Rede von Christoph Pries (SPD) – Berichts des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz
Teil von Protokoll der 222. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 27 a und 27 b: Berichts des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz.
Text
Rede von Christoph Pries (SPD) – Berichts des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz
Wir diskutieren heute über den Antrag von Bündnis 90/
Die Grünen „Die Bedrohung der Meeresumwelt durch
Unterwasserlärm stoppen“. In dem Antrag wird die
Bundesregierung aufgefordert, sich national und
international für die Bekämpfung der anthropogenen Verlärmung
der Meere einzusetzen. Das Problem ist seit langem
bekannt und fraktionsübergreifend grundsätzlich wenig
umstritten. Dies wurde auch in der Debatte zum Walschutz
am 10. Mai 2007 deutlich. Damals haben wir uns
einstimmig für einen verbesserten Schutz der Wale
ausgesprochen.
Unter anderem enthält der damals angenommene
Antrag „Schutz der Wale sicherstellen“ die Forderung an
die Bundesregierung, sich für „konkrete Maßnahmen
zum verbesserten Schutz aller Walarten vor negativen
anthropogenen Einflüssen, wie zum Beispiel
Verschmutzung, Beifang oder Lärm“ einzusetzen. Wir unterstützen
diese Forderung, sehen aber auch die Schwierigkeiten
bei der Umsetzung im Rahmen einer „Technischen
Anweisung (TA) Unterwasserlärm“ auf nationaler und im
Rahmen völkerrechtlich bindender Vereinbarungen auf
internationaler Ebene.
Die pauschalen und zum Teil bereits überholten
Forderungen in dem Antrag von Bündnis 90/Die Grünen
werden der komplexen Problematik nicht gerecht.
Darüber hinaus sind einige Forderungen bereits erfüllt
worden. Wir lehnen den Antrag daher ab.
Trotzdem möchte ich betonen, dass die zunehmende
Verlärmung der Meere auch für die SPD-
Bundestagsfraktion ein wichtiges Thema ist. Wir begrüßen deshalb die
Forschungsförderung des Bundesumweltministeriums
zum Thema Unterwasserlärm. Die Bundesregierung
trägt damit dazu bei, die dringend notwendigen
wissenschaftlichen Grundlagen für fundierte Standards zu
legen. Darüber hinaus begrüßen wir den Einsatz des BMU
und des Bundesamtes für Naturschutz, um in konkreten
Fällen die Lärmbelastungen für die heimischen Wale zu
minimieren, so zum Beispiel beim G-8-Gipfel in
Heiligendamm – Vermeidung von Sonareinsatz durch
amerikanische Kriegsschiffe – oder bei der Minenräumung vor der
Ostseeküste. Besonders erfreulich ist auch, dass es gelungen ist, auf
der 9. Vertragsstaatenkonferenz der Konvention zum
Schutz wandernder Tierarten (CMS) Anfang Dezember
2008 eine Resolution zum Thema Unterwasserlärm zu
verabschieden. Darüber hinaus werden im Rahmen des
Abkommens zum Schutz der Kleinwale in Nord- und
Ostsee, ASCOBANS, derzeit Leitlinien zur Minderung von
Unterwasserlärm entwickelt, die auf der nächsten
Vertragsstaatenkonferenz im Jahr 2010 vorgestellt werden
sollen.
Die SPD-Bundestagsfraktion hofft, dass auf der
Grundlage der aktuellen wissenschaftlichen Forschung und der
Diskussionen im Rahmen von CMS und ASCOBANS
baldmöglichst konkrete Verbesserungen hinsichtlich der
Lärmbelastung von Walen und insbesondere des
heimischen Schweinswales erreicht werden können. Wir
unterstützen das BMU bei den diesbezüglichen Anstrengungen
auf nationaler und internationaler Ebene.