Sonderbefristungsrecht für die Wissenschaft abschaffen
Text
Sonderbefristungsrecht für die Wissenschaft abschaffen
Deutscher Bundestag Drucksache 21/8384
21. Wahlperiode 06.10.2026
Antrag
der Abgeordneten Nicole Gohlke, Sonja Lemke, Doris Achelwilm, Dr. Michael
Arndt, Jorrit Bosch, Anne-Mieke Bremer, Maik Brückner, Mandy Eißing, Dr. Fabian
Fahl, Kathrin Gebel, Christian Görke, Ates Gürpinar, Mareike Hermeier, Maren
Kaminski, Cansin Köktürk, Ina Latendorf, Pascal Meiser, Stella Merendino, Sören
Pellmann, Heidi Reichinnek, Evelyn Schötz, Lisa Schubert, Julia-Christina Stange,
Isabell Vandre, Donata Vogtschmidt, Sarah Vollath, Janine Wissler und der
Fraktion Die Linke
Sonderbefristungsrecht für die Wissenschaft abschaffen
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Das Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG) ist in seiner ursprünglichen
Intention gescheitert. Sowohl der am 17. Mai 2022 vorgelegte Evaluationsbericht
als auch Initiativen betroffener Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zeigen
deutlich, dass es nicht gelungen ist, der eskalierenden Praxis von
Kettenbefristungen im deutschen Wissenschaftsbetrieb entgegenzuwirken. Wesentliche Gründe
dafür sind das Fehlen von Mindeststandards bzw. Mindestvertragslaufzeiten, der
sehr weit auslegbare Begriff der Qualifizierung und die Pauschalisierung von
wissenschaftlichen Karrierephasen.
Die Bundesregierung hat es versäumt, die bestehenden Definitions- und
Regelungslücken im Gesetz zu schließen. Es wird weiterhin der nachweislich
unbelegten Annahme, Innovation entstehe durch Fluktuation, gefolgt und die bestehenden
prekären Arbeitsbedingungen bewusst in Kauf genommen. Der
Qualifizierungsbegriff bleibt auch mit der vorgelegten Reform des Gesetzes vage und wird nicht
auf Promovierende begrenzt.
Den Promovierenden wird eine angemessene Bearbeitung ihres
Dissertationsthemas verwehrt. Die tatsächliche Arbeitsleistung der Postdoktorandinnen und -
doktoranden wiederum wird abgewertet, obwohl sie eigenständig einen Großteil der
Lehr- und Betreuungsaufgaben an Hochschulen und Forschungseinrichtungen
übernehmen.
Die Chance, das WissZeitVG zu einem sinnvollen Instrument der
Strukturplanung und Personalentwicklung an Hochschulen und Forschungseinrichtungen zu
machen, wurde erneut vertan. Auch die Reform des Gesetzes hält an den
Sonderrechten für Hochschulen und Forschungseinrichtungen fest und zementiert
dadurch die bestehenden Probleme. Was an spezifischen Sachgründen tatsächlich
besteht, lässt sich im Teilzeit- und Befristungsgesetz abbilden. Ein eigenes
Befristungsrecht für die Wissenschaft ist nicht zu rechtfertigen.
V
orabfassung – w
ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
das Wissenschaftszeitvertragsgesetz abzuschaffen und die für die Wissenschaft
spezifischen Sachgründe für eine Befristung im Teilzeitbefristungsgesetz
aufzunehmen. Als wissenschaftsspezifischer Sachgrund kann nur die Promotion gelten.
Alle weiteren Tätigkeiten an Hochschulen und Forschungseinrichtungen dienen
der Sicherung grundständiger Aufgaben des Wissenschaftsbetriebs und die
dazugehörigen Arbeitsverhältnisse sind grundsätzlich unbefristet einzugehen, sofern
keine anderen, in § 14 TzBfG genannten Sachgründe vorliegen.
Berlin, den 6. Oktober 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
V
orabfassung – w
ird durch die lektorierte Fassung ersetzt.
Relationen
- authored ← Anne-Mieke Bremer (Antrag)
- authored ← Ates Gürpinar (Antrag)
- authored ← Cansin Köktürk (Antrag)
- authored ← Christian Görke (Antrag)
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- authored ← Fabian Fahl (Antrag)
- authored ← Fraktion DIE LINKE
- authored ← Heidi Reichinnek (Antrag)
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- authored ← Isabelle Vandre (Antrag)
- authored ← Janine Wissler (Antrag)
- authored ← Jorrit Bosch (Antrag)
- authored ← Julia-Christina Stange (Antrag)
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- authored ← Maik Brückner (Antrag)
- authored ← Mandy Eißing (Antrag)
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- authored ← Maren Kaminski (Antrag)
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- authored ← Pascal Meiser (Antrag)
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- authored ← Sonja Lemke (Antrag)
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- authored ← Stella Merendino (Antrag)
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