Ihnen: Es
gibt viele Menschen, die von früh bis spät arbeiten und
noch weniger als ein ALG-II-Empfänger haben. Diese
würden diese Weihnachtsbeihilfe nicht erhalten.
Das haut also nicht hin.
Wenn Sie sich mit Ihrer Vergangenheit kritisch
auseinandersetzen wollen, dann sollten Sie das offen und
Heinz-Peter Hausteinehrlich tun und Tabula rasa machen. Ich habe nämlich
den Eindruck, dass das in Ihrer Partei nicht der Fall ist.
(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU – Dirk
Niebel [FDP]: Die Linke kann das ja vom
DDR-Vermögen zahlen! – Dr. Karl Addicks
[FDP]: Die Linke sollte an das SED-Vermögen
herangehen!)
Wir geben in unserem Land alles in allem
686 Milliarden Euro für Soziales aus. Das ist eine
unvorstellbare Summe. Wir geben allein 42 000-mal 1 Million
Euro für das ALG-II – sprich: Hartz IV – aus. Trotzdem
fühlen sich Menschen ungerecht behandelt. Das ist so
nicht in Ordnung.
Darüber, dass das natürlich ausgenutzt wird und dass
wir ihnen damit den Ball zuspielen, sollten wir einmal
genau nachdenken. Wir müssen Hartz IV, so wie es jetzt
vorliegt, so verändern, dass man es schnell abschaffen
könnte. Wir brauchen ein liberales Bürgergeld, das den
Menschen eine Grundsicherung bietet,
und nicht diese Bürokratie und die vielen einzelnen
Leistungen bei Hartz IV.
Wir haben nämlich noch ein Problem: Bei den vielen
Anträgen, die die Linken hier einbringen, geht es nicht
nur um eine Kürzung des Regelsatzes um 35 Prozent für
das Krankenhausessen oder um ein Weihnachtsgeld von
40 Euro. Es geht auch darum, dass von der linken Seite
des Hauses – das meine ich ernst – immer wieder
versucht wird, den sozialen Frieden in diesem Land zu
torpedieren und zu unterwandern. Liebe Demokraten, das
muss uns Sorge bereiten. Wir müssen uns einmal
überlegen, was wir hier zu tun haben;
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU)
denn es ist nicht gut, dass in diesen Anträgen, die hier
vorgelegt werden, alles so dargestellt wird, als seien wir
den Menschen gegenüber unsozial, unchristlich und
unfair.
Das ist nämlich nicht so. Bei dem Geld, das wir in
diesem Land für den sozialen Bereich ausgeben, kann man
von mehr als von sozialer Gerechtigkeit sprechen. Eine
hundertprozentige Gerechtigkeit aber werden Sie auf der
Welt nicht finden.
Weil das Weihnachtsfest vor der Tür steht, schenke
ich Ihnen allen etwas, und zwar eine Minute meiner
Redezeit und damit eine Minute Ihrer Lebenszeit. Ich
wünsche Ihnen ein herzliches Glückauf aus dem Erzgebirge.
(Beifall bei der FDP, der CDU/CSU und der
SPD)