Rede von Jürgen Herrmann (CDU/CSU) – Gehring, Krista Sager, Priska Hinz (Herborn),
Teil von Protokoll der 193. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 8 a und 8 b: Gehring, Krista Sager, Priska Hinz (Herborn),.
Text
Rede von Jürgen Herrmann (CDU/CSU) – Gehring, Krista Sager, Priska Hinz (Herborn),
Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und
Herren! Endlich, nachdem wir viel darüber diskutiert
und uns ausgetauscht haben, liegt der Abschlussbericht
über den Untersuchungsausschuss hinsichtlich der
möglichen Misshandlungen von Herrn Kurnaz vor. Wir
erhalten darin einen umfassenden Überblick über circa ein
Jahr Einsatzgeschehen in Afghanistan im Raum
Kandahar. Der zeitliche Aufwand, dem wir uns als
Parlamentarier unterzogen haben, war sicherlich enorm. Wir haben
sehr viele Stunden damit verbracht, die Wahrheit ans
Licht zu bringen. Ich werde hier einige Argumente
bringen können, die ganz deutlich aufzeigen, dass es
keinerlei Misshandlungen von Murat Kurnaz gegeben hat.
Der circa 250-seitige Abschlussbericht wird hier
öffentlich gemacht. Er steht der Öffentlichkeit zur
Verfügung, und das ist auch gut so. Es gibt zwar einige
Einschränkungen – wir durften nicht alles sagen –, weil der
Ausschuss sehr oft geheim getagt hat, aber die Gründe
dafür sind eben schon genannt worden. Was mich in
diesem Zusammenhang besonders verwundert hat, war,
dass wir so vernünftig miteinander diskutiert haben. Es
gab sicherlich die eine oder andere Situation, in der die
Opposition gebremst werden musste, wenn sie über den
eigentlichen Untersuchungsauftrag hinausging. Aber
man darf doch feststellen, dass wir weitestgehend sehr
gut zusammengearbeitet haben. Ich glaube, das war der
Sache sehr dienlich.
Wir hatten mehr oder minder zwei
Untersuchungsaufträge, und zwar einmal die mögliche Misshandlung von
Herrn Kurnaz durch Soldaten des KSK, zum anderen
aber auch den Ablauf des Einsatzes der KSK in
Kandahar. Wir haben in diesem Zusammenhang – auch das ist
dargestellt worden – sehr wichtige Erkenntnisse
gesammelt, die allerdings auch nicht der Öffentlichkeit
bekanntgegeben werden, da sie geheim sind.
Mein Schwerpunkt heute soll die Behauptung von
Herrn Kurnaz sein, dass er in Kandahar durch KSK-
Soldaten misshandelt worden ist. Wir bewerten dies
politisch, nicht aus Sicht der Staatsanwaltschaft. Wir haben
uns zum Ziel gesetzt, restlos aufzuklären, ob Herr
Kurnaź misshandelt wurde, ja oder nein. Mein
persönlicher Eindruck – ich denke, das spiegelt auch Ihre
Eindrücke wider – ist: Wer Herrn Kurnaz bei uns im
Ausschuss gesehen hat, hat festgestellt, dass er ein
gebrochener Mann ist. Ihm ist in Guantánamo sicherlich
Schreckliches widerfahren; das möchte ich nicht
verschweigen. Das konnte er auch glaubhaft vermitteln.
Aber mich interessiert natürlich, warum er damals im
Stern nur beiläufig über die Misshandlung berichtete,
dass nämlich KSK-Soldaten ihn dort verprügelt hätten.
Er ist sich im Übrigen auch nicht hundertprozentig
sicher, die auf Bildkarten abgebildeten Soldaten
wiederzuerkennen. Wir als Regierungskoalition haben – das hat
auch Kollege Arnold gesagt – diesen
Untersuchungsausschuss beantragt und durchgesetzt. Die
Ergänzungsanträge der Opposition haben sicherlich dazu beigetragen,
dass der Untersuchungsauftrag erweitert worden ist.
Es ist aber auch festzustellen – schließlich wurde
Kritik an der Bundesregierung geäußert –: Bereits bevor wir
den Untersuchungsausschuss eingesetzt haben, hat die
Bundeswehr interne Ermittlungsverfahren eingeleitet,
um diesen Sachverhalt aufzuklären. Das hat im Übrigen
auch die Staatsanwaltschaft in Tübingen getan. Es ist für
mich schon verwunderlich – da spreche ich die
Oppositionsfraktionen einmal direkt an, Frau Hoff, Herrn
Nachtwei und auch Herrn Schäfer –: Es kann doch nicht
wahr sein, dass Sie – wenn Sie über rechtsstaatliche
Dinge sprechen – hier an dieser Stelle behaupten, es
gebe keinerlei Hinweise darauf, dass man absolut davon
ausgehen muss, dass Herr Kurnaz durch deutsche
Soldaten nicht misshandelt worden ist.(Elke Hoff [FDP]: Das haben wir nicht gesagt!
Bitte!)
– Frau Hoff, Sie haben doch eben – –
(Elke Hoff [FDP]: Ich habe gesagt, dass es
nicht zweifelsfrei erwiesen ist!)
– Ja. Aber in unserem Rechtswesen gibt es immer noch
die Unschuldsvermutung, und die muss auch in diesem
Fall für die Soldaten gelten, die vor Ort waren. Daran
darf man auch nicht rütteln.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD – Elke
Hoff [FDP]: Sie müssen zuhören, was wir
sagen, und nicht so einen Quatsch erzählen!
Mein Gott!)
Das gilt insbesondere, wenn man behauptet – das ist von
Ihnen, von der Opposition, oftmals vorgetragen worden –,
dass Soldaten sich nur deshalb so geäußert haben, weil
sie Schutzbehauptungen aufstellen wollten. Man hat
gesagt: Was sollten sie denn anderes machen, wenn sie dort
vor Ort sind? Auch nach der Befragung durch den
Untersuchungsausschuss mussten sie Angst vor Repressalien
haben. – Das kann so nicht stehen gelassen werden. Ich
glaube, es gibt genug Dinge, die man hier anführen
kann.
Es ist wichtig, noch einmal festzustellen, dass in
diesem Bereich ganz differenziert dargestellt worden ist,
dass es Probleme im Einsatzland gegeben hat – es ist
eben angesprochen worden –: möglicherweise
Alkoholprobleme, bei denen man gegensteuern musste;
letztendlich Führungsqualitäten der Vorgesetzten. Aber es wurde
auch deutlich gesagt, wie kritisch man mit den US-
Soldaten umgegangen ist, wenn es dort zu Verletzungen
gekommen ist, zum Beispiel beim Hochreißen von
Gefangenen. Man hat auch deutlich dargestellt, dass man dort
völlig unterschiedliche Aufgaben wahrzunehmen hatte.
Bewachung war nicht mit dem gleichzusetzen, was US-
Soldaten dort gemacht haben. Man ist in diesem
Compound lediglich Streife gegangen. Das hat dazu
beigetragen, dass es zu keinerlei Kontakt kommen konnte.
Es ist sicherlich wichtig, dass man im Zusammenhang
damit noch einmal erwähnt, dass die ausgeschiedenen
Soldaten, die wir ebenfalls vernehmen konnten, in keiner
Weise irgendwelche Anschuldigungen unterstrichen
haben. Sie hätten gar keinen Grund mehr, zu lügen; sie
wären keinen Repressalien ausgesetzt. Das muss man an
dieser Stelle sagen. Auch einer der Mitgefangenen von
Herrn Kurnaz, Ruhal Ahmed, kann die Vorfälle nicht
bestätigen. Er war mit ihm nachher lange Zeit in
Guantánamo zusammen. Niemals ist ihm gegenüber
darüber berichtet worden, dass es zu diesen
Misshandlungen gekommen ist. Das sollte uns nachdenklich machen.
Daher komme auch ich ganz eindeutig zu dem
Ergebnis – die Ausschussmehrheit hat das so bestätigt; das war
auch nicht anders zu erwarten –, dass Herr Kurnaz nicht
misshandelt worden ist. Ich sage Ihnen ganz deutlich: Er
ist nicht misshandelt worden. Die Einstellung des
Strafverfahrens durch die Staatsanwaltschaft bestätigt dies
ganz eindeutig.
Bei Würdigung aller Umstände darf ich an dieser
Stelle noch einmal sagen, dass das KSK dort vor Ort
hervorragende Arbeit geleistet hat. Dieser Dank gilt also
insbesondere denjenigen, die in diesem Land über ein
Jahr verbracht haben, um unsere Interessen dort
wahrzunehmen.
Herzlichen Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD)