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Protokoll der 123. Sitzung des 8. Deutschen Bundestages

dip / plenarprotokoll 07.12.1978 · WP 8 · 08/123 · Original ↗

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Protokoll der 123. Sitzung des 8. Deutschen Bundestages [Plenarprotokoll 8/1 23 Deutscher Bundestag Stenographischer Bericht 123. Sitzung Bonn, Donnerstag, den 7. Dezember 1978 Inhalt: Erklärung zur Verurteilung Nico Hübners durch das Stadtgericht von Ost-Berlin . . 9541 A Eintritt des Abg. Reichold in den Deutschen Bundestag 9541 B Verzicht des Abg. Schmidhuber auf die Mitgliedschaft im Deutschen Bundestag . . 9541 C Amtliche Mitteilung ohne Verlesung . . 9541 C Beratung der Beschlußempfehlung und des Berichts des Verteidigungsausschusses als 1. Untersuchungsausschuß nach Artikel 45 a Abs. 2 des Grundgesetzes zu dem Antrag der Mitglieder der Fraktion der CDU/CSU im Verteidigungsausschuß auf Einsetzung des Verteidigungsausschusses als Untersuchungsausschuß zur Untersuchung des Spionagefalles Lutze/Wiegel und damit im Zusammenhang stehender Sachverhalte — Drucksache 8/2290 — Ahlers SPD 9541 D Ernesti CDU/CSU . . . . . . . . . 9546 B Dr. Voss CDU/CSU . . . . . . . . 9550 A Horn SPD 9554 A Möllemann FDP 9558 A Dr. Apel, Bundesminister BMVg . . . 9562 C Dr. Wörner CDU/CSU 9567 A Neumann (Stelle) SPD 9573 B Leber SPD 9576 D Beratung der Beschlußempfehlung und des Berichts des Verteidigungsausschusses zum Jahresbericht 1977 des Wehrbeauftragten — Drucksachen 8/1581, 8/2224 — Dr. Geßner SPD . . . . . . . . . . 9591 D Ludewig FDP . . . . . . . . . . . 9594 C Porzner SPD (zur GO) . . . . . . . . 9596 C Dr. von Bülow, Parl. Staatssekretär BMVg 9596 C Würzbach CDU/CSU 9600 B Möllemann FDP . . . . . . . . . 9604 A Berkhan, Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestages 9605 A Beratung der Beschlußempfehlung und des Berichts des Ausschusses für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau zu dem Antrag der Abgeordneten Dr. Jahn (Münster), Dr. Schneider, Nordlohne, Eymer (Lübeck), Francke (Hamburg), Lintner, Link, Luster, Dr. Möller, Niegel, Kolb, Frau Pack, Prangenberg, Sauter (Epfendorf), Dr. van Aerssen und der Fraktion der CDU/CSU Privatisierung von Grund und Boden und von Sozialmietwohnungen Drucksachen 8/1010, 8/1903 — Dr. Jahn (Münster) CDU/CSU 9609 B Krockert SPD 9614 B Gattermann FDP 9616 D Dr. Haack, Bundesminister BMBau . . . 9619 C Zweite und dritte Beratung des Entwurfs eines Neunundzwanzigsten Gesetzes zur Änderung des Lastenausgleichsgesetzes — Drucksachen 8/2078, 8/1532, 8/1518 — Bericht des Haushaltsausschusses gemäß § 96 der Geschäftsordnung — Drucksache 8/2336 — Beschlußempfehlung und Bericht des Innenausschusses — Drucksache 8/2335 — Krey CDU/CSU . . . 9623 B Jaunich SPD . . . . . . . . 9624 D, 9630 A Dr. Wendig FDP 9626 C Dr. Wittmann (München) CDU/CSU . . 9628 C von Schoeler, Parl. Staatssekretär BMI . 9631 C Dr. Becher (Pullach) CDU/CSU (Erklärung nach § 59 GO) 9632 D Fragestunde — Drucksache 8/2339 vom 01. 12. 1978 — Änderung der Übergangsvorschriften des Rehabilitationsangleichungsgesetzes (§ 41) betr. das Auslaufen von Kinderheilbehandlungen und Krebsnachbehandlungen MdlAnfr A79 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Becker (Frankfurt) CDU/CSU Antw PStSekr Buschfort BMA 9578 C, D, 9579 A ZusFr Dr. Becker (Frankfurt) CDU/CSU . . 9578 D, 9579 A Altersversorgung deutscher Rückwanderer, insbesondere aus Südamerika MdlAnfr A80 01.12.78 Drs 08/2339 Horstmeier CDU/CSU MdlAnfr A81 01.12.78 Drs 08/2339 Horstmeier CDU/CSU Antw PStSekr Buschfort BMA . 9579 A, B, C, D, 9580 A ZusFr Horstmeier CDU/CSU . . . . . . 9579 C ZusFr Müller (Berlin) CDU/CSU . . . . 9579 D Vergleichende Untersuchungen über Unf allrisiken mit Todesfolge; Bereitstellung von Haushaltsmitteln für die Unfallursachenforschung MdlAnfr A83 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Laufs CDU/CSU MdlAnfr A84 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Laufs CDU/CSU Antw PStSekr Buschfort BMA . 9580 A, B, C, D, 9581 A, B ZusFr Dr. Laufs CDU/CSU . 9580 C, D, 9581 A ZusFr Müller (Berlin) CDU/CSU . . . . 9581 B Ergebnisse der zweitägigen Klausurtagung in Sande (Oldenburg) zum Thema Rentenversicherung MdlAnfr A85 01.12.78 Drs 08/2339 Nordlohne CDU/CSU Antw PStSekr Buschfort BMA . . 9581 B, C, D, 9582 A ZusFr Nordlohne CDU/CSU . . . . . 9581 C, D ZusFr Müller (Berlin) CDU/CSU . . . . 9581 D Haltung der Bundesregierung gegenüber der Ansicht des Hamburger Bürgermeisters Klose zur Stamokap-Theorie MdlAnfr A99 01.12.78 Drs 08/2339 Engelsberger CDU/CSU Antw StMin Wischnewski BK . 9582 A, B, C, D, 9583 A, C ZusFr Engelsberger CDU/CSU . . 9582 B, C, D ZusFr Jungmann SPD . . . . . . . . 9582 D ZusFr Gerster (Mainz) CDU/CSU . . . . 9583 A ZusFr Gansel SPD . . . . . . . . . 9583 B ZusFr Dr. Czaja CDU/CSU . . . . . . 9583 B ZusFr Schmöle CDU/CSU . . . . . . . 9583 C Verfolgung anderer Farbiger in Namibia durch die SWAPO MdlAnfr A3 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Kunz (Weiden) CDU/CSU Antw StMin Frau Dr. Hamm-Brücher AA 9583 D, 9584 A, B, C ZusFr Dr. Kunz (Weiden) CDU/CSU . . 9584 A, B ZusFr Jäger (Wangen) CDU/CSU . . . . 9584 B ZusFr Dr. Corterier SPD . . . . . . . 9584 C Besuchsreisen für Deutsche in den Norden Ostpreußens; Erstattung der mit der Entlassung aus der polnischen und rumänischen Staatsangehörigkeit verbundenen Geldleistungen der Aussiedler MdlAnfr A101 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Hupka CDU/CSU MdlAnfr A102 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Hupka CDU/CSU Antw StMin Frau Dr. Hamm-Brücher AA 9584 D, 9585 A, B, C, D, 9586 B, C, D ZusFr Dr. Hupka CDU/CSU . . 9584 D, 9585 A, 9586 B ZusFr Sauer (Salzgitter) CDU/CSU . . . 9585 B, 9586 C ZusFr Müller (Berlin) CDU/CSU . . . . 9585 B ZusFr Jäger (Wangen) CDU/CSU . . . . 9585 C ZusFr Dr. Czaja CDU/CSU . . 9585 C, 9586 D ZusFr Schmöle CDU/CSU 9585 D Vereinbarkeit der Verhaftungswelle in der UdSSR gegen Angehörige freier Gewerkschaften und andere Arbeiter mit den Menschenrechtspakten der Vereinten Nationen MdlAnfr A104 01.12.78 Drs 08/2339 Jäger (Wangen) CDU/CSU MdlAnfr A105 01.12.78 Drs 08/2339 Jäger (Wangen) CDU/CSU Antw StMin Frau Dr. Hamm-Brücher AA 9587 A, B, C ZusFr Jäger (Wangen) CDU/CSU . . . 9587 B, C Haltung der Bundesregierung zum Wahrungs- und Wiedervereinigungsgebot des Grundgesetzes MdlAnfr A106 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Czaja CDU/CSU MdlAnfr A107 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Czaja CDU/CSU Antw StMin Frau Dr. Hamm-Brücher AA 9587 D, 9588 A, C, D, 9589 A, B, C ZusFr Dr. Czaja CDU/CSU 9587 D, 9588 A, 9589 A, B ZusFr Jäger (Wangen) CDU/CSU 9588 B, 9589 B ZusFr Dr. Hupka CDU/CSU 9588 C Kunst am Bau MdlAnfr A89 01.12.78 Drs 08/2339 Müller (Schweinfurt) SPD MdlAnfr A90 01.12.78 Drs 08/2339 Müller (Schweinfurt) SPD Antw PStSekr Dr. Sperling BMBau . . . 9589 D, 9590 A Art der Zusammenarbeit von Wohnungsgesellschaften mit Mieterinitiativen und Mieterbeiräten sowie Schaffung einer rechtlichen Grundlage für Mieterräte MdlAnfr A91 01.12.78 Drs 08/2339 Meininghaus SPD MdlAnfr A92 01.12.78 Drs 08/2339 Meininghaus SPD Antw PStSekr Dr. Sperling BMBau 9590 B, C, D ZusFr Meininghaus SPD 9590 C ZusFr Dr. Jahn (Münster) CDU/CSU . . 9590 D Nichtvorhandensein von Informationsmaterial über die Lage an der innerdeutschen Grenze in englischer, französischer und deutscher Sprache MdlAnfr A93 01.12.38 Drs 08/2339 Schmöle CDU/CSU MdlAnfr A94 01.12.78 Drs 08/2339 Schmöle CDU/CSU Antw PStSekr Höhmann BMB . . . . 9591 A, B ZusFr Schmöle CDU/CSU 9591 B Nächste Sitzung 9633 C Anlage 1 Liste der entschuldigten Abgeordneten . . 9635* A Anlage 2 Auszahlung eines Kredits an Nicaragua MdlAnfr A2 01.12.78 Drs 08/2339 Gansel SPD SchrAntw PStSekr Brück BMZ . . . . . 9635* C Anlage 3 Vollzug der deutsch-jugoslawischen Verträge über die Auslieferung und die Rechtshilfe in Strafsachen; Vertretbarkeit der jugoslawischen Entscheidung betr. die Freilassung der inhaftierten deutschen Terroristen MdlAnfr A41 01.12.78 Drs 08/2339 Lambinus SPD MdlAnfr A42 01.12.78 Drs 08/2339 Lambinus SPD SchrAntw PStSekr Dr. de With BMJ . . 9635* D Anlage 4 Einfügung besonderer Bestimmungen betr. den Schutz sozial Schwächerer vor Gewalt- und Terrorhandlungen in das Strafrecht MdlAnfr A43 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Wittmann (München) CDU/CSU SchrAntw PStSekr Dr. de With BMJ . . 9637* B Anlage 5 Förderung von unentgeltlichen oder verbilligten Kantinenmahlzeiten bzw. von Essenszuschüssen MdlAnfr A44 01.12.78 Drs 08/2339 Pfeffermann CDU/CSU SchrAntw PStSekr Dr. Böhme BMF . . . 9637* C Anlage 6 öffentliche Zuschüsse für Gewerkschafterschulungen der Hans-Seidel-Stiftung in Chile MdlAnfr A47 01.12.78 Drs 08/2339 Kirschner SPD SchrAntw PStSekr Brück BMZ 9637* D Anlage 7 Kredite deutscher Banken an den südafrikanischen Strategic Oil Fund MdlAnfr A51 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Ehmke SPD MdlAnfr A52 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Ehmke SPD SchrAntw StMin Frau Dr. Hamm-Brücher AA 9638* A Anlage 8 Beteiligung Sun Myung Moons an illegalen Waffengeschäften; Entzug der Steuerprivilegien für die Moon-Sekte MdlAnfr A53 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Langguth CDU/CSU SchrAntw PStSekr Dr. Böhme BMF . . . 9638* B Anlage 9 Ausbau, Satzung und öffentliche Förderung des deutschen Seminars für Fremdenverkehr in Berlin MdlAnfr A56 01.12.78 Drs 08/2339 Hauser (Krefeld) CDU/CSU MdlAnfr A57 01.12.78 Drs 08/2339 Hauser (Krefeld) CDU/CSU SchrAntw PStSekr Grüner BMWi . . . . 9638* C Anlage 10 Umfang der Subventionen für den Bergbau und Zurechnung von Pensionsbeihilfen, Altlasten und dem „Kohlepfennig" zu diesen Subventionen MdlAnfr A61 01.12.78 Drs 08/2339 Wolfram (Recklinghausen) SPD MdlAnfr A62 01.12.78 Drs 08/2339 Wolfram (Recklinghausen) SPD SchrAntw PStSekr Grüner BMWi . . . . 9639* A Anlage 11 Berichte deutscher Firmen mit Tochter - gesellschaften, Zweigniederlassungen und Vertretungen in Südafrika über ihr Verhalten in der Republik Südafrika entsprechend dem Verhaltenskodex der EG für solche Unternehmen MdlAnfr A66 01.12. 78 Drs 08/2339 Frau Schlei SPD MdlAnfr A67 01.12.78 Drs 08/2339 Frau Schlei SPD SchrAntw PStSekr Grüner BMWi . . . . 9639* B Anlage 12 Arbeitserlaubnis für jugendliche Ausländer im Anschluß an den Schulbesuch in der Bundesrepublik Deutschland MdlAnfr A82 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Langguth CDU/CSU SchrAntw PStSekr Buschfort BMA . . . 9639* D Anlage 13 Kinderfreundliche Gestaltung ' der Hausordnungen von Wohnungsbaugesellschaften MdlAnfr A86 01.12.78 Drs 08/2339 Wuwer SPD SchrAntw PStSekr Dr. Sperling BMBau . . 9640* A Anlage 14 „Nachsubventionierung" im sozialen Wohnungsbau MdlAnfr A87 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Schöfberger SPD MdlAnfr A88 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Schöfberger SPD SchrAntw PStSekr Dr. Sperling BMBau . . 9640* B Anlage 15 Kampagne der DDR, ehemalige Nazis lebten ausschließlich in der Bundesrepublik Deutschland MdlAnfr A95 01.12.78 Drs 08/2339 Gerster (Mainz) CDU/CSU SchrAntw PStSekr Höhmann BMB . . . 9640* D Anlage 16 Überarbeitung der Ausbildungsordnungen zur Einführung der beruflichen Grundbildung MdlAnfr A96 01.12.78 Drs 08/2339 Wüster SPD MdlAnfr A97 01.12.78 Drs 08/2339 Wüster SPD SchrAntw PStSekr Engholm BMBW 9641* A Anlage 17 Stellung des Fachs Arbeitslehre an der Hauptschule im Hinblick auf die Berufsausbildung MdlAnfr A98 01.12.78 Drs 08/2339 Thüsing SPD SchrAntw PStSekr Engholm BMBW . . . 9641* D Anlage 18 Übergabe nicaraguanischer Mitarbeiter der Firma Siemens in Nicaragua an die Polizei bei Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft MdlAnfr A103 01.12.78 Drs 08/2339 Gansel SPD SchrAntw StMin Frau Dr. Hamm-Brücher AA 9642* A Anlage 19 Termine für den EG-Beitritt Griechenlands, Spaniens und Portugals und Übergangsregelungen; Beteiligung Griechenlands, Portugals und Spaniens an der EPZ und Berücksichtigung des Gemeinschaftsrechts bei der innerstaatlichen Gesetzgebung dieser Länder vor Abschluß des Ratifizierungsverfahrens Zum EG-Beitritt SchrAnfr B1 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Jahn (Braunschweig) CDU/CSU SchrAnfr B2 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Jahn (Braunschweig) CDU/CSU SchrAnfr B3 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Jahn (Braunschweig) CDU/CSU SchrAnfr B4 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Jahn (Braunschweig) CDU/CSU SchrAntw StMin Frau Dr. Hamm-Brücher AA 9642* B Anlage 20 Vorbereitung und Arbeitsschwerpunkte der Europäischen Stiftung SchrAnfr B5 01.12.78 Drs 08/2339 Seefeld SPD SchrAnfr B6 01.12.78 Drs 08/2339 Seefeld SPD SchrAntw StMin Frau Dr. Hamm-Brücher AA 9643* A Anlage 21 Verbesserung des Rechtsschutzes für Übersetzer SchrAnfr B7 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Schäuble CDU/CSU SchrAnfr B8 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Schäuble CDU/CSU SchrAntw StMin Frau Dr. Hamm-Brücher AA 9643* C Anlage 22 Bundesmittel für die Erhaltung von Kulturgütern in Bolivien SchrAnfr B9 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Hennig CDU/CSU SchrAntw StMin Frau Dr. Hamm-Brüchr AA 9644* A Anlage 23 Schritte gegen die Verunglimpfung eines deutschen Ministerpräsidenten durch eine sowjetische Rundfunkstation SchrAnfr B10 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Czaja CDU/CSU SchrAntw StMin Frau Dr. Hamm-Brücher AA 9644* B Anlage 24 Vorlage des Katatrophenplans für Satellitenabstürze; Rolle der Bundeswehr in diesem Plan SchrAnfr B11 01.12.78 Drs 08/2339 Gerlach (Obernau) CDU/CSU SchrAnfr B12 01.12.78 Drs 08/2339 Gerlach (Obernau) CDU/CSU SchrAntw PStSekr von Schoeler BMI . . . 9644* D Die Fragen B 13 und 14 — Drucksache 8/2339 vom 01 12. 78 — des Abgeordneten Kraus (CDU/CSU) ist vom Fragesteller zurückgezogen. Anlage 25 Versorgungsleistungen zugunsten des ehemaligen Studentenführers Daniel Cohn- Bendit SchrAnfr B15 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Müller CDU/CSU SchrAntw PStSekr Dr. de With BMJ . . . 9645* C Anlage 26 Verbot des krebserregenden Benzinzusatzes EDB SchrAnfr B16 01.12.78 Drs 08/2339 Biechele CDU/CSU SchrAnfr B17 01.12.78 Drs 08/2339 Biechele CDU/CSU SchrAntw PStSekr von Schoeler BMI . . . 9645* D Anlage 27 Novellierung des Gesetzes zum Schutz gegen Fluglärm; Einbeziehung der Lärmschutzzone 2 in die Erstattung für bauliche Schallschutzmaßnahmen SchrAnfr B18 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Zimmermann CDU/CSU SchrAnfr B19 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Zimmermann CDU/CSU SchrAntw PStSekr von Schoeler BMI . . . 9646* A Anlage 28 Daten- und Informationssammelstellen der Unternehmensverbände auf Branchenebene und Verbesserung der Erhebungen des Statistischen Bundesamts SchrAnfr B20 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Steger SPD SchrAntw PStSekr Grüner BMWi . . . . 9646* B Anlage 29 Konsequenzen aus dem Bericht des Instituts für Unfallforschung des TÜV Rheinland über „Menschliche Faktoren im Kernkraftwerk" für das Sicherheitsbewußtsein des Kraftwerkspersonals SchrAnfr B21 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Steger, SPD SchrAntw PStSekr von Schoeler BMI . . . 9646* C Anlage 30 Stand der Überlegungen des Arbeitskreises für Beamtenrechtsfragen zu Fragen der Nebentätigkeit von Angehörigen des öffentlichen Dienstes sowie statistische Erhebungen über die Nebentätigkeit im öffentlichen Dienst SchrAnfr B22 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Zeitel CDU/CSU SchrAnfr B23 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Zeitel CDU/CSU SchrAntw PStSekr von Schoeler BMI . . . 9647* D Anlage 31 Entwicklung von Aufgaben und Personalbestand der Lastenausgleichsverwaltung und künftige Weiterverwendung der Mitarbeiter SchrAnfr B24 01.12.78 Drs 08/2339 Gansel SPD SchrAntw PStSekr von Schoeler BMI . . . 9648* B Anlage 32 Unterschiedliche Anrechnung der Wehrdienstzeit auf Besoldung und Beförderung im öffentlichen Dienst SchrAnfr B25 01.12.78 Drs 08/2339 Thüsing SPD SchrAntw PStSekr Dr. von Bülow BMVg 9649* B Anlage 33 Betrieb und Störfälle in deutschen Ke rn -kraftwerken in den Jahren 1977 und 1978; Kraftwerksbau, juristische Verzögerungen, Genehmigungsverfahren und feste Bestellungen für Kraftwerke SchrAnfr B28 01.12.78 Drs 08/2339 Lenzer CDU/CSU SchrAnfr B29 01.12.78 Drs 08/2339 Lenzer CDU/CSU SchrAnfr B30 01.12.78 Drs 08/2339 Lenzer CDU/CSU SchrAnfr B31 01.12.78 Drs 08/2339 Lenzer CDU/CSU SchrAntw PStSekr von Schoeler BMI . . . 9649* D Anlage 34 Schutz der Bevölkerung, insbesondere in Ballungsgebieten, im Verteidigungsfall SchrAnfr B32 01.12.78 Drs 08/2339 Frau Hoffmann (Hoya) CDU/CSU SchrAntw PStSekr von Schoeler BMI . . . 9651* B Anlage 35 Kriterien für eine „politische Tätigkeit" von Ausländern im Sinne des Ausländer - gesetzes SchrAnfr B33 01.12.78 Drs 08/2339 . Dr. Czaja CDU/CSU SchrAntw PStSekr von Schoeler BMI . . . 9652* B Anlage 36 Tätigkeit der „Polnischen Sozialistischen Partei" in der Bundesrepublik, ihres Bun desvorsitzenden Tadeusz Podgorski und Zielsetzung seines Publikationsorgans „Przemiany" (Evolutionen) SchrAnfr B34 01.12.78 Drs 08/2339 Sauer (Salzgitter) CDU/CSU SchrAnfr B35 01.12.78 Drs 08/2339 Sauer (Salzgitter) CDU/CSU SchrAntw PStSekr von Schoeler BMI . . . 9652* C Anlage 37 Kontrolle von 25 Speditionen, Reisebüros, Druckereien und sonstiger Unternehmen in der Bundesrepublik Deutschland durch die SED SchrAnfr B36 01.12.78 Drs 08/2339 Gerster (Mainz) CDU/CSU SchrAntw PStSekr von Schoeler BMI . . . 9652* D Anlage 38 Zurverfügungstellung von Unterlagen über NS-Verbrechen durch das betroffene Ausland SchrAnfr B37 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Wittmann (München) CDU/CSU SchrAntw PStSekr Dr. de With BMJ . . . 9652' D Anlage 39 Steuerliche Behandlung von nur zum Schein bestehenden Arbeitsverhältnissen zwischen DKP-Funktionären und kommunistischen Wirtschaftsunternehmen SchrAnfr B38 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Waigel CDU/CSU SchrAntw PStSekr Dr. Böhme BMF . . . 9654' B Anlage 40 Besteuerung von sogenannten Übertrinkgeldern SchrAnfr B39 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Spöri SPD SchrAntw PStSekr Dr. Böhme BMF . . . 9654* C Anlage 41 Überprüfung der Usancen und Verwaltungsnotwendigkeiten des Bundesaufsichtsamtes im Hinblick auf Prämienerhöhungen in der Kfz-Versicherung SchrAnfr B40 01.12.78 Drs 08/2339 Würtz SPD SchrAntw PStSekr Grüner BMWi . . 9654* C Anlage .42 Umfang der Produktionsverlagerungen deutscher Unternehmen in andere EG- Staaten SchrAnfr B41 01.12.78 Drs 08/2339 Sauter (Epfendorf) CDU/CSU SchrAnfr B42 01.12.78 Drs 08/2339 Sauter (Epfendorf) CDU/CSU SchrAntw PStSekr Grüner BMWi . . . . 9655* A Anlage 43 Erlaß der Ausführungsverordnung zum Textilkennzeichnungsgesetz SchrAnfr B43 01.12.78 Drs 08/2339 Schreiber SPD SchrAntw PStSekr Grüner BMWi . . . . 9655* C Anlage 44 Verringerung des Exports konventioneller Rüstungsgüter SchrAnfr B44 01.12.78 Drs 08/2339 Gansel SPD SchrAntw StMin Frau Dr. Hamm-Brücher AA 9655' D Anlage 45 Belastung der Stromverbraucher durch den Kohlepfennig und Höhe des Subventionsbetrags für die Kohleverstromung in Baden- Württemberg SchrAnfr B45 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Spöri SPD SchrAntw PStSekr Grüner BMWi . . . . 9656' A Anlage 46 Rabattvergünstigungen für Angehörige des öffentlichen Dienstes in der Kfz- Haftpflichtversicherung SchrAnfr B46 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Jentsch (Wiesbaden) CDU/CSU SchrAnfr B47 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Jentsch (Wiesbaden) CDU/CSU SchrAntw PStSekr Grüner BMWi . . . . 9656* C Anlage 47 Hilfen für die schleswig-holsteinische Kutterfischerei SchrAnfr B48 01.12.78 Drs 08/2339 Stutzer CDU/CSU SchrAntw PStSekr Gallus BML . . . . . 9657* A Anlage 48 Einführung einer „Umweltverträglichkeitsprüfung" für die „Verbraucher von Landschaft" SchrAnfr B49 01.12.78 Drs 08/2339 Ueberhorst SPD SchrAntw PStSekr Gallus BML 9657* C Anlage 49 Einfluß der Kursentwicklung des Dollar auf die Kraftfuttermitteleinfuhren der EG, insbesondere für küstennahe Standorte SchrAnfr B50 01.12.78 Drs 08/2339 Rainer CDU/CSU SchrAntw PStSekr Gallus BML . . . . 9657* D Anlage 50 Einbeziehung der Sägewerksarbeiter in die Winterbauförderung SchrAnfr B51 01.12.78 Drs 08/2339 Engelsberger CDU/CSU SchrAntw PStSekr Buschfort BMA . . . . 9658* B Anlage 51 Zahl der Unfälle mit Todesfolge und Bereitstellung von Haushaltsmitteln zur Verringerung der Unfallrisiken in den Jahren 1970 bis 1977 SchrAnfr B52 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Laufs CDU/CSU SchrAnfr B53 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Laufs CDU/CSU SchrAntw PStSekr Buschfort BMA . . . . 9658* C Anlage 52 Benachteiligung ehemaliger Kriegsteilnehmer und Kriegsgefangener bei der Bewertung der Ersatzzeiten in der Rentenversicherung SchrAnfr B54 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Wörner CDU/CSU SchrAnfr B55 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Wörner CDU/CSU SchrAntw PStSekr Buschfort BMA . . . . 9659* D Anlage 53 Heranziehung der Ärzte aus dem süddeutschen Bereich zum Sanitätsdienst und der Ärzte aus dem norddeutschen Bereich zum gewöhnlichen Dienst in der Bundeswehr SchrAnfr B56 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Jobst CDU/CSU SchrAntw PStSekr Dr. von Bülow BMVg 9660* B Anlage 54 Stationierung einer Sanitätseinheit der Bundeswehr mit Ärzten in den leerstehenden Räumen des ehemaligen Kreiswehrersatzamtes Frankfurt/M., Königsberger Straße SchrAnfr B57 01.12.78 Drs 08/2339 Link CDU/CSU SchrAntw PStSekr Dr. von Bülow BMVg 9660* C Anlage 55 Gewährung von Fürsorgemaßnahmen an Soldaten der Bundeswehr erst nach Kauf einer Fahrkarte für den Bundeswehromnibus, der zwischen einer entlegenen Garnison und dem Bahnhof verkehrt SchrAnfr B58 01.12.78 Drs 08/2339 Würzbach CDU/CSU SchrAnfr B59 01.12.78 Drs 08/2339 Würzbach CDU/CSU SchrAntw PStSekr Dr. von Bülow BMVg 9660* D Anlage 56 Beginn der Vorarbeiten für die Feststellung der Lärmschutzbereiche nach dem Fluglärmgesetz SchrAnfr B60 01.12.78 Drs 08/233 Dr. Freiherr Spies von Büllesheim CDU/CSU SchrAntw PStSekr Dr. von Bülow BMVg 9661* A Anlage 57 Import salmonellenverseuchten Fleischs aus Holland in die Bundesrepublik Deutschland SchrAnfr B61 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Jobst CDU/CSU SchrAntw StSekr Dr. Wolters BMJFG . . 9661* B Anlage 58 Ergebnisse des Forschungsvorhabens über . nichtärztliche Psychotherapeuten SchrAnfr B62 01.12.78 Drs 08/2339 Hasinger CDU/CSU SchrAntw StSekr Dr. Wolters BMJFG . . 9662* A Anlage 59 Gründung von „Buchclubs für zeitgeschichtliche Literatur" durch Verlage zur Verbreitung von NS-Propaganda SchrAnfr B63 01.12.78 Drs 08/2339 Schreiber SPD SchrAntw StSekr Dr. Wolters BMJFG . . 9662* B Anlage 60 Gewährung des Kindergeldes und des Kinderzuschusses in der Rentenversicherung an unterhaltspflichtige Personen für ihre behinderten erwerbsunfähigen Kinder über das 25. Lebensjahr hinaus SchrAnfr B64 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Blüm CDU/CSU SchrAnfr B65 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Blüm CDU/CSU SchrAntw PStSekr Buschfort BMA . . . 9662* C Anlage 61 Sicherstellung der Chancengleichheit von Klein- und Mittelbetrieben im Verhältnis zu Großbetrieben im Verkehrsgewerbe gemäß der 2. Novelle zum Güterkraftverkehrsgesetz SchrAnfr B66 01.12.78 Drs 08/2339 Frau Will-Feld CDU/CSU SchrAntw PStSekr Haar BMV . . . . . 9663* B Anlage 62 Bessere Berücksichtigung des Hauptbahnhofs Wiesbaden bei der Intercity- Linienführung SchrAnfr B67 01.12.78 Drs 08/2339 Krockert SPD SchrAntw PStSekr Haar BMV . . . . . 9663* C Anlage 63 Stillegung von Bundesbahnstrecken in Baden-Württemberg SchrAnfr B68 01.12.78 Drs 08/2339 Biechele CDU/CSU SchrAntw PStSekr Haar BMV . . . . . 9663* D Anlage 64 Weiterentwicklung des kombinierten Verkehrs zur Straßenentlastung von Schwerlastzügen SchrAnfr B69 01.12.78 Drs 08/2339 Daubertshäuser SPD SchrAnfr B70 01.12.78 Drs 08/2339 Daubertshäuser SPD SchrAnfr B71 01.12.78 Drs 08/2339 Daubertshäuser SPD SchrAnfr B72 01.12.78 Drs 08/2339 Daubertshäuser SPD SchrAntw PStSekr Haar BMV 9664* A Anlage 65 Veräußerung der Gebäude der Straßenmei - stereien in Dorum, Hagen und Hemmoor SchrAnfr B73 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. von Geldern CDU/CSU SchrAntw PStSekr Haar BMV . . . . . 9664* C Anlage 66 Kapazität der Grenzübergänge im Zuge der A 881 und zwischen Bietingen und Thayngen für die Abfertigung von Kraftfahrzeugen SchrAnfr B74 01.12.78 Drs 08/2339 Bindig SPD SchrAntw PStSekr Haehser BMF . . . . 9664* D Anlage 67 Ausbaunormen für Autobahnen SchrAnfr B75 01.12.78 Drs 08/2339 Bindig SPD SchrAntw PStSekr Haar BMV . . . . . 9665* B Anlage 68 Streichung der geplanten Autobahnen Kempten—Irschenberg und Hopferau- Steingaden sowie Ausbau der Autobahn Wangen—Autobahnkreuz Allgäu— Immenstadt als zweispurige Schnellstraße SchrAnfr B76 01.12.78 Drs 08/2339 Kiechle CDU/CSU SchrAnfr B77 01.12.78 Drs 08/2339 Kiechle CDU/CSU SchrAntw PStSekr Haar BMV . . . . . 9665* B Anlage 69 Beseitigung des schienengleichen Bahn -ü bergangs in St. Goarshausen; Kündigung der Mietverträge über einen vom Pächter ausgebauten Campingplatz zur Erzielung einer um 839 v. H. erhöhten Pacht durch das Wasser- und Schiffahrtsamt Koblenz SchrAnfr B78 01.12.78 Drs 08/2339 Berger (Lahnstein) CDU/CSU SchrAnfr B79 01.12.78 Drs 08/2339 Berger (Lahnstein) CDU/CSU SchrAnfr B80 01.12.78 Drs 08/2339 Berger (Lahnstein) CDU/CSU SchrAnfr B81 01.12.78 Drs 08/2339 Berger (Lahnstein) CDU/CSU SchrAntw PStSekr Haar BMV 9665* C Anlage 70 Unterrichtung der Bundestagsabgeordneten über Streckenstillegungen in ihrem Wahlkreis SchrAnfr B82 01.12.78 Drs 08/2339 Jäger (Wangen) CDU/CSU SchrAntw PStSekr Haar BMV 9666* B Anlage 71 Entscheidung über die Einrichtung eines S-Bahnhaltepunkts in Hilden-Ost SchrAnfr B83 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Holtz SPD SchrAntw PStSekr Haar BMV . . . . . 9666* C Anlage 72 Senkung der Flugpreise in der Bundesrepublik Deutschland SchrAnfr B84 01.12.78 Drs 08/2339 Manning SPD SchrAnfr B85 01.12.78 Drs 08/2339 Manning SPD SchrAntw PStSekr Haar BMV . . . . . 6966* D Anlage 73 Lage der Flugüberwachung und der Sicherheit im Luftraum der Bundesrepublik Deutschland sowie Konkurrenz im Personenverkehr zwischen der Bundesbahn und der Lufthansa SchrAnfr B86 01.12.78 Drs 08/2339 Frau Hoffmann (Hoya) CDU/CSU SchrAnfr B87 01.12.78 Drs 08/2339 Frau Hoffmann (Hoya) CDU/CSU SchrAntw PStSekr Haar BMV . . . . . 9667* A Anlage 74 Erhaltung der Bundesbahnschule und Errichtung einer Fachhochschule der Bundesbahn in Bebra SchrAnfr B88 01.12.78 Drs 08/2339 Böhm (Melsungen) CDU/CSU SchrAnfr B89 01.12.78 Drs 08/2339 Böhm (Melsungen) CDU/CSU SchrAntw PStSekr Haar BMV 9667* D Anlage 75 Aufhebung ländlicher Poststellen in Baden- Württemberg SchrAnfr B90 01.12.78 Drs 08/2339 Biechele CDU/CSU SchrAntw PStSekr Haar BMP 9668* A Anlage 76 Anwendung der sogenannten Funktionsgruppenregelung auf die Angehörigen des höheren Postdienstes SchrAnfr B91 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Friedmann CDU/CSU SchrAntw PStSekr Haar BMP 9668* A Anlage 77 Nichtanrechnung der Ermäßigung der Fernsprechgebühren bei Bezug sozialer Vergünstigungen SchrAnfr B92 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Stercken CDU/CSU SchrAntw PStSekr Haar BMP 9668* C Anlage 78 Verbesserung der Dienstleistungen der Post im ländlichen Raum SchrAnfr B93 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Köhler (Wolfsburg) CDU/CSU SchrAnfr B94 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Köhler (Wolfsburg) CDU/CSU SchrAntw PStSekr Haar BMP 9668* D Anlage 79 Verbesserung der Verständigungsmöglichkeiten für Schwerhörige am Telefon SchrAnfr B95 01.12.78 Drs 08/2339 Jäger (Wangen) CDU/CSU SchrAntw PStSekr . Haar BMP . . . . . 9669* A Anlage 80 Mißstand durch das Zusammentreffen mehrerer Telefonortsnetze in Erkrath SchrAnfr B96 01.12.78 Drs 08/2339 Dr. Holtz SPD SchrAntw PStSekr Haar BMP . . . . . 9669* B Anlage 81 Erweiterung des Fernsprechnetzes zur Entlastung der Fernsprechleitungen in der Zeit des Mondscheintarifs SchrAnfr B97 01.12.78 Drs 08/2339 Frau Hoffmann (Hoya) CDU/CSU SchrAntw PStSekr Haar BMP . . . . . 9669* C Anlage 82 Klärung der rechtlichen Möglichkeiten des Bundesbaugesetzes zur Erhebung von Erschließungsbeiträgen für Anlagen zum Schutz von Baugebieten gegen schädliche Umwelteinwirkungen durch Gemeinden SchrAnfr B98 01.12.78 Drs 08/2339 Schmitz (Baesweiler) CDU/CSU SchrAnfr B99 01.12.78 Drs 08/2339 Schmitz (Baesweiler) CDU/CSU SchrAntw PStSekr Dr. Sperling BMBau . . 9669* D Anlage 83 Ausführungen des Parlamentarischen Staatssekretärs Engholm über die Einführung von Strukturräten, die Lohnpolitik der Gewerkschaften und die Einführung der 35-Stunden-Woche zur Schaffung neuer Arbeitsplätze SchrAnfr B100 01.12.78 Drs 08/2339 Stutzer CDU/CSU SchrAnfr B101 01.12.78 Drs 08/2339 Stutzer CDU/CSU SchrAnfr B102 01.12.78 Drs 08/2339 Stutzer CDU/CSU SchrAntw PStSekr Engholm BMBW . . . 9670* B Anlage 84 Auffassung des Bundespostministers zu den Tests mit jugendlichen Bewerbern um einen Ausbildungsplatz sowie Aussagewert von Schulabgangszeugnissen SchrAnfr B103 01.12.78 Drs 08/2339 Hoffmann (Saarbrücken) SPD SchrAntw PStSekr Engholm BMBW . . . 9670* D 123. Sitzung Bonn, den 7. Dezember 1978 Beginn: 9 Uhr Präsident Carstens: Meine Damen und Herren, die Sitzung ist eröffnet. Vor Eintritt in die Tagesordnung möchte ich eine Erklärung abgeben. Am 14. März 1978 ist Nico Hübner; ein junger in Ost-Berlin wohnender Deutscher, verhaftet worden. Nico Hübner hatte sich unter Hinweis auf den entmilitarisierten Status der Stadt geweigert, einer Aufforderung zur Tauglichkeitsuntersuchung für den Dienst in der Nationalen Volksarmee nachzukommen. Am 7. Juli 1978 verurteilte das Stadtgericht von Ost-Berlin Hübner zu fünf Jahren Freiheitsentzug. Die drei Westmächte haben anläßlich der Verhaftung und anläßlich der Verurteilung gegenüber der Sowjetunion darauf hingewiesen, daß diese Maßnahmen den in den Nachkriegsvereinbarungen der Vier Mächte und der Gesetzgebung des Alliierten Kontrollrats festgelegten, bis heute fortbestehenden entmilitarisierten Status Berlins verletzen., Sie haben eine Überprüfung des Urteils gefordert. Wir sind den drei Westmächten für diese Haltung dankbar. Das Berliner Abgeordnetenhaus hat seine Solidarität mit Nico Hübner bekundet. Viele Bürger aus dem Inland und Ausland haben sich in zahlreichen Petitionen für ihn eingesetzt. Ich bringe die gemeinsame Überzeugung der Mitglieder des Deutschen Bundestages zum Ausdruck, daß das Urteil gegen Nico Hübner dem Rechtsempfinden widerspricht. Der Deutsche Bundestag appelliert an die Verantwortlichen, Nico Hübner freizulassen. Die Bundesregierung wird aufgefordert, das in ihren Kräften Stehende zu tun, um die Freilassung von Nico Hübner zu erwirken. (Beifall bei allen Fraktionen) Ich darf einige weitere Mitteilungen zur Kenntnis des Hauses bringen. Als Nachfolger für den ausgeschiedenen Abgeordneten Strauß hat der Abgeordnete, Reichold mit Wirkung vom 4. Dezember 1978 die Mitgliedschaft im Deutschen Bundestag erworben. Ich begrüße den neuen Kollegen sehr herzlich und wünsche ihm eine erfolgreiche Mitarbeit im Deutschen Bundestag. (Beifall) Der Abgeordnete Schmidhuber hat mit Wirkung vom 6. Dezember 1978 auf seine Mitgliedschaft im Deutschen Bundestag verzichtet. Amtliche Mitteilung ohne Verlesung Der Bundesrat hat in seiner Sitzung am 1. Dezember 1978 beschlossen, der Bundesregierung wegen der Haushaltsrechnung und Vermögensrechnung des Bundes für das Haushaltsjahr 1976 (Jahresrechnung 1976) auf Grund der Bemerkungen des Bundesrechnungshofes Entlastung gemäß Artikel 114 des Grundgesetzes und § 114 der Bundeshaushaltsordnung zu erteilen. Ich rufe nunmehr Punkt 10 der Tagesordnung auf: Beratung der Beschlußempfehlung und des Berichts des Verteidigungsausschusses als 1. Untersuchungsausschuß nach Artikel 45 a Abs. 2 des Grundgesetzes zu dem Antrag der Mitglieder der Fraktion der CDU/CSU im Verteidigungsausschuß auf Einsetzung des Verteidigungsausschusses als Untersuchungsausschuß zur Untersuchung des Spionagefalles Lutze/Wiegel und damit im Zusammenhang stehender Sachverhalte — Drucksachen 8/2290, 8/2350 — Berichterstatter: Abgeordneter Ahlers Abgeordneter Ernesti Abgeordneter Horn Abgeordneter Möllemann Abgeordneter Dr. Voss Das Wort als Berichterstatter hat der Herr Abgeordnete Ahlers. Ahlers (SPD) : Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Es ist Bericht zu erstatten über die Tätigkeit des Verteidigungsausschusses als Untersuchungsausschuß im Spionagefall Lutze/Wiegel. Vor fast genau einem Jahr, am 14. Dezember 1977, wurde dieser Ausschuß auf Antrag der CDU/ CSU-Fraktion einvernehmlich eingesetzt, nachdem sowohl die Bedeutung dieses schon geraume Zeit zurückliegenden Falles als auch die Tatsache seiner nur zögerlichen Behandlung im Verteidigungsministerium öffentlich bekanntgeworden waren. Über die Notwendigkeit, eine parlamentarische Untersuchung zu führen, war man sich in allen drei Fraktionen von Anfang an klar. Ihr Ziel sollte die Aufklärung dieser Vorgänge sein, und diese sollte mit der Absicht vorgenommen werden, Verbesserungsvorschläge für die Abwehr der von der östlichen Spionage drohenden Gefahren zu machen. Das Ziel wurde erreicht, die Absicht wurde verwirklicht. Als Ergebnis der Beratungen ergab sich Übereinstimmung hinsichtlich der schwerwiegenden Bedeutung dieses Falles und des eingetretenen Schadens für die äußere Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland. Es ist ein traditionelles Recht des Parlaments, mit Hilfe von Untersuchungsverfahren seiner Kontrollfunktion gegenüber Regierung und Exekutive Nachdruck zu verleihen. Zum siebten Mal konstituierte sich deshalb der Verteidigungsausschuß als Untersuchungsausschuß. In den vergangenen Jahren war das fast nie mehr der Fall gewesen. Ich meine, auch weiterhin sollte die Regel gelten, daß die kräftigen Mittel eine um so stärkere Wirkung zeigen, wenn sie nur vorsichtig dosiert angewendet werden. Aus Gründen der Geheimhaltung steht nur dem Verteidigungsausschuß das Recht zu, sich selber als Untersuchungsausschuß zu etablieren. Aus diesen Gründen gilt für ihn auch nicht die allgemeine Regel des Art. 44 des Grundgesetzes, wonach die Beweiserhebung "generell in öffentlicher Verhandlung vorzunehmen ist. Gleichwohl haben wir dem berechtigten Verlangen der Öffentlichkeit nach öffentlicher Behandlung weitgehend Rechnung getragen. Nur verhältnismäßig selten wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Bedauerlicherweise gelangte auch aus diesen Geheimsitzungen einiges Material auf den Markt. Die Hoffnung des Verfassungsgebers, durch die Spezialvorschrift genügend Vorsorge getroffen zu haben, daß Geheimnisse nicht über den Kreis der Befugten hinausgelangen, hat sich nicht erfüllt; denn parteipolitische Zwecke haben bei der ganzen Sache von Anfang an eine große Rolle gespielt. (Zustimmung des Abg. Horn [SPD]) Dennoch haben die Mitglieder des Ausschusses die erwähnten gemeinsamen Ziele nie aus den Augen verloren, und die gemeinsame Absicht bestimmte auch das zumeist gute Klima, welches in den Sitzungen herrschte. Dafür ist neben allen anderen Kollegen, die sich aktiv an der Arbeit des Ausschusses beteiligen konnten, in erster Linie den Vorsitzenden, Herrn Dr. Wörner und dem Kollegen Wilfried Penner, zu danken. (Beifall bei allen Fraktionen) Letzterer hatte sich als juristischer Fachmann zur Verfügung gestellt und ist dabei schon fast zum Verteidigungsexperten geworden. Die beiden Vorsitzenden haben in enger Kooperation sachlich und zuweilen sogar humorvoll den Ausschuß geleitet. Sie haben manche juristische Hürde genommen, andere einfach umritten und einige schwierige Situationen gemeistert. Bis auf wenige . Ausnahmen konnten erfreulicherweise auch Peinlichkeiten vermieden werden. Ich möchte dies besonders hervorheben; denn der Ausschuß hatte sich auch vorgenommen, durch seine Arbeit das Ansehen des Bundestages zu heben und der Aufforderung Herbert Wehners, nach einem neuen parlamentarischen Stil zu suchen, nachzukommen. Auch sollte der weitverbreiteten Ansicht entgegengewirkt werden, Untersuchungsausschüsse seien zu nichts nutze, weil sie lediglich als Instrument parteipolitischer Taktik mißbraucht würden. Wie auch immer das Urteil über unsere Arbeit ausfallen mag, jedenfalls ist der Ausschuß nicht ausgegangen wie das bekannte Hornberger Schießen. Die Verfahrensregeln der IPA und ihre angemessene Auslegung durch die Vorsitzenden haben sich bewährt. Die Rechte der Minderheit, die ein parlamentarisches Untersuchungsverfahren bestimmen, wurden voll gewährt. Darüber hinaus hat es sich als zweckmäßig erwiesen, einen Ad-hoc-Ausschuß zu bilden, dem die beiden Vorsitzenden, die Berichterstatter und die Obleute angehörten. In dieser Runde konnten viele Fragen vorgeklärt und die Abläufe der Sitzungen beraten werden. Doch will ich nicht so tun, als ob alles nur eitel Sonnenschein gewesen wäre. Es hat eine Reihe unschöner Szenen gegeben sowie eine Flut von Verdächtigungen, von Vorverurteilungen und, wie schon erwähnt, von Indiskretionen. Dazu hat offensichtlich das Denken an die vielen wichtigen Wahlkämpfe dieses nun zu Ende gehenden Jahres beigetragen. Die Opposition meinte wohl, aus dem Spionagefall Kapital schlagen zu können. Für zukünftige Fälle sollte deshalb festgehalten werden, daß ganz offensichtlich die Ergebnisse der Landtagswahlen von der Spionageaffäre, von der Arbeit unseres Ausschusses und von den damit im Zusammenhang stehenden personellen Veränderungen nicht beeinflußt wurden. Entsprechende Anstrengungen hätte man sich also ersparen können. (Weiskirch [Olpe] [CDU/CSU] : Das stimmt doch nicht, was Sie da sagen!) Die Langzeitwirkung solcher Vorkommnisse wird weit überschätzt. Sie reduziert sich auf Null, wenn, wie geschehen, die Regierung durch rasche Entscheidungen das Heft wieder fest in ihre Hände nimmt. (Lachen bei der CDU/CSU) — So war es. Sie brauchen sich nur die Wahlergebnisse anzugucken. (Zurufe von der CDU/CSU) Besonders unangenehm fiel der Ausschußmehrheit und nach meinen Beobachtungen — — Präsident Carstens: Herr Abgeordneter, ich bitte Sie, sich an die Funktion des Berichterstatters zu halten. (Beifall bei der CDU/CSU) Ahlers (SPD) : Das will ich gern tun, Herr Präsident. Trotzdem muß ich diese Feststellung hier noch treffen: Besonders unangenehm fiel der Ausschußmehrheit und nach meinen Beobachtungen auch einer Mehrheit in der Minderheit der fortgesetzte Versuch auf, die Intimsphäre des Zeugen Herbert Laabs zum Gegenstand von Befragung und zum Teil sogar zum Gegenstand von Nachforschungen zu machen. Man ging sogar so weit, am Rande auch noch den Bundeskanzler mit diesem privaten Bereich in Berührung zu bringen zu suchen. Aber schon während der Vernehmung des Bundeskanzlers am 24. Februar stellte sich auf sehr eindeutige Weise heraus, daß es nicht gelingen konnte, den Kanzler in diese Sache hineinzuziehen. Es soll deshalb und auch, um Ministerialdirektor a. D. Herbert Laabs Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, darauf hingewiesen werden, daß auch die Minderheit in ihrem Schlußbericht, wenn auch nur eingeschränkt, von dem Verdacht abgerückt ist, Laabs habe mit der Angeschuldigten Renate Lutze ein intimes Verhältnis gehabt und dadurch den Spionagefall erleichtert. So unerfreulich diese Vorgänge waren, eine heitere Note ergab sich aus der verbissenen Suche einiger Oppositionskollegen nach einer sogenannten Förderliste, die sich im Besitz von Herrn Laabs gefunden haben soll. (Weiskirch [Olpe] [CDU/CSU]: Danach hat nicht die Opposition gesucht, sondern Herr Laabs!) — Herr Laabs hat sie aber nicht gefunden, weil es sie nicht gab. — Darunter wurde die Zusammenstellung von Namen sozialdemokratischer Beamter verstanden, die in höhere Positionen gebracht werden sollten. Man wollte unbedingt den Beweis antreten, daß eine angebliche Genossenwirtschaft und Nepotismus auch im Spionagefall eine Rolle gespielt haben könnten. (Weiskirch [Olpe] [CDU/CSU]: Haben sie auch!) Zur Charakterisierung dieses Vorgehens eignet sich der psychologische Begriff der Projektion. Darunter versteht man die Übertragung eigener Wünsche, Vorstellungen und Handlungsweisen auf andere. (Beifall bei der SPD) Wir wissen, daß man auch in den von der CDU/CSU regierten Ländern in Personalfragen nicht gerade zimperlich ist. (Dr. Kohl [CDU/CSU] : Was hat denn das eigentlich mit einem Bericht zu tun? — Zuruf des Abg. Dr. Schäuble [CDU/CSU]) — Das ist ein Bericht über die Arbeit — (Dr. Kohl [CDU/CSU] : Wir sind doch nicht im SPD-Unterbezirk Kreuznach! — Weitere Zurufe von der CDU/CSU) — Nun seien Sie doch nicht so nervös, Herr Kohl! (Dr. Kohl [CDU/CSU] : Sie sollen sich parla - mentarisch ordentlich verhalten! — Fortge setzte Zurufe von der CDU/CSU) — Herr Kohl! Ihre Personalpolitik, Herr Kohl, ist doch weit bekannt, die Sie in Rheinland-Pfalz getrieben haben. (Dr. Jenninger [CDU/CSU] : Das steht doch nicht zur Debatte!) — Doch. Präsident Carstens: Herr Abgeordneter, ich muß Sie nochmal bitten, sich an die Rolle des Berichterstatters zu halten. (Beifall bei der CDU/CSU) Ahlers (SPD) : Gern! Aber es ist doch wohl die Feststellung erlaubt, daß trotz aller Bemühungen die Suche der Opposition nach der Förderliste erfolglos geblieben ist. Man ist nicht fündig geworden. Sie war, wie sich schließlich herausstellte, ein Phantom. (Dr. Kohl [CDU/CSU] : Das ist doch nicht die Sprache eines Berichterstatters! — Kunz [Berlin] [CDU/CSU] : Das hat doch mit dem Bericht nichts zu tun!) In diesem Zusammenhang erlauben Sie mir, Herr Kohl, eine allgemeine Bemerkung, die Sie interessieren wird. Im Interesse einer guten Zusammenarbeit im Leitungsbereich der Häuser, aber auch sonst muß es ein gewisses Maß an parteilich induzierter Personalpolitik geben. (Dr. Schäuble [CDU/CSU] : Das ist schon wieder nicht Berichterstattung!) Wir sollten aufhören, uns deshalb zu genieren. (Dr. Kohl [CDU/CSU] : Sie haben doch keine Wertung hier vorzunehmen! — Dr. Schäuble [CDU/CSU]: Reden Sie doch zur Debatte!) — Ich nehme gar keine Wertung vor. (Dr. Kohl [CDU/CSU] : Sie haben einen Be richt zu geben!) Dies war zu allen Zeiten so, und ich meine, wir sollten aufhören, auf tüchtige Beamte nur deshalb herabzublicken, (Dr. Schäuble [CDU/CSU] : Das ist doch keine Berichterstattung!) weil sie sich zu einer demokratischen Partei bekennen. (Zuruf des Abg. Dr. Kohl [CDU/CSU]) Das gilt auch, Herr Kohl, für Journalisten im öffentlich-rechtlichen Bereich. (Zurufe von der CDU/CSU) Präsident Carstens: Soweit der Berichterstatter Meinungen wiedergibt, die im Ausschuß geäußert worden sind, hält er sich im Rahmen der Berichterstattung. (Beifall bei der SPD und der FDP) Ahlers (SPD): Das ist überhaupt keine Frage. — Entscheidend ist nach meiner und unserer Auffassung nur, daß solche Beamte auch die Qualifikation besitzen, die sie für ihr Amt brauchen, und dies war im Fall von Herbert Laabs gegeben. (Dr. Jenninger [CDU/CSU] : Da kann man nur lachen!) — Sie können ruhig lachen. Aber es war so. (Dr. Jenninger [CDU/CSU] : Warum ist er gegangen?) — Weil er in diese Sache verwickelt war, wie Sie wissen. Ihnen liegt die Drucksache vorn 15. November dieses Jahres vor. Sie enthält den Abschlußbericht mit der Beschlußempfehlung, daß dieser Bericht vom Bundestag zur Kenntnis genommen und die eingegangenen Petitionen und Eingaben für erledigt erklärt werden. Die Systematik des Abschlußberichts ist nicht befriedigend, wie ich einräumen muß. Es war beabsichtigt, die gemeinsamen Feststellungen und die unterschiedlichen Würdigungen der Mehrheit und der Minderheit in den einzelnen Abschnitten organisch miteinander zu verbinden. Dies erwies sich als unmöglich. Deshalb wurde, auch wegen der Länge der Ausführungen, der Bericht der Minderheit an den Schluß des Gesamtberichts gestellt. Wie gesagt, trotz aller Schwierigkeiten gelang es, gemeinsame Feststellungen zu treffen. Ein solches Ergebnis kann nur erzielt werden, wenn die Koalitionsmehrheit, die meist ihre Regierung zu verteidigen hat, bereit ist, auch Unzulänglichkeiten einzuräumen, und wenn sich die angreifende Minderheit von Tatsachen überzeugen läßt. Der Untersuchungsausschuß hat ohne Zweifel fleißig gearbeitet. Er trat insgesamt 29mal zusammen, 42 Zeugen und sachverständige Zeugen wurden vernommen, einige mehrfach befragt. Wir haben uns bemüht, das parallel laufende Strafverfahren gegen die der Spionage verdächtigten Personen nicht zu beeinflussen. Der Untersuchungsauftrag, also der Beweisbeschluß, der mehrmals ergänzt wurde, war umfassend. Der Ausschuß hat auch gut daran getan, auf Verteidigungen zu verzichten. Den Hintergrund des Spionagefalles bildet natürlich die enorme Aktivität des nachrichtendienstlichen Gegners. Zuständige Stellen schätzen, daß sich bei uns ständig etwa 2 000 Agenten betätigen. Ihr Ausspähungsbereich ist weit gespannt. Im Mittelpunkt stehen natürlich unsere eigenen Streitkräfte und die unserer Verbündeten sowie die zahlreichen militärischen Einrichtungen auf unserem Territorium. Man nennt die Spionage das zweitälteste Gewerbe der Welt. Genau wie im ältesten Gewerbe arbeiten die Spione im allgemeinen für Geld und mit den raffiniertesten, oft auch mit den gemeinsten Mitteln. Der Fall Lutze/Wiegel hat dies erneut bestätigt. Wegen unserer freiheitlichen Verhältnisse, die wir nicht aufgeben dürfen, wegen des verbreiteten Widerwillens gegen strenge Kontrollen und wegen der Gutgläubigkeit oder Leichtlebigkeit der Menschen finden die Agenten bei uns ein ziemlich leichtes Betätigungsfeld. Die mühevolle Arbeit der Abwehr, die hier auch einmal gelobt werden soll, wird dadurch erschwert, daß die Späher aus der DDR keine Sprachschwierigkeiten kennen, daß sie gute Einstiegsmöglichkeiten haben und ihre Arbeit deshalb leicht tarnen können. Man kommt an der Tatsache nicht vorbei, daß das Ausmaß der östlichen Spionage einen ernsthaften Störungsfaktor in den Beziehungen zwischen den beiden deutschen Staaten darstellt. Bei der Vielzahl der nachrichtendienstlichen Ansätze kann es nicht ausbleiben, daß von Zeit zu Zeit auch Fälle von schwerem Landesverrat vorkommen. Keine Regierung ist davor gefeit. Der Fall Lutze/ Wiegel ist ein solcher Fall gewesen, aber der Versuch, ihn zu einem einmalig schweren Fall zu deklarieren, muß mißlingen. Auch aus früheren Zeiten kennen wir Fälle von vergleichbarem, wenn nicht schwererem Gewicht. Hier ist vor allem der Verräter im Bundesnachrichtendienst Felfe zu nennen. Dieses Gebiet eignet sich nicht zur Selbstgerechtigkeit. Die Zahl der durch das Spionentrio, das Ehepaar Lutze und Herrn Wiegel, als verraten anzusehenden Dokumente ist groß. Darunter befinden sich auch solche von schwerwiegender Bedeutung. Doch kann auf der anderen Seite die erfreuliche Mitteilung gemacht werden, daß die Zahl der als „streng geheim" eingestuften Papiere klein ist und daß sich Operationspläne und Geheimnisse der atomaren Kampfführung nicht darunter befinden. Manches von dem, was vermutlich kompromittiert wurde, war auch bereits öffentlich bekannt. Deshalb sollte man sich auch vor Übertreibungen des möglicherweise eingetretenen Schadens hüten. Bei der öffentlichen Erörterung des Spionagefalles wurde anfangs häufig eine falsche Optik eingestellt. Es wurde der Eindruck erweckt, Frau Renate Lutze sei die Hauptspionin und das Zentrum des Verrats habe in der Sozialabteilung gelegen. Heute steht fest, daß der Spionagefall seine Ursache nicht in der Person von Herrn Laabs hatte und daß der Großteil der empfindlichen Dokumente nicht aus seiner Abteilung, sondern aus den Abteilungen Rüstung und Verwaltung stammte. Offenkundig ist auch geworden, daß nicht Frau Lutze, sondern ihr Mann die treibende Kraft bei der Spionagetätigkeit war. Der Ausschuß hat eine Reihe von Fehlern, Versäumnissen und Mängeln bei der Behandlung des Spionagefalles im Verteidigungsministerium festgestellt. Dazu gehört in erster Linie, daß seine schwerwiegende Bedeutung zu spät erkannt und daß er auch dann noch als Routinefall behandelt wurde. Doch gibt es dafür mildernde Umstände. In der fraglichen Zeit waren der damalige Verteidigungsminister Georg Leber und der, damalige Generalinspekteur Admiral Zimmermann krank oder erkrankten. Für ihre engsten Mitarbeiter, für Staatssekretär Fingerhut und für General Wust, ergab sich daraus eine übermäßige Arbeitsbelastung. Dies muß berücksichtigt werden. (Weiskirch [Olpe] [CDU/CSU] : Es standen Bundestagswahlen vor der Tür!) — Das spielte natürlich auch eine Rolle. Aber wenn man krank ist, hat das mit den Wahlen nichts zu tun, Herr Kollege. — Also für Herrn Fingerhut und für General Wust ergab sich daraus eine übermäßige Arbeitsbelastung. Dies muß berücksichtigt werden, wenn man sich um ein faires Urteil bemüht. Allerdings wurden auch Mängel festgestellt, die damit nichts zu tun hatten. Dazu gehörten die langanhaltenden Kompetenzstreitigkeiten im Hause, eine ungenügende kollegiale Zusammenarbeit gerade auf höherer Ebene und ein partiell schlechtes Betriebsklima. Eine besondere Rolle hat in diesem Zusammenhang der Zuständigkeitskrieg zwischen dem auf ein Eigenleben bedachten Militärischen Abschirmdienst und der für Sicherheitsfragen zuständigen Führungsabteilung FüS II gespielt. Als sich herausstellte, daß dieser Kompetenzkonflikt die Ermittlungen zu erschweren drohte, hat Staatssekretär Fingerhut eine abgrenzende Verfügung getroffen, den sogenannten Fingerhut-Erlaß. Dieser wurde von der Minderheit und auch von manchen Offizieren als ein Versuch gewertet, die militärische Seite auszuschalten. Es wurde die Vermutung ausgesprochen, daß dies im Hinblick auf die Bundestagswahlen 1976 geschehen sei. Nach Auffassung der Mehrheit haben die Untersuchungen ergeben, daß ein solcher Verdacht nicht aufrechterhalten werden kann. Auch der Wortlaut des Erlasses läßt für solche Deutungen keinen Raum. In dem Mehrheitsbericht heißt es, daß der Fingerhut-Erlaß vom 16. Juni 1976 allein das Ziel verfolgte, die neu entbrannten Kompetenzstreitigkeiten durch eine klare Regelung beizulegen. Weiter heißt es an dieser Stelle, der Führungsstab der Streitkräfte sei zu keinem Zeitpunkt aus den Ermittlungen ausgeschaltet worden. Gemeinsam haben Mehrheit und Minderheit erklärt, daß der bisherige Generalinspekteur Wust sich fragen lassen müsse, warum er trotz der erkannten Bedeutung des Falles auf die routinemäßige Bearbeitung durch den Apparat vertraut und es unterlassen habe, im Rahmen seiner Dienstaufsicht die militärische Schadensbewertung anzumahnen. Diese Fragestellung hat sich als folgenschwer erwiesen. Denn die Unteilbarkeit der Verantwortung für die Verzögerung bei der Schadensbewertung, die ja die Voraussetzung für mögliche Maßnahmen zur Schadensbegrenzung bildet, führte zu der Diskussion über sein weiteres Verbleiben im Amt und legte die Forderung nach einem Rücktritt nahe. Die Verdienste des bisherigen Generalinspekteurs sollen dadurch nicht geschmälert werden. Es versteht sich von selbst, daß seine persönliche Integrität überhaupt nicht berührt ist. (Dr. Kohl [CDU/CSU] : Aber scheinheiliger geht es wirklich nicht mehr! Was Sie hier vorführen!) — Das ist auch eine Wertung, Herr Kohl, und die sollten Sie sich ruhig ersparen. (Heiterkeit und Zustimmung bei der SPD — Dr. Kohl [CDU/CSU] : Nach der Polemik, die Sie in der Öffentlichkeit betrieben haben! — Zuruf von der CDU/CSU: Buchstaller! — Jenninger [CDU/CSU] : Was sind Sie für ein Kerl!) Als gescheitert anzusehen, Herr Kohl und Herr Jenninger, ist in den Augen der Mehrheit der Versuch der Opposition, den Bundeskanzler mit einer ähnlichen Verantwortung zu belasten. Wie es sich gehört, ist der Kanzler vom ersten Tage an über den Spionagefall unterrichtet worden. Doch konnte diese Unterrichtung nur so weit reichen, wie es der Wissensstand derjenigen zuließ, die mit dem Kanzler persönlich oder mit dem Kanzleramt Verbindung zu halten hatten. Der Kanzler selber mußte sich darauf verlassen können, daß die Angelegenheit in dem zuständigen Ressort ordnungsgemäß behandelt wurde. Ebenso verfehlt war nach Meinung der Mehrheit auch die Kritik an dem früheren Verteidigungsminister Leber. Er wurde das Opfer unglücklicher Umstände. Dazu gehörte seine Krankheit, gehörte die enorme Inanspruchnahme durch andere Fragen, dazu gehörte auch der langjährige Brauch, der verhinderte, daß ihm das umfassende Gutachten zur Kenntnis gebracht wurde, welches für die Bundesanwaltschaft zum Zwecke der Strafverfolgung hergestellt worden war. Dieser Brauch ging noch auf die Zeit der „Spiegel"-Affäre zurück. Er ist inzwischen abgeschafft worden, sollte aber sicherstellen, daß dem Gutachter, der vor Gericht auftreten muß, ein Höchstmaß an Unabhängigkeit zuerkannt werden kann. Wir können mit Sicherheit davon ausgehen, daß Georg Leber unverzüglich tätig geworden wäre, wenn er das Gutachten gelesen und dadurch von dem vollen Ausmaß des Verratsfalles Kenntnis erhalten hätte. Wir bedauern es sehr, daß durch diese Umstände die großen Leistungen in den Hintergrund gerückt wurden, die Georg Leber für unseren Staat und insbesondere für die Bundeswehr, für ihre Stellung im Staat und im Bündnis erbracht hat. Als Berichterstatter der Mehrheit möchte ich ihm in diesem Augenblick dafür ausdrücklich danken. (Beifall bei der SPD und FDP) Zu den Mängeln, die der Untersuchungsausschuß im Sicherheitsverhalten des Ministeriums herausgefunden hat und die zu dem Erfolg der Spione beigetragen haben, gehören weiter: einmal die Unzahl der geheimzuhaltenden Schriftstücke. Es ist ein Unding, daß über 600 000 Vorgänge als „Vertraulich", „Geheim" oder „Streng Geheim" eingestuft werden und daß jährlich rund 200 000 neue Vorgänge dieser Art produziert werden. Ein General hat z. B. vor dem Ausschuß ausgesagt, daß auch die Weihnachtsgrüße eines ausländischen Kollegen als „Geheim" eingegangen sind. (Lachen bei der SPD) Die verhängnisvolle Folge dieser Flut von Geheimdokumenten ist, daß sie das Sicherheitsbewußtsein und die Wachsamkeit vieler Angehöriger des Ministeriums unterspült. Zweitens. Zu der großen Zahl von Geheimpapieren gehört auch die große Zahl von Panzerschränken, mit denen nur wenige richtig umzugehen wissen. Offenbar ist der Panzerschrank eine Art Statussymbol geworden. Wo aber tausend solcher Schränke verstreut sind, müssen Aufsicht und Kontrolle zu wünschen übriglassen. Drittens. Ursächlich für den Erfolg der Spione waren wohl in erster Linie die Ermächtigungen zum Zugang zu geheimen Dokumenten. Der Untersuchungsausschuß hat den Eindruck gewonnen, daß im Bundesministerium der Verteidigung bei Erteilung dieser Ermächtigungen nicht die gebotene Zurückhaltung und Sorgfalt obwalten. So muß die Frage gestellt werden, ob beispielsweise die Vorzimmerdame des Leiters der Sozialabteilung ermächtigt sein muß, Vorgänge bis zur Stufe „Streng Geheim" einzusehen, wenn der Abteilungsleiter selbst solche Vorgänge nur höchst selten zu bearbeiten hat. In all diesen Fällen wurde gegen den Grundsatz „Kenntnis nur, wenn nötig" verstoßen. Schließlich muß auch die Frage gestellt werden, wie effektiv eigentlich die Sicherheitsüberprüfungen sind, die solchen Ermächtigungen vorangehen und die sie begleiten, wenn eine Persönlichkeit wie Lothar Lutze auch bei wehrmaliger Überprüfung und trotz gezielter Hinweise — auch von Herrn Laabs — nicht enttarnt werden konnte. Insgesamt haben wir den Eindruck gewonnen, daß es im Verteidigungsministerium zwar keinen Mangel an Sicherheitsvorschriften gibt, wohl aber einen Mangel an Sicherheitsbewußtsein gab. Herr Lutze hatte z. B. seine Minox-Kamera gelegentlich offen auf dem Schreibtisch liegen, ohne daß jemand Anstoß daran genommen hätte, und er hat bündelweise Geheimakten im Kofferraum seines Wagens mit nach Hause nehmen können. Ich komme zum Schluß: Der Untersuchungsausschuß hat es nicht bei der Registrierung der Vorgänge, bei der Auflistung der Mängel, bei der Feststellung der Versäumnisse bewenden lassen. Da die des Landesverrats Angeklagten mit verhältnismäßig einfachen Mitteln einen unverhältnismäßig großen Spionageerfolg erzielen konnten, hat der Ausschuß eine Reihe von Folgerungen zur Verbesserung der Sicherheitslage gezogen. Sie finden diese am Schluß des Berichts. Bundesminister Apel hat bereits eine Reihe von Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit und der Spionageabwehr getroffen. Dazu gehören die Einrichtung eines Sicherheitsreferates im Leitungsbereich, die klare Unterstellung des MAD unter den Stellvertreter des Generalinspekteurs, die Intensivierung der Aufsicht und die Einengung des Personenkreises, der Zugang zu den Verschlußsachen erhält. Damit hat die Arbeit des Ausschusses einen zufriedenstellenden Abschluß gefunden. (Beifall bei der SPD und der FDP) Präsident Carstens: Das Wort als Berichterstatter hat der Herr Abgeordnete Ernesti. .Ernesti (CDU/CSU) : Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Der Deutsche Bundestag debattiert heute den vorgelegten Abschlußbericht des Verteidigungsausschusses als Untersuchungsausschuß aus Anlaß des Spionagefalles Lutze/Wiegel und die damit im Zusammenhang stehenden Sachverhalte. Ich darf auf den Bericht verweisen und vor allen Dingen auf die Berichtigung auf der Drucksache 8/2350, die erforderlich wurde weil in dem Originalbericht einige Unrichtigkeiten aus drucktechnischen Gründen entstanden sind. Das Ergebnis der Untersuchung ist in acht Kapiteln ausgeführt worden, von denen vier vom gesamten Ausschuß getragen werden, während bei den weiteren vier Kapiteln die Minderheit der Auffassung war, daß die von der Mehrheit vorgenommene Würdigung mit dem Ergebnis der Beweisaufnahme nicht im Einklang steht. Daher sah sich die Minderheit gezwungen, in diesen vier Punkten eine eigene Würdigung vorzunehmen. Nachdem der Kollege Ahlers bei seiner Berichterstattung den Schwerpunkt auf die Darstellung der Würdigung der Mehrheit legte, werde ich verständlicherweise als Berichterstatter auch die Würdigung der Minderheit darlegen. Die Bedeutung des Spionagefalles spiegelt sich darin wider, daß sich die Gesamtzahl der Verschlußsachendokumente, die den Spionen zugänglich waren, auf über 1 000 Vorgänge der Geheimhaltungsgrade „Vertraulich", „Geheim" und „Streng geheim" beläuft. Auch auf Grund der Ermittlungen der Bundesanwaltschaft kann davon ausgegangen werden, daß davon 17 Vorgänge „Streng geheim" und 40 Vorgänge „Geheim" eingestuft waren. Um Ihnen einen wirklich nur kleinen Eindruck dieses Spionagefalles, der auch im Vergleich zu anderen Fällen für die äußere Sicherheit der Bundesrepublik als besonders schwerwiegend anzusehen ist, zu geben, möchte ich sieben Vorgänge aufgreifen. Das sind zunächst einmal die militärischen Zustandsberichte der Bundeswehr für 1972 bis 1974 sowie der des Heeres für 1974. Diese Zustandsberichte geben in zusammenfassender Form ein detailliertes Leistungsbild über Stärken und Schwächen der Streitkräfte. Durch die Tatsache, daß die drei aufeinanderfolgenden Leistungsbilanzen der Bundeswehr als verraten gelten können, war der Gegner in der Lage, eine vergleichende Darstellung zu haben. Da ist der Streitkräfteplan von 1975 bis 1988. Er enthält die langfristige Planung für die Entwicklung der Bundeswehr. Es sind weiterhin die verteidigungspolitischen Richtlinien, in denen die verteidigungspolitischen Interessen der Bundesrepublik Deutschland erörtert, die Rahmenbedingungen für die Konzeption der militärischen Verteidigung umrissen und der Auftrag der Bundeswehr umschrieben werden. Es gehören auch die Bewertungsergebnisse über den Kampfpanzer 3 dazu. Sie betreffen die Konzep - tion der Bundeswehr für die Panzerbewaffnung der 90er Jahre. Es sind die Pläne, Analysen und Berichte aus dem Bereich des NATO-Pipeline-Systems. Dies betrifft die Treibstoffversorgung der NATO-Verbände sowohl im Frieden wie auch im Verteidigungsfall. Zu den Unterlagen gehört der Alarmplan der Bundeswehr in der Fassung von 1972. Er enthält Angaben über den Umfang und Stand militärischer Alarm- und Mobilmachungsvorbereitungen sowie die Verfahren für die Durchführung der Alarmierung. Schließlich ist da der Mobilmachungsplan. Er enthält die grundsätzlichen Bestimmungen organisatorischer, personeller und materieller Art zur Vorbereitung und Durchführung einer Mobilmachung. Insgesamt ist im Ausschuß übereinstimmend festgestellt worden, daß der nachrichtendienstliche Gegner durch den Verrat einen umfangreichen und für ihn wichtigen Einblick in die Stärken und Schwächen der Verteidigungsfähigkeit der Bundesrepublik - Deutschland erhalten hat. Dieser Schaden ist zum überwiegenden Teil irreparabel. Für den Komplex der Ermittlungen haben die Untersuchungen des Ausschusses nach Auffassung der Minderheit eindeutig ergeben, daß von einer Behinderung der ermittelnden Beamten des Bundeskriminalamtes durch den MAD nicht die Rede sein kann. Dies gilt auch für die Stellen des Ministeriums, insbesondere für das damals noch bestehende Referat Fü S II 7. — Ich bitte um Entschuldigung, wenn ich ich ab und zu Abkürzungen gebrauche. Im Bericht werden Sie eine Erklärung dieser Abkürzungen finden. Dagegen hat die Beweisaufnahme ergeben, daß die von Minister Leber gegen Ministerialdirektor Laabs angeordneten Ermittlungen des MAD von Brigadegeneral Scherer und Staatssekretär Fingerhut nicht nur behindert, sondern schließlich sogar vorzeitig abgebrochen worden sind. Die Ermittlungen gegen Herrn Laabs beruhten auf einer Aussage eines Beamten. Dieser hatte einem persönlichen Gespräch der Frau Lutze entnommen, daß diese einem Gesprächspartner gegenüber ein intimes Verhältnis zu Herrn Laabs behauptet hatte. Außerdem hatte sie sich dabei beklagt, daß Herr Laabs sich nicht für die Förderung ihres Mannes eingesetzt habe. (Zuruf von der SPD) — Ich trage hier die Bewertung der Minderheit vor. Dieses wissend, gab der Minister die Weisung, gegen Ministerialdirektor Laabs zügig zu ermitteln und den Mitwisserkreis kleinzuhalten. Der Chef des Amtes für Sicherheit der Bundeswehr, Brigadegeneral Scherer, entschied jedoch am 16. Juni 1976, die Ermittlungen vorläufig ruhen zu lassen. Gleichfalls im Juni 1976 führte er hierüber ein Gespräch mit Staatssekretär Fingerhut. Anschließend wurden die unterbrochenen Ermittlungen nicht wieder aufgenommen. Die Beweisaufnahme hat ferner im Zusammenhang mit den Ermittlungen schwerwiegende Behinderung des Führungsstabes der Streitkräfte, insbesondere des Referats Fü S II 7, durch Brigadegeneral Scherer und Staatssekretär Fingerhut ergeben. Die Minderheit ist der Auffassung, diese Behinderungen bewirkten, daß dringende militärische Aufgaben nicht rechtzeitig, teilweise sogar bis heute nicht voll erfüllt werden konnten. Erschwerend kam außerdem hinzu, daß der MAD, der dem Bundeskriminalamt Amtshilfe leisten sollte, seine Tätigkeit aufnahm, ohne den Führungsstab der Streitkräfte hierüber zu unterrichten. Insbesondere unterließ die MAD-Gruppe S die nach den Richtlinien für die Zusammenarbeit zwischen Fü S II 7 und der MAD-Gruppe S vom 28. Februar 1973 erforderliche Erstunterrichtung des Führungsstabes der Streitkräfte II 7. Diese Ausschaltung von Fü S wurde durch den sogenannten Fingerhut-Erlaß vom 16. Juni 1976, ohne daß eine geschäftsordnungsmä - ßig Beteilig ng militärischer oder sonstiger Stellen des Ministeriums, etwa in der Form einer Mitzeichnung, stattgefunden hätte, festgeschrieben. Da nun befürchtet werden mußte, daß eine Reihe notwendiger militärischer Maßnahmen unterbleiben oder sich über Gebühr verzögern könnte, entwarf der Referent Fü S II 7 für den damaligen stellvertretenden Generalinspekteur Wust ein Schreiben an Staatssekretär Fingerhut. In diesem Schreiben wurde u. a. auf diese Verzögerung hingewiesen. Leider hat es General Wust damals abgelehnt, dieses Schreiben zu unterzeichnen. Die Folge war, daß nach Herausgabe des Fingerhut-Erlasses der Informationsfluß und die Zusammenarbeit sowohl innerhalb des Geschäftsbereiches des Bundesministeriums der Verteidigung als auch im Verhältnis zur NATO nach Auffassung der Minderheit auffällig gestört war. Eine weitere Folge war, daß dadurch die Einleitung, Überwachung und der Abschluß des militärischen Verfahrens zum Zweck der Schadensminderung, wofür nach Geschäftsverteilungsplan des Bundesministeriums der Verteidigung in der Zentralen Dienstvorschrift 2/30 eindeutig der Führungsstab der Streitkräfte zuständig war, zunächst unterblieb. Nach Aussagen von sachkundigen Zeugen wären nämlich nicht nur die Benachrichtigungen an die NATO und an die nationalen Herausgeber bis Ende 1976 abgeschlossen gewesen, auch die Schadensabgrenzung bis zur letzten bloßgestellten Verschlußsache wäre bis spätestens Frühjahr 1977 beendet gewesen. Dies alles, wenn der Führungsstab der Streitkräfte II 7 in Tätigkeit hätte bleiben dürfen! Vor diesem Hintergrund — das ist die Auffassung der Minderheit — müssen die Angaben von Brigadegeneral a. D. Scherer mit größter Zurückhaltung aufgenommen werden. Er hat nämlich am Vorabend seiner Vernehmung mit den dem Untersuchungsausschuß angehörigen Kollegen Ahlers und Horn ein etwa anderthalbstündiges Gespräch geführt, das der Vorbereitung der Vernehmung gegolten hat. (Hört! Hört! bei der CDU/CSU) Es bleibt der Eindruck, daß Staatssekretär Fingerhut mit seinem Erlaß absichtlich das auf schnelle Bewertung und Minderung des mutmaßlichen Schadens gerichtete militärische Verfahren behindert hat. Angesichts der zusätzlichen Gefahren, die diese Behinderung für die Sicherheit des Staates heraufbeschwören konnte, war dieses Verhalten nach Auffassung der Minderheit besonders unverantwortlich. Bei der Frage nach dem Motiv fällt auf, daß die Verhaftungen in diesem schwersten Spionagefall der Bundesrepublik vier Monate vor der letzten Bundestagswahl erfolgten. Meine Damen und Herren, beim Komplex der Unterrichtungen hat die Minderheit des Ausschusses festgestellt, daß den verantwortlichen Regierungsstellen die besondere Schwere des Verratsfalles von Anfang an bekannt war. Dies galt insbesondere für Staatssekretär Fingerhut. Er gab zu, am 2. Juni 1976 nicht nur mündlich, sondern auch schriftlich unterrichtet worden zu sein; denn dieses hatte ihm erlaubt, seinen Minister am 4. Juni 1976 eingehend zu informieren. Auch Staatssekretär Schüler räumte vor dem Ausschuß ein, den Spionagefall von Anfang an für einen Fall von Bedeutung gehalten zu haben. Der Bundeskanzler war von Staatssekretär Schüler am 2. Juni 1976 ebenfalls über den Spionagefall unterrichtet worden. Auch er bestätigte vor dem Ausschuß, zu keinem Zeitpunkt ein Informationsdefizit gehabt zu haben. Im Gegenteil: Das, was ihm vorgetragen worden sei, habe ihm schon damals die Auffassung vermittelt, daß es sich um einen schwerwiegenden Fall von Spionage handele. Zum Komplex „Würdigung der Schadensbewertung" war der gesamte Ausschuß der Auffassung, daß die notwendigen Maßnahmen zur militärischen Schadensbewertung und Schadensminderung erheblich verzögert worden sind. Die Tatsache, daß erst 18 Monate nach der Aufdeckung des Spionagefalls und erst im Zusammenhang mit der Einsetzung des Untersuchungsausschusses eine umfassende Schadensbewertung in Angriff genommen wurde, ist als ernstes Versäumnis anzusehen. Hierzu hat nach Auffassung der Minderheit beigetragen, daß nach dem Erlaß des Staatssekretärs Fingerhut vom 16. Juni 1976 die Stabsabteilung Fü S II die von ihr begonnenen militärischen Schadensfeststellungen einstellte. Dieser Erlaß mußte als Versuch der politischen Leitung des Ministeriums gewertet werden, den als schwerwiegend erkannten Spionagefall_ den militärischen Stellen weitgehend zu entziehen. Nach Auffassung der Minderheit sollte damit der Mitwisserkreis so lange wie möglich auf Personen beschränkt werden, die aus der Sicht der Leitung zuverlässig waren. Zum Komplex der Sicherheitsbestimmungen wurde durch die Minderheit des Ausschusses folgendes festgestellt. Ministerialdirektor Laabs hat als Leiter der Sozialabteilung im Bundesministerium der Verteidigung Zugang zu Geheimakten gehabt, die er nach der Aufgabenstellung dieser Abteilung für die Erfüllung seiner Dienstpflichten nicht hätte zu kennen brauchen. Er hat die Vorschriften über den Umgang mit Geheimakten über Jahre hinweg grob mißachtet. Auch hat er es pflichtwidrig unterlassen, den Umgang seiner Mitarbeiter mit Geheimakten dienstaufsichtlich zu überwachen. Ministerialdirektor Laabs hat durch sein Verhalten den Verrat von Geheimsachen erleichtert. Da sich die Zuständigkeit der Sozialabteilung des Bundesministeriums der Verteidigung auf allgemeine Sozial- und Fürsorgeangelegenheiten, das Betreuungswesen, Fragen der sozialen Sicherung und Berufsförderung erstreckt, sind die zu bearbeitenden Vorgänge in aller Regel keine Verschlußsachen. Entsprechend der Zuständigkeit seiner Abteilung hätte Ministerialdirektor Laabs nach Auffassung der Minderheit, von seiner Teilnahme an Abteilungsleiterkonferenzen abgesehen, kaum Veranlassung gehabt, sich mit Verschlußsachen zu befassen. Dennoch bekam er eine Reihe von geheimen und streng geheimen Dokumenten auf den Tisch, die mit seiner Tätigkeit unmittelbar nichts zu tun hatten. Beispielhaft sei hier auf den Streitkräfteplan von 1975 bis 1988 und auf die Unterlagen zu den Stabsrahmenübungen Wintex 1973 und 1975 hingewiesen. Nach dem in der Zentralen Dienstvorschrift 2/30, der Sicherheitsvorschrift, niedergelegten Grundsatz „Kenntnis nur, wenn nötig" hätte Herr Laabs die mit seinem Tätigkeitsbereich nicht in Zusammenhang stehenden Geheimakten nicht zu kennen brauchen und deshalb auch nicht kennen dürfen. Daß Herr Laabs dennoch solche Akten auf den Tisch bekam, lag nach Meinung der Minderheit daran, daß er Mitglied der SPD sei und seine Nähe zum Bundeskanzler bekannt gewesen sei. Dies habe wohl auch dazu beigetragen, daß ihm seitens der Leitung des Hauses ein besonderes Vertrauen entgegengebracht wurde und man ihn deshalb selbstverständlich in alle wichtigen Dinge des Geschäftsbereichs einweihte. Die Beweisaufnahme hat weiter ergeben, daß Ministerialdirektor Laabs in den Jahren, in denen er die Sozialabteilung leitete, also seit Anfang 1972, in einer Reihe von Fällen gegen die Vorschriften über den Umgang mit Verschlußsachen verstoßen hat. So hat er z. B. zu keiner Zeit seinen Panzerschrank vorschriftsmäßig verschlossen. Auch ist festgestellt worden, daß das Kombinationsschloß seines Panzerschranks seit seinem Dienstbeginn 1972 auf die international übliche Grundzahl 50 eingestellt war. Alle anderslautenden Behauptungen von Ministerialdirektor Laabs sind nach Auffassung der Minderheit nachgewiesenermaßen Schutzbehauptungen. Somit konnte der Panzerschrank von Herrn Laabs seit 1972 immer allein mit einem Schlüssel geöffnet werden. Außerdem hat er den Erstschlüssel für seinen Panzerschrank nicht, wie die Vorschrift es erfordert, ständig in persönlichem Gewahrsam gehalten. Enge Mitarbeiter von ihm bestätigen übereinstimmend, daß der Abteilungsleiter den Schlüssel normalerweise, mindestens aber überwiegend in seinem Aktenkoffer aufbewahrte. Dieser Koffer verblieb auch dann offen in seinem Dienstzimmer, wenn er dies kurzfristig oder für längere Zeit verließ. Zwei Zeugen gaben darüber hinaus an, Frau Lutze habe bei Abwesenheit von Ministerialdirektor Laabs und bei entsprechendem Bedarf den Schlüssel tatsächlich dem zurückgelassenen Aktenkoffer entnommen und den Panzerschrank damit geöffnet. Nach eigenem Bekunden ist Herr Laabs bei seiner Ermächtigung zum Umgang mit Verschlußsachen im Jahre 1969 über Inhalt und Sinn der Sicherheitsbestimmungen belehrt worden. Auch hat er, wie er ausführte, die Vorschriften in der Folgezeit gründlich studiert. Sein fortgesetztes Fehlverhalten stellt daher nach Auffassung der Minderheit eine bewußte Mißachtung der im Sicherheitsinteresse erlassenen Vorschriften dar. Dies ist deshalb besonders schwerwiegend, da er von seinem Vertreter immer wieder auf die Notwendigkeit der Beachtung der einschlägigen Dienstvorschriften hingewiesen wurde. Ministerialdirektor Laabs hat diese Bemühungen jedoch damit abgetan, daß die Sicherheitsbestimmungen in seinen Augen Formalismus seien. Diese Bewertung der Sicherheitsbestimmungen für den Bereich des Bundesministeriums der Verteidigung unterstrich er dadurch, daß er einem Stellvertreter hinfort Zimmerverbot erteilte. Die Beweisaufnahme hat außerdem ergeben, daß Herr Laabs eigenem Eingeständnis zufolge nie kontrolliert hat, in welcher Weise seine Sekretärin mit Verschlußsachen umging. Ihn hat es also auch nie gekümmert, daß Frau Lutze nach seinem abendlichen Weggang des öfteren noch im Büro blieb und dabei in Gesellschaft ihres Mannes war. Das Verhalten von Ministerialdirektor Laabs verdient daher nach Auffassung der Minderheit schärfste Mißbilligung. Seine bloße Zurruhesetzung erscheint als Reaktion auf sein Fehlverhalten nicht ausreichend. Meine Damen und Herren, im Zusammenhang mit dem Komplex der Einstellung von Verdachtspersonen ist die Frage geprüft worden, ob Ministerialdirektor Laabs auf Bitten von Renate Lutze oder aus einem anderen Grund die Einstellung von Lothar Lutze im Bundesministerium der Verteidigung beeinflußt hat. Der Ausschuß geht nach Anhörung der Zeugen und Studium der Aktenlage insgesamt davon aus, daß Herr Laabs auf die Einstellung des Lothar Lutze im Bundesministerium der Verteidigung nicht eingewirkt hat. Die Untersuchungen des Ausschusses hinsichtlich der Sozialabteilung im Bundesministerium der Verteidigung haben ergeben, daß nach Auffassung der Minderheit des Ausschusses die Einstellung von Herrn Laabs in das Bundesministerium der Verteidigung, seine Verwendung als Leiter des neugegründeten Leitungsstabs, seine Ernennung zum Leiter der neugegründeten Sozialabteilung sowie seine Ernennung und Verbeamtung vom damaligen Verteidigungsminister Helmut Schmidt betrieben wurden. Darüber hinaus ergaben die Zeugenvernehmungen zusätzlich eine Reihe von Merkwürdigkeiten, die auf die Person von Herrn Laabs ein bezeichnendes Licht warfen. Vorschriften über dem Umgang mit Verschlußsachen nahm er nicht ernst. Zur Uniform hatte er ein gespanntes Verhältnis. Die Verweigerung seines Einverständnisses zur Beiziehung seiner Personalakte aus der Referendarzeit erweckte den Eindruck, Herr Laabs habe etwas zu verbergen. Über eine Reihe der zu seiner Abteilung gehörenden Angehörigen, die, wie die Zeugenvernehmungen ergaben, Mitglieder der SPD waren, verfügte er in einer Weise persönlich, daß der zuständige Unterabteilungsleiter kaum noch die Möglichkeit hatte, diese Angehörigen zum Dienst einzusetzen. Die Existenz einer sogenannten Förderliste, die Ministerialdirektor Laabs nach Presseberichten im Auftrag des Bundeskanzlers geführt haben soll, ließ sich in den Verfahren vor dem Untersuchungsausschuß nicht nachweisen. Die Zeugenaussagen zu der Vielzahl angeblicher Listen waren widersprüchlich. Man sprach von Förderliste, von Essensliste, von Gruppenschulungsliste, von politischem Klub, von einer Liste mit Namen höchster Beamter im Bundes- und Landesdienst sowie von Bundes-, Landes- und Kommunalpolitikern vorn Norden bis zum tiefsten Süden. (Möllemann [FDP]: Das war jetzt gerade eine „listenreiche" Passage!) Der Verdacht, daß es sie gab, besteht jedoch nach Auffassung der Minderheit fort: (Weiskirch [Olpe] [CDU/CSU] : Sehr richtig!) denn eigenartigerweise sorgte sich Herr Laabs nach der Aussage eines Zeugen weniger um den Fall Lutze als vor allem um die Liste, und es wurde sogar ein Abteilungsleiter im Range eines Oberst aus dem Amt für Sicherheit der Bundeswehr in das Ministerium geschickt, damit er diese Liste sucht. Die des Landesverrats angeklagten Eheleute Lutze und Wiegel haben nach Auffassung des gesamten Ausschusses mit verhältnismäßig einfachen Mitteln im Bundesministerium der Verteidigung einen unverhältnismäßig großen Spionageerfolg erzielt. Auf der Grundlage des Ergebnisses seiner Ermittlungen hat der Untersuchungsausschuß deshalb empfohlen, eine Reihe von Lehren zu ziehen, so u. a., daß das Sicherheitsbewußtsein aller Personen, die im Bundesministerium der Verteidigung und in der Bundeswehr tätig sind, angesichts der Anstrengungen der gegnerischen Nachrichtendienste geschärft und ständig wachgehalten werden muß. Dies kann vor allem durch vermehrte Sicherheitskontrollen erreicht werden, die das Einhalten der Sicherheitsvorschriften überwachen. Ungeübtheit und Laxheit bei der Beachtung der Sicherheitsvorschriften haben wie in vielen anderen Spionagefällen, so auch in diesem den Spionen die Arbeit erleichtert. Lassen Sie mich aus den insgesamt 17 Folgerungen aus dem Spionagefall nur noch einige weitere aufzählen. Es erscheint geboten, stichprobenweise Personentaschenkontrollen durchzuführen. Bei der Neueinstellung von Bediensteten sollte der vorangehende berufliche Werdegang stärker berücksichtigt und gewürdigt werden. Die klare und zweifelsfreie Zuordnung von Aufgaben und Befugnissen und eine eindeutige Organisation und Befehlsstruktur auf dem Gebiet der militärischen Sicherheit sind unabdingbar. Hier ist der Ausschuß insgesamt der Auffassung, daß die Unterstellung des Militärischen Ab - schirmdienstes unter die militärische Führung beizubehalten ist. Auch dürfen Verschlußvorgänge nur denjenigen zur Kenntnis gebracht werden, bei denen hierfür eine unbedingte Notwendigkeit besteht; Kenntnis nur, wenn nötig. Aus der Reihe von Maßnahmen zur Verbesserung der Spionageabwehr hat das Bundesministerium der Verteidigung bereits einige eingeleitet. In unser aller Interesse ist nur zu wünschen, daß diese und weitere Maßnahmen auch tatsächlich vollzogen werden und nicht andere Ereignisse die Arbeit zum Nutzen unser aller Sicherheit überrollen. Zum Abschluß darf ich auch meinerseits als Berichterstatter dem Vorsitzenden des Untersuchungsausschusses und seinem Stellvertreter, vor allem aber auch den Damen und Herren des Ausschußsekretariats und den beteiligten Angehörigen der Bundestagsverwaltung für ihre vorbildliche Arbeit danken. (Beifall bei der CDU/CSU) Präsident Carstens: Von seiten der Berichterstatter wird das Wort nicht weiter gewünscht. Ich eröffne die Aussprache. Das Wort hat der Herr Abgeordnete Dr. Voss. Dr. Voss (CDU/CSU) : Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Wenn wir mit der heutigen Debatte versuchen, einen Schlußstrich unter das parlamentarische Untersuchungsverfahren im schwerwiegendsten Spionagefall der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zu ziehen, dann, meine ich, ist das kein Anlaß zu hochnäsiger Besserwisserei oder hämischer Schadenfreude. Denn dazu ist der Schaden zu groß, der durch diesen Spionagefall entstanden ist. (Beifall bei der CDU/CSU) Aber, Herr Kollege Ahlers, es darf auch kein Anlaß sein, von den Verantwortlichkeiten derjenigen, die in diesem Spionagefall eine bedeutende Rolle gespielt haben, wegen ihrer parteipolitischen Zugehörigkeit abzulenken und sie zu entlasten. Vielmehr sehe ich in der heutigen Debatte die Gelegenheit, einmal die Maßstäbe anzulegen, die an jeden politisch und militärisch Verantwortlichen bei uns angelegt werden müssen, ganz gleichgültig, welcher parteipolitischen Richtung er angehört. Jeder von uns weiß, daß wir auf Grund unserer besonderen politischen Lage für Spionagefälle besonders gefährdet sind. Niemand von uns weiß, wann der nächste größere Spionagefall aufgedeckt werden wird, der dann Reaktionen verlangt: sachgerechter — von politischer wie von militärischer Seite —, als wir sie in diesem Fall erlebt haben. (Beifall bei der CDU/CSU) Daher, meine Damen und Herren, ist für mich — unabhängig von der Frage, wie es zu diesem Spionagefall kommen konnte — besonders beantwortungsdürftig, ob nach der Aufdeckung dieses Spionagefalls im Juni 1976 von politischer und militärischer Seite alles in unserem Staatsinteresse Erforderliche und Mögliche getan worden ist, um den für unsere äußere Sicherheit. entstandenen Schaden soweit wie möglich abzuwenden oder zu vermindern. Der ehemalige Bundesminister der Verteidigung, Leber, sein ehemaliger Staatssekretär Fingerhut, der ehemalige Generalinspekteur Wust, der ehemalige Chef des Amtes für Sicherheit in der Bundeswehr, General Scherer, und der damals wie heute im Amt befindliche Bundeskanzler waren von Anfang an über Umfang und Schwere des Verrats und des dadurch entstandenen Schadens informiert. Frage also, ob sie etwas — gegebenenfalls was und wann — veranlaßt haben, um zu einer militärischen Bewertung des entstandenen Schadens zu gelangen, did in allen Militärbereichen, in allen Armeen als erste und unabdingbare Voraussetzung für eine Abwendung und Minderung von Spionageschäden angesehen wird. Es ist festzustellen, daß es seit der Aufdeckung des Spionagefalles am 2. Juni 1976 mehr als 18 Monate, also mehr als eineinhalb Jahre, gedauert hat, ehe der ehemalige Bundesminister der Verteidigung, Leber die erste umfassende Schadensbewertung hinsichtlich der verratenen Dokumente in Auftrag gab. Dies ist ein Skandal, meine Damen und Herren. (Beifall bei der CDU/CSU — Biehle [CDU/ CSU] : Und der Herr Ahlers hat noch die Verdienste bei diesem Skandal herausge - stellt!) Denn nirgendwo in der Welt dauert eine solche Schadensbewertung derart lange. Die NATO verlangt innerhalb von drei Monaten die Meldung von verratenen Dokumenten und ist in der Regel in drei weiteren Monaten in der Lage, eine Schadensbewertung zu erstellen. Von der in unserem Verteidigungsministerium für die Schadensbewertung zuständigen Abteilung Fü S II haben wir im Untersuchungsverfahren erfahren, daß spätestens bis Anfang 1977, also nach sechs Monaten, diese Arbeiten auch im Falle Lutze/Wiegel hätten abgeschlossen sein können und abgeschlossen gewesen wären, wenn nicht Maßnahmen erfolgt und Handlungen unterlassen worden wären, die die politische und militärische Führung zu verantworten hat. (Kiechle [CDU/CSU]: Vertuschung!) Bei der Aufdeckung des Spionagefalls im Juni 1976, also drei Monate vor der Bundestagswahl gelangten so viele Tatsachen zutage, daß den politisch Verantwortlichen nicht nur die besondere Schwere des Falles in militärischer und sicherheitsmäßiger Hinsicht, sondern auch die Brisanz in parteipolitischer Hinsicht von Anbeginn an klar war. Denn der Fall übertraf nicht nur in seinem Umfang alles bisher Dagewesene, sondern mit dem Abteilungsleiter Laabs, bei dem die Spionin Renate Lutze im Vorzimmer gesessen hatte, war auch ein prominenter SPD-Mann in die Sache verwickelt. Ferner stand fest, daß das spionageverdächtige Ehepaar Lutze Mitglied der SPD war. Schließlich ergaben sich auch noch Verdachtsmomente für engere persönliche Beziehungen zwischen Herrn Laabs und der Spionin Lutze. Man befürchtete also, daß der Spionagefall die Wahlchancen der Koalitionsparteien ganz erheblich beeinträchtigen könnte. Man sah, daß das Bekanntwerden des Falles die Öffentlichkeit mit Munition gegen die Regierungskoalition beliefern könn te, nämlich für die seit dem Fall des DDR- Meisterspions Guillaume nicht verstummende Behauptung, daß die SPD-typische Vetternwirtschaft und der SPD- typische Genossenfilz immer wieder ursächlich werden könne für schwere Beeinträchtigungen der Sicherheit unseres Landes. Weil die politisch Verantwortlichen das sahen, mußte die Zeit bis zur Bundestagswahl überbrückt werden. (Kiechle [CDU/CSU] : Zum Schaden unseres Landes!) Das tatsächliche Verhalten des ehemaligen Staatssekretärs Fingerhut und des Brigadegenerals a. D. Scherer entspricht genau diesem Muster. Erstens. Fingerhut erklärte am 9. Juni 1976 vor dem Verteidigungsausschuß des Deutschen Bundestages wahrheitswidrig, über Umfang und Gewicht des Falles seien noch keine Angaben möglich, obwohl er bereits am 2. Juni wußte, daß Dokumente über die Kriegsfallplanung, die Lagerung von Kernwaffen, den Verlauf und die Kennzeichnung von Pipelinetrassen sowie die Alarm- und Mobilmachungsplanung zu den verratenen Dokumenten gehörten. Fingerhut versuchte, den schwersten Spionagefall mit der Bemerkung abzutun, bei Ministerialdirektor Laabs habe es nichts zu spionieren gegeben, weil er im wesentlichen über das Kantinenwesen der Bundeswehr zu arbeiten habe und sich daher vorwiegend mit Flaschenbier, Bierflaschen und Bierpreisen zu beschäftigen habe. • (Lachen und Zurufe bei der CDU/CSU) Fingerhut kündigte zweitens die baldige Unterrichtung des Parlamentarischen Vertrauensmännergremiums an; diese erfolgte nie. Drittens. Eine Kleine Anfrage der CDU/CSU wurde ausweichend beantwortet, und zwar mit dem Hinweis auf das schwebende Ermittlungsverfahren beim Generalbundesanwalt. Viertens. Zusammen mit seinem willfährigsten Erfüllungsgehilfen Scherer — ebenfalls SPD-Mitglied — drängte Fingerhut die militärische Führung immer mehr aus deren ureigenem Zuständigkeitsbereich hinaus. Beim Führungsstab der Streitkräfte hatte man nämlich bereits am 2. Juni 1976 zügig damit begonnen, die kompromittierten Dokumente aufzulisten. Bereits am 15. Juni konnte dem Generalinspekteur eine Liste von 450 möglicherweise verratenen Dokumenten vorgelegt werden. Fünftens. Brigadegeneral a. D. Scherer drohte den für die Bearbeitung des Falles zuständigen Offizieren von Fü S, daß sie mit ihren Erhebungen gegen Weisungen des Generalbundesanwalts verstießen und damit ohne Erlaubnis in ein schwebendes Verfahren eingriffen. Ihre Maßnahmen seien rechtswidrig und gefährdeten, wie er sich ausdrückte, die judikativen Möglichkeiten, was nur als rechtswidriges Verhalten von Herrn Scherer selbst qualifiziert werden kann. (Zuruf von der CDU/CSU: So ist es!) Ich möchte an dieser Stelle einmal betonen, daß sich die überwiegende Zahl der Mitarbeiter des MAD bei ihrer .sensiblen und diffizilen Tätigkeit pflichtbewußt und rechtlich völlig einwandfrei verhalten hat (Beifall bei der CDU/CSU) und daß sich einige MAD-Offiziere den Machenschaften des Herrn Scherer mutig entgegengestellt haben, wofür ich ihnen an dieser Stelle ausdrücklich danken möchte. (Erneuter Beifall bei der CDU/CSU) Sechstens. Durch den Sondererlaß vom 16. Juni 1976 unterband Fingerhut das beim Führungsstab der Streitkräfte laufende und auf Bewertung des militärischen Schadens gerichtete Verfahren. Ausschließlich durch Scherers MAD sollten im Bundeswehrbereich die notwendigen Maßnahmen veranlaßt bzw. durchgeführt werden. Es ist wahrlich nicht übertrieben, wenn man feststellt, daß sich im Fall Lutze/Wiegel die politisch Verantwortlichen angesichts der herannahenden Bundestagswahlen zu einem der abgefeimtesten Manöver der Skandalvertuschung entschlossen. (Möllemann [FDP] : Ach Gott, ach Gott!) Gipfel des Zynismus aber war, daß man zur selben Zeit, als man den Spionagefall und die die Bundesregierung belastenden Begleitumstände unter politischen Verschluß nahm, einen anderen Skandal erfand und diesen, weil man sich davon eine Beeinträchtigung der Wahlchancen der CDU/CSU erhoffte, in skrupelloser Weise unter die Leute brachte. Fingerhut versuchte nämlich, den Eindruck zu erwecken, als habe der CSU-Vorsitzende Strauß Lockheed-Akten aus dem Verteidigungsministerium mitgenommen, was als Beweis für eine Bestechung herhalten sollte. Man sagte damals: Wenn sich in anderen Ländern dieser oder jener Prominente von Lockheed hat bestechen lassen, wäre es ja gelacht, wenn nicht auch ein politisch Prominenter in Deutschland Lockheed-Gelder angenommen hätte. Eine infame Methode! (Beifall bei der CDU/CSU) Der ehemalige Verteidigungsminister Leber war offensichtlich bis zu seinem Rücktritt der unumstößlichen — leider fehlerhaften — Überzeugung, daß eine militärische Schadensbewertung zum Zwecke der Schadensabwendung und Schadensminderung so lange nicht erfolgen dürfe, wie das strafrechtliche Ermittlungsverfahren laufe. Leber hat leider nicht erkannt, daß es in einem Fall wie dem vorliegenden zweierlei Verfahren gibt, die gleichzeitig, unabhängig und gleichberechtigt nebeneinander laufen. Das eine Verfahren dient der Ermittlung der Schuld der Täter und ihrer Bestrafung, das andere Verfahren dient der Erkennung des militärischen Schadens und seiner Abwendung. Im Strafverfahren ist die individuelle Schuld der Täter nachzuweisen. Hier gilt der Grundsatz in dubio pro reo. Bei der militärischen Schadensbewertung und den Folgemaßnahmen kommt es nicht in erster Linie darauf an, ob tatsächlich verraten worden ist, sondern nur darauf, ob der Verrat nicht ausgeschlossen werden kann. Ist der Verrat nicht auszuschließen und besteht daher die konkrete Möglichkeit, daß die äußere Sicherheit gefährdet ist, muß unverzüglich gehandelt werden, als ob tatsächlich verraten worden wäre. Hier gilt demnach der Grundsatz in dubio pro securitate: im Zweifel für die Sicherheit. Der damalige Verteidigungsminister Leber er - scheint in dieser Spionagesache als der Überforderte; nicht weil er längere Zeit erkrankt war, sondern weil er in dieser ganz wesentlichen Frage nicht den erforderlichen Durchblick hatte. Es ist nicht zu übersehen, daß auch im militärischen Bereich Fehler gemacht worden sind. Wir haben das im Untersuchungsbericht auch klar zum Ausdruck gebracht. Dennoch wäre es ungerecht und unzutreffend, die Fehler, die im militärischen Bereich gemacht worden sind, in ihrem Ausmaß und in ihrer Bedeutung mit dem Versagen gleichzusetzen, das bei den politisch Verantwortlichen zu erkennen ist. Das gilt insbesondere für den ehemaligen Generalinspekteur Wust. Zwar hat er sich der Ausschaltung des Führungsstabes nicht widersetzt und auch später keine besonderen Anstrengungen unternommen, um eine baldige militärische Schadensbewertung zu erreichen. Man muß jedoch die Situation sehen, in der er sich befand, unter dem Druck einer politischen Leitung nämlich, die nicht in den Kategorien der militärischen Sicherheit dachte, sondern den parteipolitischen und damit sachfremden Erwägungen deutlich den Vorrang gab, so daß er seine möglichen Bemühungen von Anfang an als erfolglos und aussichtslos ansah. Dies wird auch in seinem Interview mit der „Welt" vom 29. November 1978 deutlich, das ihm der jetzige Verteidigungsminister am liebsten wohl verboten hätte. Dort sagt er, dieser Spionagefall sei politisch behandelt worden, und er als Generalinspekteur habe den Primat der Politik — meines Erachtens im Sinne von Parteipolitik — bei der Behandlung dieses Vorgangs auf Grund der Gesamtumstände akzeptiert. Daß er ihn auch dann noch akzeptierte, wie er sagt, als er befürchten mußte, daß sein Verhalten mißdeutet würde, mag in der Konsequenz seines vorangegangenen Verhaltens liegen. Erschreckend ist, meine Damen und Herren, wie Bundeskanzler Schmidt sich nach Aufdeckung dieses Spionagefalls verhielt, von dem er von Anfang an Kenntnis hatte und über den er nach eigener Bekundung zu keiner Zeit ein Informationsdefizit gehabt hat — der Bundeskanzler, ein Mann, der selbst drei Jahre lang Verteidigungsminister der Bundesrepublik Deutschland war und der nach eigenem Bekunden sich bereits 15 Jahre, ehe er in dieses Amt berufen wurde, mit militärpolitischen Fragen befaßt hat. Auf Grund dieser Erfahrung und seiner Informationen mußte es ihm von Anfang an klar sein, daß dieser Spionagefall nicht nur die nationalen Sicherheitsinteressen auf das äußerste gefährden konnte, sondern daß auch die Sicherheitsinteressen des Bündnisses in vergleichbarer Weise gefährdet waren. Mit seinem Verteidigungsminister, meine Damen und Herren, sprach er nie in dieser Sache. Ob er das Kabinett irgendwann einmal mit dem. Fall befaßte, wußte er nicht mehr zu sagen. Auch mit dem Außenminister besprach er die Sache im Jahre 1976 nicht. Ob er sie 1977 mit ihm besprach, möchte er lediglich vermuten. Was der Gegenstand des Gesprächs gewesen sein könnte, kann er, wie er sagte, „nicht mehr erinnern" . Fragen nach den konkreten Maßnahmen, die den Schaden eingrenzen könnten, stellte er jedoch nachweislich nie. Dabei kannte der Bundeskanzler doch die fachlichen Unzulänglichkeiten seines überforderten Verteidigungsministers. Er wußte auch, daß die Spionin Lutze im Vorzimmer des Mannes gesessen hatte, den er selbst ins Verteidigungsministerium gebracht hatte und der ohne seine, des Kanzlers, nachhaltige Förderung niemals vom Neuling im öffentlichen Dienst innerhalb von zwei Jahren bis zum zweithöchsten Beamtenrang im Verteidigungsministerium aufgestiegen wäre. (Hört! Hört! bei der CDU/CSU — Dr. Zim - mermann [CDU/CSU] : So ist es!) Der heutige Bundeskanzler wußte doch, daß es für den ehemaligen Fraktionsassistenten für Sozialfragen nie die Möglichkeit gegeben hätte, nach B 6 zu gelangen — die Position eines Brigadegenerals —, wenn er ihn nicht dahin durchgeboxt hätte, und daß er die weitere Förderung dieses Mannes zum Abteilungsleiter der Sozialabteilung betrieben hatte und damit zu einer steilen Parteibuchkarriere beitrug. Worin allerdings der heutige Bundeskanzler die Kompetenz von Herrn Laabs für diese Ämter sah, wird wohl sein unerforschliches Geheimnis bleiben. Sollte dem heutigen Bundeskanzler verborgen geblieben sein, daß Herr Laabs von seiner gesamten Persönlichkeitsstruktur her alles andere als ein geeigneter Staatsdiener und zuverlässiger Beamter war, (Zurufe von der SPD) der Sicherheitsbestimmungen über Jahre hinweg grob mißachtete, sie als „Formalismus" abtat und dadurch den Verrat wesentlich erleichterte? (Beifall bei der CDU/CSU) Hätte der jetzige Bundeskanzler nicht wenigstens aufmerken müssen, als sich im Zusammenhang mit dem damaligen spektakulären Hochschießen von Herrn Laabs zugleich die ganze „Narrhalla der Ochsentourbeamten" wie er wörtlich formulierte, verbündete? Im übrigen, meine Damen und Herren, die Beamtenschaft — die tragende Säule der Exekutive — als „Narrhalla der Ochsentourbeamten"- zu diffamieren, erscheint mir an Anmaßung kaum überbietbar. (Beifall bei der CDU/CSU — Zurufe von der CDU/CSU: Unerhört! — Kiechle [CDU/ CSU] : Ein Beispiel für seine Arroganz! Zuruf des Abg. Wehner [SPD]) Hätte der Bundeskanzler bei seiner sprichwörtlichen Intelligenz nicht spätestens bei Aufdeckung des Spionagefalls und der Kenntnis seiner näheren Umstände erkennen müssen, welchen Bock er in Laabs hier zum Gärtner gemacht hatte? Präsident Carstens: Herr Abgeordneter, ich bitte Sie, sich in der Bewertung eines früheren Beamten zurückzuhalten. (Beifall bei der SPD und der FDP) Dr. Voss (CDU/CSU) : Ist es unter diesen Umständen nicht erschreckend, daß der Bundeskanzler diesen Spionagefall wie einen Allerweltsfall behandelte und daß es bei seiner Aussage als Zeuge vor dem Untersuchungsausschuß nur so von Wendungen wimmelte: „Ich kann es nicht erinnern", „Ich weiß es nicht", „Ich möchte meinen", „Ist mir nicht bekannt", „Ich bin nicht sicher", „Kann ich nicht sagen", „Kann ich nicht beurteilen"? (Zuruf von der CDU/CSU: Das war viel leicht so ein Beamter!) Ist es nicht erschreckend, daß ein Mann wie Bundeskanzler Schmidt seine Untätigkeit damit zu entschuldigen versuchte, daß er erklärte: Ich bin davon ausgegangen, daß das Notwendige veranlaßt würde, und ich durfte mich darauf verlassen, daß alles Notwendige geschah? Er ging von viel zu viel aus, dieser Bundeskanzler, und das, obwohl er doch eine ganze „Narrhalla von Ochsentourbeamten" unter sich hatte. Es ist tatsächlich nicht das Notwendige veranlaßt worden. Denn weder ist die NATO über alle verratenen Dokumente innerhalb der 90-Tage-Frist unterrichtet worden, noch ist eine militärische Schadensbewertung hinsichtlich der verratenen nationalen Dokumente vor dem 20. Dezember 1977, also vor dem Ablauf von 18 Monaten, in Auftrag gegeben worden. Ist es nicht erschreckend, daß ein Mann wie Helmut Schmidt sich damit herauszureden versuchte, nach der Verfassung dürfe er sich nicht in die Führung eines Ressorts einmischen, sondern habe er nur die Richtlinien der Politik zu bestimmen? Ist es nicht erschreckend, daß sich das Verhalten des Bundeskanzlers im Endergebnis nicht von dem Fehlverhalten seines ehemaligen Verteidigungsministers und dessen Staatssekretärs Fingerhut unterschied und daß der Bundeskanzler, der im Verteidigungsfall der Hauptverantwortliche für unsere Sicherheit ist, sich in diesem schwerwiegenden Spionagefall so verhielt, weil er wußte, daß seine Wahlchancen und die Wahlchancen der SPD durch das Publikwerden der näheren Umstände gefährdet werden würden? Ist es nicht erschreckend, daß dies kein Einzelfall ist, sondern daß sich der Bundeskanzler bei dem Problem der Rentenversicherung (Dr. Dregger [CDU/CSU] : Sehr richtig!) vor der Wahl 1976 im Ergebnis ebenso verhielt, als er bestritt, daß es ein solches Problem gebe, und sich darauf berief, es sei nur ein „Problemchen der Liquidität", und sich auf seine Weise über jene lustig machte, die Verantwortungsbewußtsein hatten und die Wahrheit sagten? Nach der Wahl, als die Rentenmisere nicht mehr zu vertuschen war, glaubte der Kanzler, betroffen zugeben zu müssen, daß er sich geirrt habe. (Dr. Langner [CDU/CSU]: Subjektiv!) So verhält sich derselbe Mann, der besonders gern an das christliche Gebot erinnert, das man nicht falsch Zeugnis reden soll wider seinen Nächsten. (Wehner [SPD] : Das ist unglaublich, was Sie sich erlauben! — Dr. Dregger [CDU/ CSU] : Völlig zutreffend! — Weitere Zurufe von der CDU/CSU: So ist es!) Im übrigen steht fest, daß der Bundeskanzler auch zu einer Falschinformation der deutschen Öffentlichkeit im Zusammenhang mit diesem Spionagefall nach seiner Aufdeckung beigetragen hat, und zwar mindestens dadurch, daß er eine wahrweitswidrige Behauptung seines Regierungssprechers Bölling länger als einen Monat, nämlich vom 14. Dezember 1977 bis zu seiner Bundestagsrede vom 19. Januar 1978, unkorrigiert hat bestehen lassen. Bölling hatte nämlich nach der Kabinettsitzung vom 14. Dezember 1977 erklärt, der Bundeskanzler habe vor den Zeitungsveröffentlichungen am Wochenbeginn — er meinte die „FAZ" — keine Kenntnis über diesen militärischen Verratsfall besessen. (Dr. Jenninger [CDU/CSU] : Hört! Hört!) Demgegenüber sagte der Bundeskanzler, der bereits am 2. Juni 1976 von seinem Staatssekretär Schüler über den Spionagefall unterrichtet worden war, vor dem Ausschuß aus, zu keinem Zeitpunkt ein Informationsdefizit gehabt zu haben. Ist es nicht erschreckend, (Wehner [SPD] : Sie sind erschreckend!) daß in diesen Fällen durch Vertuschen aus wahltaktischen und parteipolitischen Überlegungen gegen das Interesse unseres Staates und unseres Volkes gehandelt wurde? Statt „erschreckend", Herr Wehner, vermag ich auch zu sagen: „unverantwortlich" oder „verantwortungslos". (Beifall bei der CDU/CSU — Wehner [SPD] : Über Verantwortung spreche ich im Zusam - menhang mit Ihnen nicht!) Ist es nicht erschreckend, daß es des Mutes eines Redakteurs und einer verantwortungsbewußten Zeitung bedurfte, um die derzeit in diesem Land politisch Verantwortlichen unter dem Druck der Öffentlichkeit und der Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses dazu zu bringen, notwendige Konsequenzen aus einem Spionagefall zu ziehen, und daß man diesen Journalisten — dem ich für seinen Mut Dank und Anerkennung sage — mit einem Ermittlungsverfahren einzuschüchtern und in Schwierigkeiten zu bringen versuchte? (Hört! Hört! bei der CDU/CSU) Ist es nicht erschreckend, daß ohne diese journalistische Tat mit großer Wahrscheinlichkeit bis heute nicht die schlimmen Fehler im Zusammenhang mit dem Verratsfall Lutze/Wiegel hätten aufgearbeitet werden können, wie Minister Apel vor einigen Tagen formulierte? Das alles darf nicht wieder vorkommen; denn unsere Demokratie muß Schaden nehmen, wenn die Erhaltung von Macht für eine parteipolitische Gruppierung über die Verantwortung für unser Gemeinwohl gestellt wird. (Beifall bei der CDU/CSU) Unsere äußere Sicherheit als eine wichtige Voraussetzung unserer Demokratie muß Schaden nehmen, wenn sie der Frage untergeordnet wird, wie man am ungefährdetsten die nächste Wahl gewinnen kann. Aber keiner Bundesregierung, die einen schwerwiegenden Spionagefall so behandelt, wie der Fall Lutze/Wiegel behandelt worden ist, wird und darf ein Untersuchungsverfahren mit seinen Folgen erspart bleiben. Daher hoffe ich, daß dieses parlamentarische Untersuchungsverfahren dazu beigetragen hat, Wiederholungen zu verhindern. (Beifall bei der CDU/CSU) Präsident Carstens: Das Wort hat der Herr Abgeordnete Horn. Horn (SPD) : Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Ich bin sicherlich dafür, daß in der •Sache hart gesprochen und auch hart um sie gerungen wird; aber ich bin enttäuscht, wie wenig hier zur Sache gesprochen und in welcher Weise über Menschen hergezogen wird, die sich hier im Parlament nicht wehren können. (Beifall bei der SPD und der FDP) Das geschah sogar in einer Weise, daß der Präsident einschreiten mußte. Präsident Carstens: Herr Abgeordneter, ich bitte, Hinweise auf meine sitzungsleitende Tätigkeit zu unterlassen. (Beifall bei der CDU/CSU) Horn (SPD): Wenn Herr Voss hier eine Verschwörungstheorie zusammenbastelt, (Zuruf von der CDU/CSU: Vertuschungs-!) dann muß darauf aufmerksam gemacht werden, daß gerade in der Zeit unmittelbar nach der Aufdekkung des Spionagefalles die Ermittlungsarbeiten am intensivsten betrieben wurden. In gleicher Weise erfolgte auch die Benachrichtigung der NATO fristgerecht. Unangemessene zeitliche Verzögerungen fallen gerade in die Zeit nach der Bundestagswahl. Dazu gehört auch einmal ein menschliches Wort hier in diesem Hause. Es war nämlich eine Kumulierung ungewöhnlicher Schwierigkeiten, wie der Tod von Generalinspekteur Zimmermann — das wissen Sie —, der monatelang schwer krank war, sowie die schwere Krankheit von Bundesverteidigungsminister Leber. Dazwischen lag ein Bundestagswahlkampf, der alle Parteien in dieser Zeit absorbiert hat, Sie genauso wie auch uns. (Zurufe von der CDU/CSU: Zur Lockheed - Verleumdung hatte man Zeit!) Da Herr Voss auf die Komplotttheorie hingewiesen hat, will ich Ihnen sagen, daß Sie hier im Grunde genommen selber in sich widerspruchsvoll argumentieren. Sie können nicht auf der einen Seite von einer Komplotttheorie ausgehen und auf der anderen Seite eine Nachlässigkeitstheorie einbringen. Eine bewußte Täuschung der Öffentlichkeit über das Ausmaß des Spionagefalles setzte eigentlich eine verwerfliche Staatsgesinnung, aber ein Maß an hoher Intelligenz und Führungsfähigkeit in einem eingespielten Verwaltungsapparat voraus. Dies schließt zugleich Schludrigkeit und Nachlässigkeit der verantwortlichen Personen und Mängel im System aus. Den Widerspruch hätten Sie doch begreifen müssen! Der Bericht des Verteidigungsausschusses als Untersuchungsausschuß und die Diskussionsbeiträge meiner Vorredner haben zum Ausdruck gebracht, daß der Spionagefall Lutze/Wiegel tatsächliçh schwerwiegender Natur ist. Wir sind uns alle in der Beurteilung einig, daß dem Verratsfall in der langen Kette der Verratsfälle, die es seit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland gegeben hat, besondere Bedeutung beigemessen werden muß. Bereits im Mai dieses Jahres habe ich in einer überregionalen Tageszeitung darauf hingewiesen, daß es im Bundesministerium der Verteidigung eine Reihe von Unzulänglichkeiten gegeben hat, die Spionen ihr Handwerk erleichtern und die einer raschen und optimalen Zusammenarbeit aller Beteiligten nach der Entdeckung eines solchen Falles hinderlich sind. Allerdings muß auch darauf hingewiesen werden, daß die organisatorischen und sachlichen Mängel mitunter 20 Jahre zurückreichen, also bis in die Regierungszeit der CDU/CSU. (Zustimmung bei der SPD) Die Opposition begründete die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses vor allem mit zwei Argumenten nach der Veröffentlichung des Esters- Gutachtens in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und der anschließenden Pressekonferenz von Georg Leber: Erstens habe Georg Leber das Gutachten seinem Inhalt nach gekannt und die Ö fentlichkeit belogen, und zweitens seien das Bundeskriminalamt und der Generalbundesanwalt in ihrer Ermittlungstätigkeit aus parteipolitischen Gründen behindert worden. Schon nach den ersten Anhörungen und Zeugenvernehmungen erwiesen sich beide Anschuldigungen als unwahr, bewußt konstruiert und unhaltbar. Es muß festgestellt werden, daß der damalige Generalinspekteur wider die Regeln das Gutachten angefordert hat, dem Minister aber dennoch keine Mitteilung machte, jedoch seinerseits keine militärische Bewertung vornehmen ließ. Es entsprach allerdings auch der bisherigen, 20 Jahre lang geübten Praxis im Bundesverteidigungsministerium, daß der Minister keine Einsicht in das Gutachten nahm, um die Unabhängigkeit des Gutachters nicht in Frage zu stellen. Es bedurfte schon der krausen Logik von Ihnen, meine Damen und Herren von der CDU/CSU, Georg Leber zuerst vorzuwerfen, er habe die Öffentlichkeit getäuscht, wenn er behaupte, das Gutachten nicht gelesen zu haben. Als Leber dann nachwies, daß dies nicht der Fall war, weil es noch nie der Fall war, wurde ihm auch dies wiederum zum Vorwurf gemacht. Daß dies das Regelverhalten aller bisherigen Bundesverteidigungsminister war, daß sich bisher jeder Verteidigungsminister, auch die Minister der CDU/CSU, genauso verhalten hatten, störte die Opposition nicht im geringsten, da es ihr darum ging, ihre parteipolitischen Ziele vor die Frage der Staatsräson zu setzen. (Zustimmung bei der SPD) Auch die zweite Legende der Opposition, das Bundeskriminalamt und der Generalbundesanwalt seien bei ihren Ermittlungen behindert worden, wurde schnell widerlegt. Wir wissen, daß sowohl der Generalbundesanwalt als auch Bundesanwalt Lunz hier eine eindeutige Stellungnahme abgegeben haben, daß sie nicht nur nicht behindert wurden, sondern jede mögliche Unterstützung seitens des Verteidigungsministeriums erhielten. Woher nahm eigentlich die Opposition die Begründung für eine derart falsche Behauptung? Sie ist bis heute die Antwort darauf schuldig geblieben. Das Bundeskriminalamt und die Bundesanwaltschaft haben diese üblen Verdächtigungen eindeutig entkräftet. Wenngleich die Opposition ihr ursprüngliches Ziel auf Grund dieser Zeugenaussagen nicht erreichte, konnte der Untersuchungsausschuß in gemeinsamer Arbeit langjährige Strukturmängel aufdecken. Wir Sozialdemokraten haben bereits bei der Einsetzung des Untersuchungsausschusses erklärt, daß es uns nicht darauf ankomme, einen billigen Schlagabtausch mit dem politischen Gegner zu führen. Vielmehr wollten wir zu konkreten Ergebnissen kommen und damit der Sicherheit unseres Landes dienen. Es wird von niemandem bestritten, daß es sich hier um einen Verratsfall von besonderer Schwere handelt. Aber zugleich ist auch offenkundig, daß dieser Verratsfall nur ein Glied in einer Kette schwerer und schwerster Verratsfälle ist, von denen die Bundesrepublik und speziell die Bundeswehr seit ihrer Errichtung betroffen wurden. Diesen Ursachen und den Möglichkeiten eines wirksamen Schutzes sind wir im Ausschuß nachhaltig nachgegangen. Unser Land, meine Damen und Herren, ist aus drei Gründen besonders spionagegefährdet: Erstens. Wir leben in einer geteilten Nation. Über 5 Millionen Deutsche aus der DDR haben seit Kriegsende in der Bundesrepublik Deutschland eine neue Heimat gefunden. Ihnen können und dürfen wir nicht mit vorgegebenem Mißtrauen begegnen oder ihnen gar Recht und Chancengleichheit verwehren. Das Fehlen einer Sprachbarriere erleichtert jedoch Agenten- und Spionagetätigkeiten. Zweitens. Nach dem Grundgesetz und unserem politischen Verständnis kann und darf es zwischen beiden Teilen Deutschlands keine Barriere der Staatsangehörigkeit in der Bundesrepublik Deutschland geben. (Dr. Kohl [CDU/CSU]: Sehr gut!) Das heißt, eine Diskriminierung deutscher Staatsangehöriger aus der DDR darf nicht erfolgen. Dies ist ein Risikofaktor in Hinsicht auf eingeschleuste Agenten. Aber dieses Risiko müssen wir tragen, wenn wir unseren Verfassungsauftrag ernst nehmen. Deshalb ist es um so bitterer und schäbiger, wenn auf diesem Gebiet Aufrechnungen vorgenommen werden. Die Fälle Schmidt-Wittmack und Frenzel, Felfe und Guillaume sind nicht einer Fraktion oder einer Regierung anzulasten. Auch sie sind aus der besonderen Situation Deutschlands zu erklären — ein Schicksal, das sich nicht mit Fackelzügen erhellen läßt, sondern dessen Ursachen wir kennen müssen, besonders die Abgeordneten im rechten Spektrum der deutschen Politik. Dessen Folgen haben wir alle zu tragen. Drittens. Die Bundesrepublik Deutschland ist poli-, tisch, wirtschaftlich und militärisch von großer Bedeutung für die europäische und internationale Politik. Wir Sozialdemokraten nehmen deshalb die Sorge für und um unseren Staat ernst. Ich habe deshalb bereits am 25. Mai unter Zustimmung meiner Parteifreunde einen Artikel in einer überregionalen Tageszeitung veröffentlicht, der kritisch die Schwachpunkte im Bereich des Bundesverteidigungsministeriums herausstellte. Diese Mängel und Fehlerquellen haben in erheblichem Maße dazu beigetragen, Verrat zu ermöglichen und zu erleichtern. Sie haben ihren Niederschlag in den Folgerungen aus dem Spionagefall im Bericht gefunden. Mein Freund Conny Ahlers hat dazu schon inhaltlich Stellung genommen. Mir geht es in diesem Zusammenhang um ein anderes : Gerade weil wir Sozialdemokraten kritisch gegenüber früheren Regierungen und selbstkritisch gegenüber unserer jetzigen Regierung Bilanz gezogen haben, um dem Schutz unseres Staates den ihm gebührenden Rang zukommen zu lassen, brauchen wir keinen Nachhilfeunterricht seitens der Opposition. Vor allem aber weisen wir üble Verdächtigungen entschieden zurück. (Beifall bei der SPD und der FDP) Wir wollen das Gespräch, und wir sind bereit zur gemeinsamen Arbeit für unseren Staat; aber wir lassen uns nicht verleumden, wie dies heute hier in schlimmer Weise geschehen ist. (Beifall bei der SPD) Das Bundesministerium der Verteidigung hat aus den im Ausschußbericht festgestellten Mängeln schon Konsequenzen gezogen. Wir danken dafür. Es handelt sich dabei um Mängel, die sich bereits seit über 20 Jahren, d. h. anfänglich unter CDU- Regierungen, festgesetzt hatten und immer weitergeschleppt wurden. Diese Maßnahmen waren notwendig, um den sicherheitspolitischen Bereich besser vor Spionage zu schützen. Dazu gehören u. a. auch die Einrichtung eines Sicherheitsreferates im Bereich der Leitung, die Einengung des Personenkreises, der Zugang zu Verschlußsachen erhält, und ein verändertes Verfahren bei den Entleihscheinen, die Intensivierung der Sicherheitsaufsicht und die Verschärfung der Kontrollen und andere Maßnahmen mehr, wie aus dem Bericht ersichtlich ist. Dadurch ist zum • erstenmal ein Untersuchungsausschuß nicht nur im parteipolitischen Hickhack unterschiedlicher Feststellungen und Bewertungen erstorben, sondern es wurden — dies ist doch gar nicht zu bestreiten — gerade auch auf Betreiben der Koalitionsfraktionen konkrete Maßnahmen gefordert und dadurch auch sachliche Ergebnisse erzielt. Die sozialdemokratischen Mitglieder des Verteidigungsausschusses werden auch in Zukunft nicht lokkerlassen, um die Erfüllung der von ihnen im Bericht geforderten Maßnahmen durchzusetzen. Wir werden uns darüber im Verteidigungsausschuß in entsprechenden Abständen berichten lassen. Bedauerlicherweise ist ein Teil der Arbeitsgruppe der CDU/CSU dem Anspruch, Staatsinteressen vor Parteipolitik zu stellen, nicht gerecht geworden. Wir wissen, daß sich der Ausschußvorsitzende selbst mit scharfmacherischen Kräften seiner Fraktion auseinandersetzen mußte, um den Ausschuß zu vernünftigen Ergebnissen zu führen. So war es doch; das können Sie doch gar nicht leugnen. Wir wissen allerdings auch, daß ihm dies nur zum Teil gelang, so daß die von allen gemeinsam erarbeiteten guten Er- 9556 Deutscher Bundestag — 8. Wahlperiode — 123. Sitzung. Bonn, Donnerstag, den 7. Dezember 1978 Horn gebnisse durch eine Flut von Verdächtigungen, Unterstellungen und Verleumdungen entwe rtet werden. Manches von den Behauptungen der Opposition nahm doch schon den Charakter des Komischen an. So mutete es z. B. komisch an, wenn monatelang nach einer Förderliste gefahndet wurde, die überhaupt nicht existiert. Conny Ahlers hat sie heute morgen zu Recht als Phantom bezeichnet. Selbstverständlich stellt sich auch hier die Frage nach der Seriosität und nach der Ernsthaftigkeit bei der Untersuchung eines sicherheitspolitischen Problems unseres Staates. Meine Damen und Herren, was hätte eigentlich eine solche Liste, wenn es sie wirklich gegeben hätte, mit der Untersuchung eines Spionagefalls zu tun, bei dem mehr als 1 000 Dokumente kompromittiert worden sind? (Weiskirch [Olpe] [CDU/CSU]: Klüngelei!) Das war doch ein Ablenkungsmanöver. Das muß man sehen. Ich kann den Kollegen Ahlers noch einmal zitieren. Er hat vorhin von dem Projektionsverhalten (Zurufe von der CDU/CSU: Protektions - verhalten!) gesprochen: Meine sehr verehrten Damen und Herren, wenn Sie hier über Genossenfilzokratie und andere Dinge sprechen, dann sollten Sie sich einmal von Herrn Dr. Dregger aufklären lassen, wie man seitens der CDU eine Personalkartei zur Postenbeschaffung in Hessen anlegt. (Beifall bei Abgeordneten der SPD — La chen bei der CDU/CSU — Dr. Kohl [CDU/ CSU] : In Hessen! Das müssen Sie gerade sa gen! Reden Sie mal mit Herrn Wallmann, über das, was er gefunden hat!) — Leider Gottes (Dr. Jenninger [CDU/CSU] : Leider Gottes hat er etwas gefunden!) haben wir bei den Wahlen vom 20. März 1977 erhebliche Einbrüche erlebt, und nun vollführt die CDU das, was sie uns zu Unrecht immer vorgeworfen hat, Herr Dr. Kohl. (Lachen bei der CDU/CSU) Durch die parteipolitisch motivierte Treibjagd auf den sozialdemokratischen Abteilungsleiter Laabs hat die Union in der Öffentlichkeit den falschen Eindruck hervorgerufen, als liege hier der Schwerpunkt des Verrates. In Wirklichkeit ist es genau umgekehrt: Mehr als zwei Drittel der verratenen Dokumente stammen nicht aus der Sozialabteilung, sondern aus den Bereichen, in denen Herr Lutze und Herr Wiegel gearbeitet haben. (Weiskirch [Olpe] [CDU/CSU] : Aber „Streng geheim" !) Auf das Konto des Herrn Wiegel, den es für die Fragen der Union überhaupt nicht gegeben hat, geht mehr als die Hälfte der verratenen streng geheimen Dokumente. Dadurch wurden die Proportionen willkürlich und einseitig verzerrt. Verwerflicher ist allerdings die Tatsache, daß Abgeordnete der CDU/CSU der Versuchung nicht widerstehen konnten, die Verleumdung als Mittel zum Zweck einzusetzen, um Mißtrauen nach innen und nach außen zu schüren. Dabei scheuten sie sogar vor Tricks und direkter Täuschung nicht zurück. Ja, Herr Kollege Voss, wer mit diesen Mitteln arbeitet, hat das Recht verwirkt, in selbstgerechter Pose hier vor dem Parlament aufzutreten. Nach Ihrem Trick mit der Karte, mit dem Sie den Bundeskanzler bewußt in unsauberer Weise unmittelbar in diese Affäre einbeziehen wollten, hätte es Ihnen gut angestanden, entweder hier zu schweigen oder sich vorher beim Bundeskanzler zu entschuldigen. (Beifall bei der SPD und der FDP) Präsident Carstens: Herr Abgeordneter, gestatten Sie eine Zwischenfrage des Herrn Abgeordneten Dr. Voss? Dr. Voss (CDU/CSU) : Herr Kollege Horn, sind Sie bereit, sich die Korrespondenz einmal anzusehen, die ich in dieser Sache mit dem Herrn Bundeskanzler geführt habe? Horn (SPD) : Die kenne ich, Herr Kollege Voss. In dieser Korrespondenz haben Sie sich nicht entschuldigt. Sie haben in dieser Korrespondenz leider den billigsten Ausweg gewählt, indem Sie sagten, es hätte sich um ein Mißverständnis gehandelt. Jeder, der lesen und schreiben kann, weiß, daß Sie hier den Bundeskanzler eindeutig mit einem Trick hereinzulegen versuchten. (Wehner [SPD] : Hört! Hört! — Beifall bei Abgeordneten der SPD) Übertroffen wurde Herr Voss allerdings noch von einigen Presseorganen und anderen Medien. Die infamste Verleumdung, die den sozialdemokratischen Abteilungsleiter Laabs als eine Art Prominenten-Kuppler hinstellte, war ausgerechnet in der katholischen „Deutschen Tagespost" aus Würzburg zu lesen. Aber auch andere Pamphlete der Union und ihrer publizistischen Helfer waren nicht viel besser. Meine sehr verehrten Damen und Herren, die Kombination von Verdächtigungen, Verleumdungen und Verfälschungen, die wir aus vielen anderen Beispielen kennen — ich erinnere etwa an die Kampagne gegen unseren Kollegen Uwe Holtz —, hat Robert Leicht am 8. September 1978 in der „Süddeutschen Zeitung" treffend charakterisiert; das könnten Sie sich ruhig einmal zu Gemüte führen, Herr Kollege Voss. Ich darf mit der Genehmigung des Herrn Präsidenten zitieren: Ist es schon ein ziemliches Bubenstück, jemanden ohne seriöse Anhaltspunkte zu verdächtigen, so gehört doch einige Unverfrorenheit dazu, ihm nachher auch noch vorzuhalten, es sei ihm nicht gelungen, zu beweisen, daß er so etwas nicht getan habe. Präsident Carstens: Gestatten Sie noch eine Zwischenfrage des Herrn Abgeordneten Dr. Voss? Dr. Voss (CDU/CSU) : Herr Horn, sind Sie bereit und in der Lage, zwischen Fragen, die man stellt, und Unterstellungen, die man macht — wie Sie hier dauernd behaupten —, zu unterscheiden? (Zurufe von der SPD) Horn (SPD) : Herr Kollege Voss, dort wurden nicht nur Fragen gestellt. Ich berichte hier ausdrücklich nicht nur über den Untersuchungsausschuß, sondern auch über das Umfeld. Dieses Umfeld ist durch eine Fülle von Presseartikeln, Äußerungen der Kollegen der CDU/CSU und ihr nahestehender Organe gekennzeichnet, in denen nicht nur Fragen gestellt, sondern üble Verdächtigungen ausgesprochen wurden und direkt zu dem Mittel der Verleumdung gegriffen wurde. (Beifall bei der SPD und der FDP) Diese Methode, über Verleumdung Mißtrauen zu säen, zerstört nicht nur das Vertrauen unseres Volkes zur Demokratie, sondern es zerstört auch das Vertrauen bei anderen Nationen gegenüber unserem Volk. Es ist doch eine systematische Kampagne, mit der bestimmende Leute der CDU/CSU — koste es, was es wolle — deutsche Sozialdemokraten diffamieren wollen, um nach innen und nach außen zu suggerieren, daß Sozialdemokraten die Sicherheit unseres Volkes und sogar des Westens auf das Spiel setzen würden. (Weiskirch [Olpe] [CDU/CSU] : Das glauben Sie doch selber nicht!) Ich erinnere an die Kampagnen, wie sie gegen Uwe Holtz und Egon Bahr laufen. Das steht exakt auch in der Tradition der Deutschnationalen in der Weimarer Republik. (Widerspruch bei der CDU/CSU) Unsere Freunde im Westen wissen, daß die Bundeswehr noch nie so in die Gesellschaft integriert war wie heute. (Weiskirch [Olpe] [CDU/CSU] : Fragen Sie einmal Herrn Brandt, was er über die CDU erklärt hat!) Sie wissen auch, daß unsere Leistungen für die Bundeswehr und das Bündnis unumstritten sind. Ja, Herr Kollege Weiskirch, wir Sozialdemokraten stehen als älteste demokratische deutsche Partei seit 115 Jahren für Freiheit und Demokratie in unserem Lande ein. Sozialdemokraten haben die erste Republik verteidigt und für sie gestritten, als andere politische Kräfte schon längst vor der Diktatur in die Knie gegangen waren und vor ihr kapituliert hatten. (Beifall bei der SPD — Weiskirch [Olpe] [CDU/CSU]: Herr Horn, sollen wir jetzt alle aufstehen? — Dr. Kohl [CDU/CSU] : Meinen Sie damit die Kommunisten?) Sie haben im Nazireich Verfolgungen und Peinigungen auf sich genommen. Jawohl, vor den Sozialdemokraten, die so viel gelitten und für die Freiheit getan haben, könnten Sie ruhig auch einmal aufstehen, Herr Weiskirch. (Beifall bei der SPD — Weiskirch [Olpe] [CDU/CSU] : Gut!) Ich würde jedenfalls das gleiche vor den Opfern, die aus der katholischen Kirche oder aus anderen Bereichen kommen, auch tun. (Dr. Kohl [CDU/CSU] : Geschmacklos, was Sie hier machen!) Sozialdemokraten haben im Nazireich Verfolgungen und Peinigungen auf sich genommen und nach 1945 von den Fundamenten der Gemeinden bis zum Grundgesetz diesen Staat aufgebaut. Die Bundeswehr hat unter sozialdemokratischen Verteidigungsministern einen international anerkannten Standard erreicht. Ausbildung und Ausrüstung, 30 % Investitionsmittel heute im Vergleich zu 19 % unter CDU/ CSU-Regierungen bei wesentlich niedrigeren Ansätzen, Erfüllung der NATO-Verpflichtungen heute im Vergleich zu manchen großen Worten, aber keinen Taten früher: das ist der einzige Maßstab zur Bewertung unserer Sicherheitspolitik nach innen und nach außen. (Beifall bei der SPD) Unsere Verbündeten vergleichen sehr wohl die Position der Bundesrepublik vor zehn Jahren im Bündnis mit unserer heutigen Situation. Sie erkennen unsere Leistungen an. Ich bin einige Male in internationalen Gremien der NATO gewesen. (Würzbach [CDU/CSU] : Davon sprechen die noch heute!) Viele haben Sorge vor Verdächtigungen und Verleumdungen, die doch allen Tatsachen hohnsprechen, weil diese Leute sie aus Sachkenntnis geradezu widerlegen können. Besorgte Stimmen gerade aus dem befreundeten Ausland fragen uns bei solchen Aktionen dann, ob in der Bundesrepublik bestimmte Kreise wieder Weimarer Republik spielen wollen. (Zustimmung bei Abgeordneten der SPD) Wir sollten aus der Untersuchung nicht nur Schlüsse für unsere Sicherheit im Verteidigungsbereich ziehen, wir sollten auch als Verteidigungsausschuß selbst lernen. Uns ist eine Materie anvertraut, die zu wichtig und zu ernst ist, als daß wir uns auf diesem Felde allzu viel parteipolitisches Gezänk leisten könnten. Der Faineß halber möchte ich an dieser Stelle aber auch bemerken, daß sich — neben der sachbezogenen und kritischen Mitarbeit der Koalitionsfraktionen — der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses, Herr Kollege Dr. Wörner, nach Kräften darum bemüht hat, diese Sachbezogenheit mitzutragen, zuweilen selbst am Rande des Konflikts mit der eigenen Fraktion. Ihm und seinem Stellvertreter im Vorsitz, dem Kollegen Dr. Penner, möchte ich für die sachliche Leitung der Untersuchung danken. Diese hat neben vielen Bitternissen auch ein Gutes gehabt: daß wir nämlich für künftige Fälle besser gerüstet sind, wenngleich wir sie auch nicht ausschließen können. (Beifall bei der SPD und der FDP) Präsident Carstens: Das Wort hat der Herr Abgeordnete Möllemann. Möllemann (FDP): Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! In der heutigen Debatte ist in den Ausführungen einiger Vorredner, wie ich meine, der eigentliche politische Aspekt nicht immer deutlich genug herausgearbeitet worden. Die Untersuchungen dieses Ausschusses hatten sich ja nicht primär mit der Frage zu befassen, ob und wie viele Verschlußsachen durch die Beschuldigten Lutze und Wiegel verraten worden sind. Dies aufzuklären ist Aufgabe nicht eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses, sondern der militärischen Sicherheitsorgane, ebenso wie es Aufgabe der Gerichtsbarkeit ist, festzustellen, welcher Schuldvorwurf den der Spionage Beschuldigten zu machen ist. An dieser Stelle darf ich im übrigen zwischendurch anmerken, daß wir Freien Demokraten Wert darauf gelegt haben, daß der Spionageprozeß Lutze/Wiegel durch die Untersuchungen des Ausschusses nicht beeinträchtigt wird. Ich darf mit Befriedigung feststellen, daß diese Bemühungen durch entsprechende Abgrenzungen der Ausschußaktivitäten weitgehend erfolgreich gewesen sind. Ich wiederhole: Nicht die Frage der Schuld der der Spionage Verdächtigten und nicht Art und Umfang des Verrats mußten im Mittelpunkt der Untersuchungen des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses stehen, sondern die Frage, ob die mit dem Fall befaßten Personen und Organe im politischen und administrativen sowie im militärischen Bereich alles getan haben, was in ihrer Verantwortung lag. Daß dabei die Frage nach dem Umfang des Verrats natürlich eine gewisse Rolle spielen mußte und daß hierzu der Untersuchungsausschuß auch gewisse Feststellungen treffen mußte, ändert nichts daran, daß es die zentrale Aufgabe des Ausschusses war, als parlamentarisches Kontrollorgan zu untersuchen, ob in der Exekutive Versäumnisse vorgekommen sind. Wir müssen deshalb, wenn wir dem verfassungs -politischen Aspekt der Tätigkeit des Untersuchungsausschusses gerecht werden wollen, in den Vordergrund dieser Debatte die Frage stellen, ob der Ausschuß seiner Aufgabe, die Exekutive auf etwaige Versäumnisse hin zu kontrollieren, in seiner Arbeit gerecht geworden ist, ob insoweit politische Konsequenzen gezogen worden sind oder ob diese noch zu ziehen sind. Lassen Sie mich Ihnen zunächst in einer kurzen Zusammenfassung meine Bewertung des Ablaufs und des sachlichen Ergebnisses der Ausschußuntersuchungen darstellen, bevor ich die zentrale politische Bewertung anschließe. Zuerst darf ich zur Versachlichung einmal die wichtigsten Fragen, die der Ausschuß zu untersuchen hatte, in Ihre Erinnerung zurückrufen: Erstens. Welcher Schaden ist durch den Spionagefall Lutze/Wiegel tatsächliche für die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland und des nordatlantischen Bündnisses entstanden? Zweitens. Sind die ermittelnden Stellen und Behörden in ihrer Arbeit durch das Bundesministerium der Verteidigung behindert oder gar ausgeschaltet worden? Drittens. Haben Verstöße von Angehörigen des Bundesministeriums der Verteidigung gegen die Sicherheitsbestimmungen oder sonstige Abweichungen oder Sonderregelungen von den für die Bundesministerien geltenden allgemeinen Regeln des Verwaltungsablaufs den Landesverrat ermöglicht oder erleichtert? Viertens. Ist das Parlament von der Regierung in der notwendigen Art und Weise über diesen Spionagefall unterrichtet worden? Fünftens. Hat das Bundesministerium der Verteidigung mit der notwendigen Schnelligkeit und Genauigkeit, wie sie auf Grund der Schwere dieses Falles geboten waren, die zur Aufklärung des Schadens und zur Verringerung desselben nötigen Gegenmaßnahmen ergriffen? Sechstens. Hat es im personellen Umfeld des Spionagefalls Umstände gegeben, die die Spionage erleichtert haben? Meine Damen und Herren, der Ausschuß hat das Ziel, das er sich gesetzt hat, erreicht. Wir wissen jetzt, daß der durch den Spionagefall eingetretene Schaden für die Sicherheit unseres Landes als schwerwiegend anzusehen ist Wir wissen, daß der nachrichtendienstliche Gegner durch den Verrat einen umfangreichen und wichtigen Einblick in die Verteidigungsfähigkeit der Bundesrepublik erhalten hat und daß dieser Schaden zum Teil irreparabel und nur zu einem Teil reparabel ist. Allerdings rechtfertigt auch diese deutliche Feststellung keine Überbewertung des Spionagefalls. Die Klassifizierung als „der schwerste Fall in der Geschichte" ist eine höchst subjektive, die hier auch nicht belegt worden ist. Ich meine, sie entspricht eindeutig auch dem parteipolitischen Interesse dessen, der sie hier vorgenommen hat. Wir haben auch feststellen können, daß die Ermittlungen des Bundeskriminalamtes durch das Verteidigungsressort in keiner Weise behindert worden sind. Es hat sich jedoch auch herausgestellt, daß Kompetenzrangeleien zwischen den für das militärische Nachrichtenwesen zuständigen Stellen im Ministerium und im nachgeordneten Bereich die Arbeit behindert haben. Wir haben in den Ausschußuntersuchungen auch feststellen müssen, daß der Verteidigungsausschuß des Deutschen Bundestages am 6. Juni 1976 vom Bundesministerium der Verteidigung nicht so umfassend unterrichtet worden ist, wie es nach den dem Ministerium vorliegenden Erkenntnissen möglich gewesen wäre. Damals wurde vom Regierungsvertreter Staatssekretär Fingerhut im Ausschuß zu Umfang und Gewicht des Schadens keine Sachaussage gemacht, obwohl es im Verteidigungsministerium bereits erste Feststellungen zu Art und Ausmaß des Verrats gab. Wir haben weiter feststellen müssen, daß die Maßnahmen zur Wertung des durch den Verrat eingetretenen Schadens im Verteidigungsministerium in unverständlicher Weise zögerlich behandelt worden sind, so daß auch die insbesondere wegen der Schwere des Falles notwendigen Maßnahmen zur Begrenzung des Schadens und, soweit möglich, zu seiner Behebung zu spät ergriffen worden sind. Der Untersuchungsausschuß, meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen hat dem Verteidigungsministerium auf Grund des Ergebnisses der Untersuchungen in 17 Punkten Vorschläge gemacht, wie die Sicherheit im Verteidigungsministerium verbessert werden kann. Der Ausschuß hat darauf hingewiesen, daß das Sicherheitsbewußtsein aller Personen, die im Bundesministerium der Verteidigung und in der Bundeswehr tätig sind, angesichts der Anstrengungen der gegnerischen Nachrichtendienste geschärft und ständig wachgehalten werden muß. Die Ausschußuntersuchungen haben gezeigt, daß wenige undichte Stellen, Unvorsichtigkeit, Sorglosigkeit und mangelnde Kontrolle schweren Landesverrat ermöglichen und großen Schaden für die Sicherheit der Bundesrepublik herbeiführen können. Der Ausschuß hat besonders darauf hingewiesen, daß klare und zweifelsfreie Zuordnung von Aufgaben und Befugnissen und eine eindeutige Organisations- und Befehlsstruktur auf dem Gebiet der militärischen Sicherheit besonders dringlich sind, weil sie Voraussetzungen dafür sind, daß die notwendigen Informationen rechtzeitig in die militärische und politische Spitze des Ressorts gelangen. Es darf sich nicht wiederholen, daß nach Eintritt eines Spionagefalls durch Kompetenzstreitigkeiten wertvolle Zeit verlorengeht und notwendige Maßnahmen nicht in der erforderlichen Art getroffen werden. Wir haben mit Befriedigung zur Kenntnis genommen, daß das Verteidigungsministerium eine Reihe unserer Vorschläge bereits aufgegriffen hat. Zu den übrigen sind noch Detailprüfungen im Gange. Auch hier hoffen wir auf baldige Entscheidungen. Am Ende der Arbeit dieses Ausschusses, die nun fast ein ganzes Jahr in Anspruch genommen hat, können wir also feststellen, daß der Ausschuß das Ziel, das er sich selbst gesteckt hat, wirklich erreichen konnte. Daß der Ausschußbericht nicht ganz aus einem Guß ist, weil nur etwa zur Hälfte der Fragen, die zu klären waren, Einvernehmen zwischen Koalition und Opposition herzustellen war, muß dabei keineswegs stören. Ich bin vielmehr der Meinung, daß es positiv zu bewerten ist, wenn immerhin zu einer großen Anzahl von Fragen eine einheitliche Bewertung zwischen uns allen möglich war. Es ist' gute Recht der Opposition, in den Fragen, in denen sich ihre Bewertung der Vorgänge von denen der Koalition unterscheidet, ihre abweichende Meinung zu veröffentlichen. Ich will mich mit dem sachlichen Inhalt dieser Abweichungen hier nicht befassen. Ich halte allerdings das Minderheitenvotum sachlich für unzutreffend. In einem Punkt halte ich es sogar für höchst bedenklich, nämlich dort, wo der inzwischen zurückgetretene Generalinspekteur der Bundeswehr, General Wust, massiv angegriffen wird. Ich habe vorhin zum Ausdruck gebracht, daß der Ausschuß festgestellt hat, daß die Gegenmaßnahmen gegen die Spionage im militärischen Nachrichtendienst zu spät ergriffen worden sind. Daran halte ich fest. Dieser Vorwurf trifft aber nicht den seinerzeitigen Generalinspekteur der Bundeswehr, sondern andere Stellen. Zu keiner Zeit ist im Verlauf der Untersuchungen festgestellt worden, daß der Generalinspekteur etwa seine Pflicht zur Aufsicht und Kontrolle der ihm nachgeordneten Stellen verletzt hat. Nur dies aber, liebe Kolleginnen und Kollegen, könnte neben den Fragen, die wir aufgeworfen haben, einen besonders schweren Vorwurf gegen ihn rechtfertigen. Ich stelle ausdrücklich fest, daß dem damaligen Generalinspekteur der Bundeswehr nach dem Ergebnis der Ausschußuntersuchungen keine — im Vergleich zu anderen — besonders massiven Vorwürfe wegen seines Verhaltens in dieser Angelegenheit zu machen sind. (Weiskirch [Olpe] [CDU/CSU]: Das müssen Sie Herrn Ahlers und Herrn Buch - staller sagen!) Wenn im zivilen oder auch militärischen Administrationsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung Fehler gemacht worden sind, dann waren sie nach unserer Meinung schonungslos offenzulegen. Das ist in der Ausschußarbeit auch geschehen. Ungerechtfertigte Anschuldigungen aber gegen den Generalinspekteur als den obersten Soldaten der Bundeswehr, wie wir sie in der letzten Woche gehört haben, treffen die Bundeswehr und damit die Truppe und jeden einzelnen Soldaten. Dies muß unter allen Umständen vermieden werden. Politische Kontroversen müssen im Bereich der Politik ausgetragen werden. Die Bundeswehr muß von parteipolitischer Polarisierung freigehalten werden. Wir werden mit all denjenigen, die diese Auffassung teilen, dafür sorgen, daß dies auch so ist. Inzwischen hat General Wust, wie wir alle wissen, auf Grund von in anderen Bereichen eingetretenen Entwicklungen keine Basis mehr für sein Verbleiben im Amt gesehen. Wir haben diese Entscheidung zwar zu respektieren, weisen aber bei dieser Gelegenheit mit allem Nachdruck auf eine Forderung hin, die wir in den vergangenen Jahren immer wieder gestellt haben, nämlich auf die Forderung, die Position des Generalinspekteurs nicht nur in seinem Verhältnis zu den Inspekteuren der Teilstreitkräfte, sondern auch und vor allem in seinem Verhältnis zur Leitungshierarchie des Verteidigungsministeriums eindeutig klarzustellen. Hier muß die in der Bundeswehr bestehende Unsicherheit über die Einordnung ihres ranghöchsten Soldaten durch eine klare Regelung endlich beseitigt werden. Ich will hier auch ganz unumwunden erklären, daß ich diese Einordnung — aus der Aufgabe des Amtes heraus — nicht als die eines von vielen Abteilungsleitern des Ministeriums verstehen kann. Der Generalinspekteur muß vielmehr — anders könnte er seiner Aufgabe nicht gerecht werden — als Verantwortlicher für die Entwicklung der verteidigungspolitischen Konzeption der Bundesrepublik und als oberster militärischer Berater der Bundesregierung auch tatsächlich die Stellung erhalten, die dieser Aufgabe gerecht wird. Sonst ist er alles andere, nur kein Generalinspekteur. Damit wird im übrigen der Primat der Politik nicht in Frage gestellt, wie man gelegentlich hören kann. Die vom Generalinspekteur zu entwickelnde 'verteidigungspolitische Konzeption ist zwar von ihm zu entwickeln, aber sie ist ein Vorschlag, über dessen Annahme oder Ablehnung der Minister, der natürlich die Befehls- und Kommandogewalt behält, entscheidet. So steht also der Primat der Politik — bei dieser Frage jedenfalls — nicht zur Debatte. Vielmehr geht es um eine schlüssige und effiziente Spitzengliederung der Bundeswehr. Wie schwach müßte eine Politik sein, die ihren Primat von dieser oder jener Strukturvariante abhängig machen ließ! Wer überdies die von uns vorgeschlagene Aufgabenstellung und Einordnung des Generalinspekteurs mit Mißtrauen und Argwohn betrachtet, tut unseren Streitkräften unrecht. In den 23 Jahren ihres Bestehens hat die Bundeswehr bewiesen, daß sie eine loyale Armee dieses Staates ist. Sie hat niemals Anlaß dazu gegeben, daran zu zweifeln, daß sie den Primat der Politik respektiert. Auf dem schwierigen Weg unseres Staates zur Demokratie ist die Bundeswehr ein Meilenstein demokratischer Entwicklung, die allerdings auch in ihr noch nicht abgeschlossen ist. Aber wir sollten ihr Selbstbewußtsein, das sie braucht, um diese Aufgabe weiterhin zu erfüllen, abzurunden, nicht zerstören, zerstören z. B. durch ein ungerechtfertigtes Mißtrauen gegen die Loyalität ihres obersten Repräsentanten und damit gegen die Streitkräfte insgesamt. (Beifall bei der FDP und bei Abgeordneten der CDU/CSU — Dr. Wörner [CDU/CSU]: Sehr gut, voll einverstanden!) Im übrigen, meine sehr verehrten Damen und Herren, begrüßen wir nach dem Rücktritt des Generalinspekteurs Wust die Entscheidungen des Verteidigungsministers im Blick • auf die Nachfolge. Wir halten es für richtig, daß diese Entscheidung sehr schnell getroffen worden ist, um Unsicherheiten, soweit sie vorhanden waren, sich nicht auswachsen zu lassen oder keine neuen Unsicherheiten entstehen zu lassen. Ich möchte allerdings in aller Klarheit auch sagen: Die Art und Weise, in der der neue Generalinspekteur von Ihnen, meine sehr verehrten Kollegen von der CSU, begrüßt worden ist, halte ich für unmöglich; das ist ein Vorgang, der es Ihnen doch selbst unmöglich machen muß, mit diesem neuen Generalinspekteur zusammenzuarbeiten. (Beifall bei der FDP und der SPD — Zuruf des Abg. Dr. Voss [CDU/CSU]) Ich finde, auch er hat ein Recht darauf, daß wir ihm mit der gleichen Unbefangenheit gegenübertreten, die andere für sich beanspruchen können. Wir sollten ihm diese Chance geben. Lassen Sie mich jetzt zur politischen Bewertung der Arbeit und der Ergebnisse des Untersuchungsausschusses kommen und folgendes feststellen. Erstens. Das Verteidigungsministerium als Exekutivorgan hat sich dem Untersuchungsausschuß gegenüber in dessen parlamentarischer Kontrollaktivität kooperativ verhalten. Dem Ausschuß wurden alle Akten und Unterlagen zur Verfügung gestellt, die er anforderte. Den zu vernehmenden Zeugen aus dem Ressort wurden die notwendigen Aussagegenehmigungen erteilt. Hier gab es also das angemessene Rollenverständnis. Zweitens. Verlauf und Ergebnis der Ausschußuntersuchungen haben gezeigt, daß das Parlament in der Lage ist, seine Kontrollfunktion auch mit dem Instrument eines Untersuchungsausschusses wirksam wahrzunehmen; denn der Ausschuß hat festgestellt, daß in der Behandlung des Spionagefalls Lutze/Wiegel im Verteidigungsressort Versäumnisse vorgekommen sind, die ohne die Ausschußuntersuchungen nicht entdeckt worden wären. Drittens. Die Feststellungen der Versäumnisse durch den Untersuchungsausschuß haben zu gravierenden sachlichen und personellen Konsequenzen im Verteidigungsministerium geführt. Keine unmittelbare Konsequenz aus dem hier in Rede stehenden Spionagefall war meines Erachtens der Rücktritt von Georg Leber; der hatte, wie wir alle wissen, andere Ursachen. (Beifall bei der FDP und der SPD) Unter Berücksichtigung der vorliegenden Erkenntnisse des Untersuchungsausschusses teile ich nachhaltig die Auffassung meiner Kollegen, die hier gesagt haben, daß Georg Leber der bislang erfolgreichste Verteidigungsminister der Bundesrepublik Deutschland ist. (Beifall bei der FDP und der SPD — La - chen und Zurufe von der CDU/CSU) Ich glaube also ; der ,Bundestag kann in seiner Gesamtheit — hier sehe ich keine Unterschiede zwischen Koalition und Opposition — feststellen, (Zurufe von der CDU/CSU) daß er in dem Untersuchungsausschuß Lutze/Wiegel seine Kontrollfunktion gegenüber der Exekutive wirksam wahrgenommen hat. (Zuruf von der CDU/CSU: Der neue Ver teidigungsminister ist also noch schlech ter?!) — Ich habe den auf der Regierungsbank sitzenden Verteidigungsminister in diese Wertung gar nicht einbeziehen wollen. (Zurufe von der CDU/CSU) Sie wissen doch, daß man Denkmäler nicht schon dann zur Würdigung der Leistungen aufstellt, wenn der Betreffende noch im Amt ist; das kann dann sehr schnell zur Revision derselben führen. (Zurufe von der CDU/CSU) Gestatten Sie mir, meine Damen und Herren, nach dieser grundsätzlichen, positiven Bewertung der Arbeit des Untersuchungsausschusses jedoch auch einige kritische Anmerkungen. Der Ausschuß hat mit seinen Mitgliedern der Koalition und der Opposition in den langen Monaten seiner Tätigkeit unter der fairen Leitung seines Vorsitzenden und seines Stellvertreters — ich habe allmählich Sorge, Herr Kollege Wörner, daß wir Sie nicht zu sehr loben dürfen; das könnte Ihnen schaden, aber bei Ihren Leuten; trotzdem, es war eine faire Leitung — (Zurufe von der CDU /CS sachlich zusammengearbeitet. Wir haben unter der fairen Leitung des Vorsitzenden und seines Stellvertreters sachlich gut zusammenarbeiten können. Wenn trotzdem fast ein Jahr vergehen mußte, bevor der Bericht vorgelegt werden konnte, so zeigt dies natürlich die Problematik der Wirksamkeit parlamentarischer Untersuchungsausschüsse auf. Wenn ein Untersuchungsgremium wie hier der Verteidigungsausschuß als Untersuchungsausschuß 27 ordentliche und noch einmal 27 stellvertretende Mitglieder hat, dann ist eine gewisse Umständlichkeit des Prozedierens nicht zu vermeiden. Wenn das Untersuchungsgremium so viele Mitglieder hat, dann wird es auch schwierig, eine Prozeßordnung einzuhalten. Wir haben ja die Strafprozeßordnung für unser Verfahren heranzuziehen, ohne' daß wir etwa alle Juristen wären, was ich an sich ganz positiv finde. In einem parlamentarischen Untersuchungsausschuß darf natürlich auch nicht übersehen werden, daß die die Untersuchung führenden Mitglieder des Gremiums aus den unterschiedlichen Interessenlagen der Fraktionen unterschiedliche Vorgehensweisen bevorzugen. Dies nur als eine allgemein kritische, nicht polemische Bewertung von parlamentarischen Untersuchungsausschüssen, über deren künftige Gestaltung man sich sicherlich noch einmal Gedanken machen müßte. Was aber bei der Tätigkeit dieses Untersuchungsausschusses im Falle Lutze/Wiegel ganz besonders bemerkt werden mußte und deshalb auch nicht verschwiegen werden kann, ist die Tatsache des Miß - brauchs eines parlamentarischen Ausschusses für parteipolitische Zwecke. Wir und die ganze deutsche Öffentlichkeit haben miterleben müssen, wie versucht wurde, die sachlichen Schwerpunkte der Untersuchungen in den Hintergrund zu rücken und Randerscheinungen hervorzukehren, die parteipolitisch ausgeschlachtet werden sollten. In vielen Stunden hat sich der Untersuchungsausschuß auf Grund der Anträge der Opposition mit angeblichen Intimitäten Beteiligter und mit dem Waschen schmutziger Wäsche befaßt. Manche Beratungspassage kam mir vor wie der Ausschnitt aus einer Redaktionskonferenz im Bereich der Regenbogenpresse — jedenfalls so, wie ich mir solche Konferenzen vorstellen kann. Am Schluß hat sich das herausgestellt, was die Koalition von Anfang an behauptet hat, nämlich daß es keinerlei Anhaltspunkte für das gibt, was von der Opposition in dieser Hinsicht mit dem erkennbaren Genuß an Schlüpfrigkeiten ständig behauptet und in der Presse und sonstwo verbreitet worden ist. (V o r s i t z: Vizepräsident Stücklen) Wenn es um Wahlen geht, ist die Opposition in der Wahl ihrer politischen Mittel offenbar nicht zimperlich. Vor der hessischen Landtagswahl haben Sie, meine verehrten Kolleginnen und Kollegen, ohne Rücksicht auf die noch zu klärenden Punkte und vor Fertigstellung des offiziellen Ausschußberichts Ihre Bewertung bereits in der Öffentlichkeit vorgelegt. Ich muß erklären, daß die Opposition mit diesem Verhalten im gesamten Verlauf des Untersuchungsverfahrens weder der Tätigkeit des Ausschusses noch dem Parlament genutzt hat. (Beifall bei der FDP und der SPD) Vizepräsident Stücklen: Herr Abgeordneter, gestatten Sie eine Zwischenfrage des Herrn Abgeordneten Dr. Voss? Möllemann (FDP) : Ja. Dr. Voss (CDU/CSU) : Herr Kollege Möllemann, sind Sie bereit, zur Kenntnis zu nehmen,. daß sich unsere Bewertung, die wir damals der Öffentlichkeit vorgelegt haben, in keinem Punkt, nicht einmal in einem Jota, von dem unterscheidet, was dem Hohen Hause jetzt an Bewertung vorliegt? Möllemann (FDP) : Herr Kollege Voss, ich dachte, daß die Arbeit eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses beispielsweise den Sinn hat, dem Parlament einen Bericht vorzulegen, nachdem der Bericht abgeschlossen ist. Sie haben vor Abschluß dieses Berichts, gezielt auf den Wahlkampf, Ihre Bewertung eines Teilaspekts veröffentlicht. (Weiskirch [Olpe] [CDU/CSU] : Weil der Bericht von Ihnen verzögert worden ist!) Das halte ich für einen schlechten parlamentarischen Stil. (Beifall bei der FDP und der SPD) Im übrigen: Wie die Wahlergebnisse, die Sie im Auge hatten und die wir natürlich mit einem gewissen Genuß auch heute noch im Auge haben, zeigen, hat es Ihnen offenbar nichts genutzt. Es wird eben auch draußen vermerkt und als widersprüchlich empfunden, wenn Sie, Herr Kollege Wörner, hier in der Rolle des politischen Edelmannes mit dem Florett fechtend — was wir ausdrücklich würdigen — auftreten, während der Kollege Voss, wie soeben praktiziert, mit dem polemischen Knüttel unterhalb der politischen Gürtellinie herumfuchtelt. Gestatten Sie mir an dieser Stelle eine Bemerkung zur Behandlung des Themas Spionage im Rahmen parteipolitischer Auseinandersetzung. Die Aussagen des Untersuchungsausschusses wie auch meine eigenen darauf bezogenen zuvor dargelegten Überlegungen machen deutlich, daß ja wohl niemand ernstlich behaupten kann und sollte, in diesem Hause gebe es eine Partei, die für Spionage besonders anfällig sei oder sie nicht richtig zu bekämpfen versuche. Um so verwunderlicher ist es — hier schließe ich mich gern der entsprechenden Bewertung des Kollegen Ahlers an —, welche irrationalen Überlegungen und parteipolitisch motivierten Interpretationen Spionagefälle immer wieder erfahren bzw. was von Menschen, die es eigentlich besser wissen müßten, zur Spionage erklärt wird. So empfinde ich es als fast schon albern, wenn ein Mitglied des Verteidigungsausschusses die Genehmigung des Überflugs für sechs sowjetische MIG-Jäger über . die Bundesrepublik Deutschland gewissermaßen als Begünstigung von Spionage bezeichnet. Beim Thema Spionage wird eben der sonst sehr geschätzte Kollege Handlos immer grundlos kopflos. (Heiterkeit bei der FDP und der SPD) Als nicht sehr überzeugend muß man wohl auch die bei jedem Spionagefall neu aufgestellte Behauptung bezeichnen, die von den Staaten des Warschauer Pakts betriebene Spionage belege, daß dieser es mit seiner Entspannungspolitik nicht ernst meine. Diese Schlußfolgerung ist insbesondere dann wohl nicht überzeugend, wenn ich daran denke, daß wir bei der Schlußabstimmung über den Bundeshaushalt in Kürze wieder in schöner Einmütigkeit das Haushaltskapitel 04 04 verabschieden werden. Zum besseren Verständnis: Hierbei handelt es sich um die Mittel für den BND, also für unsere auf die freiheitlich-demokratische Grundordnung verpflichteten Spione, seien sie Beamte, Angestellte oder im wahrsten Sinne des Wortes freie Mitarbeiter. Eine weitere Bemerkung, meine Damen und Herren, möchte ich zum Thema „Liste" machen. Glauben Sie mir: Es ist für einen Liberalen ausgesprochen amüsant, zu erleben, wie die beiden großen 'Parteien sich wechselseitig vorhalten, diejenige Partei, die jeweils die Mehrheit hat, betreibe eine von ihren Interessen induzierte Personalpolitik. Sie haben alle völlig recht, wenn Sie das sagen. {Biehle [CDU/CSU] : Und Sie betätigen sich als Erbschleicher! — Ernesti [CDU/CSU]: So unschuldig sind Sie auch nicht!) — In diesem Zusammenhang von „Unschuld" zu reden ist ein schwieriges Unterfangen; im übrigen auch von „Schuld". Lassen Sie mich, meine Damen und Herren, zum Abschluß meiner Ausführungen noch auf einen anderen, leider ebenfalls negativen Teilaspekt der Arbeit des Verteidgungsausschusses als Untersuchungsausschuß hinweisen. Der Ausschuß hat fast ein Jahr lang gearbeitet. Er ist 29mal zusammengetreten, die Beweisaufnahme wurde in 20 Sitzungen geführt, 42 Zeugen wurden vernommen. (Ernesti [CDU/CSU] : Und wie oft waren Sie dabei?) — Offenbar schon zu oft, denn Sie haben mich des öfteren dort mit Ihren Bemerkungen irritiert. — In dieser gesamten Zeit von fast einem Jahr haben, verursacht durch die Arbeitsbelastung des Verteidigungsausschusses mit diesen Untersuchungen, fast keine Ausschußsitzungen stattgefunden, die sich mit der eigentlichen Aufgabe des Ausschusses, nämlich der Verteidigungspolitik, befassen konnten. Im gleichen Zeitraum sind im Bundesministerium der Verteidigung die vielleicht schwerwiegendsten verteidigungspolitischen Entscheidungen der letzten Jahre vorbereitet worden. Abgelenkt durch diese Untersuchungstätigkeit, mußte es der Verteidigungsausschuß unterlassen, die notwendige, parlamentarische Kontrolle der Regierung — jedenfalls in dem eigentlich notwendigen Umfang — wahrzunehmen. Ich halte dies für eine äußerst bedenkliche Nebenerscheinung der Tätigkeit des Verteidigungsauschusses als Unterausschuß im Spionagefall Lutze/Wiegel. Wir sollten diese Erfahrungen in guter Erinnerung behalten und sollten sie im Interesse der Wirksamkeit unserer parlamentarischen Arbeit und des Ansehens unseres Parlaments bedenken, wenn wir wieder einmal vor der Frage stehen, ob wir einen Untersuchungsausschuß — und wenn ja, in welcher Zusammensetzung — einsetzen müssen. (Beifall bei der FDP und der SPD) Vizepräsident Stücklen: Das Wort hat der Bundesminister der Verteidigung. Dr. Apel, Bundesminister der Verteidigung: Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Der Verteidigungsausschuß als 1. Untersuchungsausschuß kommt bei der Schadensbewertung übereinstimmend zu dem Ergebnis, daß es sich bei dem Spionagefall Lutze/Wiegel um einen besonders schweren Fall handelt. Diese Feststellung des Untersuchungsausschusses entspricht dem Ergebnis, das wir in einer Arbeitsgruppe „Sicherheit" auf der Hardthöhe, d. h. im Bundesverteidigungsministerium, selbst ermittelt haben. insofern besteht Übereinstimmung zwischen Ihnen und unseren eigenen Erkenntnissen. In einem zweiten Punkt, denke ich, werden wir nicht so schnell zur Übereinstimmung kommen, nämlich hinsichtlich der Frage der Behandlung. Ich denke schon, daß man betrübt sein muß, sich vielleicht sogar schämen muß, wenn jemand wie Herr Laabs, der sich in diesem Saal nicht verteidigen kann und im Zweifelsfall auch keine rechtlichen Möglichkeiten hat, sich gegen Sie, Herr Voss, zur Wehr zu setzen, in dieser Art und Weise hier durch den Dreck gezogen wird. (Beifall bei der SPD) Wenn wir uns schon parteipolitisch Vorwürfe machen wollen — und die Materie lädt zwangsläufig dazu ein —, dann sollten wir uns in der Tat sehr genau überlegen, wie wir, wenn dann wieder ein Untersuchungsausschuß ein schwieriges Gebiet zu bearbeiten hat, miteinander umgehen sollen. Ich kann mir nicht gut vorstellen, daß es uns allen, den Demokraten, guttut, wenn wir in dieser Weise argumentieren. Wir brauchen uns dann auch nicht zu wundern, wenn viele jüngere Menschen sich abwenden und sich fragen, (Dr. Voss [CDU/CSU] : Demokratie heißt auch, die Dinge beim Namen zu nennen!) was Demokraten eigentlich miteinander für dieses Geweinwesen tun sollen und tun wollen. (Zurufe von der CDU/CSU) Ich meine das mit ganzem Ernst und will deswegen dieses Thema nicht vertiefen, (Frau Tübler [CDU/CSU] : Das ist auch

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