Rede von Dr. Hakki Keskin (DIE LINKE) – Gehring, Krista Sager, Priska Hinz (Herborn),
Teil von Protokoll der 193. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 8 a und 8 b: Gehring, Krista Sager, Priska Hinz (Herborn),.
Text
Rede von Dr. Hakki Keskin (DIE LINKE) – Gehring, Krista Sager, Priska Hinz (Herborn),
Danke. – Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und
Kollegen! Leider debattieren wir erst zu dieser späteren
Stunde das Thema Frieden im Südkaukasus, dem wir in
den letzten Jahren nicht genügend Aufmerksamkeit
geschenkt haben.
Der Krieg zwischen Georgien und Russland hat uns
sicherlich alle tief geschockt. Die kriegerische
Eskalation hatte sich allerdings schon seit Längerem
angekündigt. Die Bundesregierung hätte als Koordinatorin der
Freundschaftsgruppe des UN-Generalsekretärs nicht erst
fünf Minuten vor zwölf aktiv werden dürfen, sondern
bereits in den zurückliegenden Jahren mehr zu den
Vermittlungsbemühungen von UNO und OSZE beitragen
müssen.
Nachdem die Waffen nun hoffentlich für immer
schweigen, müssen wir uns damit auseinandersetzen,
wie die Konflikte im Südkaukasus friedlich beigelegt
werden können. Ich teile die Einschätzung meines
Kollegen Weisskirchen: Die Anerkennung der
Unabhängigkeit der abtrünnigen Provinzen ist völkerrechtswidrig.
Dennoch müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass
sich Südossetien und Abchasien spätestens seit der
Anerkennung der Unabhängigkeit durch Russland im
Zustand einer De-facto-Unabhängigkeit befinden.
Meiner Meinung nach hat die vor allem von der US-
Regierung betriebene Politik der Einkreisung Russlands
die Region destabilisiert und zur Eskalation beigetragen.
Diese Politik muss schnellstens beendet werden.
Die Alternativen lauten: radikale Abrüstungsschritte auf
allen Seiten, der Verzicht auf die Aufnahme Georgiens
in die NATO und der Aufbau eines neuen regionalen
Sicherheitssystems, auch unter Einbeziehung Russlands.
1) Anlage 11
Die Friedensinitiativen im weiter schwelenden
Konflikt in Berg-Karabach müssen intensiviert werden. Der
Konflikt zwischen den beiden Kulturnationen Armenien
und Aserbaidschan dauert nun schon 20 Jahre an. Die
Linke schlägt in ihrem Antrag daher die Möglichkeit
einer weitreichenden Autonomie für Berg-Karabach
innerhalb der territorialen Integrität Aserbaidschans vor.
Insbesondere die besetzten Gebiete außerhalb Berg-
Karabachs sollten schnellstmöglich an Aserbaidschan
zurückgegeben werden.
Der Großteil der Flüchtlinge stammt aus diesen
Gebieten. Ihre Rückkehr würde eine Situation schaffen, in
der die endgültige Statusfrage Berg-Karabachs in
Frieden und auf demokratische Weise entschieden werden
kann. Die Situation der Flüchtlinge übt einen sehr
großen sozialen und innenpolitischen Druck auf
Aserbaidschan aus. Ebenso wird sich die schwierige
wirtschaftliche Lage Armeniens ohne eine friedliche Konfliktlösung
nicht wesentlich verbessern.
Die EU-Nachbarschaftspolitik muss einen stärkeren
Beitrag für Frieden und nachhaltige Entwicklung leisten.
Diese Politik ist stärker an sozialen Kriterien
auszurichten: an Armutsbekämpfung, an der Förderung von
Bildung, Gesundheit und Ökologie sowie an der
Entwicklung der Wirtschaft in der Region.
Ich komme zum Schluss: Die Fraktion Die Linke ruft
die Bundesregierung auf, in ihrer Außenpolitik eine
aktive friedliche Konfliktlösungsstrategie zu verfolgen.
Dies wäre ein geeigneter Beitrag zur Förderung von
Frieden und Stabilität im Südkaukasus.
Ich danke Ihnen.