Rede von Elke Hoff (FDP) – Von der
Teil von Protokoll der 73. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 7 a und 7 b: Zweite und dritte Beratung des von der.
Text
Rede von Elke Hoff (FDP) – Von der
Sehr verehrter Herr Präsident! Meine sehr verehrten
Kolleginnen und Kollegen! Wir beraten heute den
Jahresbericht 2005 des Wehrbeauftragten abschließend im
Plenum. Deswegen, Herr Wehrbeauftragter Robbe, darf
ich Ihnen und besonders Ihren Mitarbeitern sehr herzlich
für die hervorragende Arbeit danken, die weit über die
Vorlage dieses Jahresberichts hinausgeht.
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU, der SPD und des BÜNDNIS-
SES 90/DIE GRÜNEN)
Ihr Amtsverständnis als ein öffentlich agierender
Hüter der Interessen unserer Soldatinnen und Soldaten tut
zwar manchem in der Koalition hin und wieder weh,
aber bleiben Sie unbeirrt. Denn Ihr Kontrollauftrag undIhr Bericht sind auch deshalb glaubwürdig, weil Sie sich
durch zahlreiche unangekündigte Truppenbesuche ein
authentisches Bild verschaffen konnten.
Ich möchte diese Debatte am Ende des Jahres wie
meine Vorredner auch dazu nutzen, den Soldatinnen und
Soldaten zu danken, die für den Schutz unserer Freiheit
ihren hochverantwortlichen Dienst verrichten. Wir
sollten den heutigen Tag auch zum Anlass nehmen, an
diejenigen Soldatinnen und Soldaten zu denken, die das
Weihnachtsfest fern von der Heimat verbringen müssen.
(Beifall bei der FDP und dem BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN)
Herr Robbe, Sie haben einen Brief an den
Verteidigungsausschuss geschrieben, in dem Sie erneut auf
schwere Ausrüstungsmängel im Rahmen des
Kongoeinsatzes aufmerksam gemacht haben. Die
Bundesregierung müsste daraus Konsequenzen ziehen. Das Problem
scheint aber zu sein, dass sich der Verteidigungsminister
hinsichtlich der Ausbildungs- und
Ausrüstungssituation in einer anderen Realität wähnt. Herr Jung, Sie
haben mir gegenüber am 22. November behauptet, dass
wir unseren Soldatinnen und Soldaten, die sich in
riskanten Auslandseinsätzen befinden, eine optimale
Ausbildung gewähren und eine optimale Ausrüstung mitgeben.
Glauben Sie das wirklich? Es müsste doch inzwischen
bekannt sein, dass gerade Personenschäden bei
Anschlägen auf deutsche Soldaten hätten verhindert werden
können, wenn Ihr Ministerium beispielsweise die am Markt
vorhandenen Jammer gegen Sprengfallen rechtzeitig
beschafft hätte. Insofern waren die Ausrüstungsdefizite im
Kongo zwar ärgerlich, anderswo aber hatten sie
unmittelbare Auswirkungen auf die Gesundheit unserer
Soldaten. Auch der nun endlich in Gang gesetzte
beschleunigte Zulauf von 100 Dingo 2 im nächsten Jahr ist hier
nur ein nächster Schritt.
Sie schützen immer wieder fehlende Haushaltsmittel
vor. Aber wer A sagt, muss auch B sagen. Die
Bundesregierung muss endlich deutlich machen, was ihr die
zahlreichen Einsätze der Bundeswehr als Instrument der
Außenpolitik wert sind. Die große Koalition hat im
Koalitionsvertrag vereinbart, dass sichergestellt werden
müsse, künftige Auslandseinsätze aus dem
Einzelplan 60 zu finanzieren. Was haben Sie davon bisher
umgesetzt? Nichts. Ähnlich inkonsequent zeigt sich die
Bundeskanzlerin: Ja, man brauche mehr Geld für die
Bundeswehr. Nein, 2007 gebe es noch keines. Wann
denn, bitte schön? Wie viel und wofür?
Besonders groß ist der Unmut derzeit im zentralen
Sanitätsdienst. Hier ist die Personalsituation derart
angespannt, dass sich die Betroffenen auch öffentlich
deutliches Gehör verschaffen. Die Bundesregierung verkauft
es schon als einen Erfolg, wenn die Beschaffung einer
Grundbefähigung geschützter Sanitätsfahrzeuge bis
2010 geplant ist. Andere Projekte muss sie sogar über
zehn Jahre hinweg strecken. Ich darf daran erinnern,
dass die Grundbefähigung lediglich die materielle
Mindestanforderung für den Einsatz darstellt. Nach den
eigenen Kriterien der Bundeswehr wäre der zentrale
Sanitätsdienst nur bedingt einsatzfähig. Auch die personelle
Besetzung lässt bestenfalls diese Einschätzung zu: Le-
Elke Hoffdiglich 55 Prozent der Truppenärzte stehen der
truppenärztlichen Versorgung tatsächlich zur Verfügung. Statt
jedoch einzuräumen, dass es Probleme gibt und diese
ausgeräumt werden müssen, werden diejenigen, die den
Betrieb aus jahrelanger eigener Erfahrung gut kennen
und die Probleme artikulieren, als Einzelfälle
gebrandmarkt, bei denen – wie es dann heißt – Inhalt und Ziel
der Transformation noch nicht in allen Köpfen
angekommen sind.
Es muss beim Umgang mit der Bundeswehr bald zu
einem Paradigmenwechsel kommen; denn sonst verliert
sie als Arbeitgeber immer mehr an Attraktivität. Schon
heute müssen die Kriterien für diejenigen freiwillig
länger Wehrdienst Leistenden herabgesetzt werden, die
nicht im Auslandseinsatz verwendet werden. Ich bin
froh, dass zumindest mit dem
Weiterverwendungsgesetz nun hoffentlich der Anspruch auf
Weiterbeschäftigung für im Einsatz zu Schaden gekommene Soldaten
geschaffen wird.
(Beifall bei der FDP sowie des Abg. Winfried
Nachtwei [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Ich hoffe, dass sich das Verteidigungsministerium hier
gegenüber dem Justizministerium durchsetzen wird. Der
aus diesem Bereich vorgebrachte Einwand, das Gesetz
verstoße gegen das Leistungsprinzip, ist aus meiner
Sicht unerträglich.
(Beifall bei der FDP sowie des Abg. Winfried
Nachtwei [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Sehr geehrter Herr Wehrbeauftragter, es bleibt für Sie
und uns alle im nächsten Jahr viel zu tun, um die
Bundeswehr auf ihrem schwierigen Weg durch die
Transformation zu begleiten. Dafür wünsche ich Ihnen und auch
uns weiterhin eine gute Hand. Bei allen Kollegen,
insbesondere bei den Kolleginnen und Kollegen des
Verteidigungsausschusses, darf ich mich für die gute
Zusammenarbeit sehr herzlich bedanken.
Ich wünsche Ihnen ein frohes, ein glückliches, ein
besinnliches Weihnachtsfest, einen guten Rutsch ins neue
Jahr und viel Gesundheit. Ich freue mich auf die weitere
Zusammenarbeit im nächsten Jahr.
(Beifall bei der FDP, der CDU/CSU, der SPD
und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN –
Zurufe von der CDU/CSU: Wir auch!)