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Spitzensportförderung transparent, wirksam und zukunftsfest gestalten

dip / drucksache 24.02.2026 · WP 21 · 21/4292 · Antrag · Original ↗

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Spitzensportförderung transparent, wirksam und zukunftsfest gestalten Antrag der Abgeordneten Tina Winklmann, Dr. Ophelia Nick, Helge Limburg, Sascha Müller, Denise Loop, Dr. Konstantin von Notz, Dr. Sebastian Schäfer und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Spitzensportförderung transparent, wirksam und zukunftsfest gestalten Der Bundestag wolle beschließen: I. Der Deutsche Bundestag stellt fest: Spitzensport begeistert, inspiriert und verbindet Menschen über alle Generationen, Kulturen und Regionen hinweg. Er schafft Vorbilder, die Werte wie Fairness, Respekt und Vielfalt sichtbar machen und weit in die Gesellschaft hineinwirken. Mit ihren sportlichen Höchstleistungen tragen deutsche Athlet*innen nicht nur maßgeblich zum internationalen Ansehen Deutschlands bei, sondern inspirieren gerade junge Menschen ihre Ziele mit Biss und Ehrgeiz zu verfolgen. Die öffentliche Förderung des Spitzensports verzeichnete in den vergangenen Jahren erfreulicherweise nur einen Weg und der ist nach oben. Zwischen 2010 und 2023 haben sich die Mittel nahezu verdoppelt und lagen im letzten Jahr bei über 300 Millionen Euro.1, 2 Dennoch stagnieren die Erfolge bei Olympischen und Paralympischen Spielen sowie Weltmeisterschaften. Das zeigt: Mehr Geld allein schafft keine besseren Ergebnisse. Es braucht ein transparentes, wirksames und glaubwürdiges Fördersystem. Bereits im Jahr 2021 hat die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in einem Antrag3 gefordert, ein öffentliches Transparenzportal für die Spitzensportförderung einzurichten. Schon damals wurde erkannt, dass intransparente Entscheidungen das Vertrauen der Athlet*innen, der Verbände und der Öffentlichkeit untergraben. Dass die damalige schwarz-rote Regierung diesen Impuls nicht aufgegriffen hat, erweist sich heute als Versäumnis. Der von der Ampel-Regierung 2023/2024 vorgelegte Entwurf für ein Sportfördergesetz4 war ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Er sah die Gründung einer unabhängigen Spitzensport-Agentur vor, die Förderung aus einer Hand, verbindliche Transparenz, Evaluation und die Stärkung der Athlet*innenrechte. Dieses Gesetz hätte die Strukturen grundlegend modernisiert. Nun hat die schwarz-rote Koalition einen eigenen Reformweg angekündigt. Der deutsche Spitzensport darf nicht erneut Opfer von halbherzigen Reformversuchen werden. Transparenz, Beteiligung der Athlet*innen und eine wirksame Mittelvergabe müssen im Zentrum stehen. 1 www.dosb.de/aktuelles/news/detail/deutscher-sport-wird-2010-mit-141-mio-euro-gefoerdert 2 www.bundeshaushalt.de/static/daten/2023/soll/epl06.pdf 3 Bundestagsdrucksache 19/26528 4 www.bmi.bund.de/SharedDocs/gesetzgebungsverfahren/DE/Downloads/referentenentwuerfe/SP1/spofoeg- ref1.pdf?__blob=publicationFile&v=3 Deutscher Bundestag Drucksache 21/4292 21. Wahlperiode 24.02.2026 II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf, 1. Transparenz zu einem Leitprinzip der Spitzensportförderung zu machen, indem a) ein öffentlich zugängliches Transparenzportal geschaffen wird, das Förderentscheidungen, Mittelverteilungen, Zielvereinbarungen und Evaluationsergebnisse digital und barrierefrei dokumentiert; b) sämtliche Förderkriterien, Bewertungsverfahren und PotAS-Ergebnisse veröffentlicht werden; 2. die Rolle der Athletinnen und Athleten verbindlich zu stärken, indem a) Athletinnenvertretungen mit Stimmrecht in die Entscheidungsgremien der Spitzensportförderung eingebunden werden; b) die Rechte und Interessen der Athletinnen in allen Zielvereinbarungen und Förderentscheidungen systematisch berücksichtigt werden; 3. die im SpoFöG-Entwurf der Ampelregierung vorgesehenen Elemente einer unabhängigen sportfachlichen Steuerung und Evaluation umzusetzen, indem a) die Bundesregierung dem Deutschen Bundestag jährlich einen Zwischenbericht zur Spitzensportförderung vorlegt; b) eine unabhängige wissenschaftliche Begleitung sämtlicher Reformmaßnahmen gewährleistet wird; 4. die Bindung der Förderung an Integritäts- und Werteziele abzusichern, insbesondere in Bezug auf a) Doping- und Manipulationsfreiheit; b) Gleichstellung und Diversität; c) Nachhaltigkeit und Klimaschutz; 5. die parlamentarische Begleitung der Spitzensportreform so auszugestalten, dass eine regelmäßige Kontrolle und gegebenenfalls Nachsteuerung durch den Deutschen Bundestag sichergestellt ist; 6. die seit 2001 nicht mehr erhobene Sportstättenstatistik von Bund und Ländern mit weiterführenden Angaben wieder einzurichten und zu veröffentlichen. Berlin, den 24. Februar 2026 Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion Begründung Die Spitzensportförderung des Bundes ist seit vielen Jahren durch ein Missverhältnis zwischen steigenden Mitteln und stagnierenden Ergebnissen geprägt. Während die Förderung von rund 145 Millionen Euro im Jahr 2010 auf über 300 Millionen Euro im Jahr 2023 anwuchs, blieb die sportliche Bilanz bei Olympischen und Paralympischen Spielen und Weltmeisterschaften nahezu unverändert. Medaillen und Finalplatzierungen stiegen nicht im Verhältnis zum Mitteleinsatz. Diese Entwicklung verdeutlicht, dass finanzielle Aufwüchse allein nicht zu besseren Ergebnissen führen, wenn die Steuerung der Mittelvergabe intransparent bleibt und die Bedürfnisse der Athletinnen und Athleten nicht ausreichend berücksichtigt werden. Die Reform von 2016 mit der Einführung des Potenzialanalysesystems PotAS war ein erster Versuch, die Förderung auf eine sachlichere Grundlage zu stellen. Sie konnte aber die grundlegenden Probleme bisher nicht lösen, da Förderentscheidungen weiterhin nur schwer nachvollziehbar blieben, Verantwortlichkeiten unklar verteilt waren und die Stimme der Athlet*innen zu schwach blieb. Bereits im Jahr 2021 hat die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN daher in einem Antrag5 gefordert, ein öffentliches Transparenzportal einzurichten, das Förderentscheidungen und Zielvereinbarungen offenlegt. Diese vorausschauende Forderung wurde damals von der Regierungsmehrheit abgelehnt, erweist sich aber heute mehr denn je als zwingend notwendig. Mit dem von der Ampelregierung 2023/2024 vorgelegten Gesetzentwurf für ein Sportfördergesetz war ein entscheidender Schritt hin zu einer grundlegenden Reform in Reichweite. Die geplante unabhängige Spitzensport-Agentur, die verbindliche Transparenz, Evaluation und Athlet*innenbeteiligung verankert hätte, stellte einen Meilenstein für eine moderne Spitzensportförderung dar. Die aktuelle schwarz-rote Koalition hat zwar einen eigenen Reformweg angekündigt, im aktuellen Haushalt jedoch sämtliche Mittel für die geplante Agentur auf 0 Euro gestrichen. Damit droht ausgerechnet der zentrale Hebel für Transparenz und unabhängige Steuerung ersatzlos zu entfallen. Zahlreiche Expertinnen und Experten haben in den vergangenen Jahren immer wieder betont, wie dringend notwendig Transparenz, Mitbestimmung und Wertebindung in der Sportförderung sind. Transparency International Deutschland verweist in seinem „Good Governance Handbook“ auf die zentrale Bedeutung von Transparenz, klaren Entscheidungsprozessen und Rechenschaftspflicht, um Vertrauen in den Sport und seine Institutionen herzustellen. Auch Athlet*innen selbst haben wiederholt auf Defizite hingewiesen.6 Athleten Deutschland, erklärte etwa im Deutschlandfunk, dass Reformen nicht an verhärteten Gremienstrukturen scheitern dürften, sondern an der sportfachlichen Kompetenz und der Beteiligung der Athlet*innen ausgerichtet sein müssten.7 Ergänzend zeigt der internationale Sport Transparency Index der Sport Integrity Global Alliance, dass gerade unabhängige Kontrollinstrumente und Benchmarking-Werkzeuge entscheidend sind, um Integrität und Vertrauen zu sichern. All diese Einschätzungen belegen, dass ein Festhalten am bisherigen, intransparenten System keine Option ist.8 Die Lösung liegt in der konsequenten Verankerung von Transparenz, Athlet*innenbeteiligung, unabhängiger Evaluation und klarer Bindung der Förderung an Integritätsstandards. Ein öffentlich zugängliches Transparenzportal würde nachvollziehbar machen, wie Förderentscheidungen zustande kommen und wie Mittel verteilt werden. Verbindliche Mitspracherechte der Athlet*innen in den Entscheidungsgremien würden sicherstellen, dass diejenigen, um deren Karrieren es geht, endlich gleichberechtigt beteiligt werden. Jährliche Berichte an den Bundestag sowie eine unabhängige wissenschaftliche Begleitung würden ermöglichen, die Wirksamkeit der eingesetzten Mittel laufend zu überprüfen und Fehlentwicklungen frühzeitig zu korrigieren. Die Kopplung der Förderung an Gleichstellung, Diversität, Manipulationsfreiheit und Nachhaltigkeit würde sicherstellen, dass der Spitzensport auch gesellschaftlich zukunftsfest aufgestellt ist. Eine Rückkehr zur reinen ministeriellen Steuerung ohne Transparenz und Mitbestimmung würde die alten Fehler nur fortschreiben und die Akzeptanz weiter untergraben. Eine glaubwürdige Spitzensportförderung, die sich dem Anspruch der Öffentlichkeit stellt, braucht ein offenes und überprüfbares System. Die zusätzlichen Kosten für Transparenzinstrumente und Evaluation sind im Vergleich zu den jährlich über 300 Millionen Euro Spitzensportförderung gering und können durch Umschichtungen im Haushalt, getragen werden. Langfristig sind sogar Effizienzgewinne zu erwarten, weil Fehlallokationen und Doppelstrukturen vermieden werden. Damit zeigt sich, die Verankerung von Transparenz, Mitbestimmung und Wertebindung ist keine bloße Detailfrage, sondern die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Spitzensportförderung. Nur wenn Athlet*innen, Politik und Gesellschaft nachvollziehen können, wie und wofür öffentliche Mittel eingesetzt werden, entsteht das Vertrauen, das für Spitzenleistungen und eine starke Verankerung des Sports in der Gesellschaft notwendig ist. 5 Bundestagsdrucksache 19/26528 6 www.transparency.de/fileadmin/Redaktion/Publikationen/2021/GoodGovernance-in-Sports-Organisations.pdf 7 www.deutschlandfunk.de/sportfoerderung-johannes-herber-100.html 8 https://siga-sport.com/press-releases/sport-transparency-index-launches-with-ac-milan-juventus-german-and-slovenian-sport- federationsamong-most-transparent-sport-organisations-in-europe/ Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de ISSN 0722-8333

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