Rede von Kai Gehring (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Gehring, Krista Sager, Priska Hinz (Herborn),
Teil von Protokoll der 193. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 8 a und 8 b: Gehring, Krista Sager, Priska Hinz (Herborn),.
Text
Rede von Kai Gehring (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Gehring, Krista Sager, Priska Hinz (Herborn),
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Sehr geehrte Damen und Herren! Wir sind in einer sehr
erfreulichen Situation, die endlich als Chance begriffen
und genutzt werden muss.
Erstens. Wir haben auf unabsehbare Zeit das letzte
Mal geburtenstarke Jahrgänge und aufgrund der
Schulzeitverkürzung in verschiedenen Bundesländern
zugleich doppelte Abiturjahrgänge zu verzeichnen.
Zweitens. Immer mehr Jugendliche erwerben das
Abitur oder die Fachhochschulreife. Das
Studierendenhoch scheint an Universitäten und Fachhochschulen
langsam einzusetzen. Im Jahre 2008 kamen 385 500
Studienanfänger an Deutschlands Hochschulen. Das freut
uns. Zu Jubel und großkoalitionärem Schulterklopfen
besteht aber kein Anlass.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN –
Cornelia Pieper [FDP]: Besonders nicht in
Berlin!)
Denn einerseits ist die Zahl der Abiturienten stärker
gestiegen als die Zahl der Studienanfänger; es ist also so,
dass immer noch viel zu viele Studienberechtigte auf ein
Studium verzichten.
(Cornelia Pieper [FDP]: Wo steht das
eigentlich?)
Andererseits müssen aus Anfängern erst einmal
Absolventen werden. Noch immer verlässt jeder fünfte
Studienanfänger die Hochschule ohne Abschluss.
Die Gründe für einen Studienabbruch sind vielfältig.
Zu nennen sind vor allem Finanzierungsengpässe
während des Studiums, mangelhafte Studienbedingungen,
eine unzureichende Lehrqualität und schlechte
Betreuung. Das muss sich ändern. Wir, die Grünen, wollen
einen Hochschulpakt. Wir wollen, dass Bund und Länder
einen echten Pakt für mehr Studierende, höhere Qualität
und eine soziale Öffnung der Hochschulen verabreden
und gemeinsam schmieden.
Ohne den eklatanten Studienplatzmangel und ohne
Zugangshürden zum Campus wie den flächendeckenden
Numerus clausus, die unsozialen und abschreckenden
Studiengebühren in vielen Bundesländern sowie das
bundesweite Zulassungswirrwarr gäbe es viel mehr
Studienanfänger, als heute von der Großen Koalition
gefeiert werden. Daran wird deutlich, dass der allseits
beklagte Akademikermangel größtenteils ein
hausgemachtes Problem ist. Er ist Folge einer verfehlten
Hochschulpolitik der Länder und der Großen Koalition. Die
Hürden müssen dringend gesenkt werden, damit eine
soziale Öffnung der Hochschulen gelingen kann. Es ist
nach wie vor skandalös, dass Arbeiterkinder und
Migrantenkinder auf dem Campus immer mehr zu Exoten
werden. Dieses Verschleudern von Chancen und
Potenzialen muss endlich aufhören.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der SPD – Priska
Hinz [Herborn] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN]: Aber die Bundesregierung interessiert
das nicht! Von ihr ist niemand da!)
– Ja, die Regierungsbank ist erstaunlich leer.
Ich freue mich dennoch über alle, die gekommen sind.
Relationen
- part_of → Protokoll der 193. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages
- spoke_in ← Kai Gehring (Rede)