Rede von Jens Ackermann (FDP) – Drucksachen 16/3343, 16/6798
Teil von Protokoll der 133. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 14: Drucksachen 16/3343, 16/6798 –.
Text
Rede von Jens Ackermann (FDP) – Drucksachen 16/3343, 16/6798
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine werten
Kolleginnen und Kollegen! Zeit ist relativ – das wusste schon
Albert Einstein. Fünf Minuten Redezeit sind relativ
wenig, um Ihnen zu erläutern, warum es notwendig ist, das
Rettungsassistentengesetz zu novellieren. In einem
Notfall sind fünf Minuten eine Ewigkeit. Stellen Sie sich
vor, Sie müssten bei einem Herzinfarkt oder bei einem
Verkehrsunfall Erste Hilfe leisten. Jeder von uns ist froh,
wenn die Profis vom Rettungsdienst vor Ort sind. Diese
Profis, diese Rettungssanitäter und Rettungsassistenten,
sind sehr gut ausgebildet. Sie sind geschult in Diagnose
und Therapie, und ihnen steht eine Ausrüstung zur
Verfügung, die sich europaweit sehen lassen kann; jeder, der
schon einmal in einen Rettungswagen geschaut hat, weiß
das.
Das Dilemma besteht darin, dass die
Rettungsassistenten im Notfall ihr staatlich geprüftes Wissen undKönnen nicht komplett anwenden dürfen. Um Leben zu
retten, berufen sie sich auf eine Notkompetenz. Sie
handeln im Interesse der Patienten, ohne rechtlich
abgesichert zu sein. In einer physisch und psychisch
belastenden Situation die Handelnden dadurch zusätzlichem
Stress auszusetzen, ist unhaltbar.
Die Kompetenzen müssen klar geregelt werden.
Die FDP bekennt sich zum Notarztsystem; Notärzte
sind ein unverzichtbarer Teil des Systems. Die
Nichtbesetzung von Notarztstandorten bzw. die Aushöhlung der
Krankenhauslandschaft – Kollege Faust hat darauf
hingewiesen – sehen wir zunehmend als Problem. In
Zukunft wird es noch länger dauern, bis ein Arzt am
Unfallort eintrifft. Die Notärzte sind im Interesse einer
bestmöglichen Versorgung der Patienten bereit,
Kompetenzen an die Rettungsassistenten abzugeben. Eine
Anhörung im Gesundheitsausschuss hat dies bestätigt, und
in der Praxis funktioniert es auch so. Machen wir doch
aus der Not eine Tugend! Durch eine Zentralisierung der
Notarztstandorte kann, wenn gleichzeitig das geschulte
und unter regelmäßiger ärztlicher Kontrolle stehende
Rettungsfachpersonal geregelte Kompetenzen
übernimmt, die präklinische Notfallversorgung optimiert und
Geld eingespart werden.
Die frei werdenden finanziellen Ressourcen können
zur Finanzierung einer dreijährigen Ausbildung
eingesetzt werden. Eine klassische dreijährige
Berufsausbildung stellt eine Vergleichbarkeit mit anderen
Medizinalfachberufen her. Hier können Synergien in der
Ausbildung zu einer Kostenreduktion führen. Außerdem
erhalten Rettungsassistenten so die Möglichkeit, ihren
Berufsweg individuell zu gestalten. Der Beruf ist
nämlich so anstrengend, dass er selten bis zur Rente ausgeübt
wird. Schon in der Ausbildung muss daher der
Grundstein dafür gelegt werden, dass später in andere Berufe
gewechselt werden kann.
Ein Pilotprojekt in Nordrhein-Westfalen beweist, dass
das machbar ist: Die Malteser bilden seit einigen Jahren
dreijährig aus und haben gute Erfahrungen gesammelt.
Wir haben unseren Antrag an den Vorschlägen der
Ständigen Konferenz für den Rettungsdienst orientiert, in der
alle Akteure des Rettungswesens vertreten sind. Die
Ständige Konferenz hat uns eine gute Vorlage gegeben.
Was liegt näher, als die Praktiker vor Ort anzuhören? Ich
fordere die Bundesregierung auf: Schieben Sie die
Novellierung des Rettungsassistentengesetzes nicht auf die
lange Bank!
Es geht um eine bessere Versorgung von Menschen in
Not.
Im ersten Halbjahr 2008 soll eine
Expertenkommission eingesetzt werden, die im zweiten Halbjahr 2008
Vorschläge unterbreitet. Leider, so teilte mir
Staatssekretär Schwanitz mit, ist es nicht vorgesehen, dass auch Par-
Jens Ackermannlamentarier dieser Expertengruppe angehören. Ich
bedaure das sehr; denn letztendlich müssen wir im Plenum
einer Novellierung des Rettungsassistentengesetzes
zustimmen. Ich bitte Sie, Herr Staatssekretär: Beteiligen
Sie auch die Parlamentarier, um zu einem guten
Rettungsassistentengesetz zu kommen!
(Beifall bei der FDP – Annette Widmann-
Mauz [CDU/CSU]: Das wird er tun; da bin ich
ganz sicher!)