Deutschlandticket weiterentwickeln und langfristig sichern
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Deutschlandticket weiterentwickeln und langfristig sichern
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1543
21. Wahlperiode 09.09.2025
Antrag
der Abgeordneten Victoria Broßart, Tarek Al-Wazir, Matthias Gastel,
Swantje Henrike Michaelsen, Dr. Julia Verlinden, Dr. Paula Piechotta,
Misbah Khan, Nyke Slawik, Stefan Schmidt, Dr. Armin Grau und der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Deutschlandticket weiterentwickeln und langfristig sichern
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Die Einführung des Deutschlandtickets war ein Durchbruch für eine einfache,
bezahlbare und klimafreundliche Mobilität. Millionen Menschen haben davon profitiert –
darunter viele Menschen mit geringem Einkommen. Der Umstieg auf die öffentlichen
Verkehrsmittel mit dem Deutschlandticket entlastet nicht nur direkt spürbar die
Geldbeutel der Bürgerinnen und Bürger, sondern hat auch einen positiven Effekt auf das
Klima. Studien zeigen bereits wirksame Verkehrsverlagerungen durch das
Deutschlandticket. So wären bis zu 16 Prozent der Fahrten mit dem Deutschlandticket
eigentlich mit dem Auto realisiert worden. Insgesamt konnten so bereits zwischen 4,2 bis 6,5
Millionen Tonnen CO2 eingespart werden (https://ariadneprojekt.de/publikation/re-
port-faktencheck-deutschlandticket-eine-bestandsaufnahme-der-empirischen-
evidenz/#_Dies ist ein wichtiger Beitrag für das Erreichen der gesetzten Klimaziele im
Verkehrssektor.
Gleichzeitig wird jedes Jahr darüber debattiert, ob es das Deutschlandticket im
Folgejahr noch gibt – weil die Aufteilung der Kosten zwischen Bund und Ländern weiterhin
nicht geklärt und die Finanzierung nicht dauerhaft gesichert ist. Diese ständige
Unsicherheit verschreckt potenzielle Kundinnen und Kunden und Unternehmen, die das
Ticket als Jobticket anbieten möchten. Das Ziel von 15 Millionen Nutzerinnen und
Nutzern bis Ende 2024 wurde verfehlt, stattdessen sinken die Abo-Zahlen seit der
Preiserhöhung zu Jahresbeginn erstmals wieder.
Diese Entwicklung zeigt: Den Ankündigungen aus dem Koalitionsvertrag, das
Deutschlandticket endlich dauerhaft zu sichern, müssen endlich Taten folgen. Die
aktuelle Finanzierungspolitik gefährdet den Fortbestand dieses Erfolgsmodells. Statt
Debatten über den Erhalt des Angebots braucht es jetzt ein klares Bekenntnis: Das
Deutschlandticket muss dauerhaft erhalten bleiben und Bund und Länder müssen sich
endlich auf eine dauerhafte und tragfähige Finanzierungsarchitektur einigen.
Außerdem muss das Deutschlandticket weiterentwickelt werden. Der Rückgang der Abo-
Zahlen um 700.000 Kundinnen und Kunden zu Jahresbeginn zeigt, dass für einen Teil
der bisherigen Nutzerinnen und Nutzer die Preiserhöhung ein Kündigungsgrund war.
Gleichzeitig hat der Erfolg der Semesterticketoption des Deutschlandtickets gezeigt,
dass es die Möglichkeit gibt, attraktive Angebote zu machen, die mehr Abonnentinnen
und Abonnenten gewinnen können. Durch eine Rückkehr zum Preis von 49 Euro im
Monat für ein Jahresabo und ein vergünstigtes Deutschlandticket für Auszubildende
und Freiwilligendienstleistende können sich zusätzliche Kundinnen und Kunden
gewinnen lassen.
Um die Teilhabe von Menschen mit geringem Einkommen zu ermöglichen, sollten im
Vergleich zum regulären Preis Sozialtickets, wie es sie bereits in einigen
Bundesländern gibt, zukünftig deutschlandweit angeboten werden. Da damit Menschen
gewonnen werden können, die sich in der Regel das reguläre Angebot nicht leisten können,
würde ein solches Sozialticket keine relevanten Mehrkosten verursachen. Die Nutzung
des Deutschlandtickets für gemeinsame Fahrten von Familien sollte durch
Mitnahmeregelungen für Kinder vereinfacht werden.
Das Deutschlandticket bringt Bewegung – für die Gesellschaft, fürs Klima und für eine
moderne Verkehrspolitik. Damit es weiter vorangeht, braucht es jetzt politische
Verlässlichkeit statt Verzögerung. Bus und Bahn sind für alle da – sie müssen auch für
alle nutzbar bleiben.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf, gemeinsam mit den
Ländern
1. das Deutschlandticket endlich dauerhaft zu sichern (Ticketgarantie);
2. das Deutschlandticket im Jahresabo wieder zum ursprünglichen Preis von 49
Euro pro Monat anzubieten (Preisgarantie);
3. mit dem Deutschlandticket die Mitnahme von Kindern zu erlauben;
4. ein günstiges Deutschlandticket für Auszubildende und
Freiwilligendienstleistende zu ermöglichen;
5. eine bundesweite Lösung für ein Sozialticket zu ermöglichen;
6. die Einführung eines Ergänzungstickets für Fahrräder („Deutschlandticket Rad“)
für 30 Euro pro Monat anzustoßen, welches zum Deutschlandticket hinzugebucht
werden kann und dort, wo die Fahrradmitnahme bisher kostenpflichtig ist, die
Mitnahme eines Fahrrads im SPNV erlaubt;
7. gleichzeitig mit der Weiterentwicklung des Deutschlandtickets den Ausbau des
ÖPNV, besonders in ländlichen Räumen, entschlossen voranzubringen und die
finanziellen Mittel dafür bereitzustellen.
Berlin, den 9. September 2025
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Begründung
Zu 1.: Die immer wiederkehrende Debatte um das Fortbestehen des Deutschlandtickets führen zu Verunsicherung
bei vielen Nutzenden und insbesondere Unternehmen, die ein Jobticket anbieten wollen. Um diese Nutzer*innen
langfristig zu binden, die Verkaufszahlen zu erhöhen und Unternehmen die nötige Sicherheit zum Einführen von
Jobtickets zu geben, braucht es dringend eine langfristige Ticketgarantie.
Zu 2.: Die vergünstigte Variante für Jahresabonnements soll einen zusätzlichen Anreiz zum Kauf des Tickets für
einen längeren Zeitraum geben. Dies würde das Ticket für viele wieder attraktiver machen und damit ließen sich
Kundinnen und Kunden zurückgewinnen. Außerdem entlastet es die Verkehrsunternehmen bei der Verwaltung
der Abonnements. Denn schon heute buchen viele Kund*innen das Ticket nur für ein oder zwei Monate und
kündigen dann das Abo wieder. Der dadurch entstehende Aufwand für die Anbieter ist immens und kann so
reduziert werden.
Zu 3.: Gerade für Familien entscheidet sich am Preis, welches Verkehrsmittel genutzt wird. Um Familien zu
entlasten und es ihnen zu erleichtern, gemeinsam den ÖPNV zu nutzen, sollte die Mitnahme von Kindern im
Deutschlandticket inklusive sein. Die Mitnahmeregelung bedeutet für Familien eine erhebliche Vereinfachung
bei gemeinsamen Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln, da die aufwändige Suche und Buchung weiterer
Tickets entfällt. Die Ausgleichskosten für die Mitnahme von Kindern und Jugendlichen bei Fahrten mit dem
Deutschlandticket liegen im mittleren zweistelligen Millionenbereich.
Zu 4.: Es gibt keine logische Begründung für die Benachteiligung von Auszubildenden gegenüber Studierenden.
Beide Gruppen weisen eine hohe Armutsgefährdungsquote auf. Diese liegt laut EU-SILC 2023 bei Studierenden
bei 35 Prozent und bei Auszubildenden bei 18 Prozent (die Hälfte der Studierenden mit eigener Haushaltsführung
hat weniger als 867 Euro im Monat zur Verfügung, Statistisches Bundesamt). Studierende können bereits heute
ein vergünstigtes Ticket kaufen, für Auszubildende sollte dies bundesweit im gleichen Maß angeboten werden.
Auch wer Freiwilligendienst leistet, soll die Möglichkeit haben, ein vergünstigtes Ticket zu erhalten.
Zu 5.: Es sind in den Ländern, Städten und Kreisen sehr unterschiedliche Sozialtickets entstanden. Dies zeigt
einerseits den Bedarf für Sozialtickets, andererseits gibt es keine Lösung für alle, die ein solches Ticket nutzen
könnten. Es gibt zwar für Sozialhilfeempfängerinnen und -empfänger die Möglichkeit, einen Zuschuss zum
Deutschlandticket zu beantragen, dieser wird jedoch nur bei einem unabweisbaren Mehrbedarf genehmigt. Aber
jede dritte Familie mit zwei Erwachsenen und drei Kindern war laut einer Studie des Statistisches Bundesamtes
im Jahr 2019 armutsgefährdet (Armutsgefährdungsquoten von Familien | Die soziale Situation in Deutschland |
bpb.de). Der öffentliche Personennahverkehr ist laut Regionalisierungsgesetz Teil der Daseinsvorsorge. Es sollte
somit gerade den ärmsten Menschen in unserer Gesellschaft eine Teilhabe ermöglicht werden.
Zu 6.: Die Kombination aus Fahrrad und Bahn ist sowohl zum Pendeln als auch in der Freizeit eine
kostengünstige, gesunde und klimafreundliche Art der Mobilität. Einige Bundesländer haben dies erkannt und bieten
landesweit oder in ihren Verkehrsverbünden bereits eine kostenlose Fahrradmitnahme an. Doch in der Mehrzahl der
Länder besteht kein solches Angebot. Priorität muss sein, das Fahrradparken und Fahrradverleihsysteme an
Bahnstationen auszubauen, aber darüber hinaus braucht es bundesweit die Möglichkeit das eigene Rad auch im
SPNV mitnehmen zu können.
Zu 7.: Der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs muss insbesondere in ländlichen Regionen stark
vorangetrieben werden. Nur das Zusammenspiel aus günstigen Preisen und einem guten Angebot macht den
Umstieg vom Auto auf den Bus oder Zug attraktiv. Ein ambitionierter Ausbau hätte zur Folge, dass das
Deutschlandticket attraktiver für Menschen in ländlichen Regionen wird, was die Nutzer*innenzahl weiter erhöht.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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