Die Zukunft des Einzelwagenverkehrs sichern - Wirtschaftsstandort Deutschland stärken und klimafreundliche Logistik ermöglichen
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Die Zukunft des Einzelwagenverkehrs sichern - Wirtschaftsstandort Deutschland stärken und klimafreundliche Logistik ermöglichen
[Antrag
der Abgeordneten Matthias Gastel, Victoria Broßart, Swantje Henrike
Michaelsen, Tarek Al-Wazir, Michael Kellner und der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Die Zukunft des Einzelwagenverkehrs sichern – Wirtschaftsstandort
Deutschland stärken und klimafreundliche Logistik ermöglichen
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Der Einzelwagenverkehr, also der Transport einzelner oder weniger Güterwagen, die
zu einem Zug zusammengestellt und an verschiedenen Orten wieder getrennt werden,
bildet eine wichtige Grundlage für viele Industriebranchen in Deutschland. Besonders
die Industrie in Deutschland ist auf zuverlässige Eisenbahntransporte angewiesen.
Diese Betriebe verfügen häufig nicht über Transportvolumina, die den Betrieb von
Ganzzügen wirtschaftlich machen. Der Einzelwagenverkehr ermöglicht ihnen
dennoch einen Zugang zur Schiene. Er stabilisiert regionale Wirtschaftskreisläufe und
trägt zu einem resilienten Logistiksystem bei.
In den vergangenen Jahren ist die wirtschaftliche Lage des Einzelwagenverkehrs
zunehmend unter Druck geraten. Hohe Kosten für personalintensive Rangierprozesse,
steigender Instandhaltungsaufwand sowie Trassenpreise, ein komplexer operativer
Betrieb und unzureichende Anreize für zusätzliche Transporte führen zu einer
angespannten Lage. Die Zukunft des Einzelwagenverkehrs hängt derzeit in hohem Maße von den
Geschäftsentscheidungen der DB Cargo AG ab sowie davon, ob und wie es
Wettbewerbsunternehmen schaffen, in dieses Segment (verstärkt) einzusteigen. Eine
verlässliche Perspektive besteht nicht. Dies birgt erhebliche Risiken für zahlreiche
Industriezweige und für die Zielsetzung, den Schienengüterverkehr insgesamt zu stärken.
Ein Abbau des Einzelwagenverkehrs würde zu zusätzlichem Verkehr auf der Straße
führen. Dies hätte höhere Emissionen, mehr Lärm und stärkere Belastungen der
Straßeninfrastruktur zur Folge. Viele Betriebe wären gezwungen, Transporte vollständig
auf Lkw zu verlagern oder sogar Standorte aufzugeben. Ein solcher Rückzug gefährdet
den Wirtschaftsstandort Deutschland und verschärft die Klimakrise.
Um den Einzelwagenverkehr nachhaltig zu sichern, sind Investitionen in technische
Innovationen notwendig. Die Digitale Automatische Kupplung, moderne
Rangiertechnik und kranbare Wageneinheiten können zu erheblichen Effizienzsteigerungen
führen. Gleichzeitig müssen bestehende Förderprogramme weiterentwickelt werden. Die
Gleisanschlussförderung ist ein weiteres Instrument, das dazu beiträgt,
Schienenzugänge zu erhalten oder neu zu schaffen.
Deutschland steht vor der Aufgabe, ein leistungsstarkes und zukunftsfähiges
Schienengüterverkehrssystem aufzubauen. Der Einzelwagenverkehr ist dafür unverzichtbar.
Deutscher Bundestag Drucksache 21/3041
21. Wahlperiode 02.12.2025
Mit klaren politischen Leitlinien, gezielten Fördermaßnahmen und einer strategischen
Weiterentwicklung der bestehenden Strukturen kann der Einzelwagenverkehr zu
einem modernen und dauerhaft tragfähigen Baustein der Verkehrswende werden.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. die Förderprogramme so auszugestalten, dass die unrentablen Fahrten an
Gleisanschlüsse auskömmlich werden und dabei Anreize gesetzt werden, zusätzliche
Verkehre auf die Schiene zu verlagern. Die Möglichkeit der Subvention der
Fahrten in die Gleisanschlüsse ist zu prüfen, wenn nachgewiesen wird, dass ein
dauerhaft eigenwirtschaftlich tragfähiges Modell nicht möglich ist;
2. einen verbindlichen Umsetzungsplan für die Digitale Automatische Kupplung
vorzulegen und die Finanzierung der notwendigen Umrüstungen beim
Wagenpark in Koordination mit der Europäischen Union sicherzustellen;
3. Maßnahmen für eine stärkere Verzahnung von Einzelwagenverkehr und
Kombiniertem Verkehr zu entwickeln. Dies umfasst die Einführung eines Pilotnetzes
von Umschlagpunkten und den Ausbau der Nutzung kranbarer Wageneinheiten;
4. die Gleisanschlussförderung fortzuführen, in Bereichen mit bestehenden
Einzelwagennetzwerken zu stärken und flexibler an den realen Problemen der
Unternehmen auszurichten;
5. die Rangierbahnhöfe nach dem Vorbild Österreich inklusive des Betriebs in die
Verantwortung des Infrastrukturbetreibers zu legen und somit die ausführenden
Eisenbahnverkehrsunternehmen von den Kosten zu entlasten;
6. sicherzustellen, dass die notwendige Logistik für die Industrie in Deutschland
gesichert wird und die entstehenden Kosten für den zwingend benötigten
Einzelwagenverkehr nicht allein den ausführendem Unternehmen DB Cargo überlassen
werden;
7. die Instandhaltungskapazitäten in ganz Deutschland zu sichern. Insbesondere in
Ostdeutschland dürfen vorhandene Kapazitäten und gewachsene Kompetenzen in
der Wagenwartung nicht aufgegeben werden. Dies würde die Logistik regionaler
Industriestandorte schwächen und zu unnötigen Überführungsfahrten im bereits
stark ausgelasteten Netz führen.
Berlin, den 2. Dezember 2025
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
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ISSN 0722-8333]
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