Rede von Jörg Tauss (SPD) – Gehring, Krista Sager, Priska Hinz (Herborn),
Teil von Protokoll der 193. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 8 a und 8 b: Gehring, Krista Sager, Priska Hinz (Herborn),.
Text
Rede von Jörg Tauss (SPD) – Gehring, Krista Sager, Priska Hinz (Herborn),
Liebe Frau Kollegin Pieper, ich bin ja froh darüber,
dass wir gemeinsam der Auffassung sind – der erste Teil
Ihrer Frage war das Positive an Ihrer Aussage –, dass
Geld in Deutschland keine entscheidende Rolle spielen
darf, wenn es um Bildungserfolg oder grundsätzlich um
den Zugang zu Bildung geht. Also verbindet uns schon
einmal etwas. Ich frage mich aber, woher Ihre Logik
kommt. Sie sagen: Wenn ich Studiengebühren erhebe,
hat das mit dem Geldbeutel der Eltern nichts zu tun.
Diese Logik erschließt sich mir tatsächlich nicht. Daher
würde ich vorschlagen, dass wir die weitere
Entwicklung betrachten.
Im Ausschuss haben wir über die HIS-Studie
diskutiert. Die Verfasser der HIS-Studie haben klar ausgesagt:
Einfache Zusammenhänge sind nicht in irgendeiner
Form herstellbar. Das ist die eine Seite der Medaille.
(Cornelia Pieper [FDP]: Die Frage ist
beantwortet, zwar nicht ausreichend, aber
immerhin!)
– Ich bin immer noch dabei. – So ungern ich der
Kollegin Hirsch an einigen Stellen recht gebe, weil sie
gelegentlich so furchtbar überzeichnet – manchmal wäre es
besser, wenn sie das nicht täte –, in einem Punkt hat sie
trotzdem recht, und das ist die zweite Seite der Medaille:
Die Zahl der Abiturienten, die Zahl der
Zugangsberechtigten ist gestiegen – diese Zahlen sind belegbar –, die
Zahl der Studierenden steigt aber nicht in
vergleichbarem Maße. Zu der Gruppe der Studienberechtigten, die
kein Studium aufnehmen, zählt auch mein
Auszubildender, über den ich eben gesprochen habe. Auch er sagt:
Wir können uns das nicht leisten. – Das wollen wir
verhindern, liebe Frau Kollegin Pieper.
(Beifall bei der SPD – Cornelia Pieper [FDP]:
Schicken Sie ihn zu mir, dann sage ich ihm,
wie er studieren kann!)
Stichworte, die man mit einer Verbesserung des
Hochschulpaktes in Verbindung bringen kann, gibt es
genug. Ich mache jetzt einfach einmal weiter. Ich bin für
jede weitere Zwischenfrage dankbar, da ich nur noch
1 Minute und 37 Sekunden Redezeit habe.
Bis 2010 finanzieren wir den Overhead mit über
700 Millionen Euro. Das ist eine Menge Geld. Der
Kollege Hagemann, unser Haushälter, schaut gerade, wo er
die 700 Millionen Euro für das nächste Jahr
herbekommen kann. Lieber Klaus, das müssen wir über den
Hochschulpakt regeln, weil das ausschließlich Geld des
Bundes ist. Hier wollen wir die Länder aber mit im Boot
haben, was richtig ist. Ich glaube, wir können es
schaffen, erheblich höhere Beträge für den Hochschulpakt
einzuwerben, wenn wir mit den Ländern noch einmal
verhandeln.
Ein weiterer Stichpunkt: Das Geld folgt den
Studierenden. Frau Kollegin Seib, ich bin sehr dankbar dafür.
Wie man das Ding am Ende nennt, ist mir wurscht;
wegen meiner kann man es auch Gutscheinmodell nennen.
Der Gedanke ist das Wesentliche.
Es darf keine Belastung für die Hochschulen und
Universitäten sein, wenn junge Leute zu ihnen kommen.
Eine Universität muss davon profitieren, dass sie
lukrativ ist und viele hingehen wollen. Die Länder und wir
müssen es honorieren, dass sich eine Universität um
diese Leute kümmert, dass sie für junge Menschen
lukrativ ist. Die jungen Menschen dürfen nicht als
Belastung, sondern müssen als Bereicherung empfunden
werden.
Was die Investitionen in die Unterhaltung der
Einrichtungen angeht, sind wir uns alle einig. Ich muss sagen:
Ich war bei den Debatten über das, was wir für die
Konjunktur tun – „Konjunkturprogramm“ dürfen wir ja nicht
sagen –, überrascht darüber, dass wir keinen Überblick
über die Projekte der Länder haben. Das unterscheidet
uns, Herr Kollege Storm, vom Verkehrsbereich. Wir
wissen über jedes einzelne Straßenprojekt, das planungsreif
in irgendeiner Schublade liegt, genau Bescheid. Wir
könnten sie alle morgen im Rahmen eines
Konjunkturprogramms beginnen. Das gibt es bei den Universitäten
nicht. Das halte ich für skandalös. Das ist ein Punkt, um
den wir uns kümmern müssen. Ich hoffe, dass wir das
gemeinsam tun können. Ansonsten werbe ich mit Verve dafür, dass wir das
Erfolgsmodell der Juniorprofessur – das sollte eigentlich
der Hauptteil meiner Ausführungen sein – vorantreiben.
Wir müssen qualitative Forderungen stellen. Ein
Frauenanteil in Höhe von 30 Prozent ist ein toller Erfolg. Damit
können wir auch die Lehre verbessern. Das muss ein
wichtiger Teil des Hochschulpaktes II sein.
Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit.
Relationen
- part_of → Protokoll der 193. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages
- spoke_in ← Jörg Tauss (Rede)