Rede von Dorothée Menzner (DIE LINKE) – Drucksache 16/12887
Teil von Protokoll der 222. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP ZP 2: Drucksache 16/12887 –.
Text
Rede von Dorothée Menzner (DIE LINKE) – Drucksache 16/12887
Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kolleginnen und
Kollegen! Liebe Gäste! Elektroautos sind eine feine
Sache. Für gewisse Bereiche und für gewisse
Einsatzgebiete sind sie durchaus zu begrüßen, zum Beispiel im
innerstädtischen Verkehr. Sie sind leise, sie erzeugen
keinen Feinstaub und keine Abgase. Aber zu glauben,
sie könnten unsere grundlegenden Mobilitätsprobleme
lösen, ist doch ein bisschen kurzsichtig. Wir haben
darüber neulich schon einmal diskutiert. Der WWF ist
nicht die einzige Institution, die sagt, dass das keine
kurzfristige Lösungsstrategie ist. Das ist eben schon
angesprochen worden. So weit ist die Entwicklung noch
nicht. Bei der Klimabilanz und Umweltfreundlichkeit
von Elektroautos kommt es entscheidend darauf an, wie
der Strom erzeugt wird, mit dem sie gespeist werden.
Man kann natürlich wie die FDP in ihrem Antrag den
Standpunkt vertreten, die AKWs länger laufen zu lassen.
(Horst Friedrich [Bayreuth] [FDP]: Wo steht
das im Antrag?)
Ich sage ganz deutlich: Für uns ist das keine Lösung.
Man sollte sich aber auch überlegen, ob die fossile
Stromerzeugung die Lösung ist. Jeder, der sich
Grevenbroich, die „Hauptstadt der Energie“, und Umgebung
mit den im Bau oder schon in Betrieb befindlichen
Kohlekraftwerken einmal angeschaut hat, wird ins Grübeln
kommen. Wir wissen, dass wir bis heute noch nicht
genug Strom auf ökologische und nachhaltige Weise bzw.
aus erneuerbaren Energien erzeugen. Aber auch Fragen,die das Last- und Lademanagement, die Stromnetze und
die notwendige Infrastruktur betreffen, sind zu prüfen.
Daher begrüßen wir, dass 5 Millionen Euro für
Forschung und Entwicklung im Konjunkturpaket II dafür
bereitgestellt werden. Die Strategie „Weg vom Öl“ kann
aber nicht heißen, dass wir uns von der Abhängigkeit
von den Ölmultis geradewegs in die Abhängigkeit von
den Stromkonzernen begeben. Die Autos, die wir bisher
fahren, werden sicherlich nicht die sein, die wir als Basis
für Elektromobilität verwenden können. Es ist zu kurz
gedacht, einen Elektromotor in einen Golf einzubauen.
Es müssen andere Fahrzeuge sein. Auch unser
Mobilitätsverhalten muss sich verändern.
(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Beispielsweise sagte letzte Woche ein Bürger aus
meinem Wahlkreis zu mir: Ich wollte mein Auto
verschrotten und die Abwrackprämie dafür kassieren, dass
ich mir ein Elektroauto anschaffe; ich fahre nämlich nur
kurze Wege und habe Solarenergiezellen auf dem
Dach. – Das funktionierte aber nicht, weil das
gewünschte Elektroauto drei Räder hat und die
Abwrackprämie hingegen nur bei Kauf eines vierrädrigen Autos
ausgezahlt wird. Wenn wir fraktionsübergreifend die
Auffassung vertreten, dass Elektromobilität gefördert
werden muss, dann sollten wir an dieser Stelle genauer
hinschauen und etwas verändern.
(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Ich möchte für meine Fraktion ganz deutlich sagen:
Die Linke steht für eine Verkehrspolitik, die darauf
ausgerichtet ist, umweltschonender und
ressourcensparender zu wirtschaften, als wir es es viele Jahrzehnte lang
getan haben. Diese Verkehrspolitik muss bedarfsgerecht
und sozial gerecht sein. Wir stehen nicht für Konzepte,
die vorsehen – daher rührt unsere Kritik an den
Wechselkennzeichen –, Menschen mit einem guten Einkommen
eine umweltfreundliche Mobilität zu ermöglichen, also
Menschen, die sich, um ein ökologisch reines Gewissen
zu haben, als Zweit- oder Drittwagen ein Elektromobil
beschaffen wollen. Wir möchten, dass Menschen
unabhängig von ihrem Einkommen, unabhängig von ihrer
ökonomischen Lage einen möglichst barrierefreien
Zugang zu gutem Verkehr haben.
Um von dem immensen Verbrauch fossiler Rohstoffe
wegzukommen, müssen der öffentliche
Personennahverkehr und -fernverkehr weiter ausgebaut und attraktiver
gemacht werden. Auch die Vernetzung mit dem
Fahrradverkehr muss hinzukommen. Um auf diesem Gebiet
voranzukommen, kann der Ausbau der Elektromobilität ein
kleiner Schritt sein. Dafür sind wir sehr aufgeschlossen.
Wir sehen allerdings in ihr nicht die Möglichkeit, mit der
wir einfach umsteuern und alles grundlegend verändern
können. Wir glauben, es werden falsche Hoffnungen
geweckt.
Ich danke.