Eröffnung des 16. Bauabschnitts der A100 in Berlin trotz Stauprognose
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Eröffnung des 16. Bauabschnitts der A100 in Berlin trotz Stauprognose
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/3986
21. Wahlperiode 04.02.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Swantje Henrike Michaelsen, Tarek Al-Wazir, Victoria Broßart,
Matthias Gastel, Dr. Andreas Audretsch, Dr. Moritz Heuberger, Julia Schneider,
Hanna Steinmüller und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Eröffnung des 16. Bauabschnitts der Autobahn 100 in Berlin trotz Stauprognose
Am 27. August 2025 eröffneten der Bundesminister für Verkehr Patrick
Schnieder und Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner den 16.
Bauabschnitt der Autobahn 100 (A 100), der Berlins Stadtautobahn von Neukölln bis
zum Treptower Park verlängert. In den Wochen und Monaten zuvor hatten
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN aus dem Abgeordnetenhaus und Initiativen
davor gewarnt, dass eine Eröffnung der Autobahnverlängerung vor Fertigstellung
der Elsenbrücke die umliegenden Straßen und Bezirke mit dem neu von der
Autobahn abfließenden Verkehr überlasten und damit ins Verkehrschaos
stürzen würde (https://taz.de/16-Bauabschnitt-der-A100/!6040801/). In den Tagen
und Wochen nach der Eröffnung bestätigte sich diese Prognose, die
Verkehrslage verschlechterte sich erheblich (www.rbb24.de/panorama/beitrag/2025/09/sta
dtautobahn-staus-berlin-a100-verlaengerung-kritik.html).
Ende Dezember 2025 wurde eine Verkehrssimulation öffentlich, deren Existenz
die Autobahn GmbH zunächst geleugnet hatte (www.tagesspiegel.de/berlin/situ
ation-wurde-als-beherrschbar-angesehen-bund-und-senat-nahmen-warnung-vo
r-a100-verkehrschaos-nicht-ernst-15138248.html). Aus dieser geht hervor, dass
neun bzw. zehn der Knotenpunkte um die Anschlussstelle mit der schlechtesten
Qualitätsstufe F bewertet worden waren. Diese entspricht stetig wachsendem
Rückstau und sehr langen Wartezeiten für die Autofahrerinnen und Autofahrer
(Handbuch für die Bemessung von Straßenverkehrsanlagen – HBS).
Entsprechend attestiert die Simulation selbst „erwartbar sehr hohe negative
Auswirkungen“ für den Berliner Verkehr.
Dass der 16. Bauabschnitt der A 100 trotzdem in Betrieb genommen wurde, hat
handfeste negative Folgen für das Leben der Anwohnerinnen und Anwohner
und Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer: Dazu gehören schlechte
Luft, eine Zunahme des Straßenverkehrslärms, Verspätungen und Ausfälle im
Busverkehr sowie eine deutlich erhöhte Unfallgefahr. Eine Antwort des
Berliner Senats auf eine Schriftliche Anfrage der Abgeordneten Antje Kapek
(BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) zeigt, dass es in den Wochen nach der
Inbetriebnahme zu 102 sVerkehrsunfällen im Umfeld der Anschlussstelle kam, das
sind 30 Unfälle mehr als im Vorjahreszeitraum (https://pardok.parlament-berli
n.de/starweb/adis/citat/VT/19/SchrAnfr/S19-24457.pdf). Außerdem ist die Zahl
der Anzeigen wegen Verkehrsvergehen rund um die Elsenbrücke in Berlin-
Treptow sprunghaft angestiegen: Im August 2025 gab es nach Polizeiangaben
38 entsprechende Anzeigen, zwei Monate nach der Eröffnung des 16.
Bauabschnitts dann rund 650 – das ist mehr als das 16-Fache (www.berliner-zeitun
g.de/news/verkehrschaos-an-der-elsenbruecke-16-mal-mehr-anzeigen-wegen-v
erkehrsverstoessen-li.10011436).
Die Inbetriebnahme des 16. Bauabschnitts der A 100 trotz prognostiziertem
Verkehrskollaps wurde Presseberichten zufolge von der bundeseigenen
Autobahn GmbH forciert, um laufende Kosten für die Verkehrssicherung und den
Objektschutz einzusparen (www.tagesspiegel.de/berlin/situation-wurde-als-beh
errschbar-angesehen-bund-und-senat-nahmen-warnung-vor-a100-verkehrschao
s-nicht-ernst-15138248.html). Aus Sicht der fragestellenden Fraktion ist die
Eröffnung des 16. Bauabschnitts der A 100 ein besonders problematisches
Beispiel dafür, dass der Bund Kommunen mit den negativen Folgen seiner
Straßenneu- und Straßenausbauprojekte allein lässt.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Schlüsse leitete die Autobahn GmbH des Bundes aus der von ihr
durchgeführten Verkehrssimulation bezüglich der Inbetriebnahme des
16. Bauabschnitts der A 100 ab?
2. Wie begründet die Bundesregierung die Inbetriebnahme des 16.
Bauabschnitts der A 100, obwohl die Verkehrssimulation für neun bzw. zehn
von 31 Knotenpunkten Stau prognostiziert hatte und damit absehbar war,
dass Anwohnerinnen und Anwohner und Verkehrsteilnehmerinnen und
Verkehrsteilnehmer erheblich unter den Folgen der Eröffnung leiden
würden?
3. Wer hat die Entscheidung zur Inbetriebnahme des 16. Bauabschnitts der
A 100 getroffen, und welche Rolle spielte das Bundesministerium für
Verkehr bei dieser Entscheidung?
4. Sind Presseberichte zutreffend, nach denen eine Verschiebung der
Inbetriebnahme des 16. Bauabschnitts der A 100 wegen laufender Kosten für
Verkehrssicherung und Objektschutz für die Autobahn GmbH des Bundes
nicht infrage kam (vgl. Bericht des Tagesspiegels vom 19. Januar 2026)?
5. Welchen Austausch zwischen der Senatsverwaltung für Mobilität,
Verkehr, Klimaschutz und Umwelt und der Autobahn GmbH des Bundes hat
es im Vorfeld der Inbetriebnahme des 16. Bauabschnitts der A 100 im
August 2025 zu den Randbedingungen im nachgeordneten Straßennetz und
dessen Aufnahmefähigkeit gegeben?
6. Hat es seitens der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz
und Umwelt gegenüber der Autobahn GmbH des Bundes Hinweise auf
die zu erwartende unzureichende Verkehrsqualität an Knotenpunkten im
Falle der Inbetriebnahme des 16. Bauabschnitts der A 100 gegeben, und
wenn ja, welche Alternativen wurden im Lichte dieser Erkenntnisse
ausgelotet?
7. Welche Abstimmungen zu welchen Themen und Fragestellungen gab es
zwischen der Autobahn GmbH des Bundes, dem Bundesministerium für
Verkehr und dem Fernstraßenbundesamt im Hinblick auf die
Inbetriebnahme des 16. Bauabschnitt der A 100, die Einhaltung der Bestimmung des
Planfeststellungsbeschlusses oder die Leistungsfähigkeit des
nachgeordneten Stadtstraßennetzes im Umfeld der Anschlussstelle Treptower Park?
8. Wie begründet die Autobahn GmbH des Bundes ihre widersprüchliche
Kommunikation, also dass sie zunächst behauptet hatte, es gäbe keine
aktuelle Verkehrssimulation und keine 24 Stunden später eine Simulation
an eine Vielzahl von Pressevertreterinnen und Pressevertreter verschickt
hat?
9. Stellt der Bund den Kommunen regelmäßig Mittel zur baulichen
Anpassung von Anschlussbereichen zur Abwicklung des durch seine Neu- und
Ausbauprojekte induzierten Mehrverkehrs zur Verfügung, und wenn ja, in
welchen Projekten hat der Bund dies seit 2015 getan (bitte Projekte mit
Angabe des Straßentyps [Bundesstraße in kommunaler Verwaltung,
Kreisstraße oder Gemeindestraße] und der übernommenen Kosten auflisten)?
10. Mit welchen konkreten Maßnahmen unterstützt der Bund bzw. die
Autobahn GmbH das Land Berlin bzw. die betroffenen Bezirke bei der
Bewältigung des durch die Inbetriebnahme des 16. Bauabschnitts der A 100
verursachten Verkehrschaos (bitte Maßnahmen einzeln auflisten)?
11. Verfolgt die Bundesregierung angesichts der massiven Konflikte rund um
den 17. Bauabschnitt der A 100 die Planung desselben weiter, und wenn
ja, welchen Planungsstand hat der 17. Bauabschnitt der A 100 erreicht?
12. Wann wird die Autobahn GmbH die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie
zum 17. Bauabschnitt der A 100 veröffentlichen?
13. Mit welchen Baukosten rechnet die Bundesregierung für den 17.
Bauabschnitt der A 100 auf Basis der aktuell gültigen Kostenermittlung (bitte
Datum der Kostenermittlung nennen)?
Berlin, den 28. Januar 2026
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
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ISSN 0722-8333]
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