Planungssicherheit für den Wärmepumpenmarkt
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Planungssicherheit für den Wärmepumpenmarkt
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1218
21. Wahlperiode 13.08.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Dr. Alaa Alhamwi, Lisa Badum, Dr. Anton Hofreiter, Dr. Sandra
Detzer, Julian Joswig, Michael Kellner, Sandra Stein, Katrin Uhlig, Kassem Taher
Saleh, Dr. Julia Verlinden, Sylvia Rietenberg, Stefan Schmidt, Julia Schneider und
der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Planungssicherheit für den Wärmepumpenmarkt
Am Heizungsmarkt ist nach dem ersten Halbjahr 2025 ein Rückgang der
Anzahl fossiler Öl- und Gasheizungen zu verzeichnen, während die Absatzzahlen
von Wärmepumpen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 55 Prozent zugelegt
haben (www.waermepumpe.de/presse/pressemitteilungen/details/waermepump
e-belegt-erstmals-top-position-unter-den-verkauften-heizsystemen-verband-for
dert-klarheit-ueber-zukuenftige-rahmenbedingungen/). Die Wärmepumpe war
im ersten Halbjahr 2025 mit 139 000 Einheiten die am häufigsten verkaufte
Heizungsart. Zugleich schrumpfte der Heizungsmarkt in Summe um etwa
20 Prozent.
Der Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD kündigt eine
„Abschaffung des Heizungsgesetzes“ (S. 24) und die Schaffung eines neuen
Gebäudeenergiegesetzes (GEG) an. Hierdurch werden Verbraucherinnen und
Verbraucher laut Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) verunsichert,
was Investitionen in Heizung und Effizienzmaßnahmen hemmt (www.bdh-indu
strie.de/presse/pressemeldungen/artikel/heizungsmarkt-weiter-im-rueckwaertsg
ang-heizungsindustrie-fordert-schnell-klare-rahmenbedingungen).
Die Sektorziele des Bundes-Klimaschutzgesetzes (KSG) im Bereich Gebäude
werden nach aktuellen Prognosen verfehlt (www.umweltbundesamt.de/themen/
klima-energie/klimaschutz-energiepolitik-in-deutschland/szenarien-fuer-die-kli
maschutz-energiepolitik/integrierte-energie-treibhausgasprojektionen#--2).
Daher sind – laut Expertenrat für Klimafragen – Maßnahmen zur
Dekarbonisierung dieses Sektors notwendig (https://expertenrat-klima.de/content/uploads/20
25/06/ERK2025_Pruefbericht-Emissionsdaten-2024-Projektionsdaten-202
5.pdf). Der Heizungstausch ist eine dieser wichtigen Maßnahmen für eine
unabhängige, bezahlbare und erneuerbare Wärmeversorgung. Nur mit einer
zügigen und konsequenten Wärmewende kann Deutschland seine international
verbindlichen Klimaziele erreichen und sich dauerhaft von teuren fossilen
Lieferungen aus autokratischen Ländern lossagen.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Worauf sind die in der Vorbemerkung der Fragesteller beschriebenen
Trends am Heizungsmarkt nach Einschätzung der Bundesregierung
zurückzuführen, im Besonderen
a) der Rückgang beim Verkauf fossiler Öl- und Gasheizungen,
b) der Anstieg des Absatzes von Wärmepumpen,
c) der Rückgang der in Summe verkauften Heizsysteme?
2. Welchen politischen Handlungsbedarf sieht die Bundesregierung in Bezug
auf die aktuellen Entwicklungen am Heizungsmarkt bei gleichzeitiger
Einhaltung der verbindlichen Klimaziele?
3. Welche kumulative Emissionsminderungslücke ergibt sich nach Kenntnis
der Bundesregierung bis 2030, 2040 und 2045 aus dem weiterhin
stattfindenden Einbau neuer fossiler Öl- und Gasheizungen in Deutschland
(bitte nach Zieljahr aufschlüsseln), und wie viele CO2-Äquivalente spart
der Einbau einer Wärmepumpe anstelle einer fossilen Heizung über die
gesamte Laufzeit im Durchschnitt ein?
4. Welche Bedeutung misst die Bundesregierung dem Umstieg auf
Wärmepumpen bei, um Vorgaben zum Ausbau von erneuerbaren Energien im
Wärmesektor und zur Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden aus der EU-
Gebäudeenergierichtlinie (EPBD; Artikel 23 der Erneuerbare-Energien-
Richtlinie [RED], zuletzt geändert durch Richtlinie (EU) 2023/2413 und
Artikel 9 der Richtlinie (EU) 2024/1275) zu erfüllen?
5. Wie viele Beschäftigte arbeiten nach Kenntnis der Bundesregierung
derzeit in Deutschland in der Heizungsindustrie an der Herstellung von
Wärmepumpen, und wie haben sich diese Zahlen in den letzten zehn Jahren
entwickelt (bitte nach Kalenderjahr aufschlüsseln)?
6. Wie viele Beschäftigte sind nach Kenntnis der Bundesregierung insgesamt
in Deutschland an Herstellung, Vertrieb, Planung, Einbau und Wartung
von
a) Gas- und Ölheizungen und
b) Wärmepumpen beteiligt,
und wie haben sich diese Zahlen in den letzten zehn Jahren entwickelt
(bitte jeweils nach Kalenderjahr aufschlüsseln)?
7. Welche konkreten Maßnahmen ergreift die Bundesregierung zur
Fachkräftegewinnung und Fachkräftequalifizierung im Bereich der Installation und
Wartung von Wärmepumpen, um dem steigenden Bedarf in Zukunft
gerecht zu werden?
8. Wie hoch sind nach Kenntnis der Bundesregierung die Investitionen, die
Hersteller von Wärmepumpen seit 2022 in Produktionsstätten von
Wärmepumpen an Standorten in
a) Deutschland und
b) anderen EU-Mitgliedstaaten geleistet haben (bitte nach Art der
Leistung – Maschinen, Personal, Werkshallen etc. – auflisten)?
9. Wie bewertet die Bundesregierung die Wettbewerbssituation von
Heizungsherstellern mit Produktionsstätten für Wärmepumpen in
Deutschland im Vergleich zu 2024, und welche industriepolitische Unterstützung
benötigen diese Hersteller nach Einschätzung der Bundesregierung, um
ihre Wettbewerbssituation zu halten oder zu verbessern?
10. Welche Auswirkungen haben die internationalen Zollankündigungen der
USA auf die Hersteller von Wärmepumpen in Deutschland, und inwiefern
ist mit einem zunehmenden Wettbewerbsdruck durch Hersteller aus Asien
zu rechnen, welche Produkte fortan in Europa, statt in den USA auf den
Markt bringen?
11. Wie interpretiert die Bundesregierung den aus dem Koalitionsvertrag
zwischen CDU, CSU und SPD erwachsenen Auftrag zur „Abschaffung des
Heizungsgesetzes“ und der Schaffung „eines neuen GEG“, welche
konkreten Maßnahmen leiten sich hieraus ab, und welcher Zeitplan ist für die
Umsetzung vorgesehen?
12. Sieht die Bundesregierung einen Zusammenhang zwischen den
Ankündigungen zum GEG im Koalitionsvertrag und dem Rückgang der
Installationszahlen neuer Heizungen, und wenn ja, welchen?
13. Plant die Bundesregierung zur Umsetzung der Vorhaben aus dem
Koalitionsvertrag und zur Umsetzung der Vorgaben aus der EPBD, welche bis
Ende Mai 2026 in deutsches Recht umgesetzt werden müssen, eine oder
mehrere Novellen des Gebäudeenergiegesetzes, und zu wann ist die
Novelle bzw. sind die Novellen geplant?
14. In welcher Weise tragen die Vorgaben für neue Heizungen gemäß den
§§ 71 ff. GEG nach Ansicht der Bundesregierung zur Umsetzung von
Energieeinsparzielen im Gebäudebestand gemäß EPBD und zum Anstieg
des Anteils erneuerbarer Energien an der Wärmeversorgung von
Gebäuden gemäß RED bei?
15. Teilt die Bundesregierung die Rechtsauffassung im Rechtsgutachten von
Prof. Dr. Christian Calliess und Prof. Dr. Gregor Kirchhof vom März 2025
(https://klimaunion.de/klimaschutz-ist-verfassungsrecht-neue-gutachten-z
eigen-enge-grenzen-fuer-politik/), worin ein Rückschrittsverbot vertreten
wird, wonach der Gesetzgeber einmal erreichte Schutzstandards des
Klimaschutzes grundsätzlich nicht zurücknehmen darf, und wenn ja, welche
nicht zurücknehmbaren Schutzstandards ergeben sich aus den §§ 71 ff.
GEG, und wenn nein, warum nicht?
16. Wird die Bundesregierung den Heizungstausch von fossil betriebener zu
klimaneutraler Technologie weiter vorantreiben, und wenn ja, mit welchen
konkreten Maßnahmen?
17. Wie stellt die Bundesregierung sicher, dass die im Haushaltsentwurf 2026
geplante Kürzung der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG)
nicht zu sozialen Härten für einkommensschwache Haushalte führt, und
welche konkreten Maßnahmen sind zum sozialen Ausgleich geplant?
18. Welche Veränderungen in den Absatzzahlen erwartet die Bundesregierung
aufgrund der geplanten Mittelkürzungen für Gebäudeeffizienzförderung
im Haushalt 2026 in den nächsten vier Jahren für Wärmepumpen?
19. Wie bewertet die Bundesregierung den aktuellen Stand der
Marktentwicklung von Großwärmepumpen in Deutschland hinsichtlich Verfügbarkeit,
Produktionskapazitäten und Nachfrageentwicklung, insbesondere im
Vergleich zu anderen EU-Mitgliedstaaten?
20. Sieht die Bundesregierung den Bedarf, Maßnahmen zur verstärkten
Integration von Großwärmepumpen in die Kommunale Wärmeplanung zu
ergreifen, und wenn ja, welche Maßnahmen, und wenn nein, warum nicht?
21. Inwiefern wird die Bundesregierung Stadtwerke beim Ausbau von
Großwärmepumpen unterstützen und Großwärmepumpen spezifisch fördern
(beispielsweise durch eine spezifische Erhöhung der Bundesförderung
effiziente Wärmenetze – BEW)?
22. Hat die Bundesregierung konkrete Pläne zur Eigenkapitalstärkung von
Stadtwerken, und wenn ja, welche, und wenn nein, warum nicht?
Berlin, den 8. August 2025
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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