Rückbau der EU-Klimapolitik stoppen - Deutschlands Klimaschutzlücke jetzt schließen
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Rückbau der EU-Klimapolitik stoppen - Deutschlands Klimaschutzlücke jetzt schließen
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/3033
21. Wahlperiode 02.12.2025
Antrag
der Abgeordneten Lisa Badum, Dr. Jan-Niclas Gesenhues, Julia
Schneider, Steffi Lemke, Harald Ebner, Dr. Alaa Alhamwi, Kassem Taher
Saleh, Julian Joswig, Swantje Henrike Michaelsen, Katrin Uhlig und der
Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Rückbau der EU-Klimapolitik stoppen – Deutschlands Klimaschutzlücke jetzt
schließen
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Seit ihrem Amtsantritt arbeitet die schwarz-rote Bundesregierung aktiv am Rückbau
der klimapolitischen Erfolge der letzten Jahre und stärkt damit auch
Klimaschutzgegnern auf europäischer und internationaler Ebene den Rücken.
So hat zuletzt die von Friedrich Merz persönlich mitgetragene Verschiebung der
Entscheidung zum EU-Klimaziel für 2040 den europäischen Klimaskeptikern den Raum
eröffnet, die Entwürfe der Kommission massiv aufzuweichen. Im Ergebnis muss die
EU nun ihre Emissionen bis zum Jahr 2040 um 5 Prozentpunkte weniger senken, hat
mit großer Verspätung einen nichtssagenden europäischen Beitrag für die
internationalen Klimaverhandlungen auf der COP30 eingereicht und die Einführung des EU-
weiten Emissionshandels für Gebäude und Verkehr (ETS2) auf 2028 verschoben.
Doch die Bundesregierung feiert dieses blamable Ergebnis als Zeichen der
europäischen Verlässlichkeit. Mit diesem systematischen Rückbau sorgt die Koalition trotz
anderslautender Versprechungen dafür, dass wir in Deutschland und Europa unsere
selbstgesteckten und höchstrichterlich bestätigten Klimaziele verfehlen werden. Ein
solches Verhalten verschärft die Klimakrise, statt sie zu bekämpfen. Dadurch werden
Hitzewellen, Überschwemmungen und Waldbrände weiter zunehmen und die
natürlichen Lebensgrundlagen nachfolgender Generationen gefährdet. Statt die Menschen in
unserem Land ausreichend vor der Klimakrise und ihren Folgen zu schützen,
widersetzen sich CDU/CSU und SPD sich damit auch dem Willen der Bürgerinnen und
Bürger, die sich mit deutlicher Mehrheit für einen größeren Einsatz Deutschlands im
Klimaschutz aussprechen*. Zehn Jahre nach Unterzeichnung des Pariser Abkommens
braucht es wirksame neue Maßnahmen für den Klimaschutz statt gezielter Angriffe
gegen bestehende Regelungen und Gesetze.
* www.tagesschau.de/wissen/klima/bericht-gesellschaft-klimaschutz-100.html
Doch Friedrich Merz will Klimaschutz allein über einen hohen CO2-Preis regeln
– erfolgreicher Klimaschutz aber gelingt fair und zugleich wirksam nur durch
einen Instrumentenmix aus Förderprogrammen, die Menschen den Umstieg
ermöglichen, einem klaren Ordnungsrecht und kosteneffizienten Preisanreizen.
Um Menschen auf Dauer aus der fossilen Kostenfalle zu befreien, sind
Förderprogramme und öffentliche Investitionen in Milliardenhöhe nötig, z. B. in eine
funktionierende Bahn sowie in klimagerechte und bezahlbare Wärmeversorgung. Das
Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität sowie die zusätzlichen Einnahmen,
die Deutschland aus dem ETS2 erhält, bieten dafür erhebliche Chancen. Aber statt
diese zu nutzen, lässt die Bundesregierung die Frist für die Einreichung von
Maßnahmen für sozialen Klimaschutz bei der EU einfach so verstreichen.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. dem Rückbau des Klimaschutzes auf EU-Ebene entschieden entgegenzuwirken
und die klimapolitischen Erfolge der vergangenen Jahre zu verteidigen. Jegliche
Angriffe und Abschwächungen reduzieren Klarheit und Planbarkeit für
Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Unternehmen. Konkret heißt das insbesondere:
a. Die Bundesregierung muss allen Stimmen energisch entgegentreten, die
weitere Abschwächungen am ETS2 durchsetzen wollen. Der ETS2 setzt ein
klares Signal für sauberes und bezahlbares Heizen und Fahren. Fossiles Öl, Gas
und Benzin werden in der gesamten EU langfristig unattraktiv und machen
uns abhängig von Importen. Durch die von der Bundesregierung
mitbeschlossene Verschiebung des ETS2 auf das Jahr 2028 wurde bereits
erhebliches Vertrauen an diesem Weg verspielt;
b. gleichzeitig braucht es sowohl auf europäischer wie auch nationaler Ebene
konkrete Maßnahmen, um die Emissionen in den Bereichen Gebäude und
Verkehr zu senken. Klimaschutz über den Preis allein führt nicht zum Ziel,
sondern verteuert das Leben der Menschen und erzeugt soziale
Verwerfungen. Deswegen muss die Bundesregierung an langfristigen
Rahmensetzungen wie den EU-Flottengrenzwerten für Pkw, dem Neuzulassungsverbot für
fossile Verbrennungsmotoren ab 2035 und der europäischen
Gebäuderichtlinie (EBPD) konsequent festhalten;
c. auch den natürlichen Klimaschutz ambitioniert voranzubringen, indem z. B.
die EU-Wiederherstellungsverordnung mit ausreichend Ressourcen
umgesetzt wird und mit einer ehrgeizigen EU-Verordnung über entwaldungsfreie
Produkte die grünen Lungen unserer Erde erhalten bleiben;
2. alle geplanten Verwässerungen der Klimapolitik auf nationaler Ebene sofort
zurückzunehmen und zügig das ausstehende Klimaschutzprogramm mit wirksamen
neuen Maßnahmen vorzulegen, um die Lücke zur Erreichung unserer Klimaziele
bis 2045 zu schließen und die wegweisende Entscheidung des
Bundesverfassungsgerichts vom 29. April 2021 einzuhalten;
3. für Menschen das Leben endlich wieder bezahlbar zu machen und sozial
gestaffelte Förderprogramme aufzulegen, die insbesondere Haushalten mit geringen
und mittleren Einkommen/Vermögen zugutekommen, dazu zählen u. a. eine
sozial gestaffelte Gebäudesanierungsförderung und die finanzielle Förderung von
verbrauchsarmen E-Autos für Menschen mit geringen Einkommen;
4. die Verhandlungsergebnisse der UN-Klimakonferenz COP30 zum Anlass zu
nehmen, um global für effektiven Klimaschutz einzustehen und Europas
internationale Glaubwürdigkeit und unseren klimapolitischen Führungsanspruch
wiederherzustellen. Dazu zählt insbesondere, den neu aufgelegten Waldschutzfonds
(TFFF) weiter zu stützen und der auf der COP30 gestarteten Initiative des „Fossil
Fuel Non-Proliferation Treaty“ beizutreten und diese aktiv voranzutreiben.
Berlin, den 2. Dezember 2025
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
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ISSN 0722-8333]
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