Preisschock durch fossile Brennstoffe als Weckruf verstehen - Unabhängigkeit von Kohle, Öl und Gas vorantreiben
Text
Preisschock durch fossile Brennstoffe als Weckruf verstehen - Unabhängigkeit von Kohle, Öl und Gas vorantreiben
Antrag
der Abgeordneten Lisa Badum, Dr. Julia Verlinden, Claudia Roth, Dr. Alaa
Alhamwi, Dr. Anton Hofreiter, Michael Kellner, Julia Schneider, Katrin Uhlig,
Johannes Wagner und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Preisschock durch fossile Brennstoffe als Weckruf verstehen –
Unabhängigkeit von Kohle, Öl und Gas vorantreiben
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Weltweit schießen die Preise für Öl und Gas in die Höhe und setzen Verbraucherinnen
und Verbraucher unter Druck. Wie schon 2022 ist der Auslöser für diesen fossilen
Preisschock ein Krieg, der außerhalb unserer Kontrolle liegt. Öl- und Gaskonzerne
nutzen diese Situation aus, um ihre Profitmargen auf unser aller Kosten aufzublasen.
Fossile Abhängigkeit führt zu finanzieller Verwundbarkeit.
Das britische Äquivalent zum deutschen Expertenrat für Klimafragen, das UK Climate
Change Committee, stellt in einem aktuellen Bericht fest, dass die
volkswirtschaftlichen Schäden durch einen einzigen fossilen Preisschock höher sind als die
Gesamtkosten zur Erreichung der Klimaneutralität.1 Indes warnt die Europäische Zentralbank
vor den Risiken fossiler Inflation für das Ziel der Preisstabilität.2 Wirksamer
Klimaschutz bewahrt nicht nur unsere Lebensgrundlagen, sondern rechnet sich auch
finanziell und monetär. Chronisches Nichthandeln ist der teuerste Weg – den fossilen Status
Quo können wir uns nicht länger leisten.
Bei der UN-Klimakonferenz COP28 im Dezember 2023 in Dubai hat die
Weltgemeinschaft die weltweite Abkehr von den fossilen Energien beschlossen. Ende April 2026
findet im kolumbianischen Santa Marta die erste internationale Konferenz zum Thema
statt. Erste Staaten ziehen Konsequenzen aus der neuen klimadiplomatischen
Dynamik: so hat Brasiliens Präsident Lula sein Kabinett damit beauftragt, einen nationalen
Fahrplan für die Abkehr von den fossilen Energien zu erarbeiten; weitere Regierungen
werden diesem Beispiel folgen.
Deutschland darf jetzt nicht ins Hintertreffen geraten, sondern sollte selbstsicher und
verantwortungsbewusst vorangehen – angefangen mit einer eigenen nationalen
Strategie für die Unabhängigkeit von Kohle, Öl und Gas. Diese muss auf den konsequenten
Ausbau erneuerbarer Energien setzen, statt auf teure und hochriskante Atomkraft, und
dabei ökologische, soziale und menschenrechtliche Standards wahren. Damit senden
wir ein klares Signal an die Welt und machen den nächsten großen Schritt in Richtung
1 www.theccc.org.uk/publication/supplementary-analysis-of-the-seventh-carbon-budget/
2 www.ft.com/content/6fa21bdb-1387-4fb8-afc9-3d0b53affa58
Deutscher Bundestag Drucksache 21/5483
21. Wahlperiode 21.04.2026
Energiesouveränität, Klimaneutralität und einem Wirtschaften innerhalb planetarer
Grenzen.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. die erste internationale Konferenz zur globalen fossilen Abkehr in Santa Marta
tatkräftig zu unterstützen und, dem guten Beispiel europäischer Nachbarn wie
Dänemark und Spanien folgend, die persönliche Teilnahme des
Bundesumweltministers sicherzustellen;
2. sich proaktiv als Gastgeber für die nächste Folgekonferenz anzubieten, um
Deutschland als diplomatischen Wegbereiter bei der weltweiten Abkehr von den
fossilen Energien zu positionieren;
3. dem Beispiel Brasiliens folgend im Laufe des Jahres einen nationalen Fahrplan
für die Unabhängigkeit von Kohle, Öl und Gas mit konkreten Zwischenschritten
in allen Sektoren bis 2045 vorzulegen.
Berlin, den 21. April 2026
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
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ISSN 0722-8333
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