Rede von Dirk Niebel (FDP) – Drucksache 16/4845
Teil von Protokoll der 95. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 28: Drucksache 16/4845 –.
Text
Rede von Dirk Niebel (FDP) – Drucksache 16/4845
Vielen Dank, Herr Präsident. – Nachdem schon
gestern vonseiten der Regierung und der SPD-Fraktion
nicht der Unterschied zwischen einem
Auffangmindestlohn und einem gesetzlichen Mindestlohn erklärt werden
konnte – weil ein hohes Maß an Transparenz
wahrscheinlich deutlich gemacht hätte, dass das Gleiche
gemeint ist –, war es auch heute wieder nicht möglich, von
den Rednern der SPD auf eine Frage, die die Menschen
bestimmt interessiert, eine Antwort zu bekommen. In der
gestrigen Debatte hat der Minister für Arbeit und
Soziales gesagt:
Da kamen Arbeitgeber aus der Wachdienstbranche
zu mir und sagten: Wir wollen unseren Leuten
anständige Löhne, 7 Euro, zahlen. Was sollen wir aber
machen, wenn ein anderes Unternehmen die Arbeit
für 2,50 Euro macht?
Nun hat der Kollege Volker Wissing, unser Obmann
im Finanzausschuss, die Bundesregierung gefragt, wie
sie denn als Arbeitgeber bei der Bewachung der
Ministerien in der Bundeshauptstadt damit umgeht.
Hier erfahren wir, die Bundesregierung, der
Arbeitsminister fordert einen Mindestlohn von 7,50 Euro – und
zahlt für den Wachschutz 5,25 Euro. (Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Ist ja
interessant!)
Was Sie hier vertreten, ist schlichtweg unglaubwürdig,
heuchlerisch. Sie sind Pharisäer.
(Beifall bei der LINKEN – Widerspruch bei
der SPD)
Sie belügen und betrügen die Menschen,
(Beifall bei der FDP und der LINKEN –
Widerspruch bei der SPD)
vor der Wahl bei der Mehrwertsteuer, nach der Wahl
beim Mindestlohn – den ich nach wie vor für falsch
halte. So können Sie mit den Menschen in diesem Land
nicht umgehen.
(Anton Schaaf [SPD]: Ich würde mir die
Wortwahl anschauen, Herr Präsident!
Unverschämtheit! – Jörg Tauss [SPD]: Für so etwas
bin ich schon gerügt worden, Herr Präsident!)