Rede von Andrea Nahles (SPD) – Drucksache 16/4845
Teil von Protokoll der 95. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 28: Drucksache 16/4845 –.
Text
Rede von Andrea Nahles (SPD) – Drucksache 16/4845
Herr Niebel, mein Gott, muss es der FDP in Bremen
schlecht gehen, denke ich mir, wenn ich Ihre Reden so
höre. Das ist wirklich Wahlkampf pur.
Ich will Ihnen aber in der Sache gerne antworten. Sie
fragen da ja sehr penetrant immer wieder nach, und wir
sind um Antworten nicht verlegen. Es ist schlichtweg so,
dass wir uns ganz klar dafür ausgesprochen haben, dass
branchenbezogene Mindestlöhne Priorität haben.
(Dirk Niebel [FDP]: Der Wachdienst ist eine
Branche!)
Wir halten es für wichtig, dass wir den Tarifpartnern so
viel Wertschätzung entgegenbringen, wie das richtig ist.
Das heißt, wenn die Tarifpartner in einer Branche einen
Tarif vereinbaren, dann gilt dieser auch für den
Gesetzgeber, für uns auf der politischen Ebene. Es ist aber
absehbar, dass es Branchen geben wird, die, vor allem weil
die Arbeitgeber sich verweigern, von einem
branchenspezifischen Mindestlohn nicht erfasst werden.
(Dr. Reinhard Göhner [CDU/CSU]: Wie
wollen Sie das denn ändern?)
– Herr Göhner, machen Sie keine Zwischenrufe, melden
Sie sich! – Beispielsweise haben die Arbeitgeber des
Friseurhandwerks in Rheinland-Pfalz seit 2000 keinen
Tarifvertrag mehr abgeschlossen; sie weigern sich.
Mittlerweile werden im Friseurhandwerk von sechs
Bundesländern keine Tarifverträge mehr abgeschlossen.
(Dirk Niebel [FDP]: 5,25 Euro! – Dr. Heinrich
L. Kolb [FDP]: Die Bundesregierung kann
doch zahlen, was sie will, sie kann für den
Wachdienst 7,50 Euro zahlen!)
Uns sind die Menschen, die in den Branchen arbeiten,
in denen die Arbeitgeber blockieren, genauso viel wert
Andrea Nahleswie die in den Branchen, in denen es am Ende einen
branchenbezogenen Mindestlohn gibt.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD –
Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Zahlen Sie doch
7,50 Euro, freiwillig, ohne Tarifvertrag!
Niemand hindert die Bundesregierung daran!)
Deswegen wollen wir die Menschen auffangen. Dafür
brauchen wir auch in diesen Branchen eine untere
Grenze. Das ist, mit Verlaub, der Auffanglohn, von dem
die ganze Zeit die Rede ist. Damit möchten wir die
Arbeitgeberblockade beim Mindestlohn aufheben.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD – Dirk
Niebel [FDP]: Zahlen Sie doch mehr!)