Rede von Stephan Albani (CDU/CSU) – Aktuelle Stunde: Deutscher Raketenstart Isar Aerospace – Ausdruck eines erfolgreichen Wissenschafts- und Forschungsstandortes Deutschland
Teil von Protokoll der 96. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP ZP 3: Aktuelle Stunde: Deutscher Raketenstart Isar Aerospace – Ausdruck eines erfolgreichen Wissenschafts- und Forschungsstandortes Deutschland.
Das Protokoll 21/96 liegt bei DIP nur als Vorabfassung vor: Der Text endet vor dem Schluss der Sitzung, zu Protokoll gegebene Reden fehlen in polradar (der endgültige Bericht war für den 29.09.2026 angekündigt). Vollständig im Plenarprotokoll (PDF) ↗.
Text
Rede von Stephan Albani (CDU/CSU) – Aktuelle Stunde: Deutscher Raketenstart Isar Aerospace – Ausdruck eines erfolgreichen Wissenschafts- und Forschungsstandortes Deutschland
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Wer im April meine Rede zur Raumfahrtnation Deutschland gehört hat, ahnt, was jetzt kommt – Olli, sei stark! –: Star Trek, I love it. Ich habe damals gesagt: Geben Sie uns 20 Jahre und ein, zwei ordentliche Start-ups. – Keine fünf Monate später hat eins davon den Orbit erreicht. Das ist sehr gut! Heute also nicht Picard, sondern Zefram Cochrane, Erbauer des ersten Raumschiffes mit Warp-Antrieb.
Auch bei Star Trek beginnt die Zukunft der Menschheit nicht in einem Ministerium, sondern bei einem Tüftler, der in einem Raketensilo ein Raumschiff gebaut hat, damals erster Flug 5. April 2063. Am 5. September dieses Jahres hat die Spectrum-Rakete von Isar Aerospace von Norwegen aus den Orbit erreicht – der erste erfolgreiche Orbitalstart eines kommerziellen Unternehmens vom europäischen Festland.
Über die technologische Bedeutung und darüber, was dieser Erfolg für unsere europäische Souveränität bedeutet, ist bereits gesprochen worden. Ich möchte deshalb heute auf eine andere Frage eingehen: Wie kommt man eigentlich vom Hörsaal in den Orbit? Die Geschichte von Isar Aerospace beginnt nämlich nicht in einem großen Industriekonzern; sie beginnt an einer Universität, genauer gesagt bei WARR, einer studentischen Arbeitsgruppe von Raketentechnikern an der Technischen Universität München. Dort haben die späteren Gründer von Isar Aerospace als Studenten an den Raketentriebwerken gearbeitet. 2018, vor nicht mal zehn Jahren, haben sie ihr Unternehmen gegründet. Heute verfügt Isar Aerospace über mehr als 400 Millionen Euro privates Kapital, und es gehört zu den wichtigsten New-Space-Anbietern Europas. Besonders schön ist: Mit Spectrum sind am 5. September fünf Kleinsatelliten von Hochschulen ins All geflogen, unter anderem von der TU Berlin, von der TU Wien, der NTNU in Norwegen und der Universität Maribor. Aus einer Studentengruppe ist ein Raketenbauer geworden. Nun fliegen damit Hochschulsatelliten ins All. So sieht Technologietransfer aus, wie wir ihn uns vorstellen.
Genau daraus entsteht ein erfolgreicher Wissenschafts- und Forschungsstandort Deutschland und Europa. Und dazu gehört noch etwas: Wir müssen auch bereit sein, Rückschläge auszuhalten. Der erste Flug der Spectrum im März 2025 endete nach rund 30 Sekunden im Meer. Das Team ist aber nicht vor Scham im Boden versunken, hat alles schwarzgemalt und sich selbst gegeißelt; es hat analysiert, gelernt, ist gestärkt zurückgekommen. Diese Haltung wünsche ich mir manchmal grundsätzlicher in diesem Haus und für unser Land.
An guten Ideen mangelt es in Deutschland nicht. Die Expertenkommission Forschung und Innovation hat in ihrem Jahresgutachten 2026 festgestellt: Beim Innovationspotenzial ziehen Publikationen deutscher Hochschulen mit denen amerikanischer Universitäten nahezu gleich. Leider geht aber die Zahl der Patente zurück, und die Verwertung deutscher Patente findet überwiegend eher im Ausland statt.
Wir müssen im Transfer also besser werden; denn wenn deutsche Forschung anderswo zur Wertschöpfung wird, haben wir die Arbeit gemacht und andere den Gewinn. Heute dauert allein die Verhandlung über die Rechte an einer Erfindung aus einer Universität heraus in ein Start-up durchschnittlich 18 Monate. Ich habe dies einst selbst durchführen müssen; es war kein Vergnügen. Dinge, die 18 Monate warten müssen, heben halt hier nicht ab, sondern verenden mitunter in der Schublade.
Aus dieser Erfahrung kann ich Ihnen sagen: Es fehlt nicht an Ideen – es fehlt an Zeit, an klaren Verträgen und manchmal schlicht an einer Stelle, die sagt: Wir entscheiden jetzt. Eine Erfindung, die 18 Monate warten muss, verstaubt, und die Menschen wandern aus. Deshalb brauchen wir mehr Innovationsfreiheit, und deswegen gestalten wir jetzt die Innovationsoffensive. Dazu müssen eine nationale IP-Strategie, standardisierte Ausgründungsverträge und klare Regeln her, wie geistiges Eigentum zeitnah genutzt werden kann.
Denn wir müssen Transfer endlich als das begreifen, was er ist: eine Kernaufgabe der deutschen Hochschulen.
Und damit komme ich wieder zurück zu Zefram Cochrane. Er war kein Konzern, keine Behörde. Er war ein Tüftler mit einer Idee. Der oder die nächste Tüftlerin sitzt vielleicht schon in einer studentischen Arbeitsgruppe irgendwo in diesem Lande. Sorgen wir dafür, dass die Rahmenbedingungen für sie einfacher werden, dass der Vertrag schneller gemacht wird, dass der Transfer schneller gelingt! Insofern: Der erste Schritt der Innovationsoffensive – kleiner Spoiler – kommt in wenigen Minuten an dieser Stelle, nämlich die Flexibilisierung des Besserstellungsverbots, das Wissenschaftsfreiheitsgesetz. In diesem Sinne: Never give up! Never surrender! Live long and prosper! Energie!
Relationen
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