Die Bahn zum Rückgrat klima- und familienfreundlicher Mobilität machen (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/581)
Text
Die Bahn zum Rückgrat klima- und familienfreundlicher Mobilität machen (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/581)
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2108
21. Wahlperiode 08.10.2025
Beschlussempfehlung und Bericht
des Verkehrsausschusses (15. Ausschuss)
a) zu dem Antrag der Abgeordneten Matthias Gastel, Swantje Henrike
Michaelsen, Tarek Al-Wazir, weiterer Abgeordneter und der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
– Drucksache 21/581 –
Die Bahn zum Rückgrat klima- und familienfreundlicher Mobilität machen
b) zu dem Antrag der Abgeordneten Matthias Gastel, Dr. Paula Piechotta,
Tarek Al-Wazir, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN
– Drucksache 21/1544 –
Investitionen in die Erweiterung des Schienennetzes sicherstellen –
Deutschlandtakt auf den Weg bringen
A. Problem
Zu a)
Die Antragsteller haben einen Antrag eingebracht, mit dem die Bundesregierung
aufgefordert werden soll, die Bahn zum Rückgrat klima- und familienfreundlicher
Mobilität zu machen. Dafür soll die Bundesregierung unter anderem eine die
Interessen des Bundes an der Entwicklung des Eisenbahnverkehrs wahrende
Eigentümerstrategie für die Deutsche Bahn AG sowie eine Reform des
Trassenpreissystems vorlegen, einen überjährigen Eisenbahninfrastrukturfonds einrichten, an
den Reformen der LKW-Maut festhalten mit weiterhin hälftiger Verwendung für
die Verkehrsinfrastruktur für die Bundesstraßen und für die
Bundesschienenwege, gemeinsam mit dem Ländern die Mittel für den öffentlichen Verkehr
erhöhen, die Nutzung des Deutschlandtickets familienfreundlicher ausgestalten, das
Deutschlandticket zu einem stabilen Preis ermöglichen und den barrierefreien
Umbau von Bahnhöfen beschleunigen.
Zu b)
Die Antragsteller haben einen Antrag eingebracht, mit dem die Bundesregierung
aufgefordert werden soll, die Investitionsmittel für das deutsche Schienennetz
weiter zu erhöhen, die Gesamteinnahmen aus der Lkw-Maut je zur Hälfte für
Investitionen in die Bundesfernstraßen und die Bundesschienenwege zu verwenden
sowie konkrete Vorhaben des Bedarfsplans Schiene voranzutreiben.
B. Lösung
Zu a)
Ablehnung des Antrags auf Drucksache 21/581 mit den Stimmen der
Fraktionen der CDU/CSU, AfD und SPD gegen die Stimmen der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bei Stimmenthaltung der Fraktion Die Linke.
Zu b)
Ablehnung des Antrags auf Drucksache 21/1544 mit den Stimmen der
Fraktionen der CDU/CSU, AfD und SPD gegen die Stimmen der Fraktionen
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke.
C. Alternativen
Annahme der Anträge.
D. Kosten
Wurden nicht erörtert.
Beschlussempfehlung
Der Bundestag wolle beschließen,
a) den Antrag auf Drucksache 21/581 abzulehnen;
b) den Antrag auf Drucksache 21/1544 abzulehnen.
Berlin, den 8. Oktober 2025
Der Verkehrsausschuss
Tarek Al-Wazir
Vorsitzender
Michael Donth
Berichterstatter
Bericht des Abgeordneten Michael Donth
I. Überweisung
Zu a)
Der Deutsche Bundestag hat den Antrag auf Drucksache 21/581 in seiner 14. Sitzung am 26. Juni 2025 beraten
und dem Verkehrsausschuss zur federführenden Beratung sowie dem Ausschuss für Bildung, Familie, Senioren,
Frauen und Jugend zur Mitberatung überwiesen.
Zu b)
Der Deutsche Bundestag hat den Antrag auf Drucksache 21/1544 in seiner 21. Sitzung am 11. September 2025
beraten und dem Verkehrsausschuss zur federführenden Beratung sowie dem Haushaltsausschuss zur Mitberatung
überwiesen.
II. Wesentlicher Inhalt der Vorlagen
Zu a)
Die Antragssteller fordern, eine die Interessen des Bundes an der Entwicklung des Eisenbahnverkehrs wahrende
Eigentümerstrategie für die Deutsche Bahn AG (DB AG) vorzulegen, die Aspekte eines familienfreundlichen
Mobilitätssystems berücksichtigt und mehr Wettbewerb um die besten Angebote im Fernverkehr auf der Schiene
unterstützt.
Nach Ansicht der antragstellenden Fraktion seien die bahnpolitischen Maßnahmen der Bundesregierung zu vage.
Es fehlten konkrete Ziele, wie viele Menschen und Güter künftig von der Bahn transportiert werden sollen, an
denen sich die Politik der Koalition messen ließe. Als ein Teil des strukturellen Problems benennen die
Antragssteller, dass Deutschland weiterhin als eines von wenigen Ländern am Vollkostenprinzip bei den Trassenpreisen
festhalte. Das mache Bahnfahrten für Verbraucherinnen und Verbraucher teuer und die Verlagerung von
Gütertransporten auf die umweltfreundliche Schiene für die verladende Wirtschaft immer unrentabler.
Deutschland brauche eine stabile überjährige Finanzierung seiner Schieneninfrastruktur. Andere erfolgreiche
Bahnländer in Europa seien diesbezüglich vorbildhaft. Daher müsse die von der Vorgängerregierung eingeleitete
Steigerung der Bundesmittel für das deutsche Schienennetz fortgesetzt und ein überjähriger
Eisenbahninfrastrukturfonds eingerichtet werden, der eine auskömmliche und mindestens sechs Jahre vorausschauende Finanzierung
schaffe.
An den Reformen der Lkw-Maut müsse aus Sicht der Antragssteller festgehalten werden. Die Einnahmen aus der
Lkw-Maut müssten weiterhin zur Hälfte für die Verkehrsinfrastruktur der Bundesfernstraßen und zur anderen
Hälfte überwiegend für die Bundesschienenwege verwendet werden.
Die Bundesregierung wird weiterhin aufgefordert, einen Gesetzentwurf zur grundlegenden Reform des
Trassenpreissystems vorzulegen. Ziel müsse sein, die Preisspirale bei den Trassenpreisen zu durchbrechen und
sicherzustellen, dass das flächendeckende Intercity-Netz erhalten bleibe und die Ticketpreise und sonstigen Kosten, wie
Reservierungsentgelte, nicht wegen stetig steigender Trassenentgelte immer weiter erhöht würden. Die
Bundesregierung soll sich für eine weiterhin preisgünstiges Platzreservierung für Familienfahrten im Fernverkehr
einsetzen.
Zudem soll die Bundesregierung gemeinsam mit den Ländern die Mittel für den öffentlichen Verkehr so erhöhen,
dass ein attraktives flächendeckendes und erweitertes Angebot in Kombination mit einem Deutschlandticket zu
einem stabilen Preis möglich werde. Die Nutzung des Deutschlandtickets müsse familienfreundlicher ausgestaltet
und der barrierefreie Umbau von Bahnhöfen beschleunigt werden.
Zu b)
Nach Ansicht der antragstellenden Fraktion werde Deutschland nur mit mehr Bahnverkehr seine Klimaziele
erreichen. Der Bedarfsplan zum Bundesschienenwegeausbaugesetz enthalte die Vorhaben, die für den
Deutschlandtakt erforderlich seien. Allerdings stehe zu befürchten, dass die künftig zur Verfügung stehenden
Investitionsmittel nicht ausreichten. Deutschland drohe, die Chance zu verpassen, seine Schienenwegeinfrastruktur auf
wachsende Verkehre auszurichten und mehr Verkehr auf die Schiene zu verlagern. Die Bundesregierung solle daher
aufgefordert werden, die Investitionsmittel für die Schiene weiter zu erhöhen und durch die Einrichtung eines
Infrastrukturfonds mit einer mindestens sechsjährigen Finanzierungsperspektive zu verstetigen. Weiterhin sollten
auch künftig Einnahmen aus der Lkw-Maut zur Finanzierung von Investitionen in die Schienenwegeinfrastruktur
verwendet werden können und die Planungen für bestimmte Vorhaben sollten im Interesse des Erreichens des
Deutschlandtakts vorangetrieben werden.
III. Stellungnahmen der mitberatenden Ausschüsse
Zu a)
Der Ausschuss für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat den Antrag auf Drucksache 21/581 in
seiner 8. Sitzung am 8. Oktober 2025 beraten und empfiehlt mit den Stimmen der Fraktionen der CDU/CSU, AfD
und SPD gegen die Stimmen der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bei Stimmenthaltung der Fraktion Die
Linke dessen Ablehnung.
Zu b)
Der Haushaltsausschuss hat den Antrag auf Drucksache 21/1544 in seiner 17. Sitzung am 8. Oktober 2025
beraten und empfiehlt mit den Stimmen der Fraktionen der CDU/CSU, AfD und SPD gegen die Stimmen der
Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bei Stimmenthaltung der Fraktion Die Linke dessen Ablehnung.
IV. Beratungsverlauf und Beratungsergebnisse im federführenden Ausschuss
Der Verkehrsausschuss hat den Antrag auf Drucksache 21/581 sowie den Antrag auf Drucksache 21/1544 in
seiner 9. Sitzung am 8. Oktober 2025 beraten.
Die Fraktion der CDU/CSU betonte, die beiden Anträge zu Beginn der neuen Legislaturperiode einzubringen,
sei befremdlich. Sie enthielten viele in der vergangenen Wahlperiode nicht umgesetzte Maßnahmen. Scheinbar
solle jetzt die neue Regierung die Versäumnisse der alten Regierung ausgleichen. Genau das werde auch getan.
Der Bundesverkehrsminister habe sich gleich zu Beginn seiner Amtszeit umfassend mit den Herausforderungen
bei der Deutschen Bahn AG auseinandergesetzt und entsprechende Eckpunkte für Reformen vorgelegt. Es gelte,
ihn bei der Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen zu unterstützen. Viele der von den Anträgen adressierten
Probleme würden zeitnah angegangen. Die Trassenpreisreform werde derzeit vorbereitet. Weiterhin stünden mit
dem „Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität“ zusätzliche finanzielle Mittel für die Sanierung der
Schiene zur Verfügung.
Die geforderte gesetzliche Regelung der Sitzplatzreservierung für Familien sei nicht Aufgabe des Gesetzgebers.
Vielmehr liege dies in der Zuständigkeit der Unternehmensführung der Deutschen Bahn. Sie weist darauf hin, die
Deutsche Bahn sei das familienfreundlichste Verkehrsmittel, und erwähnt in diesem Zusammenhang die
Möglichkeit der kostenfreien Mitnahme von Kindern bis zum Alter von 14 Jahren.
Die Forderungen zum Deutschlandtakt würden geteilt. Es brauche weitere finanzielle Mittel für den Bedarfsplan
Schiene. Auch der Bundesminister habe klar gemacht, der Deutschlandtakt sei die Leitstrategie für die
Infrastrukturplanung. Die vorliegenden Anträge seien daher überflüssig.
Die Fraktion der AfD führte aus, es sei zwar richtig, dass sich die Familienfreundlichkeit in Deutschland
verbessern müsse, aber die für die niedrige Geburtenrate verantwortlichen Probleme lägen in anderen
Politikbereichen und hätten etwa mit der Frage einer vergünstigten Sitzplatzreservierung für Familien bei der Deutschen Bahn
nichts zu tun.
Zu Recht werde im vorliegenden Antrag auf Drucksache 21/1544 auf die Verzögerungen bei wichtigen
Infrastrukturvorhaben, wie Neubaustrecken, hingewiesen. Die Anpassung der Infrastruktur an steigende
Verkehrsbedarfe werde verpasst. Es seien aber zivilgesellschaftliche Organisationen, wie etwa die Deutsche Umwelthilfe
oder der BUND, oder Akteure grüner Lokalpolitik, die solche Vorhaben ausbremsten.
Die vorliegenden Anträge seien daher weder überzeugend noch glaubwürdig.
Die Fraktion der SPD hob hervor, es sei richtig und wichtig, die in den Anträgen aufgeführten Themen zum
jetzigen Zeitpunkt, in dem auch der Haushaltsentwurf für 2026 politisch beraten werde, zu adressieren. Die
Koalitionsfraktionen würden zeitnah Maßnahmen vorlegen, die dazu passten. Das gelte etwa für die
Trassenpreissystematik sowie für den Infraplan. Die erforderlichen Gespräche und Abstimmungsprozesse bräuchten aber
bekanntermaßen noch etwas Zeit. Im Übrigen habe die Streichung der vergünstigten Sitzplatzreservierung für Familien
nicht nur eine unternehmerische, sondern auch eine politische Bedeutung.
Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN erläuterte, die vorm Bundesverkehrsminister vorgelegte
Bahnstrategie „Agenda für zufriedene Kunden auf der Schiene“ sei nicht konkret genug, um die bestehenden Missstände
zu beenden. Sie enthalte überwiegend Prüfaufträge. Die aktuelle Bundesregierung hätte an vielen Stellen an das
anknüpfen können, was die Vorgängerregierung initiiert habe. Statt die in der letzten Wahlperiode gestartete
Generalsanierung der Hochleistungskorridore auskömmlich zu finanzieren, werde der Zeitplan für die erforderlichen
Maßnahmen in die Länge gezogen. In der letzten Wahlperiode habe man die Finanzierung der Infrastruktur
erheblich verbessert, mangels anderer Optionen im Wege der Eigenkapitalerhöhung. Jetzt könnte mit der
Alternative, mehr Finanzmittel im Haushalt bereitzustellen, daran angeknüpft werden, was aber nicht geschehe. Auch die
in der letzten Legislaturperiode angestoßenen Strukturreformen könnten weiterverfolgt werden. Die
Notwendigkeiten in diesem Bereich lägen auf der Hand. Weiterhin liege nach wie vor keine Eigentümerstrategie vor. Die
kürzliche Erhöhung des Eigenkapitals werde zu einer deutlichen Steigerung der Trassenpreise in den nächsten
Jahren führen. Niedrigere Trassenpreise würden zu einer Verringerung des wirtschaftlichen Drucks bei den
Eisenbahnverkehrsunternehmen führen und Angebote müssten dann nicht gestrichen werden.
Es werde zu wenig investiert, um das Ziel des Deutschlandtakts zu erreichen. Mit dem Ziel, alle Einnahmen aus
der Lkw-Maut in die Straße zu investieren, verzichte die Bundesregierung auf Geld für die Schiene.
Die Fraktion Die Linke begrüßte die Möglichkeit, über die vorliegenden Anträge diskutieren zu können. Die
Zielsetzung des Antrags auf Drucksache 21/581, die Bahn familienfreundlicher zu gestalten, werde grundsätzlich
geteilt, aber die vorgeschlagenen Maßnahmen seien unzureichend. Die Probleme bei der Nutzung der Bahn als
alltägliches Verkehrsmittel beträfen nicht nur die Abschaffung der vergünstigten Familienreservierung, sondern
seien umfassender und beträfen etwa die fehlende Barrierefreiheit, mangelnde Hilfen beim Umstieg oder nicht
vorhandene Sonderregelungen für Familien bei Zugverspätungen und -ausfällen, damit diese trotzdem ihr Ziel
erreichten oder eine Unterkunft gestellt bekämen. Es würde auch familienfreundlich sein, wenn das
Deutschlandticket für eine begrenzte Zahl von Fahrten im Fernverkehr in Anspruch genommen werden könnte und für Kinder
und Jugendliche kostenlos sein würde.
Auch die Zielsetzung des Antrags auf Drucksache 21/1544 werde geteilt. Die Bahn müsse befähigt werden, mehr
Personen und Güter transportieren zu können. Dafür sei der Ausbau überfällig. Angesichts des Klimawandels und
des schlechten Zustands der Straßeninfrastruktur sei nicht nachvollziehbar, dass die Bundesregierung die
Ausbauziele für die Schienenwege nicht zur Grundlage ihrer Politik mache.
Der Verkehrsausschuss empfiehlt mit den Stimmen der Fraktionen der CDU/CSU, AfD und SPD gegen die
Stimmen der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bei Stimmenthaltung der Fraktion Die Linke die Ablehnung
des Antrags auf Drucksache 21/581.
Der Verkehrsausschuss empfiehlt mit den Stimmen der Fraktionen der CDU/CSU, AfD und SPD gegen die
Stimmen der Fraktionen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke die Ablehnung des Antrags auf Drucksache
21/1544.
Berlin, den 8. Oktober 2025
Michael Donth
Berichterstatter
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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