Rede von Oliver Kaczmarek (SPD) – Aktuelle Stunde: Deutscher Raketenstart Isar Aerospace – Ausdruck eines erfolgreichen Wissenschafts- und Forschungsstandortes Deutschland
Teil von Protokoll der 96. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP ZP 3: Aktuelle Stunde: Deutscher Raketenstart Isar Aerospace – Ausdruck eines erfolgreichen Wissenschafts- und Forschungsstandortes Deutschland.
Das Protokoll 21/96 liegt bei DIP nur als Vorabfassung vor: Der Text endet vor dem Schluss der Sitzung, zu Protokoll gegebene Reden fehlen in polradar (der endgültige Bericht war für den 29.09.2026 angekündigt). Vollständig im Plenarprotokoll (PDF) ↗.
Text
Rede von Oliver Kaczmarek (SPD) – Aktuelle Stunde: Deutscher Raketenstart Isar Aerospace – Ausdruck eines erfolgreichen Wissenschafts- und Forschungsstandortes Deutschland
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Ich kann mich noch gut an den Stand von Isar Aerospace bei meinem Besuch auf der diesjährigen Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung erinnern: ziemlich unaufwendig, zwei bis drei Roll-ups, ein Modell von einer Rakete stand auf dem Tisch. Es war nicht unbedingt sofort ersichtlich, dass es ein Unternehmen mit 400 Beschäftigten ist, das über 500 Millionen Euro privates Kapital eingesammelt hat.
Aber was man dort im Gespräch mit den Leuten von Isar Aerospace mitnehmen konnte, das war Überzeugung: Überzeugung von dem Konzept, das sie für die Rakete entwickelt haben. Das war Begeisterung für die eigene Idee, aber auch für die Raumfahrt und für das Potenzial von Raumfahrt. Und das war die Hartnäckigkeit, dass ich verstehe, was die da erklären, und die Hartnäckigkeit, bei ihrem Ziel am Ball zu bleiben und das private Kapital einzusammeln.
Und deswegen sage ich: Dieses Event, dieser Raketenstart, die Präsentation und Isar Aerospace insgesamt stehen dafür, dass wir Herausforderungen schaffen, wenn wir genau das fördern: nämlich Begeisterung für die Herausforderung, für die Lösung von Herausforderungen und für Menschen, die einen langen Atem haben. Das müssen wir fördern. Und das ist auch der Spirit für dieses Land im Umbruch, nicht das Schlechtreden, was wir hier manchmal im Haus hören. Wir müssen genau das fördern: Begeisterung, Hartnäckigkeit und Überzeugung.
Begeisterung muss früh geweckt werden. Wir haben in Deutschland auch schon einiges geschafft. Ich bin dagegen, alles immer nur schlechtzureden. Wir haben die „Häuser der kleinen Forscher“ in den Kitas, wo die Begeisterung für die MINT-Themen schon früh geweckt wird. Wir haben Maker Spaces, die jetzt häufiger auch durch private Initiative entstehen. Wir haben Schülerwettbewerbe wie „Jugend forscht“ und Co, wo ganz interessante Ideen rauskommen. Und wir haben auch studentische Arbeitsgemeinschaften, insbesondere zum Thema Raumfahrt. Die Ministerin hat eine in München besucht, ich eine in Darmstadt. Und es gibt den Bundesverband studentischer Raumfahrt. Ich kann nur empfehlen, mit den jungen Leuten mal ins Gespräch zu kommen, weil man dann sieht: Es ist vieles schon da. Viele Ansätze sind da, und dort wachsen vielleicht schon die Raketenwissenschaftler von morgen heran.
Wir müssen dafür sorgen, dass aus Neugier und Begeisterung mehr wird, dass aus Neugier und Begeisterung Gründerinnen und Gründer werden, dass aus Neugier und Begeisterung auch Fachkräfte werden, die sich in diesen Bereichen engagieren. Wir haben das Potenzial für den Wohlstand in diesem Land. Und das Potenzial liegt in den Köpfen, die wir fördern müssen.
Und ich glaube, Raumfahrt steht in diesem Kontext auch stellvertretend für eine Strategie der Forschungspolitik. Wir wollen Abhängigkeiten reduzieren. Wir wollen durch eigene Transportwege für Raketen und Satelliten Abhängigkeiten von wenigen Anbietern insbesondere aus dem amerikanischen Raum reduzieren. Wir wollen Souveränität schaffen. Das ist unbedingt notwendig, um unsere Sicherheitsinteressen auch zu wahren. Forschungspolitik ist immer breit aufgestellt, deswegen haben wir beispielsweise auch die Geistes- und Sozialwissenschaften in die Hightech Agenda integriert.
Aber wir müssen unsere Forschungspolitik auch auf strategische Ziele ausrichten, auf Unabhängigkeit, auf Souveränität, auf Resilienz und auf Wohlstand. Das zeigt sich an diesem Beispiel von Isar Aerospace in der Raumfahrt. Wir wollen unabhängiger und souveräner werden, und deswegen investieren wir auch in strategisch relevante Bereiche der Forschungspolitik.
Die deutsche Forschung bietet sehr gute Möglichkeiten für Innovation, und vieles davon entsteht in den Hochschulen.
Ich will nur drei Beispiele nennen. Isar Aerospace ist eines dieser Beispiele, entstanden aus einer studentischen Arbeitsgemeinschaft an der Technischen Universität München. BioNTech ist eines der wichtigsten Unternehmen im Bereich der Biotechnologie – das uns auch durch die Coronakrise geführt hat –, aus dem Biotechnologiecluster in Mainz entstanden, unter anderem auch an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. StreetScooter hat eine vollelektrische Lösung für die Deutsche Post AG angeboten, als alle anderen Automobilhersteller gesagt haben, dass sie das nicht können, entstanden an der RWTH in Aachen.
Das sind Beispiele für erfolgreiche Gründungen. Und das zeigt, dass wir aus den Forschungseinrichtungen und Hochschulen heraus Gründungen schaffen können. Aber wir können auch noch besser werden. Wir wollen den Transfer stärken. Die Transferinitiative des Bundes läuft an. Wir wollen damit insbesondere Fachhochschulen und Hochschulen für angewandte Wissenschaften adressieren.
Und wir wollen eine Innovationsfreiheitsoffensive starten. Wir müssen Forschung erleichtern, wir müssen Gründung erleichtern. Wir brauchen weniger Steuerung und mehr Vertrauen bei Gründern. Wir wollen dafür sorgen, dass es noch mehr solche Gründungen wie Isar Aerospace und BioNTech gibt. Es gibt in Deutschland starke Unis und Gründerzentren. Es gibt Leute mit Ideen und Ehrgeiz, Forscherinnen und Forscher, Gründerinnen und Gründer, Fachkräfte, und es gibt eine Gesellschaft, die offen ist für den Fortschritt.
Die Herausforderung, vor der wir stehen, ist groß. Ja, es ist richtig, dass wir die Sozialsysteme zukunftsfest machen wollen. Aber die Diskussionen, die wir über Rente, Pflege und Gesundheit führen, schaffen allein noch keinen Wohlstand. Wohlstand werden wir schaffen, wenn wir jetzt das Richtige tun und in Innovationen investieren, und zwar massiv in Bildung und Chancengleichheit. Weiterhin kraftvoll zu investieren, das schafft Wachstum. Und Deutschland hat dann, wenn wir das Richtige tun und manchmal auch mit etwas mehr Optimismus an die Sache herangehen, alle Potenziale, alle Chancen, wieder Wohlstand zu erwirtschaften, und zwar nachhaltig für die Zukunft.
Relationen
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