Wärmepumpenoffensive - Heizungsindustrie und Zukunftstechnologien in Deutschland halten
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Wärmepumpenoffensive - Heizungsindustrie und Zukunftstechnologien in Deutschland halten
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/3317
21. Wahlperiode 16.12.2025
Antrag
der Abgeordneten Dr. Alaa Alhamwi, Dr. Sandra Detzer, Sandra Stein,
Dr. Julia Verlinden, Michael Kellner, Katrin Uhlig, Julian Joswig, Lisa Badum,
Swantje Henrike Michaelsen, Claudia Müller, Lisa Paus, Kassem Taher Saleh
und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Wärmepumpenoffensive – Heizungsindustrie und Zukunftstechnologien in
Deutschland halten
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Deutschland besitzt im Bereich der Wärmepumpentechnologie eine herausragende
technologische Kompetenz. Keine andere Technologie kann so effizient aus einer
Einheit Strom drei Einheiten Wärme erzeugen. Deutsche Wärmepumpenhersteller sind
Weltspitze bei Innovation und hoher Qualität, insbesondere bei Luft-Wasser- und
industriellen Wärmepumpen. Neben hocheffizienten Wärmepumpen in Privathaushalten
zeigt auch eine wachsende Zahl von innovativen Großprojekten, was die Branche
kann: In Deutschland speisen Großwärmepumpen (unter anderem in Kombination mit
Geothermie) in regionale Fernwärmenetze ein, in Helsinki und dem dänischen Esbjerg
halten Großwärmepumpen aus deutscher Herstellung die Wohnungen warm.
Durch die andauernde Unklarheit, in Bezug auf die angekündigte „Abschaffung des
Heizungsgesetzes“ und Reform des Gebäudeenergiegesetzes, hat die Bundesregierung
aber in der Branche und bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern große
Verunsicherung erzeugt, was Investitionen, Kaufentscheidungen und die Weiterentwicklung
des Marktes deutlich gehemmt hat.
Deutschland verliert dadurch derzeit an Tempo und Relevanz im internationalen
Wettbewerb, insbesondere gegenüber Ländern wie China. Ohne Planungssicherheit wird
die Wärmepumpenbranche in Deutschland ihr wirtschaftliches Potenzial nicht voll
ausschöpfen können. Aktuell beschäftigt die deutsche Wärmepumpenindustrie mehr
als 25.000 Personen und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund 2,5 Milliarden
Euro (www.waermepumpe.de/fileadmin/user_upload/waermepumpe/07_
Publikationen/Sonstige/Branchenstudie_2025.pdf). Schlimmstenfalls droht der Industrie ein
ähnliches Schicksal wie der europäischen Solarindustrie in den 2000er Jahren.
Aufgrund staatlicher Unterstützung und niedrigerer Produktionskosten in China wanderte
die Wertschöpfung von Solarmodulen ab. Dadurch gingen allein in Deutschland rund
80.000 Arbeitsplätze verloren (www.thepioneer.de/originals/thepioneer-expert/
articles/europa-braucht-wieder-eine-heimische-solarindustrie) und Europa machte sich
stark von chinesischen Importen abhängig. Dies gilt es bei der Wärmepumpenbranche
zu verhindern. Die Transformation des Heizungsmarktes hin zu erneuerbaren
Technologien sowie die Produktion und Wertschöpfung muss in Deutschland und Europa
stattfinden, um unsere Klimaziele zu erreichen und die Wettbewerbsfähigkeit der
heimischen Industrie zu sichern. Darüber hinaus wird dadurch die Abhängigkeit von
teuren, fossilen Gasimporten reduziert und die Bezahlbarkeit warmer Wohnungen
gesichert.
Auch Handwerksbetriebe leiden unter der allgemeinen Verunsicherung und
Zurückhaltung bei Investitionen in die Wärmewende. Handwerkerinnen und Handwerker
beraten die Menschen vor Ort, bauen die Heiztechnologien ein und warten diese. Die
Betriebe haben massiv in Weiterbildung investiert und sich auf eine steigende
Nachfrage nach Wärmepumpen eingestellt, weshalb auch das Handwerk verlässliche
Rahmenbedingungen und Förderkulissen brauchen.
Die Wärmepumpe war im ersten Halbjahr 2025 mit 139.000 Einheiten die am
häufigsten verkaufte Heizungsart. Das ist ein Erfolg der Wärmewende, die in der vergangenen
Legislaturperiode durch die bündnisgrüne Regierungsbeteiligung ins Rollen gebracht
wurde. Davon profitieren auch die Menschen in Deutschland: Wärmepumpen
(insbesondere Luft-Wasser-Wärmepumpen) sind langfristig kostengünstiger als Gas-
Brennwertheizungen. Im Moment herrscht aber aufgrund der fehlenden politischen Klarheit
der Bundesregierung beim Gebäudeenergiegesetz und der zugehörigen Förderung eine
Kaufzurückhaltung bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern – mit negativen
Folgen für Handwerk, Industrie und die Wärmewende.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. die Vorgabe zum Anteil von mindestens 65 Prozent Erneuerbare Energien im
§ 71 des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) beizubehalten, um die Klimaziele im
Gebäudesektor zu erreichen und die Transformation des Heizungsmarktes durch
mehr Planungssicherheit weiter voranzutreiben;
2. eine nationale Wärmepumpenstrategie zu entwickeln, damit Deutschland einer
der führenden Anbieter für Wärmepumpentechnologien bleibt. Diese Strategie
sollte Marktanreize, Forschungsförderung und klare Zielvorgaben umfassen, um
die Technologie breit zu etablieren, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen
Unternehmen in Industrie, Mittelstand und Handwerk bei dieser wichtigen
Klimatechnologie zu stärken und damit auch Knowhow in Deutschland zu sichern;
3. das „Aufbauprogramm Wärmepumpe“ wiedereinzuführen und verlässlich zu
finanzieren, um sicherzustellen, dass ausreichend qualifizierte Fachkräfte für die
Wärmewende und den Heizungstausch zur Verfügung stehen, indem jährlich
rund 21.000 Fachkräfte im Bereich Wärmepumpen qualifiziert werden sowie den
Aufbau der Work-and-Stay-Agentur zügig voranzutreiben, um das Potential der
Digitalisierung, Effizienzsteigerung und Zentralisierung bei der
Fachkräfteeinwanderung zu entfalten und somit auch für das Handwerk eine schnellere und
unkomplizierte Anerkennung ausländischer Qualifikationen zu ermöglichen;
4. die Mittel für eine sozial gestaffelte Bundesförderung für effiziente Gebäude
(BEG) aufzustocken, damit mindestens 500.000 Wärmepumpen pro Jahr
eingebaut werden. So wird die breite Marktdurchdringung der Wärmepumpe gefördert
und auch Menschen mit begrenzten finanziellen Ressourcen können ihre Heizung
austauschen;
5. die Stromsteuer für alle auf das europäische Mindestmaß zu senken. So werden
die Betriebskosten der Wärmepumpe noch günstiger und die Wärmepumpe
attraktiver für alle Haushalte.
Berlin, den 16. Dezember 2025
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Begründung
Die Wärmepumpentechnologie stellt einen entscheidenden Baustein in der Erreichung unserer Klimaziele im
Gebäudesektor dar. Deutschland hat in diesem Bereich weltweit anerkannte technologische Kompetenz
aufgebaut. Die Wärmepumpe ist nicht nur eine effiziente Möglichkeit zur Reduktion von CO₂-Emissionen, sondern
auch eine Möglichkeit zur Stabilisierung und Weiterentwicklung des deutschen Arbeitsmarkts und der deutschen
Industrie. Wenn Deutschland seine technologische und industrielle Führungsposition nicht nur bewahren,
sondern ausbauen will, müssen gezielte Marktanreize, Forschungsförderungen und klare Zielvorgaben her. Mit einer
klaren Wärmepumpenstrategie, der Wiedereinführung des „Aufbauprogramms Wärmepumpe“ und einer
verstärkten Förderung im Bereich Fachkräftequalifizierung kann Deutschland seine Vorreiterrolle im Bereich der
Wärmepumpentechnologie sichern. Ziel muss es sein, jährlich 500.000 Wärmepumpen zu installieren, wofür
rund 21.000 Fachkräfte pro Jahr qualifiziert werden müssen. Zudem braucht es Maßnahmen für Haushalte zur
Sicherung der Bezahlbarkeit der Wärmewende. Hierzu zählen insbesondere eine sozial gestaffelte
Heizungsförderung sowie die Senkung der Stromsteuer für alle. Durch die Senkung der Stromsteuer werden Betriebskosten
der Wärmepumpe gesenkt und das Strom-/Gaspreisverhältnis angepasst. Haushalte und Unternehmen werden
eher bereit sein, in diese Technologie zu investieren, wenn sie mit geringeren Betriebskosten rechnen können.
Dies fördert nicht nur die Umstellung auf erneuerbare Heizsysteme, sondern senkt auch den CO₂-Ausstoß im
Gebäudesektor und trägt so aktiv zur Erreichung unserer Klimaziele bei.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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