Rede von Johannes Wiegelmann (CDU/CSU) – Aktuelle Stunde: Zäsur in Sachsen-Anhalt – Nicht zur
Teil von Protokoll der 100. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages · TOP ZP 12: Aktuelle Stunde: Zäsur in Sachsen-Anhalt – Nicht zur.
Text
Rede von Johannes Wiegelmann (CDU/CSU) – Aktuelle Stunde: Zäsur in Sachsen-Anhalt – Nicht zur
Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kolleginnen und
Kollegen! Meine Damen und Herren! Die Linke hat diese
Aktuelle Stunde beantragt, um über die CDU in Sachsen-
Anhalt zu reden. Gut. Darüber rede ich; denn da gibt es
nichts zu beschönigen.
Unsere Fraktion in Magdeburg hatte angekündigt, sich
bei der Wahl des Landtagspräsidiums zu enthalten. Am
Ende sind zwei Kandidaten der AfD gewählt worden,
Mitglieder einer Fraktion aus ehemaligen Stasioffizieren,
Neonazis, Dieben, Urkundenfälschern, Hochstaplern,
Drogensüchtigen und ganz vielen, die nichts anderes
sind als nützlich für Moskau.
(Dr. Bernd Baumann [AfD]: Was ist das denn?
Hallo!)
Gewählt wurden ein Landtagspräsident und ein
Vizepräsident der AfD, der eine ehemals federführend
zuständig für die Organisation der Vetternwirtschaft, der andere
hat nur noch eine Tasse im Schrank, und zwar die der
russischen Armee.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN)
Beide wurden gewählt mit mehr Stimmen, als sie
Unterstützer im Landtag haben, und hinterher wollte es
niemand gewesen sein.
Es schmerzt, das als Christdemokrat sagen zu müssen:
Das war kein Unfall, das war Führungsversagen. Wer
eine Linie ankündigt, muss sie durchsetzen. Und wer
das nicht kann, muss es wenigstens erklären. Beides ist
nicht passiert.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU –
Tim Klüssendorf [SPD]: Auch der Kanzler
nicht! Auch der Bundeskanzler nicht!)
Und das sage ich als Christdemokrat; ich sage es hier und
nicht hinter verschlossenen Türen.
Dennoch: Die Linke fragt uns heute: Wie haltet ihr es
mit den Feinden der Demokratie? – Das ist eine
berechtigte Frage, aber sie gilt für alle, und deshalb gebe ich sie
gleich zurück: Wie halten Sie es mit dem Judenhass in
Ihren eigenen Reihen? Ich rede nicht über Gerüchte, ich
rede über das, was jeder sehen und hören kann, der es
will.
Auf einer Wahlkampfbühne der Linken in Neukölln
singt ein Rapper „Yallah, yallah, Intifada“ und „Death
to the IDF“. Genossen tanzen dazu, der linke Kandidat
Basem Said teilt vor der Wahl den Aufruf zur
„Wahlintifada“. Und wer das kritisiert – mehrfach auch hier im
Bundestag –, bekommt von Ihnen zu hören: „Intifada“
heißt doch nur Aufstand. – Fragen Sie die Familien in
Israel, was die Intifada war zwischen 1987 und 1993,
zwischen 2000 und 2005 und was sie seit Oktober 2023
ist. Es sind Bomben in Bussen, in Cafés und
Diskotheken – mehr als 1 000 Tote. Und wer dazu tanzt, tanzt nicht
für den Frieden. Wer „Intifada“ ruft, tut dies in Kenntnis
dessen, was die Hamas unter Widerstand versteht –
Massaker, Vergewaltigungen, Verschleppungen, Ausweitung
der Gewalt in die Diaspora, also dorthin, wo Juden leben,
nach Berlin, Paris oder New York.
In Neukölln soll zukünftig Ahmed Abed
Bezirksbürgermeister werden. Vor einem Jahr stand der
Bürgermeister der Partnerstadt Bat-Yam vor der
Bezirksverordnetenversammlung, ein Enkel von Holocaustüberlebenden.
Herr Abed nannte ihn einen Völkermörder. Der
Bürgermeister fragte zurück, ob man sich denn wenigstens
darauf einigen könne, dass es falsch ist, Babys zu töten.
Herr Abed schwieg.
Dieser Mann soll jetzt einen Berliner Bezirk führen.
(Johannes Volkmann [CDU/CSU]:
Beschämend! – Dr. Ottilie Klein [CDU/CSU]: So ist
es nämlich!)
Klaus Lederer, ein Linker, den viele über Parteigrenzen
hinweg respektieren, hat seine Partei verlassen. Ich sage
Ihnen: Wenn die Anständigen gehen, sagt das mehr als
jede Rede, die hier gehalten werden kann.
Der Präsident des Zentralrats der Juden nennt die
Beteuerung der Linken Lippenbekenntnisse. Der
Botschafter Israels warnt vor einer „Existenzgefahr“ für die Juden
dieser Stadt. Das sagt nicht die CDU, das sagen die, um
die es geht: Deutsche. Deutsche, die Juden sind, die
Angst haben vor Ihnen.
Deshalb wende ich mich an Sie, liebe Kolleginnen und
Kollegen von der SPD. Wir regieren dieses Land
gemeinsam. Ihre Partei hat in Berlin mit den Linken ein
Vorgespräch geführt über den Kampf gegen Antisemitismus
und den Schutz jüdischen Lebens. Die dritte Runde fand
am 7. Oktober statt, am Jahrestag des Massakers. Ich
frage Sie ernsthaft – an beide Adressen gerichtet, Grüne
wie Rote –: Wer beim Partner erst prüfen muss, ob er ein
Problem mit Judenhass hat, hat der nicht längst die
Antwort?
(Beifall bei der CDU/CSU – Dr. Ottilie Klein
[CDU/CSU]: So ist es!)
Ein Papier ist schnell unterschrieben. Was danach
kommt, sieht man in Neukölln oder jetzt auch an der
Meldung zu Herrn Koçak: dass es keinen Bedarf gibt –
ich zitiere – „für weitere Konsequenzen“.
Ihre Partei, liebe Kolleginnen und Kollegen der SPD,
hat Otto Wels hervorgebracht. Am 23. März 1933 stand er
im Reichstag gegen das Ermächtigungsgesetz auf und
sagte: „Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die
Ehre nicht.“ Diese, Ihre Ehre wird in Berlin gerade
verhandelt; sie ist zu wertvoll für ein paar Senatorenposten.
(Beifall bei der CDU/CSU – Tim Klüssendorf
[SPD], auf die AfD-Fraktion zeigend: Nein!
Nein! Die verhandeln wir gegen die da!)
Der Zentralrat und die jüdische Gemeinde haben Sie
gebeten, dieser Partei nicht ins Rote Rathaus zu
verhelfen. Noch ist keine Koalition geschlossen. Sie können
noch Nein sagen. Sagen Sie es! Und das gilt genauso
auch für Sie, liebe Grüne.
Angela Merkel hat 2008 vor der Knesset gesagt: „[…],
die Sicherheit Israels ist für mich als deutsche
Bundeskanzlerin niemals verhandelbar.“ Wir als Union sagen:
Dasselbe gilt für die Sicherheit aller Juden und Jüdinnen
in Deutschland.
Wir als Union verhandeln nicht darüber, ob jüdische
Kinder in Berlin ohne Angst zur Schule gehen können. Wir
verhandeln nicht darüber, ob in Berlin mit Kippa über die
Straße gegangen werden kann. Und wir verhandeln auch
nicht darüber, wie viel Judenhass in einer Koalition passt
und was passiert, wenn es dann doch mal etwas mehr
Hass ist als erlaubt.
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