Rede von Katrin Kunert (DIE LINKE) – Von der
Teil von Protokoll der 73. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 7 a und 7 b: Zweite und dritte Beratung des von der.
Text
Rede von Katrin Kunert (DIE LINKE) – Von der
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Sehr geehrte Gäste! Sehr geehrter Herr Robbe!
Bundespräsident Köhler beklagt, dass die Deutschen ihrer
Bundeswehr mit einem freundlichen Desinteresse begegnen.
Er wünscht sich eine breite gesellschaftliche Debatte –
nicht über die Bundeswehr, sondern über die Außen-,
Sicherheits- und Verteidigungspolitik unseres Landes.
Das wünschen wir uns auch.
Sie, Herr Robbe, wollen diese Debatte fördern. Ich
darf Sie zitieren:
Die Soldatinnen und Soldaten sollen nicht allein
gelassen werden mit ihrem unverzichtbaren Auftrag,
unser Land zu verteidigen sowie für Frieden,
Freiheit und Menschenrechte auch außerhalb
Deutschlands einzutreten.
Viele Menschen in unserem Land wollen mit
Sicherheit eine solche Debatte führen. Aber wie, frage ich Sie,
soll das gehen, wenn sich diese Regierung ständig gegen
die Interessen der Mehrheit der Menschen im Land
verhält?
So beschließt die übergroße Mehrheit von Rot-Schwarz
ständig mehr Auslandseinsätze, obwohl die Mehrheit der
Menschen mehr Sinn in humanitärer Hilfe sieht. Wer
definiert eigentlich, was unverzichtbare Aufträge sind?
Katrin KunertIch stelle nach zwei Berichten des Wehrbeauftragten
fest: Nichts Neues in der Bundeswehr. Jahr für Jahr gibt
es die gleichen Probleme. Trotz eines Gesamtvolumens
in Höhe von 28 Milliarden Euro für den
Verteidigungsetat im Bundeshaushalt gibt es erhebliche Defizite in der
Ausstattung und in der Betreuung der Soldatinnen und
Soldaten.
Skandalös ist für uns nach 16 Jahren deutscher
Einheit die immer noch unterschiedliche Besoldung in Ost
und West,
die schrittweise bis 2009 aufgehoben werden soll.
Entscheidungen für Auslandseinsätze werden in diesem
Haus schneller getroffen.
Die Kürzung des Weihnachtsgeldes wurde nicht
zurückgenommen. Die Kasernen, insbesondere im Westen,
sind in einem schlechten Zustand. Hier braucht es einen
Aufbau West. Der Beförderungsstau macht immer noch
jedem Ferienstau Konkurrenz.
Schaut man sich die Stellungnahme des
Verteidigungsministeriums zum Bericht an, findet man dehnbare
Formulierungen wie „geeignete Maßnahmen“, „sind
fortwährend bemüht“ oder „verstärkt einfordern“.
Einschätzungen des Wehrbeauftragten, dass
Erhebungen der Bundeswehr über das Gesamtausmaß des
Syndroms der posttraumatischen Erkrankungen von
Soldatinnen und Soldaten im Einsatz fehlen, müssen wir
leider bestätigen. Das Verteidigungsministerium
widerspricht dieser Aussage und verweist auf Daten aus dem
Jahre 1999. Diese Daten seien Grundlage für die
umgesetzten Betreuungs- und Versorgungskonzepte.
Den wiederholten Hinweis, dass diese Erkrankung
auch bei der Feuerwehr und der Polizei auftrete, nehmen
wir nicht hin. Posttraumatische Erkrankungen treten in
der Bundeswehr seit Beginn der Auslandseinsätze auf.
Das ist genau der Punkt. Es darf nicht sein, dass ein
junger Mann aus Afghanistan zurückkommt und ein halbes
Jahr nicht mehr spricht. Wissen Sie wirklich um die
Bedingungen und Gefahren, wenn Sie deutsche
Soldatinnen und Soldaten ins Ausland schicken? Wir bezweifeln
das sehr stark.
(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert
Winkelmeier [fraktionslos])
Der Wehrbeauftragte hat eine Bundesstiftung zur
Entschädigung von Strahlenopfern angeregt. Das
unterstützen wir.
Das Verteidigungsministerium hingegen hält dies für
nicht vertretbar. Warum nicht? Das werden wir noch
einmal auf die Tagesordnung setzen.
Ich meine, dass die im Bericht immer wieder
aufgezeigten Mängel ein Beleg dafür sind, dass nicht ernsthaft
an der Beseitigung der Mängel gearbeitet und so manche
Beschwerde bagatellisiert wird.
Lassen Sie mich einen Punkt ansprechen, der gerade
in der heutigen Zeit für uns sehr wichtig ist. Nach Ein-setzung des Verteidigungsausschusses als
Untersuchungsausschuss „Kurnaz“ wurde vorgeschlagen, die
Arbeit des Unterausschusses „Innere Führung“
wegen der Arbeitsbelastung nach dem Frühjahr 2007
einzustellen. Ausgerechnet der Ausschuss, der solche
Vorkommnisse wie die in Afghanistan aufzuarbeiten hat,
soll eingestellt werden? Der Ausschuss, der die Fragen
der Nachwuchswerbung begleiten muss, der sich mit den
Kriterien der Eignungsprüfung stärker zu befassen hat
und der in besonderem Maße Verantwortung für die
politische Bildung und Vermittlung gesellschaftlicher Werte
trägt, muss weiterarbeiten – und dies in einer besseren
Qualität.
Wenn man eine Sitzung dieses Ausschusses in letzter
Minute auf 7.30 Uhr ansetzt und man
verkehrstechnische Probleme hat, dann ist es wirklich schwierig, daran
teilzunehmen. Man muss diese Termine auch richtig
planen.
(Zurufe von der CDU/CSU: Früher aufstehen! –
Hedi Wegener [SPD]: Jeder Arbeiter fängt um
7 Uhr an!)
Die im Bericht des Wehrbeauftragten aufgelisteten
Mängel stehen auch im Zusammenhang mit
Auslandseinsätzen. Das wiederholte Versagen der
Verantwortlichen in der Bundeswehr im Rahmen der Ausbildung und
der Vorbereitung auf Auslandseinsätze sowie der
psychische Stress für die Soldatinnen und Soldaten bei
Auslandseinsätzen bestärken die Fraktion Die Linke in ihrer
Forderung, den sofortigen Abzug der Bundeswehr aus
Afghanistan einzuleiten.
Ich danke Ihnen.
(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert
Winkelmeier [fraktionslos])