Rede von Markus Kurth (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Drucksachen 16/10264, 16/11105
Teil von Protokoll der 193. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 26: Drucksachen 16/10264, 16/11105 –.
Text
Rede von Markus Kurth (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Drucksachen 16/10264, 16/11105
Mobil sein ist in der heutigen Zeit besonders wichtig.
Mobilität ermöglicht uns Teilhabe am gesellschaftlichen
Leben. Die im Zweiten Buch Sozialgesetzbuch – SGB II –,
im SGB XII sowie im Asylbewerberleistungsgesetz
vorgesehenen Anteile für Mobilitätskosten sind viel zu niedrig.
Für 2,99 Euro im Monat kann man nicht verreisen, es sei
denn vielleicht per Anhalter. Und auch der Eckregelsatz
von 11,04 Euro pro Monat für Mobilität mit öffentlichen
Verkehrsmitteln reicht gerade mal alle 14 Tage für einen
Ausflug am Wochenende. Ein Einzelfahrschein im
innerstädtischen öffentlichen Nahverkehr kostet in den meisten
Regionen über 2,00 Euro. Der Preis einer Monatskarte
oder einer Fahrkarte im Fernverkehr liegt deutlich über
diesem Betrag. Wenn wir uns verpflichten, jedem
Menschen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu
ermöglichen, muss das vorrangige Ziel die Erhöhung des
ALG II sein.
Der Vorschlag, dass Anspruchsberechtigte eine
Bahncard 25 der Deutsche Bahn AG für einen Preis von
5,00 Euro erhalten sollen, ist aus meiner Sicht eine
Überlegung wert. Da sich die Bahncard 25 mit dem Sparpreis
25 und dem Sparpreis 50 kombinieren lässt, kann bei
rechtzeitiger Buchung und Zugbindung ein Rabatt von
62,5 Prozent auf den Normalpreis erzielt werden. Fahren
mehrere Personen mit einer Bahncard 25 zusammen,
sinkt der Einzelpreis durch den Mitfahrerrabatt noch
weiter. Dadurch werden auf vielen Strecken selbst die
vermeintlichen Preisbrecher wie das 29-Euro-Ticket der
Deutschen Bahn unterboten.
Auf kommunaler Ebene gibt es bereits erste
Erfahrungen mit Sozialtickets, mit denen man den lokalen oder
regionalen öffentlichen Nahverkehr kostengünstig nutzen
kann, beispielsweise in Berlin oder Dortmund. Das
begrüße ich ausdrücklich. Solche lokalen Errungenschaften
eins zu eins auf die Bundesebene zu übertragen, halte ich
allerdings für problematisch.
Meiner Meinung nach sollte man sich auch nicht nur
auf das eine Unternehmen Deutsche Bahn AG fixieren. Es
gibt bereits heute andere Fernverkehrsanbieter auf der
Schiene, und es gibt andere Möglichkeiten, in
Deutschland zu reisen. Hier sehe ich eine weitere Schwierigkeit
mit dem Vorschlag der Linken. Es stellt sich die Frage:
Sollen beispielsweise auch Fernlinienbusse verpflichtet
werden, Sozialtickets anzubieten? Wie sieht es mit den
anderen Bahnen aus, die im Fernverkehr fahren? Sollen
diese ebenfalls verpflichtet werden, Sozialtickets
einzuführen? Eine umfassende gesetzliche Regelung für
Sozialtickets müsste alle Fernverkehrsanbieter umfassen.
Mir erscheint der Antrag der Linken noch
unausgegoren. Dem Grundgedanken, dass die Politik sich dafür
stark machen soll und kann, dass öffentliche
Dienstleistungen auch wirklich von allen Menschen in Anspruch
genommen werden können, ist zwar zuzustimmen, doch
dieser Antrag ist noch nicht ausgereift. Daher wird sichZu Protokoll gegebene Reden
die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen der Stimme
enthalten und bald eigene Vorschläge vorlegen.
Relationen
- part_of → Protokoll der 193. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages
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