Rede von Renate Künast (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Gruß, Sibylle Laurischk, Ina Lenke, weiterer
Teil von Protokoll der 166. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 4 a bis 4 c: Gruß, Sibylle Laurischk, Ina Lenke, weiterer.
Text
Rede von Renate Künast (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Gruß, Sibylle Laurischk, Ina Lenke, weiterer
Ich fange mit der zweiten Frage an. Es gibt in diesem
Zusammenhang keine falschen oder richtigen Eltern;
vielmehr sind es die Falschen, die das Betreuungsgeld
nutzen. Wie ist das zu begründen? Wir gehen davon aus,
dass durch Bildung die Armut bekämpft werden kann
und dass Bildung jedem Kind Chancen bietet, sich in
seinem Leben weiterzuentwickeln und seine Potenziale
zu entfalten.
Ich bin davon überzeugt, dass die Falschen das
Betreuungsgeld nutzen – das zeigt auch das Beispiel
Thüringen –, weil gerade Eltern aus bildungsfernen und
finanziell schwachen Schichten ihr Kind nicht im ersten,
zweiten oder dritten Lebensjahr in den Kindergartenbringen, sondern das Betreuungsgeld lieber sparen
wollen.
(Johannes Singhammer [CDU/CSU]: Glauben
Sie das wirklich?)
– Das glaube ich nicht nur, sondern das belegen auch die
Zahlen aus Thüringen. Ich kann sie Ihnen gerne
heraussuchen.
Es geht mir beim Betreuungsgeld nicht um die Frage,
was wir den Eltern zukommen lassen. Für mich geht es
vielmehr darum, dass die Kinder in diesem Land einen
Anspruch haben, sich entwickeln zu können. Diese
Entwicklung soll nicht daran scheitern, dass die Eltern an
der Stelle Geld sparen wollen. Jedes Kind soll sich
entwickeln können.
Die Hälfte der Kinder kommen aus
Migrantenfamilien; in manchen Stadtteilen Berlins zum Beispiel ist der
Anteil noch höher. Viele von ihnen können zum
Zeitpunkt ihrer Einschulung weder richtig Türkisch noch
Deutsch. Es wäre eine bildungspolitische Katastrophe,
wenn wir gerade diesen Eltern Geld dafür geben, dass
sie ihren Kindern faktisch keine Chance bieten. Dafür
sollten keine Steuergelder eingesetzt werden.
Jetzt komme ich zu Ihrer Kurzintervention, Herr
Thiele. Ihre Variante der negativen Einkommensteuer
würde nur Eltern betreffen, die auch Steuerzahler sind.
(Carl-Ludwig Thiele [FDP]: Das stimmt nicht!
Das dient der Förderung der Familie! Das habe
ich zitiert! Das haben Sie nicht verstanden!)
Den ärmeren Eltern würden Sie damit keine
Hilfestellung geben. Ich muss leider auch daran erinnern, dass die
FDP in der Vergangenheit die Erhöhung des
Kindergeldes und der Regelsätze für die ärmsten Kinder abgelehnt
hat.
In Ihrem Redebeitrag gab es durchaus gute Ansätze.
Es gibt auch hier und da Gemeinsamkeiten. Ich
wünschte mir aber, dass Sie auch den Mut haben,
festzustellen, dass das Ehegattensplitting abgeschmolzen
werden muss. Denn es ist falsch, zum Beispiel die
kinderlose Ehe weiter steuerlich zu privilegieren, statt das Geld
gezielt zugunsten jedes einzelnen Kindes einzusetzen.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der SPD – Johannes
Singhammer [CDU/CSU]: Diese alte
Kamelle! Das hat doch mit der Kinderförderung
nichts zu tun! – Carl-Ludwig Thiele [FDP]:
Ein bisschen mehr Sachverstand wäre von der
Fraktionsvorsitzenden der Grünen zu
erwarten!)
Relationen
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