Jetzt für den nächsten Winter vorsorgen - Gasverbrauch wirksam reduzieren und Gasunabhängigkeit voranbringen (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/6007)
Text
Jetzt für den nächsten Winter vorsorgen - Gasverbrauch wirksam reduzieren und Gasunabhängigkeit voranbringen (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/6007)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/6526
21. Wahlperiode 16.06.2026
Beschlussempfehlung und Bericht
des Ausschusses für Wirtschaft und Energie (9. Ausschuss)
zu dem Antrag der Abgeordneten Dr. Julia Verlinden, Dr. Alaa Alhamwi, Lisa
Badum, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
– Drucksache 21/6007 –
Jetzt für den nächsten Winter vorsorgen – Gasverbrauch wirksam reduzieren
und Gasunabhängigkeit voranbringen
A. Problem
Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN schickt ihrem Antrag voraus,
Deutschland müsse sich aus der fossilen Abhängigkeit lösen und insbesondere
den Gasverbrauch reduzieren. Die Europäische Kommission habe im Rahmen des
AccelerateEU 18 Sofortmaßnahmen vorgeschlagen, um den Verbrauch zu senken
und die Bundesregierung habe seit Krisenbeginn keine davon umgesetzt. Es sei
notwendig, Steuergelder in eine langfristig unabhängige, bezahlbare
Energieversorgung und starke regionale Wertschöpfung zu investieren, um Haushalte und
Unternehmen dauerhaft vor den Risiken fossiler Preisschocks zu schützen.
B. Lösung
Ablehnung des Antrags mit den Stimmen der Fraktionen der CDU/CSU, AfD
und SPD gegen die Stimmen der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bei
Stimmenthaltung der Fraktion Die Linke.
C. Alternativen
Annahme des Antrags.
D. Kosten
Wurden im Ausschuss nicht erörtert.
Beschlussempfehlung
Der Bundestag wolle beschließen,
den Antrag auf Drucksache 21/6007 abzulehnen.
Berlin, den 10. Juni 2026
Der Ausschuss für Wirtschaft und Energie
Christian Frhr. von Stetten
Vorsitzender
Raimond Scheirich
Berichterstatter
Mahmut Özdemir (Duisburg)
Berichterstatter
Bericht der Abgeordneten Raimond Scheirich und Mahmut Özdemir (Duisburg)
I. Überweisung
Der Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN auf Drucksache 21/6007 wurde in der 80. Sitzung des
Deutschen Bundestages am 21. Mai 2026 beraten und an den Ausschuss für Wirtschaft und Energie zur
Federführung sowie an den Haushaltsausschuss, den Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, den
Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit und an den Ausschuss für Wohnen,
Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen zur Mitberatung überwiesen.
II. Wesentlicher Inhalt der Vorlage
Die antragstellende Fraktion fordert die Bundesregierung zu neun Maßnahmen auf. Zum einen sei im Laufe des
Jahres eine Gasunabhängigkeitsstrategie vorzulegen, die aufzeige, wie Deutschland seinen fossilen Gasverbrauch
bis 2035 mindestens halbiere und bis spätestens 2045 unabhängig von fossilem Gas werde. Zum anderen solle
Deutschland Mitglied der niederländischen COFFIS-Initiative (Coalition on Phasing Out Fossil Fuel Incentives
Including Subsidies) werden, dem Bundestag und der Öffentlichkeit jedes Jahr einen Bericht zur
Energieunabhängigkeit vorlegen und schnellstmöglich ein Gaskrisenpaket beschließen, das den Gasverbrauch kurzfristig
reduziere. Die Befüllung der Gasspeicher müsse über den Sommer sichergestellt werden und es seien
Rahmenbedingungen zu schaffen, um die Abhängigkeit von stofflicher Nutzung von Erdgas zügig zu reduzieren. Die
geplanten Novellen von Energiegesetzen seien so anzupassen, dass sie die Energieunabhängigkeit unterstützten und
die Energiewende beschleunigten.
Darüber hinaus solle die Bundesregierung Europas und Deutschlands Abhängigkeit von Flüssiggas aus den USA
reduzieren, indem der entsprechende Energie-Deal rückgängig gemacht werde. Der in Santa Marta angestoßene
Prozess zum Ausstieg aus den fossilen Energien sei zu unterstützen und die Bundesregierung solle hierzu eine
eigene Strategie vorlegen.
III. Stellungnahmen der mitberatenden Ausschüsse
Der Haushaltsausschuss hat den Antrag auf Drucksache 21/6007 in seiner 39. Sitzung am 10. Juni 2026 beraten
und empfiehlt mit den Stimmen der Fraktionen der CDU/CSU, AfD und SPD gegen die Stimmen der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bei Stimmenthaltung der Fraktion Die Linke dessen Ablehnung.
Der Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat hat den Antrag auf Drucksache 21/6007 in seiner
26. Sitzung am 10. Juni 2026 beraten und empfiehlt mit den Stimmen der Fraktionen der CDU/CSU, AfD und
SPD gegen die Stimmen der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bei Stimmenthaltung der Fraktion Die Linke
dessen Ablehnung.
Der Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit hat den Antrag auf
Drucksache 21/6007 in seiner 38. Sitzung am 10. Juni 2026 beraten und empfiehlt mit den Stimmen der Fraktionen der
CDU/CSU, AfD und SPD gegen die Stimmen der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bei Stimmenthaltung
der Fraktion Die Linke dessen Ablehnung.
Der Ausschuss für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen hat den Antrag auf
Drucksache 21/6007 in seiner 25. Sitzung am 10. Juni 2026 beraten und empfiehlt mit den Stimmen der Fraktionen der
CDU/CSU, AfD und SPD gegen die Stimmen der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bei Stimmenthaltung
der Fraktion Die Linke dessen Ablehnung.
IV. Beratungsverlauf und Beratungsergebnisse im federführenden Ausschuss
Der Ausschuss für Wirtschaft und Energie hat den Antrag auf Drucksache 21/6007 in seiner 37. Sitzung am
10. Juni 2026 abschließend beraten.
Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN erläuterte einleitend, die Internationale Energieagentur befürchte
die größte Energiekrise jemals, die sich in den nächsten Monaten noch weiter ausweiten werde. Die fossilen
Energiereserven würden derzeit im Rekordtempo geleert. Die beste stille Energiereserve seien die effektive
Reduktion des Gasverbrauches und Energieeffizienz. Die Bundesregierung habe bisher keine der von der
Europäischen Union oder der Internationalen Energieagentur vorgeschlagenen Maßnahme umgesetzt, um die teure
Gasabhängigkeit zu reduzieren. Die Fraktion forderte die Vorlage einer Unabhängigkeitsstrategie und die
Reduzierung des Gasverbrauches mindestens um die Hälfte bis 2035.
Die Fraktion der CDU/CSU erklärte, Dr. Robert Habeck habe in der letzten Legislaturperiode eine
Gaskraftwerkstrategie auf den Weg gebracht. Es sei wichtig, auch eigene Gasvorkommen zu nutzen. Wer aus Kohle und
Atomenergie gleichzeitig aussteigen wolle, brauche für die Grundlast im Übergang auch Gas. Der Antrag fordere
verbindliche Ausstiegspfade, ohne belastbare Aussagen zu den konkreten Kosten zu beinhalten.
Förderprogramme, Prämien und Infrastrukturmaßnahmen sollten auf den Weg gebracht werden, ohne, dass der Antrag dafür
ein realistisches Finanzierungskonzept vorgebe. Über die Füllstandsvorgaben, welche die antragstellende
Fraktion mit der Vorgängerregierung abgesenkt habe, sollten sie hier besser nicht diskutieren.
Die Fraktion der AfD kritisierte, die antragstellende Fraktion habe vor zwei Jahren noch geplant, bis zu 24
Gigawatt Gaskraftwerkskapazitäten aufbauen zu wollen. Nun fordere die Fraktion, den Gasverbrauch zu reduzieren
und sogar den mit den USA geschlossenen Deal bezüglich der Gasversorgung wieder abzuschaffen. Außerdem
wolle die antragstellende Fraktion die Diversifizierung auf dem Energiemarkt einschränken und gleichzeitig die
Erneuerbaren Energien ausbauen. Damit würde Deutschland nur noch abhängiger von Lieferungen aus China
werden, beispielsweise im Hinblick auf Photovoltaikmodule und seltene Erden für die Generatoren von
Windkraftturbinen.
Die Fraktion der SPD führte aus, die Argumente seien bereits ausgetauscht worden. Zu dem Vergleich zwischen
den Füllstandsvorgaben der Ampelregierung und den Füllstandsvorgaben der schwarz-roten Regierung könne
man sich im Hinblick auf einen Faktencheck gerne nochmal austauschen. Der Antrag beinhalte aber gute Ansätze.
Die Fraktion Die Linke begrüßte den Antrag, der viele notwendige und entscheidende Punkte beinhalte. Der
Gasausstieg sei ein politisches Ziel. Es gebe ein Klimaschutzgesetz, entsprechende andere Gesetze und EU-
Verordnungen. Die Notlage bei der Versorgung verschärfe die Situation. Sie befänden sich am unteren Rand der
Speicherfüllung und im Herbst könnten sie in Schwierigkeiten kommen.
Der Ausschuss für Wirtschaft und Energie beschloss mit den Stimmen der Fraktionen der CDU/CSU, AfD und
SPD gegen die Stimmen der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bei Stimmenthaltung der Fraktion Die Linke,
die Ablehnung des Antrags auf Drucksache 21/6007 zu empfehlen.
Berlin, den 10. Juni 2026
Raimond Scheirich
Berichterstatter
Mahmut Özdemir (Duisburg)
Berichterstatter
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
Relationen
- authored ← Ausschuss für Wirtschaft und Energie
- authored ← Mahmut Özdemir (Berichterstattung)
- authored ← Raimond Scheirich (Berichterstattung)
- part_of_vorgang → Jetzt für den nächsten Winter vorsorgen - Gasverbrauch wirksam reduzieren und Gasunabhängigkeit voranbringen (Beschlussempfehlung und Bericht)