Rede von Dr. Hakki Keskin (DIE LINKE) – Gehring, Krista Sager, Priska Hinz (Herborn),
Teil von Protokoll der 193. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 8 a und 8 b: Gehring, Krista Sager, Priska Hinz (Herborn),.
Text
Rede von Dr. Hakki Keskin (DIE LINKE) – Gehring, Krista Sager, Priska Hinz (Herborn),
Frau Präsidentin! Meine lieben Kolleginnen und
Kollegen! Der Wehrbeauftragte, Herr Robbe, präsentiert in
seinem Jahresbericht eine differenzierte und zugleich
recht kritische Situationsbeschreibung der Bundeswehr.
Ihre Arbeit, Herr Robbe, hat sich in der Vergangenheit
sehr bewährt. Dies nimmt die Linke zum Anlass, Sie
ausdrücklich zu ermutigen, Ihre parlamentarische
Kontrollfunktion voll auszuschöpfen.
(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert
Winkelmeier [fraktionslos])
Dazu gehört, dass Sie mit konkreten Eigeninitiativen
stärker zur Lösung struktureller Probleme beitragen
können. Dies betrifft beispielsweise die
Wehrdisziplinarordnung und die Innere Führung.
Der Wehrbeauftragte kommt bereits in seinem
Vorwort zu dem Fazit, dass – ich zitiere – „sich an den
grundsätzlichen und strukturellen Problemen der Bundeswehr
nur wenig zum Positiven hin geändert“ hat. Allein schon
diese einleitende Feststellung sollte für die
Bundesregierung eigentlich Grund genug sein, die aufgeführten
Missstände endlich zu beseitigen. Grob umrissen, betrifft dies
vor allem die Ausstattung und Unterbringung der
Soldatinnen und Soldaten bei Bundeswehreinsätzen im
Ausland.
Des Weiteren befinden sich im Inland zahlreiche
Bundeswehrkasernen in einem erschreckenden Zustand. Die
Wohnunterkünfte sind zum Teil dramatisch überbelegt
und oft sanierungsbedürftig. Auch bei der Inneren
Führung macht der Bericht zum wiederholten Male deutlich,
dass das Bewusstsein mancher Vorgesetzter und Solda-ten für die Menschenwürde weiter geschärft werden
muss.
Als zunehmend problematisch wird die Qualität der
sanitären und medizinischen Versorgung beschrieben.
Insbesondere gilt dies für den Bereich „posttraumatische
Belastungsstörungen nach Auslandseinsätzen“. Der
Wehrbeauftragte geht von einer vielfach höheren Dunkelziffer
von Krankheitsfällen aus. Diese Entwicklung muss uns
Anlass zu großer Sorge geben, die nicht auf dem Rücken
der Betroffenen abgeladen werden darf.
(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg.
Winfried Nachtwei [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN])
Die Linke hat hierzu einen eigenen Antrag vorgelegt und
fordert die Bundesregierung auf, den erkrankten
Soldatinnen und Soldaten die bestmögliche Behandlung
zukommen zu lassen. Feststeht, dass Kampfeinsätze im
Ausland oftmals langfristige psychische Schäden
hinterlassen. Laut Bericht des Wehrbeauftragten stellen sich
auch immer mehr Soldatinnen und Soldaten die Frage
nach dem Sinn ihrer Einsätze. Es ist schon auffällig, wie
die Bundesregierung gebetsmühlenartig die
Notwendigkeit von Auslandseinsätzen betont, wenn gleichzeitig
diejenigen, die diese Einsätze durchführen müssen,
zunehmend Zweifel äußern.
Abgesehen davon, dass für uns Krieg kein Mittel zur
Konfliktlösung ist, sieht sich die Linke in ihrer
grundsätzlichen Kritik an militärischen Kampfeinsätzen der
Bundeswehr im Ausland bestätigt und fordert die
Bundesregierung auf, von dieser verhängnisvollen Politik
abzurücken. Die Linke ruft die Bundesregierung auf,
Konflikte im internationalen Staatensystem mithilfe des
Völkerrechts und seiner Gremien friedlich zu lösen.
Die militärischen Kampfeinsätze im Ausland müssen
schnellstmöglich beendet werden. Die Bundesregierung
würde damit die Voraussetzungen dafür schaffen, dass
sich die Bundeswehr wieder um ihre eigentliche
Aufgabe kümmert. Dazu gehört nach dem Verständnis der
linken Fraktion die unmittelbare Verteidigung der
Landesgrenzen der Bundesrepublik Deutschland.
Ich danke Ihnen.
(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert
Winkelmeier [fraktionslos] – Winfried Nachtwei
[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Dann
brauchen wir wieder mehr Panzer!)