Effiziente Kapazitätsausschreibungen mit Zukunft - Für eine Versorgungssicherheit ohne teuren fossilen Lock-In
Text
Effiziente Kapazitätsausschreibungen mit Zukunft - Für eine Versorgungssicherheit ohne teuren fossilen Lock-In
Antrag
der Abgeordneten Katrin Uhlig, Michael Kellner, Dr. Alaa Alhamwi, Dr. Julia
Verlinden, Lisa Badum, Dr. Sandra Detzer, Julian Joswig, Sandra Stein und
der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Effiziente Kapazitätsausschreibungen mit Zukunft – Für eine
Versorgungssicherheit ohne teuren fossilen Lock-In
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Auf dem Weg zu einem Stromsystem, das vollständig auf erneuerbaren Energien
basiert, braucht es eine verlässliche und zukunftsfähige Antwort auf die Frage, wie die
Stromversorgung auch dann gesichert werden soll, wenn Sonne und Wind nur wenig
oder gerade keinen Strom liefern.
Diese Antwort wird gasbetriebene Kraftwerke einschließen. Absolut zentral ist dabei
jedoch der Umfang und das klare Umstellungsdatum auf Wasserstoff, etwa im achten
Betriebsjahr. Mit Blick auf das Ziel der Klimaneutralität bis 2045 ist der Bau
langfristig fossil betriebener Gaskraftwerke ohne glaubwürdige und ambitionierte
Umstellungsperspektive keine Option. Die technisch unerprobte und teure Abscheidung von
CO2 über Carbon-Capture-and-Storage (CCS) kann keine solche Option sein. Dass
genau dies von der Bundesregierung geplant wird und trotz vorgeblicher
Technologieoffenheit gezielt Vorschläge von Gaskraftwerksbetreibern zum Ausschluss von
Batteriespeichern angefragt und umgesetzt wurden, ist absurd. Gerade in einer Zeit, in der uns
erneut schmerzhaft vor Augen geführt wird, wie verwundbar unser Wirtschaftsstandort
durch die Abhängigkeit von Erdgasimporten ist – und wie stark Energiepreise im
Alltag steigen können –, dürfen wir uns nicht noch abhängiger von fossilen Importen
machen und Milliarden für Energieimporte ins Ausland überweisen.
Batteriespeicher, Bioenergie, flexibles Lastmanagement oder Kraftwerke mit einem
sicheren und kurzfristig umsetzbaren Umstellungspfad auf Wasserstoff: Die Liste der
Technologien und Instrumente zur Kapazitätssicherung, die keinen automatischen
fossilen Lock-In bedeuten, ist lang. Statt diese zu ignorieren und ein Regelwerk zu
schaffen, das einzelne Technologien bevorzugt, während andere ins Hintertreffen geraten,
braucht es Kapazitätsausschreibungen im Rahmen eines Kapazitätsmechanismus, die
auf einer sicheren Finanzierung aufbauen, den verschiedenen Optionen Chancen
eröffnen, kleinen wie großen Akteuren Beteiligung ermöglichen und die jeweiligen
Stärken der einzelnen Technologien zur Geltung bringen.
Deutscher Bundestag Drucksache 21/6369
21. Wahlperiode 10.06.2026
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. durch die Art und Weise der Ausgestaltung von Ausschreibungen einen
fossilen Lock-In bei der Sicherung von Kapazitäten zur Stromversorgung zu
verhindern. Gerade das weitere Voranschreiten des Klimawandels und die aktuelle
geopolitische Lage verlangt, dass fossile Abhängigkeiten auf ein Minimum
reduziert werden;
2. die Kriterien für Anlagen bei Kapazitätsausschreibungen so auszugestalten, dass
der Rahmen für alle Technologien gleichwertig ausgestaltet ist und wirklich alle
Potenziale für Kapazitäten genutzt werden können. Gerade bei
„Langzeitkapazitäten“ muss natürlich sichergestellt sein, dass sie zuverlässig über einen langen
Zeitraum einspringen können. Dennoch ist auch hier bei der Ausgestaltung der
Kriterien darauf zu achten, dass für alle Technologien faire Bedingungen
herrschen. Technologieoffenheit darf nicht nur in der Theorie bestehen, sondern muss
gerade in diesem Bereich in der Praxis gelebt werden. Das erhöht den
Wettbewerb und senkt die Kosten;
3. Regelungen festzulegen, die vorsehen, dass der Betreiber eines Kraftwerks bei
einem Zuschlag im Rahmen einer Kapazitätsausschreibung umgehend einen Plan
vorzulegen hat, wie die Anlage zum nächstmöglichen Zeitpunkt auf Wasserstoff
umgestellt wird. Eine Vorgabe, nach der Anlagen lediglich spätestens ab dem
Jahr 2045 klimaneutral betrieben werden müssen, läuft den Klimazielen zuwider,
verstärkt unnötig und langfristig Abhängigkeiten und riskiert einen teuren
fossilen Lock-In;
4. alle wesentlichen Informationen und Eckdaten zur Verfügung zu stellen, die ein
Unternehmen, das noch an Kapazitätsausschreibungen im Jahr 2026 teilnehmen
möchte, zur vollumfänglichen Vorbereitung und Risikoabwägung braucht;
5. bereits zur ersten Kapazitätsausschreibung im September 2026 klare Angaben zu
machen, wie die Umlage zur Finanzierung eines Kapazitätsmechanismus
ausgestaltet werden soll. Schon zu diesem Zeitpunkt muss klar sein, welche Belastung
durch eine Umlage für die einzelnen Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen
entstehen kann;
6. sowohl jetzt bei den ersten Kapazitätsausschreibungen in diesem Jahr als auch in
Zukunft bei der weiteren Entwicklung eines Kapazitätsmechanismus
sicherzustellen, dass im Bereich der Kapazitätssicherung keine konzentrierte Marktmacht
bei einzelnen Unternehmen entstehen kann. Durch Instrumente wie die vom
Bundeskartellamt vorgeschlagene Zuschlagslimitierung sind Voraussetzungen zu
schaffen, die eine große Akteursvielfalt fördern;
7. vor der Ausschreibung von Kapazitäten jeglicher Art, die Annahmen, auf denen
die Notwendigkeit für die Ausschreibungen von Kapazitäten getroffen wurden,
transparent zu machen und ausführlich zu begründen;
8. dafür Sorge zu tragen, dass gesicherte Leistungen systemdienlich im ganzen Land
zugebaut werden, auch in den Kohlerevieren.
Berlin, den 19. Mai 2026
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
Relationen
- authored ← Alaa Alhamwi (Antrag)
- authored ← Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
- authored ← Julian Joswig (Antrag)
- authored ← Julia Verlinden (Antrag)
- authored ← Katrin Uhlig (Antrag)
- authored ← Lisa Badum (Antrag)
- authored ← Michael Kellner (Antrag)
- authored ← Sandra Detzer (Antrag)
- authored ← Sandra Stein (Antrag)
- part_of_vorgang → Effiziente Kapazitätsausschreibungen mit Zukunft - Für eine Versorgungssicherheit ohne teuren fossilen Lock-In (Antrag)