Rede von Jörg Tauss (SPD) – Gehring, Krista Sager, Priska Hinz (Herborn),
Teil von Protokoll der 193. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 8 a und 8 b: Gehring, Krista Sager, Priska Hinz (Herborn),.
Text
Rede von Jörg Tauss (SPD) – Gehring, Krista Sager, Priska Hinz (Herborn),
Ich habe es gesehen, Herr Dobrindt, vielen Dank.
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen! Liebe
Kollegen! Gestern Abend hatte ich eine Schulklasse aus
meinem Wahlkreis zu Besuch. Von den jungen Menschen
wird immer wieder der Eindruck geäußert, es gebe keine
Unterschiede zwischen den Parteien. Wir brauchen uns
hier nicht länger über das Thema Studiengebühren zu
unterhalten – leider sind die Länder dafür zuständig –;
aber in dieser Frage gibt es in der Tat klare Unterschiede:
Die SPD ist gegen Studiengebühren, egal, ob vor- oder
nachgelagerte, und andere sind dafür.
Das ist zunächst einmal noch kein Problem, wenn man
politische Mehrheiten hat. Aber dieser klare Unterschied
muss benannt werden.
(Alexander Dobrindt [CDU/CSU]: Wir sind
für bessere Studienbedingungen, und Sie sind
dagegen! Das ist der Umkehrschluss!)
– Das ist ja nicht schlimm, Herr Dobrindt. Sie müssen
sich ja irgendwie von mir unterscheiden; ansonsten
erkennt man Sie ja gar nicht. In der Studiengebührenfrage
sind wir also unterschiedlicher Auffassung.
Dann wurde von Frau Pieper gesagt, es gebe keinen
Beleg dafür, dass jemand wegen der Studiengebühren
nicht studiert.
– Ich lade Sie herzlich gern zu einem Kaffee in mein
Büro ein. Dort können Sie einen Auszubildenden
unserer Landesgruppe Baden-Württemberg kennenlernen,
einen tüchtigen jungen Mann mit Abitur, Klassenbester
übrigens, bester Berufsschüler; das liegt ja am
Ausbilder; man freut sich ja dann. Ich habe ihn gefragt, warum
er einen Ausbildungsplatz bei mir haben wolle.
(Heiterkeit bei der CDU/CSU und dem
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
– Das fragt sich auch Herr Dobrindt. – Zum einen hat er
gesagt, er finde die Stelle interessant; der Mann ist
einfach klug. Zum anderen hat er klar gesagt, er bzw. seine
Eltern könnten sich ein Studium nicht leisten.
(Marion Seib [CDU/CSU]: Dann soll er nach
Bayern kommen!)
– Das hat doch gar nichts mit Bayern zu tun. In meinem
Bekanntenkreis haben Leute aus dem Mittelstand, den
Sie, Frau Pieper, entlasten wollen, drei Töchter, die
ungefähr gleichzeitig in das studierfähige Alter kommen,
aber nicht BAföG-berechtigt sind. Da ist es halt ein
Unterschied, ob man pro Jahr 3 000 Euro mehr an
Studiengebühren zahlen muss. Die Entscheidungen, die hier
getroffen werden müssen, reichen darüber hinaus bis zur
Frage von Lehrbüchern und Ähnlichem; diesbezüglich
müssen auch Eltern von Schulkindern rechnen. Hierzu
sagt die SPD: Vom Geld der Eltern darf weder ein
Studium noch ein Schulbesuch abhängen. Dies
kennzeichnet unsere Bildungspolitik grundsätzlich über viele Jahre
hinweg.
Die Kollegen Schulz und Rossmann haben schon
Vieles gesagt. Zum Schulterklopfen gibt es in der Tat – das
ist vonseiten der Opposition mehrfach gesagt worden –
keinen Anlass. Der Kollege Schulz hat aber auch
deutlich zum Ausdruck gebracht, dass wir den
Hochschulpakt I jetzt auch nicht in Sack und Asche zu reden
brauchen. Er hatte nämlich auch positive Wirkungen.
Freuen wir uns doch darüber.
Relationen
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