Öffentliche Mittel, öffentliche Kontrolle - Transparenz im Spitzensport und Individualförderung für Athletinnen und Athleten
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Öffentliche Mittel, öffentliche Kontrolle - Transparenz im Spitzensport und Individualförderung für Athletinnen und Athleten
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2306
21. Wahlperiode 20.10.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Tina Winklmann, Dr. Ophelia Nick, Helge Limburg, Sascha
Müller, Dr. Sebastian Schäfer und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Öffentliche Mittel, öffentliche Kontrolle – Transparenz im Spitzensport und
Individualförderung für Athletinnen und Athleten
Der Spitzensport in Deutschland genießt hohe Aufmerksamkeit und große
öffentliche Unterstützung. Olympische und Paralympische Erfolge und
Weltmeistertitel prägen das Bild nach außen, im Inneren jedoch werden seit Jahren
immer wieder Strukturen sichtbar, die mit den Grundsätzen von Transparenz,
Fairness und Nachvollziehbarkeit nicht vereinbar sind. Entscheidungen über
die Vergabe von Fördermitteln, die Einstufung von Kaderzugehörigkeiten oder
die Bewertung von Leistungen fallen in Prozessen, die für Athletinnen und
Athleten sowie für das Parlament und die Öffentlichkeit nicht öffentlich
zugänglich und daher nur eingeschränkt nachvollziehbar sind.
Wer als Gesellschaft den Spitzensport fördert und erhebliche öffentliche Mittel
dafür bereitstellt, darf erwarten, dass Athletinnen und Athleten ebenso wie die
Öffentlichkeit nachvollziehen können, warum Gelder in bestimmter Höhe an
einzelne Verbände vergeben werden. Transparenz ist hier keine freiwillige
Zusatzleistung, sondern Ausdruck demokratischer Rechenschaftspflicht. Nur
wenn die Verwendung öffentlicher Gelder überprüfbar ist, kann dauerhaft
Vertrauen entstehen, bei den Athletinnen und Athleten, bei den Verbänden und
nicht zuletzt in der Gesellschaft, die für diesen Sport brennt, diesen trägt und
finanziert.
Seit langem fordert die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN deshalb ein
Transparenzportal für die Mittelvergabe im Spitzensport. Ein solches Portal
würde nicht nur sichtbar machen, welche Verbände wie hoch gefördert werden
und nach welchen Kriterien diese Entscheidungen getroffen werden. Es würde
auch denjenigen, die im Mittelpunkt des Sports stehen, endlich ermöglichen
nachzuvollziehen, weshalb ihr Verband bestimmte Summen erhält oder warum
Förderungen gekürzt werden. Transparenz stärkt damit nicht nur die
demokratische Kontrolle, sondern auch die Rechte und die Position der Athletinnen und
Athleten selbst.
Die Bundesregierung hat bislang keine überzeugenden Schritte unternommen,
diese Transparenz herzustellen. Zwar wird betont, dass Athletinnen und
Athleten stärker in den Mittelpunkt gestellt werden sollen, doch bleibt offen, wie
diese Ankündigungen mit Leben gefüllt werden. Ein echter Kulturwandel im
Sport wird nur möglich sein, wenn Nachvollziehbarkeit und Offenheit zum
verbindlichen Standard werden. Ein transparentes Fördersystem würde nicht nur
die demokratische Kontrolle stärken, sondern auch die Athletinnen und
Athleten selbst. Es würde so den Weg bereiten für einen Spitzensport, der fairer,
glaubwürdiger und zukunftsfähiger ist.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Aus welchen Haushaltstiteln im Bundeshaushalt und in welcher Höhe
erfolgen die Förderung, Versorgung und Unterstützung von Athletinnen und
Athleten (bitte tabellarischdie Haushaltstitel und Haushaltsansätze seit
2017 auflisten)?
2. Aus welchen Haushaltstiteln im Bundeshaushalt und in welcher Höhe
werden Maßnahmen zur dualen Karriereplanung von Athletinnen und
Athleten gefördert (bitte tabellarisch die Haushaltstitel und
Haushaltsansätze seit 2017 auflisten)?
3. Wie verteilt sich seit 2017 die Förderung auf Athletinnen und Athleten der
olympischen, nichtolympischen, paralympischen und vorübergehend
olympischen Verbände sowie der Verbände mit besonderen Aufgaben?
4. Welche Rechtsgrundlagen liegen der Förderung, Versorgung,
Unterstützung und den Maßnahmen im Rahmen der dualen Karriereplanung der
Athletinnen und Athleten zugrunde?
5. Auf welche Weise stellt die Bundesregierung sicher, dass bei Erfolgen in
einzelnen Wettkampfdisziplinen und Disziplingruppen eine Anpassung
der Verbändeförderung vorgenommen wird, auch wenn das
Potenzialanalysesystem (PotAS) die Behindertensportverbände nicht berücksichtigt?
6. Nach welchen Kriterien erfolgt die Zuwendung der Fördermittel auf die
Sportverbände und auf weitere Zuwendungsempfänger, und in welchem
Turnus überprüft die Bundesregierung, ob diese Aufteilung den
angestrebten Zielstellungen sowie dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit
entspricht?
7. In welchem Umfang führt die Bundesregierung eine Überprüfung und
Berichterstattung zur Analyse der unmittelbaren Athletinnen- und
Athletenförderung durch die Stiftung Deutsche Sporthilfe durch, und nach
welchen Maßstäben erfolgt diese Überprüfung?
8. Wie bewertet die Bundesregierung die Vorschläge der Stiftung Deutsche
Sporthilfe vom 24. September 2025 (www.sporthilfe.de/fileadmin/pdf/Spo
rthilfe-Positionspapier_fuer_den_Spitzensport_von_morgen.pdf):
a) Einführung eines Individualbudgets für Athletinnen und Athleten?
b) Ausweitung des Versicherungsschutzes für Athletinnen und Athleten?
c) Erhöhung der Grundförderung für Athletinnen und Athleten?
d) Einführung der Steuerfreiheit für Prämienzahlungen an Athletinnen
und Athleten?
9. Welche Position bzw. Positionen hat die Staatsministerin für Sport und
Ehrenamt im Entstehungsprozess des Positionspapiers im Aufsichtsrat der
Stiftung Deutsche Sporthilfe vertreten?
10. Welche Rechtsgrundlage ist maßgeblich für eine Steuerbefreiung von
Prämienzahlungen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, und in
welchen Wirtschafts- und Arbeitsbereichen wird eine Steuerbefreiung
gewährt?
11. Über welche Erkenntnisse verfügt die Bundesregierung hinsichtlich des
Verhältnisses zwischen dem Budget der „Duale Karriere-
Individualförderung“ (DK-I) und den Förderplätzen der Bundeswehr,
insbesondere in Bezug auf Erfolgsquoten bei Medaillengewinnen?
12. Seit wann hat die Bundesregierung das Budget bzw. die Zahl der
Förderplätze der DK-I zuletzt erhöht, und in welchem Umfang erfolgte diese
Erhöhung?
13. Seit wann hat die Bundesregierung die Zahl der Förderplätze der
Bundeswehrförderung zuletzt erhöht, und in welchem Umfang erfolgte diese
Erhöhung?
14. In welcher Weise beabsichtigt die Bundesregierung, die Entwicklung von
DK-I und Bundeswehrförderung künftig aufeinander abzustimmen?
15. Über welche Erkenntnisse verfügt die Bundesregierung dazu, ob die DK-I
einen verhältnismäßigen Anteil von Athletinnen und Athleten des
Behindertensports erfasst?
16. Aus welchen Gründen beschränkt die Bundesregierung die DK-I auf den
Individualsport, während die Bundeswehrförderung Athletinnen und
Athleten aller Sportarten bei individuell erfüllten Kriterien umfasst?
Berlin, den 16. Oktober 2025
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
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ISSN 0722-8333]
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