Rede von Bodo Ramelow (DIE LINKE) – Aktuelle Stunde: Zäsur in Sachsen-Anhalt – Nicht zur
Teil von Protokoll der 100. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP ZP 12: Aktuelle Stunde: Zäsur in Sachsen-Anhalt – Nicht zur.
Text
Rede von Bodo Ramelow (DIE LINKE) – Aktuelle Stunde: Zäsur in Sachsen-Anhalt – Nicht zur
Lieber Herr Abgeordneter Hain, Sie haben mich
erwähnt, und ich will es noch mal klarstellen.
Erste Bemerkung. Sie haben es richtig zitiert. Im Jahr
2020 habe ich als Abgeordneter des Thüringer Landtags
Professor Kaufmann zum Vizepräsidenten des Thüringer
Landtags mitgewählt und das auch öffentlich gemacht,
damit es keine Spekulationen gibt. Das ist der
Unterschied zu dem, was wir gerade in Bezug auf Sachsen-
Anhalt diskutieren.
Zweite Bemerkung. Das ist sechs Jahre her, und Herr
Professor Kaufmann war zu dieser Zeit Thüringer
Beamter. Ich war oberster Dienstherr der Thüringer Beamten,
und ich bin davon ausgegangen, dass er sich
rechtsstaatlich korrekt verhält und am Grundgesetz orientiert.
(Peter Boehringer [AfD]: Was er auch ständig
gemacht hat! – Thomas Korell [AfD]: Hat er ja
wohl auch gemacht!)
Dritte Bemerkung. Ich habe hinterher auch erklärt,
dass man bei einem Erpressungsversuch mit
vorgehaltener Waffe leider nicht verhandeln kann, ob man das halbe
oder das ganze Portemonnaie abgibt. Ich habe diese
Floskel benutzt, weil die AfD im Thüringer Landtag die
Mehrheit des Parlaments mit dem Hinweis erpresst hat,
dass sie keine Vertreter in den Rechtsausschuss des
Thüringer Landtags entsendet, wenn ihr Vertreter nicht als
Vizepräsident gewählt wird. Das Ergebnis war, dass wir
anderthalb Jahre, fast zwei Jahre, keinerlei Berufungen
von Richtern und Staatsanwälten hatten, weil der
Richterwahlausschuss nur arbeiten kann, wenn das
Minderheitenrecht gewahrt wird, dass jede Fraktion einen Vertreter
in dem Ausschuss hat. Das ist in der Thüringer
Verfassung so normiert. Dieser Erpressung bin ich leider
gefolgt, weil wir keine Chance gesehen haben, wie wir
das Gesetz oder die Verfassung hätten ändern können.
Eine vierte Bemerkung sei mir gestattet. Der Thüringer
Landtag sollte eine Präsidentin aus den Reihen der AfD
wählen, weil die AfD auch im Thüringer Landtag im
Moment die stärkste Fraktion ist. Das hätte der AfD
nach den ungeschriebenen Regeln unseres
Parlamentarismus zugestanden. Ich akzeptiere diese ungeschriebenen
Regeln. Nach den geschriebenen Regeln hat die AfD den
ersten Zugriff. Den hatte sie auch. Ich berichte also aus
einer Zeit, als ich noch Landtagsabgeordneter und direkt
gewählter Abgeordneter in Thüringen war.
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