Rede von Heiko Hain (CDU/CSU) – Aktuelle Stunde: Zäsur in Sachsen-Anhalt – Nicht zur
Teil von Protokoll der 100. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP ZP 12: Aktuelle Stunde: Zäsur in Sachsen-Anhalt – Nicht zur.
Text
Rede von Heiko Hain (CDU/CSU) – Aktuelle Stunde: Zäsur in Sachsen-Anhalt – Nicht zur
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Zuerst ein Dank an Die Linke für diese Aktuelle Stunde. Das
meine ich sehr ernst; denn das Thema verdient die
Aufmerksamkeit dieses Hauses. – Aber zu Ihnen komme ich
später noch.
Am 6. September hat die AfD in Sachsen-Anhalt
43,8 Prozent erreicht. Am 6. Oktober wurde im
Magdeburger Landtag zum ersten Mal in der Geschichte der
Bundesrepublik ein AfD-Politiker zum
Landtagspräsidenten gewählt. Die AfD wird jetzt beweisen müssen,
wie ernst sie es mit den demokratischen Institutionen
nimmt.
Klar ist: Die AfD lebt vom Frust der Menschen und
löst keines ihrer Probleme.
(Dr. Bernd Baumann [AfD]: Werden wir ja
sehen! – Zuruf des Abg. Jan Feser [AfD])
Wer ihr Verantwortung gibt, gibt sie denen, die unsere
freiheitliche Ordnung verachten.
Deshalb gilt für die CDU/CSU unverändert: Keine
Koalition und keine Zusammenarbeit mit der AfD!
(Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg.
Hakan Demir [SPD])
Dafür braucht es überhaupt keine Brandmauern. Sie
beweisen es Sitzungswoche für Sitzungswoche mit Ihren
Anträgen, mit Ihren Reden, mit Ihrem Verhalten; auch
in dieser Debatte wieder.
Klar ist aber auch: Nicht jeder, der die AfD wählt, ist
rechtsextrem. Deshalb ist es die Aufgabe aller Fraktionen
hier im Haus, die Menschen zurückzugewinnen,
(Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg.
Hakan Demir [SPD])
und das mit einer Politik, die funktioniert: Ordnung in der
Migration, eine Wirtschaft, die wieder wächst, und ein
Staat, der für Sicherheit sorgt.
(Peter Boehringer [AfD]: Dann machen Sie es
doch einfach mal!)
Daran arbeitet diese Koalition Tag für Tag.
(Peter Boehringer [AfD]: Nein, das tun Sie
nicht! Null Komma null! Sonntagsreden!)
Bei allen schlechten Umfrageergebnissen und bei aller
schlechten Stimmung: Wir müssen an diesem
Reformkurs festhalten und – das sage ich auch deutlich – an
vielen Stellen auch noch eine Schippe drauflegen, liebe
Kolleginnen und Kollegen.
(Beifall bei der CDU/CSU – Lachen bei
Abgeordneten der AfD)
Nun zu Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen der
Linken. Ein kleiner Blick zurück: 2020 hat im Thüringer
Landtag unser bis vorhin noch vorsitzender Vizepräsident
selbst einen AfD-Kandidaten zum
Landtagsvizepräsidenten gewählt. Er hat das hinterher selbst bestätigt. Die
Begründung war, er achte die Parlamentsregeln. Und
dem kann ich so nicht widersprechen.
Sie fordern von uns klare Kante gegen Extremisten.
Und die haben wir. Ich kann es Ihnen leider nicht
ersparen, aber wir müssen einen Blick nach Berlin werfen;
denn dort sondiert Die Linke mit SPD und Grünen, und
die mögliche künftige Regierende Bürgermeisterin war
Mitglied der Roten Hilfe. Das ist ein Verein, den der
Verfassungsschutz als linksextremistisch und
gewaltunterstützend einstuft. Mehrere Gerichte haben dieser
Einordnung nicht widersprochen. Auch ihr Verhältnis
zur Organisierten Kriminalität wirft viele Fragen auf.
Dass Linke, SPD und Grüne in Berlin erst eine eigene
Antisemitismusvereinbarung brauchten, damit
Sondierungsgespräche geführt werden können, spricht für sich.
(Felix Banaszak [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Das ist echt das Einzige, was ihr zu
der Aktuellen Stunde zu sagen habt, ne?)
Wir haben am Mittwoch in diesem Haus des 7. Oktober
gedacht, des Tages, an dem die Hamasterroristen das
größte Massaker an Juden seit der Shoah verübten. Wer
es mit dem Kampf gegen Antisemitismus ernst meint,
muss ihn auch in den eigenen Reihen bekämpfen. Das
gilt für jede Partei. Wer meint, sich mit blumigen
Klauseln und dem Verweis auf die Selbstständigkeit der
Landesverbände aus der Verantwortung stehlen zu
können, macht es sich gerade bei diesem Thema zu einfach.
(Ina Latendorf [Die Linke]: So wie Sie
gerade!)
Ich sage es deshalb ganz klar: Wir müssen in der
demokratischen Auseinandersetzung verhindern, dass
Rechtsextreme regieren, und wir müssen verhindern,
dass in Berlin die Verharmlosung von links außen
mitregiert. Beides gefährdet die Demokratie.
Dass ausgerechnet Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen
der Linken, diese Aktuelle Stunde beantragen, ist deshalb
schon bemerkenswert.
(Heidi Reichinnek [Die Linke]: Peinlich, dass
Sie sie nicht beantragt haben!)
Dass sich von diesem Pult aus die Partei von Konrad
Adenauer, die Partei von Helmut Kohl und die Partei von
Franz Josef Strauß von allen möglichen Seiten
Belehrungen über den Umgang mit Rechtsextremisten und
Linksextremisten anhören muss, ist eigentlich schon eine
Frechheit, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Zum Schluss noch ein Wort an die lieben Kolleginnen
und Kollegen von SPD und Grünen. Ein Papier gegen
Antisemitismus ist schnell geschrieben. Wer aber in
Berlin jüdisches Leben schützen will, kann dies nicht in
einem Bündnis tun, in dem die Berliner Linke
mitbestimmt. Das ist keine Frage des Parteibuchs, sondern
eine Frage der Haltung.
Relationen
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